Schwalben immer seltener Hille (mt/cko). Es ist die Zeit angebrochen, in der sich die Schwalben allmählich wieder auf den Weg in den Süden machen. „Das geht manchmal sogar schon Ende August los“, sagt Gerhard Neuhaus. Er sitzt im Beirat des Nabu Minden-Lübbecke und gilt als Experte für Vogelarten. Vor allem an den landwirtschaftlich genutzten Ställen, aber auch zahlreichen Häusern werde es nun bis voraussichtlich Mai ein wenig ruhiger werden. Denn dann kehren die Schwalben wieder zurück. Gerhard Neuhaus erzählt gegenüber dem MT von den „Schwalbenfreundlichen Häusern“, von denen es im eher ländlich geprägten Hille noch einige gibt. Doch nicht überall stoßen Schwalben auf breite Zustimmung. Vielen Menschen ist es ein Dorn im Auge, wenn die Vögel die Wände von Häusern verschmutzen. Der Mann vom Nabu erkennt eine Entwicklung, die ihm Sorge bereitet. „Die Zahl der Schwalben nimmt ab“, sagt er. Noch in den 1970er Jahren sei das ganz anders gewesen. Doch vor allem der Rückgang der Landwirtschaft habe Schwalben einiges an Platz genommen. Gehe das so weiter, könnte diese Vogelart bedroht sein. Ähnlich sieht es der Nabu in Niedersachsen, der den 8. September als Stichtag für die Flüge in den Süden sieht. An „Mariä Geburt“ ziehe es die Zugvögel langsam wieder in den Süden. An „Mariä Geburt fliegen alle Schwalben furt“ heißt es auch in einem alten Sprichwort, schreibt Matthias Freter. vom Nabu in Niedersachsen. Er zeigt sich besorgt über die Bestände. Mehl- und Rauchschwalben seien gefährdet und während der Sommerzeit immer seltener bei uns anzutreffen, heißt es weiter. Grund dafür sei nicht nur die Zerstörung und Entfernung von Schwalbennestern, weil diesen in einer zu Sauberkeit und Sterilität tendierenden Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr eingeräumt wird, sondern auch der dramatische Strukturwandel und in Folge der Mangel an „schwalbendurchlässigen“ Gebäuden wie Ställen oder Hallen. Wie der Nabu in Minden-Lübbecke hat der Nabu in Niedersachsen deshalb vor Jahren die Aktion „Schwalben willkommen“ ins Leben gerufen. „Im vergangenen Jahr 2020 wurden mehr als 400 Schwalbenfreunde ausgezeichnet“, berichtet Freter. „In diesem Jahr kamen bisher weitere gut 340 Auszeichnungen dazu, damit zeigen an mittlerweile über 5.250 Standorten die Plaketten, dass die sprichwörtlichen Glücksboten dort willkommen sind und aus ihren über 4.000 Kilometer entfernten Überwinterungsgebieten südlich der Sahara jedes Frühjahr wieder in ‚schwalbenfreundliche Häuser‘ zurückkehren können.“ Und wie sieht die Lage in Hille aus? Für Hermann Nagel steht es um die Schwalben nicht unbedingt rosig. 66 Mal konnte der Mann aus dem Nabu-Vorstand kreisweit die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ an die Häuser schlagen. Sieben davon in Hille, die meisten in Petershagen. „Die Schwalben stehen auf der Vorwarnliste“, sagt er am Donnerstag auf MT-Anfrage. Mehr als 100 Millionen Zugvögel verlassen im Herbst ihre Brutgebiete in Deutschland, um eine Reise in wärmere Gefilde anzutreten, unter anderem Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Kuckuck, Mauersegler, Kiebitz, Feldlerche und Hausrotschwanz. „Eine noch weitaus größere Zahl wird unser Land überqueren, hier an geeigneten Rastplätzen wie dem Wattenmeer ‚auftanken‘ und weiterziehen oder aber den Winter über bei uns Station machen“, sagt Matthias Freter. Doch diese Reise ist nicht ohne Gefahren. Da die Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete oft Tausende Kilometer auseinander liegen, überfliegen die Tiere meist mehrere Ländergrenzen. Neben natürlichen Hindernissen wie Wüsten und Meere treffen sie dabei auch auf menschengemachte Gefahren. Die Reise vieler Großvögel endet daher oft schon an Stromleitungen. Auch der Zustand der Rast- und Überwinterungsgebiete ist für die Zugvögel lebenswichtig. „Wenn wichtige Rastgebiete zerstört werden oder sich Überwinterungsgebiete wegen einer Dürre oder starker menschlicher Besiedlung verschlechtern, können die Bestände der Arten abnehmen, selbst wenn die Lebensräume im Brutgebiet noch intakt sind.“ Im Zuge der Klimaveränderungen könnten auch gegenläufige Klimatrends in Europa und Afrika das ausbalancierte Wanderungssystem der Zugvögel durcheinanderbringen, so dass sie zu spät im Brutgebiet eintreffen und nicht mehr genügend Nahrung vorfinden. In vielen Ländern zählen Zugvögel zudem zu den jagdbaren Arten. Seit längerem kritisiert der Nabu die Jagd gerade zur Zugzeit als eine große und schwerwiegende Störung der rastenden Vögel.

Schwalben immer seltener

Die Schwalben sind beliebt, an ihren Nestern stören sich jedoch viele Menschen. Foto: MT-Archiv © x

Hille (mt/cko). Es ist die Zeit angebrochen, in der sich die Schwalben allmählich wieder auf den Weg in den Süden machen. „Das geht manchmal sogar schon Ende August los“, sagt Gerhard Neuhaus. Er sitzt im Beirat des Nabu Minden-Lübbecke und gilt als Experte für Vogelarten. Vor allem an den landwirtschaftlich genutzten Ställen, aber auch zahlreichen Häusern werde es nun bis voraussichtlich Mai ein wenig ruhiger werden. Denn dann kehren die Schwalben wieder zurück.

Gerhard Neuhaus erzählt gegenüber dem MT von den „Schwalbenfreundlichen Häusern“, von denen es im eher ländlich geprägten Hille noch einige gibt. Doch nicht überall stoßen Schwalben auf breite Zustimmung. Vielen Menschen ist es ein Dorn im Auge, wenn die Vögel die Wände von Häusern verschmutzen. Der Mann vom Nabu erkennt eine Entwicklung, die ihm Sorge bereitet. „Die Zahl der Schwalben nimmt ab“, sagt er. Noch in den 1970er Jahren sei das ganz anders gewesen. Doch vor allem der Rückgang der Landwirtschaft habe Schwalben einiges an Platz genommen. Gehe das so weiter, könnte diese Vogelart bedroht sein.

Ähnlich sieht es der Nabu in Niedersachsen, der den 8. September als Stichtag für die Flüge in den Süden sieht. An „Mariä Geburt“ ziehe es die Zugvögel langsam wieder in den Süden. An „Mariä Geburt fliegen alle Schwalben furt“ heißt es auch in einem alten Sprichwort, schreibt Matthias Freter. vom Nabu in Niedersachsen. Er zeigt sich besorgt über die Bestände. Mehl- und Rauchschwalben seien gefährdet und während der Sommerzeit immer seltener bei uns anzutreffen, heißt es weiter. Grund dafür sei nicht nur die Zerstörung und Entfernung von Schwalbennestern, weil diesen in einer zu Sauberkeit und Sterilität tendierenden Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr eingeräumt wird, sondern auch der dramatische Strukturwandel und in Folge der Mangel an „schwalbendurchlässigen“ Gebäuden wie Ställen oder Hallen.


Wie der Nabu in Minden-Lübbecke hat der Nabu in Niedersachsen deshalb vor Jahren die Aktion „Schwalben willkommen“ ins Leben gerufen. „Im vergangenen Jahr 2020 wurden mehr als 400 Schwalbenfreunde ausgezeichnet“, berichtet Freter. „In diesem Jahr kamen bisher weitere gut 340 Auszeichnungen dazu, damit zeigen an mittlerweile über 5.250 Standorten die Plaketten, dass die sprichwörtlichen Glücksboten dort willkommen sind und aus ihren über 4.000 Kilometer entfernten Überwinterungsgebieten südlich der Sahara jedes Frühjahr wieder in ‚schwalbenfreundliche Häuser‘ zurückkehren können.“

Und wie sieht die Lage in Hille aus? Für Hermann Nagel steht es um die Schwalben nicht unbedingt rosig. 66 Mal konnte der Mann aus dem Nabu-Vorstand kreisweit die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ an die Häuser schlagen. Sieben davon in Hille, die meisten in Petershagen. „Die Schwalben stehen auf der Vorwarnliste“, sagt er am Donnerstag auf MT-Anfrage.

Mehr als 100 Millionen Zugvögel verlassen im Herbst ihre Brutgebiete in Deutschland, um eine Reise in wärmere Gefilde anzutreten, unter anderem Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Kuckuck, Mauersegler, Kiebitz, Feldlerche und Hausrotschwanz. „Eine noch weitaus größere Zahl wird unser Land überqueren, hier an geeigneten Rastplätzen wie dem Wattenmeer ‚auftanken‘ und weiterziehen oder aber den Winter über bei uns Station machen“, sagt Matthias Freter.

Doch diese Reise ist nicht ohne Gefahren. Da die Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete oft Tausende Kilometer auseinander liegen, überfliegen die Tiere meist mehrere Ländergrenzen. Neben natürlichen Hindernissen wie Wüsten und Meere treffen sie dabei auch auf menschengemachte Gefahren. Die Reise vieler Großvögel endet daher oft schon an Stromleitungen. Auch der Zustand der Rast- und Überwinterungsgebiete ist für die Zugvögel lebenswichtig. „Wenn wichtige Rastgebiete zerstört werden oder sich Überwinterungsgebiete wegen einer Dürre oder starker menschlicher Besiedlung verschlechtern, können die Bestände der Arten abnehmen, selbst wenn die Lebensräume im Brutgebiet noch intakt sind.“

Im Zuge der Klimaveränderungen könnten auch gegenläufige Klimatrends in Europa und Afrika das ausbalancierte Wanderungssystem der Zugvögel durcheinanderbringen, so dass sie zu spät im Brutgebiet eintreffen und nicht mehr genügend Nahrung vorfinden. In vielen Ländern zählen Zugvögel zudem zu den jagdbaren Arten. Seit längerem kritisiert der Nabu die Jagd gerade zur Zugzeit als eine große und schwerwiegende Störung der rastenden Vögel.

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