So managt Landwirtin Tabea Wengenroth den Alltag zwischen Wickeltisch und Büroarbeit Stefanie Dullweber Hille. Neben Aktenordnern liegt eine Packung Windeln. „Das sieht mein Vater nicht gerne“, sagt Tabea Wengenroth, die gerade Büroarbeit erledigt. Ihr wenige Tage alter Sohn liegt im Kinderwagen und schläft. Die junge Landwirtin ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden. Deshalb funktioniert sie den Schreibtisch zwischenzeitlich zum Wickeltisch um. Die Arbeit im Stall ist nach dem Kaiserschnitt noch zu anstrengend für Tabea Wengenroth. Einfach nur rumsitzen sei aber nicht ihr Ding, sagt sie. Deshalb hat sie die ungeliebte Büroarbeit übernommen. „Das macht keiner von uns gerne“, sagt sie. Alles müssten sie dokumentieren. Das schreibt die Landwirtschaftskammer vor. Von der Fütterung, über die beackerten Flächen bis hin zur Milchleistung einzelner Tiere. „Wer nicht sauber arbeitet, bekommt keine Prämie“, weiß Tabea Wengenroth. Gerade hat die 27-Jährige im Büro besonders viel zu tun. Zum 1. Juli wurde der Familienbetrieb umbenannt. „Wir haben eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und heißen jetzt Hof Schroen GbR“, sagt die Landwirtin und erklärt: „Schroen ist unser Hofname. Ansonsten hätten wir uns Hof Schwenker/Wengenroth nennen müssen.“ Sie selbst ist jetzt Geschäftsführerin, ihr Vater und sie sind aber nach wie vor gleichberechtigte Partner. „Im täglichen Ablauf ändert sich nichts.“ Die Umfirmierung habe gleich mehrere Vorteile. Zum einen würden sie von der Junglandwirte-Prämie profitieren. Sie wird ab dem Zeitpunkt der Betriebsgründung fünf Jahre gezahlt. Zum anderen würden sie und ihr Mann Helge den Hof sowieso eines Tages übernehmen. „Das ist quasi eine vorweggenommene Erbfolge.“ Andreas Schwenker findet den Schritt konsequent. „Manche Hofbesitzer können nicht loslassen. Ich finde es besser, die Dinge rechtzeitig zu regeln.“ Er selbst sei auch früh in die Verantwortung genommen worden. Jeder von ihnen habe nun einen Kernbereich, um den er sich kümmere: Helge den Ackerbau, Tabea die Kühe und er selbst die Biogasanlage. Eigentlich müssten sie nur noch jemanden einstellen, der den ganzen Tag den Bürokram erledigt, schüttelt Tabea Wengenroth den Kopf über so viel Bürokratie. Gerade ist sie dabei, die Betriebs- und Steuernummern der neuen GbR an alle relevanten Partner zu schicken. „Das betrifft jede Rechnung und jeden Lieferschein.“ Viel lieber als die Arbeit am Schreibtisch sei ihr die Arbeit mit den Tieren. „Da sehe ich am Ende des Tages, was ich geschafft habe.“ So lange die Junglandwirtin im Mutterschutz ist, arbeitet ein Betriebshelfer als Unterstützung mit auf dem Hof. Ihre Kühe überwacht Tabea Wengenroth momentan eher digital als persönlich im Stall. „Das ist mein Kuhprogramm“, sagt sie und zeigt auf den Computerbildschirm. Dort sind in einem Kreislauf alle Tiere farblich markiert – rot steht für Kalbung, türkis für zur Besamung vorgesehen, grün für tragend und lila sind die Kühe kurz vor der Geburt des nächsten Kalbes. „Alle Informationen, die das Tier betreffen, gebe ich hier ein.“ Mit einem Klick sieht die Landwirtin, wie viel Liter Milch das Tier am Tag gegeben hat und welche Menge Kraftfutter es abgeholt hat. Das Programm ist mit dem Melkstand verbunden. Ein Sorgenkind hat sie in dem digitalen Kuhstall ausfindig gemacht – es ist ein Tier, dass in ihrem Leben schon mehr als 100.000 Liter Milch gegeben hat. Die Urkunde für diese besondere Leistung hängt im Büro. „Die Kuh hat hintereinander drei Kälber verloren und die Milchleistung passt auch nicht mehr“, sagt die Besitzerin. Zwar hänge sie sehr an dem Tier, aber sie könne es leider nicht behalten. Während das Baby immer noch friedlich im Wagen schläft, heftet Tabea Wengenroth die Unterlagen einer Betriebskontrolle ab. Das Qualitätsmanagement Milch findet alle drei Jahre statt und stellt die Qualität, Sicherheit und das Tierwohl in den Kuhställen in den Fokus. „Mit dem vorläufigen Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, sagt Tabea Wengenroth und betont, dass sie diese Kontrollen als sehr sinnvoll erachtet. „Sonst macht doch jeder, was er will.“ Eine ähnliches Prüfverfahren gebe es auch für Fleisch. Außerdem, sagt sie und zeigt auf vier Din A4-Seiten, müssten etliche Termine, die die Landwirtschaftskammer vorgibt, eingehalten werden. Die wichtigste Frist laufe am 15. Mai ab. Bis dahin müssen die Landwirte alle von ihnen genutzten Flächen erfassen. „Keine Erfassung – keine Prämie.“ Jetzt macht sich der Nachwuchs bemerkbar und Tabea Wengenroth setzt ihn in die Bauchtrage, um einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Familienfreundlich sei ihr Beruf größtenteils schon, findet sie. Immerhin könnten sie ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen und sich die Arbeit auf dem Hof relativ frei einteilen. Dabei sind beispielsweise die Melkzeiten kaum variabel. Der große Vorteil auf ihrem Hof sei der Familienzusammenhalt. „Als Familie können wir viel bewegen, weil wir alle an einem Strang ziehen.“ Da sei sogar mal Urlaub oder ein freies Wochenende möglich.

So managt Landwirtin Tabea Wengenroth den Alltag zwischen Wickeltisch und Büroarbeit

Hille. Neben Aktenordnern liegt eine Packung Windeln. „Das sieht mein Vater nicht gerne“, sagt Tabea Wengenroth, die gerade Büroarbeit erledigt. Ihr wenige Tage alter Sohn liegt im Kinderwagen und schläft. Die junge Landwirtin ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden. Deshalb funktioniert sie den Schreibtisch zwischenzeitlich zum Wickeltisch um.

Rinder auf dem Hof der Familien Schwenker und Wengenroth in Neuenbaum. - © Reckordt Malina
Rinder auf dem Hof der Familien Schwenker und Wengenroth in Neuenbaum. - © Reckordt Malina

Die Arbeit im Stall ist nach dem Kaiserschnitt noch zu anstrengend für Tabea Wengenroth. Einfach nur rumsitzen sei aber nicht ihr Ding, sagt sie. Deshalb hat sie die ungeliebte Büroarbeit übernommen. „Das macht keiner von uns gerne“, sagt sie. Alles müssten sie dokumentieren. Das schreibt die Landwirtschaftskammer vor. Von der Fütterung, über die beackerten Flächen bis hin zur Milchleistung einzelner Tiere. „Wer nicht sauber arbeitet, bekommt keine Prämie“, weiß Tabea Wengenroth.

Tabea Wengenroth ist momentan nur auf Stippvisite im Stall. Weil sie noch im Mutterschutz ist, unterstützt derzeit ein Betriebshelfer die Familie bei der täglichen Arbeit auf dem Hof. MT- - © Foto: Alex Lehn
Tabea Wengenroth ist momentan nur auf Stippvisite im Stall. Weil sie noch im Mutterschutz ist, unterstützt derzeit ein Betriebshelfer die Familie bei der täglichen Arbeit auf dem Hof. MT- - © Foto: Alex Lehn

Gerade hat die 27-Jährige im Büro besonders viel zu tun. Zum 1. Juli wurde der Familienbetrieb umbenannt. „Wir haben eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet und heißen jetzt Hof Schroen GbR“, sagt die Landwirtin und erklärt: „Schroen ist unser Hofname. Ansonsten hätten wir uns Hof Schwenker/Wengenroth nennen müssen.“ Sie selbst ist jetzt Geschäftsführerin, ihr Vater und sie sind aber nach wie vor gleichberechtigte Partner. „Im täglichen Ablauf ändert sich nichts.“

Die Umfirmierung habe gleich mehrere Vorteile. Zum einen würden sie von der Junglandwirte-Prämie profitieren. Sie wird ab dem Zeitpunkt der Betriebsgründung fünf Jahre gezahlt. Zum anderen würden sie und ihr Mann Helge den Hof sowieso eines Tages übernehmen. „Das ist quasi eine vorweggenommene Erbfolge.“ Andreas Schwenker findet den Schritt konsequent. „Manche Hofbesitzer können nicht loslassen. Ich finde es besser, die Dinge rechtzeitig zu regeln.“ Er selbst sei auch früh in die Verantwortung genommen worden. Jeder von ihnen habe nun einen Kernbereich, um den er sich kümmere: Helge den Ackerbau, Tabea die Kühe und er selbst die Biogasanlage.

Eigentlich müssten sie nur noch jemanden einstellen, der den ganzen Tag den Bürokram erledigt, schüttelt Tabea Wengenroth den Kopf über so viel Bürokratie. Gerade ist sie dabei, die Betriebs- und Steuernummern der neuen GbR an alle relevanten Partner zu schicken. „Das betrifft jede Rechnung und jeden Lieferschein.“ Viel lieber als die Arbeit am Schreibtisch sei ihr die Arbeit mit den Tieren. „Da sehe ich am Ende des Tages, was ich geschafft habe.“ So lange die Junglandwirtin im Mutterschutz ist, arbeitet ein Betriebshelfer als Unterstützung mit auf dem Hof.

Ihre Kühe überwacht Tabea Wengenroth momentan eher digital als persönlich im Stall. „Das ist mein Kuhprogramm“, sagt sie und zeigt auf den Computerbildschirm. Dort sind in einem Kreislauf alle Tiere farblich markiert – rot steht für Kalbung, türkis für zur Besamung vorgesehen, grün für tragend und lila sind die Kühe kurz vor der Geburt des nächsten Kalbes. „Alle Informationen, die das Tier betreffen, gebe ich hier ein.“ Mit einem Klick sieht die Landwirtin, wie viel Liter Milch das Tier am Tag gegeben hat und welche Menge Kraftfutter es abgeholt hat. Das Programm ist mit dem Melkstand verbunden.

Ein Sorgenkind hat sie in dem digitalen Kuhstall ausfindig gemacht – es ist ein Tier, dass in ihrem Leben schon mehr als 100.000 Liter Milch gegeben hat. Die Urkunde für diese besondere Leistung hängt im Büro. „Die Kuh hat hintereinander drei Kälber verloren und die Milchleistung passt auch nicht mehr“, sagt die Besitzerin. Zwar hänge sie sehr an dem Tier, aber sie könne es leider nicht behalten.

Während das Baby immer noch friedlich im Wagen schläft, heftet Tabea Wengenroth die Unterlagen einer Betriebskontrolle ab. Das Qualitätsmanagement Milch findet alle drei Jahre statt und stellt die Qualität, Sicherheit und das Tierwohl in den Kuhställen in den Fokus. „Mit dem vorläufigen Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, sagt Tabea Wengenroth und betont, dass sie diese Kontrollen als sehr sinnvoll erachtet. „Sonst macht doch jeder, was er will.“ Eine ähnliches Prüfverfahren gebe es auch für Fleisch. Außerdem, sagt sie und zeigt auf vier Din A4-Seiten, müssten etliche Termine, die die Landwirtschaftskammer vorgibt, eingehalten werden. Die wichtigste Frist laufe am 15. Mai ab. Bis dahin müssen die Landwirte alle von ihnen genutzten Flächen erfassen. „Keine Erfassung – keine Prämie.“

Jetzt macht sich der Nachwuchs bemerkbar und Tabea Wengenroth setzt ihn in die Bauchtrage, um einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Familienfreundlich sei ihr Beruf größtenteils schon, findet sie. Immerhin könnten sie ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen und sich die Arbeit auf dem Hof relativ frei einteilen. Dabei sind beispielsweise die Melkzeiten kaum variabel. Der große Vorteil auf ihrem Hof sei der Familienzusammenhalt. „Als Familie können wir viel bewegen, weil wir alle an einem Strang ziehen.“ Da sei sogar mal Urlaub oder ein freies Wochenende möglich.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille