Sind 450-Euro-Jobs die Lösung für Vereine? Carsten Korfesmeyer Hille-Hartum (mt). Was Jens Große vorschlägt, hat mit den traditionellen Vorstellungen von Vereinsarbeit nicht mehr viel zu tun. Der Präsident des Kreissportbundes hält es beispielsweise für überlegenswert, 450-Euro-Kräfte zu beschäftigen oder jungen Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr in den Vereinen anzubieten. Ämter sollten auch nicht mehr starr auf bestimmte Zeit besetzt sein, um für mehr Flexibilität zu sorgen. „Und man sollte sich auch mehr Impulse von außen holen“, sagt der 53-Jährige in seiner Festrede zum 125-Jährigen des TuS Hartum. Die Gäste im Gemeindesaal erleben eine etwas andere Jubiläumsfeier. Eine, die zu neuem Denken über die Mitarbeit in Vereinen anregt. Der Kreissportbundpräsident motiviert die Ehrenamtler dazu, offen über die Ist-Zustände zu reden. Wo stehen wir? Und wo wollen wir hin? Diese zentralen Fragen, die jeder Unternehmensberater stelle, gelten laut Große auch für Vereine. „Uns muss der Sprung von der analogen in die digitale Welt gelingen“, sagt er. Durch Netzwerke ließen sich beispielsweise Interessen oder Kompetenzen bündeln. Einzelne Mitglieder könnten Aufgaben übernehmen, für die sie fachlich geeignet sind. „Ich bin sicher, dass es da einige positive Rückmeldungen geben wird.“ In der anschließend von Ariane Rohlfing moderierten Podiumsdiskussion zeigt sich, dass die Philosophien über Ehrenämter auseinandergehen. Kurt Riechmann sieht in Vorstandsposten auch die Chance, eigene Vorstellungen umzusetzen. „Man kann sich einbringen und etwas bewegen“, sagt der Mann vom Gemeindesportbund. Allerdings sei entscheidend, vom Amt selbst überzeugt zu sein. Ähnliche Wort findet TuS-Hartum-Vorsitzender Dieter Kaiser. Er, der an diesem Abend 166 Tage im Amt ist, hält eine Grundmotivation für unverzichtbar. Der Gedanke, 450-Euro-Kräfte im Verein zu beschäftigen, ließe sich aber durchaus weiterverfolgen. Sicherlich würde das für grundlegende Diskussionen im Verein sorgen – und auch Sachsenroß-Chef Matthias Grannemann sieht ein Kernproblem: Warum bekommt jemand für etwas Geld, was bislang ohne Bezahlung lief? Dass es immer schwieriger werde, Vorstandsämter zu besetzen, sagt Grannemann allerdings auch. Deshalb werde er sich neuen Ideen auch sicher nicht verweigern. So sieht das auch Riechmann, allerdings: „Letztlich müssen wir offen und ehrlich diskutieren, ob uns sowas irgendwie voran bringt.“ Das Vereinsjubiläum mit der Ehrenamtsthematik zu verbinden, gibt der Veranstaltung einige Impulse. Die Debatte regt zum Nachdenken an – und so mancher Funktionär im Raum denkt jetzt möglicherweise darüber nach, eventuell neue Wege im Vereinsleben zu beschreiten. Das 125-Jährige des TuS Hartum geht in der Festveranstaltung aber keineswegs unter. Alle weiteren Redner gehen intensiv auf die Geschichte des aktuell 645 Mitglieder zählenden – und damit drittgrößten Hiller Vereins ein. „Der TuS hat sich in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer auf Höhe der Zeit gehalten“, sagt Hilles Fachbereichsleiter Gerhard Uphoff, der für die Verwaltung spricht. Als Hartumer freue er sich, dass der Verein jederzeit auch soziale Verantwortung übernimmt. „Er vermittelt Tugenden, die für eine Gesellschaft unverzichtbar sind.“ Ortsvorsteher Heinz Becker (SPD) nennt den TuS einen unverzichtbaren Teil des Dorflebens. „Ich war lange aktiver Handballer und weiß, wie wichtig Sport in der Gemeinschaft ist.“ Als Vorsitzender des Kreis-Handballbundes erinnert Reinhold Kölling daran, dass diese Sportart beim TuS Hartum seit 1926 im Programm ist. Und Christa Griwodz vom Turngau Minden nimmt die Ehrungen in der Jubiläumsveranstaltung vor. Vereine zu gründen, sei leicht, sagt stellvertretende Landrätin Kirstin Korte (CDU). „Sie mit Leben zu füllen, ist aber in der heutigen Zeit schwer“, erklärt sie an dem Abend, an dem der TuS Hartum sich modern präsentiert – und mit Optimismus in die Zukunft blickt.

Sind 450-Euro-Jobs die Lösung für Vereine?

Das Foto aus dem Jahr 1910 zeigt eine Abordnung des Turnvereins Hermann Arminius vor dem Vereinslokal „Zillmer“. In der Mitte am Tisch sitzt der damalige Vorsitzende Wilhelm Riechmann. © Foto: pr

Hille-Hartum (mt). Was Jens Große vorschlägt, hat mit den traditionellen Vorstellungen von Vereinsarbeit nicht mehr viel zu tun. Der Präsident des Kreissportbundes hält es beispielsweise für überlegenswert, 450-Euro-Kräfte zu beschäftigen oder jungen Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr in den Vereinen anzubieten. Ämter sollten auch nicht mehr starr auf bestimmte Zeit besetzt sein, um für mehr Flexibilität zu sorgen. „Und man sollte sich auch mehr Impulse von außen holen“, sagt der 53-Jährige in seiner Festrede zum 125-Jährigen des TuS Hartum.

Die Gäste im Gemeindesaal erleben eine etwas andere Jubiläumsfeier. Eine, die zu neuem Denken über die Mitarbeit in Vereinen anregt. Der Kreissportbundpräsident motiviert die Ehrenamtler dazu, offen über die Ist-Zustände zu reden. Wo stehen wir? Und wo wollen wir hin? Diese zentralen Fragen, die jeder Unternehmensberater stelle, gelten laut Große auch für Vereine. „Uns muss der Sprung von der analogen in die digitale Welt gelingen“, sagt er. Durch Netzwerke ließen sich beispielsweise Interessen oder Kompetenzen bündeln. Einzelne Mitglieder könnten Aufgaben übernehmen, für die sie fachlich geeignet sind. „Ich bin sicher, dass es da einige positive Rückmeldungen geben wird.“

Die Tanzmäuse des TuS Hartum hatten zwei Stücke einstudiert. Für ihren Auftritt erhielt die Gruppe donnernden Applaus. MT- - © Foto: Korfesmeyer
Die Tanzmäuse des TuS Hartum hatten zwei Stücke einstudiert. Für ihren Auftritt erhielt die Gruppe donnernden Applaus. MT- - © Foto: Korfesmeyer

In der anschließend von Ariane Rohlfing moderierten Podiumsdiskussion zeigt sich, dass die Philosophien über Ehrenämter auseinandergehen. Kurt Riechmann sieht in Vorstandsposten auch die Chance, eigene Vorstellungen umzusetzen. „Man kann sich einbringen und etwas bewegen“, sagt der Mann vom Gemeindesportbund. Allerdings sei entscheidend, vom Amt selbst überzeugt zu sein. Ähnliche Wort findet TuS-Hartum-Vorsitzender Dieter Kaiser. Er, der an diesem Abend 166 Tage im Amt ist, hält eine Grundmotivation für unverzichtbar. Der Gedanke, 450-Euro-Kräfte im Verein zu beschäftigen, ließe sich aber durchaus weiterverfolgen. Sicherlich würde das für grundlegende Diskussionen im Verein sorgen – und auch Sachsenroß-Chef Matthias Grannemann sieht ein Kernproblem: Warum bekommt jemand für etwas Geld, was bislang ohne Bezahlung lief?

Dass es immer schwieriger werde, Vorstandsämter zu besetzen, sagt Grannemann allerdings auch. Deshalb werde er sich neuen Ideen auch sicher nicht verweigern. So sieht das auch Riechmann, allerdings: „Letztlich müssen wir offen und ehrlich diskutieren, ob uns sowas irgendwie voran bringt.“

Das Vereinsjubiläum mit der Ehrenamtsthematik zu verbinden, gibt der Veranstaltung einige Impulse. Die Debatte regt zum Nachdenken an – und so mancher Funktionär im Raum denkt jetzt möglicherweise darüber nach, eventuell neue Wege im Vereinsleben zu beschreiten.

Das 125-Jährige des TuS Hartum geht in der Festveranstaltung aber keineswegs unter. Alle weiteren Redner gehen intensiv auf die Geschichte des aktuell 645 Mitglieder zählenden – und damit drittgrößten Hiller Vereins ein. „Der TuS hat sich in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer auf Höhe der Zeit gehalten“, sagt Hilles Fachbereichsleiter Gerhard Uphoff, der für die Verwaltung spricht. Als Hartumer freue er sich, dass der Verein jederzeit auch soziale Verantwortung übernimmt. „Er vermittelt Tugenden, die für eine Gesellschaft unverzichtbar sind.“ Ortsvorsteher Heinz Becker (SPD) nennt den TuS einen unverzichtbaren Teil des Dorflebens. „Ich war lange aktiver Handballer und weiß, wie wichtig Sport in der Gemeinschaft ist.“

Als Vorsitzender des Kreis-Handballbundes erinnert Reinhold Kölling daran, dass diese Sportart beim TuS Hartum seit 1926 im Programm ist. Und Christa Griwodz vom Turngau Minden nimmt die Ehrungen in der Jubiläumsveranstaltung vor.

Vereine zu gründen, sei leicht, sagt stellvertretende Landrätin Kirstin Korte (CDU). „Sie mit Leben zu füllen, ist aber in der heutigen Zeit schwer“, erklärt sie an dem Abend, an dem der TuS Hartum sich modern präsentiert – und mit Optimismus in die Zukunft blickt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille