Sein Weg zurück: Darum hat sich Ingo Hanig trotz Krebserkrankung und Jobverlust nicht unterkriegen lassen Carsten Korfesmeyer Hille-Unterlübbe. Ingo Hanig ist ein Mutmacher für alle, die ein ähnliches Schicksal teilen. Erst traf ihn die Diagnose Krebs und er musste rund ein Jahr gegen die schlimme Krankheit ankämpfen. „Als ich dann endlich wieder arbeiten konnte, ging auch noch mein Betrieb in die Insolvenz“, sagt der 56-Jährige im Gespräch mit dem MT. Ein weiterer harter Schlag für den begeisterten Motorradfahrer und erfolgreichen Sportschützen. Innerhalb kurzer Zeit stand er vor einer völlig veränderten Lebenssituation. Doch unterkriegen lassen wollte sich der Veltheimer auf gar keinen Fall. Er steckte sich schrittweise neue Ziele und inzwischen ist er wieder da. Ingo Hanig gilt als geheilt und einen neuen Arbeitsplatz hat der gelernte Werkzeugmechaniker seit etwas mehr als sechs Monaten auch: bei der Firma Ehlenbröker im Unterlübber Gewerbegebiet. Dort wird er menschlich und fachlich geschätzt. „Herr Hanig unterstützt außerdem die Ausbildung unserer Nachwuchskräfte“, sagt Geschäftsführer Marcus Ehlenbröker. Ist also alles wieder in Ordnung? Ingo Hanig spricht sehr offen über die Zeit seiner Erkrankung und verschweigt im MT-Gespräch keineswegs, dass er mit manchen Dingen nach wie vor hadert. Die Folgen der Behandlung spüre er immer noch. Das schränke ihn ein und nach einem kompletten Arbeitstag fühle er sich relativ erschöpft. Für andere Dinge bleibt dann eigentlich keine Zeit mehr. „Sowas wie das Rasenmähen verschiebe ich dann lieber auf die Samstage.“ Bevor er beruflich wieder durchstartete hätten ihn auch Zweifel gepackt, ob er das alles bewältigen könne. Inzwischen kennt Ingo Hanig die Antwort. „Ja, das klappt“, sagt er. Und dass er täglich wieder im Umfeld mit den Kollegen zu tun hat, sei für ihn eine große Bereicherung. Ingo Hanig sagt, dass ihm seine Arbeit „so richtig viel Spaß“ macht. So reden viele, auch wenn der eigene Chef mit am Tisch sitzt. Doch in seinem Fall klingt dieser Satz glaubhaft. Der Portaner ist mit einer erkennbaren Leidenschaft im Unternehmen angekommen und sein Geschäftsführer lässt außerdem keinerlei Zweifel daran, dass er seinem Mitarbeiter ein ideales Arbeitsumfeld bieten will. Da könne man immer über das ein oder andere reden. Worte, die der Mitarbeiter gerne hört und entsprechend wertet. Druck verspüre er deshalb nicht, sagt Ingo Hanig und Marcus Ehlenbröker lässt seinerseits immer wieder durchblicken, dass man beim Pensum auf die jeweilige Belastungsgrenze Rücksicht nehmen werde.Ist es ein Glücksfall, dass sich Chef und Mitarbeiter gefunden haben? Der Geschäftsführer redet ebenfalls offen und erzählt, dass er sich nach Eingang der Bewerbungsunterlagen vorab schon ein wenig über Ingo Hanig informiert hat. „Das ist ja auch allgemein so üblich“, sagt er. Hinzu kam, dass einer seiner Mitarbeiter mit ihm bereits in einem anderen Betrieb beschäftigt war. Was er hörte, war durchweg positiv. Marcus Ehlenbröker kam schnell zu dem Ergebnis, dass es zum Vorstellungsgespräch kommen sollte. Dem schloss sich das obligatorische Probearbeiten an. Der Rest ist bekannt. Zuvor hatte der Werkzeugmechaniker einiges an Enttäuschungen erlebt und es zeigte sich, wie schwer der berufliche Wiedereinstieg nach einer schweren Erkrankung im relativ fortgeschrittenen Alter tatsächlich ist. „Ich habe 30 Bewerbungen geschrieben“, erzählt Ingo Hanig. Lediglich zwei Betriebe hätten darauf reagiert und die Firma Ehlenbröker war eine davon. Der Rest – immerhin 28 Unternehmen aus der Region – habe geschwiegen. Ist Ingo Hanig von einem solchen Verhalten der Unternehmer enttäuscht? Zumindest gegenüber dem MT zeigt er das nicht. Entscheidend beigetragen hat die Agentur für Arbeit, dass der Kontakt zwischen dem Werkzeugmechaniker und der Firma Ehlenbröker zum Erfolg führte. Alexander Deleski ist dort Mitarbeiter im Arbeitgeber-Service und betreut auch den 1995 gegründeten Betrieb in Unterlübbe. „Da Ingo Hanig durch seine Vorerkrankung leicht eingeschränkt ist, hatten wir die Möglichkeit, dem Arbeitgeber den sogenannten Eingliederungszuschuss zu finanzieren. Mit dieser Förderung können wir das Arbeitsentgelt bezuschussen, damit der erhöhte Einarbeitungsaufwand ausgeglichen werden kann“, schreibt der Experte in einer Pressemitteilung.Einen Antrag für den Zuschuss müsse der Arbeitgeber in diesem Fall vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrags einreichen. Ein Angebot, das Marcus Ehlenbröker gerne in Anspruch genommen hat. Er sei „überzeugt von dem Konzept und dankbar für die finanzielle Unterstützung“. Es sei gut, dass es eine Möglichkeit gäbe, den höheren Aufwand finanziell ausgeglichen zu bekommen. Und am Ende sei es ja auch eine Win-Win-Situation: Er habe einen neuen, guten Arbeitnehmer, Ingo Hanig einen neuen Arbeitsplatz und die Agentur für Arbeit konnte jemanden in den Arbeitsmarkt integrieren. Ingo Hanig ist ein Typ, der Optimismus ausstrahlt und den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Dennoch lässt er an der einen oder anderen Stelle erkennen, dass es für ihn ein langer Weg war. Ein Jahr konnte er nicht arbeiten – eine Zeit, die aus dem Blickwinkel der Arbeitswelt noch relativ überschaubar wirkt. Nicht aber in der Branche des Werkzeugbaus. „Da sind das echt Welten und man ist schnell raus“, sagt Ingo Hanig. Geholfen habe ihm deshalb vor allem seine persönliche Einstellung: dass ein Mensch sich im Leben immer wieder Neuem stellen muss.

Sein Weg zurück: Darum hat sich Ingo Hanig trotz Krebserkrankung und Jobverlust nicht unterkriegen lassen

Ingo Hanig ist Werkzeugmechaniker und hat sich in seinem Beruf weitergebildet. Sein Fachwissen wird in der Firma Ehlenbröker geschätzt und auch die Azubis profitieren vom Fachwissen des 56-Jährigen. Foto: privat © x

Hille-Unterlübbe. Ingo Hanig ist ein Mutmacher für alle, die ein ähnliches Schicksal teilen. Erst traf ihn die Diagnose Krebs und er musste rund ein Jahr gegen die schlimme Krankheit ankämpfen. „Als ich dann endlich wieder arbeiten konnte, ging auch noch mein Betrieb in die Insolvenz“, sagt der 56-Jährige im Gespräch mit dem MT. Ein weiterer harter Schlag für den begeisterten Motorradfahrer und erfolgreichen Sportschützen. Innerhalb kurzer Zeit stand er vor einer völlig veränderten Lebenssituation.

Doch unterkriegen lassen wollte sich der Veltheimer auf gar keinen Fall. Er steckte sich schrittweise neue Ziele und inzwischen ist er wieder da. Ingo Hanig gilt als geheilt und einen neuen Arbeitsplatz hat der gelernte Werkzeugmechaniker seit etwas mehr als sechs Monaten auch: bei der Firma Ehlenbröker im Unterlübber Gewerbegebiet. Dort wird er menschlich und fachlich geschätzt. „Herr Hanig unterstützt außerdem die Ausbildung unserer Nachwuchskräfte“, sagt Geschäftsführer Marcus Ehlenbröker.

Ist also alles wieder in Ordnung? Ingo Hanig spricht sehr offen über die Zeit seiner Erkrankung und verschweigt im MT-Gespräch keineswegs, dass er mit manchen Dingen nach wie vor hadert. Die Folgen der Behandlung spüre er immer noch. Das schränke ihn ein und nach einem kompletten Arbeitstag fühle er sich relativ erschöpft. Für andere Dinge bleibt dann eigentlich keine Zeit mehr. „Sowas wie das Rasenmähen verschiebe ich dann lieber auf die Samstage.“ Bevor er beruflich wieder durchstartete hätten ihn auch Zweifel gepackt, ob er das alles bewältigen könne. Inzwischen kennt Ingo Hanig die Antwort. „Ja, das klappt“, sagt er. Und dass er täglich wieder im Umfeld mit den Kollegen zu tun hat, sei für ihn eine große Bereicherung.

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Patrick Schwemmling

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Ingo Hanig sagt, dass ihm seine Arbeit „so richtig viel Spaß“ macht. So reden viele, auch wenn der eigene Chef mit am Tisch sitzt. Doch in seinem Fall klingt dieser Satz glaubhaft. Der Portaner ist mit einer erkennbaren Leidenschaft im Unternehmen angekommen und sein Geschäftsführer lässt außerdem keinerlei Zweifel daran, dass er seinem Mitarbeiter ein ideales Arbeitsumfeld bieten will. Da könne man immer über das ein oder andere reden. Worte, die der Mitarbeiter gerne hört und entsprechend wertet. Druck verspüre er deshalb nicht, sagt Ingo Hanig und Marcus Ehlenbröker lässt seinerseits immer wieder durchblicken, dass man beim Pensum auf die jeweilige Belastungsgrenze Rücksicht nehmen werde.

Ist es ein Glücksfall, dass sich Chef und Mitarbeiter gefunden haben? Der Geschäftsführer redet ebenfalls offen und erzählt, dass er sich nach Eingang der Bewerbungsunterlagen vorab schon ein wenig über Ingo Hanig informiert hat. „Das ist ja auch allgemein so üblich“, sagt er. Hinzu kam, dass einer seiner Mitarbeiter mit ihm bereits in einem anderen Betrieb beschäftigt war. Was er hörte, war durchweg positiv. Marcus Ehlenbröker kam schnell zu dem Ergebnis, dass es zum Vorstellungsgespräch kommen sollte. Dem schloss sich das obligatorische Probearbeiten an. Der Rest ist bekannt.

Zuvor hatte der Werkzeugmechaniker einiges an Enttäuschungen erlebt und es zeigte sich, wie schwer der berufliche Wiedereinstieg nach einer schweren Erkrankung im relativ fortgeschrittenen Alter tatsächlich ist. „Ich habe 30 Bewerbungen geschrieben“, erzählt Ingo Hanig. Lediglich zwei Betriebe hätten darauf reagiert und die Firma Ehlenbröker war eine davon. Der Rest – immerhin 28 Unternehmen aus der Region – habe geschwiegen. Ist Ingo Hanig von einem solchen Verhalten der Unternehmer enttäuscht? Zumindest gegenüber dem MT zeigt er das nicht.

Entscheidend beigetragen hat die Agentur für Arbeit, dass der Kontakt zwischen dem Werkzeugmechaniker und der Firma Ehlenbröker zum Erfolg führte. Alexander Deleski ist dort Mitarbeiter im Arbeitgeber-Service und betreut auch den 1995 gegründeten Betrieb in Unterlübbe. „Da Ingo Hanig durch seine Vorerkrankung leicht eingeschränkt ist, hatten wir die Möglichkeit, dem Arbeitgeber den sogenannten Eingliederungszuschuss zu finanzieren. Mit dieser Förderung können wir das Arbeitsentgelt bezuschussen, damit der erhöhte Einarbeitungsaufwand ausgeglichen werden kann“, schreibt der Experte in einer Pressemitteilung.

Einen Antrag für den Zuschuss müsse der Arbeitgeber in diesem Fall vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrags einreichen. Ein Angebot, das Marcus Ehlenbröker gerne in Anspruch genommen hat. Er sei „überzeugt von dem Konzept und dankbar für die finanzielle Unterstützung“. Es sei gut, dass es eine Möglichkeit gäbe, den höheren Aufwand finanziell ausgeglichen zu bekommen. Und am Ende sei es ja auch eine Win-Win-Situation: Er habe einen neuen, guten Arbeitnehmer, Ingo Hanig einen neuen Arbeitsplatz und die Agentur für Arbeit konnte jemanden in den Arbeitsmarkt integrieren.

Ingo Hanig ist ein Typ, der Optimismus ausstrahlt und den nichts so schnell aus der Bahn wirft. Dennoch lässt er an der einen oder anderen Stelle erkennen, dass es für ihn ein langer Weg war. Ein Jahr konnte er nicht arbeiten – eine Zeit, die aus dem Blickwinkel der Arbeitswelt noch relativ überschaubar wirkt. Nicht aber in der Branche des Werkzeugbaus. „Da sind das echt Welten und man ist schnell raus“, sagt Ingo Hanig. Geholfen habe ihm deshalb vor allem seine persönliche Einstellung: dass ein Mensch sich im Leben immer wieder Neuem stellen muss.

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