Schnell von A nach B: Pläne für eine Bahnverbindung zwischen Minden und Hille Stefanie Dullweber Hille/Minden. Hille hat bereits eine eigene Autobahnausfahrt an der A30, jetzt kommt vielleicht noch eine eigene Bahnlinie für einen Regionalexpress dazu. Das geht zumindest aus einem Plan hervor, der kürzlich im Verkehrsausschuss des NRW-Landtages vorgestellt wurde. Das Ziel sei es, weitere Kommunen an das Netz anzubinden. Die Menschen sollten schneller, direkter, komfortabler und zuverlässiger mit der Bahn von A nach B kommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Pläne hat das NRW-Verkehrsministerium zusammen mit den Verantwortlichen für den Schienenpersonennahverkehr und der Deutschen Bahn entwickelt. Allein in Ostwestfalen-Lippe gibt es neun weitere Projekte, die auf eine mögliche Umsetzung geprüft werden. „Wir sehen gute Chancen für die Strecke Minden-Hille. Sie wäre auf jeden Fall eine Bereicherung“, sagt Kai Schulte. Für Bürgerinnen und Bürger aus Hille wäre es seiner Ansicht nach ein echter Mehrwert, mit dem Zug nach Minden fahren zu können. Dabei sei sicherlich für viele das Reiseziel Minden selbst interessant, für viele aber auch ein passender Umstieg zu Zügen nach Hannover, Berlin, Bielefeld oder Osnabrück. Schulte arbeitet für den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Der NWL untersucht in den nächsten Monaten mehrere der derzeit brachliegenden Schienenstrecken, um festzustellen, ob diese reaktiviert werden können.Die Planungs- und Bauzeit werde einige Jahre in Anspruch nehmen, erklärt Schulte. Während einige Projekte bis 2032 umgesetzt werden sollen, ist die Strecke Minden-Hille in das langfristige Konzept mit aufgenommen worden, für das eine Umsetzung bis 2040 vorgesehen ist. Bis der Regionalexpress – im Plan wird er als RB 79 bezeichnet – möglicherweise in den Bahnhof Hille einfahren wird, dauert es also noch ein paar Jahre.Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. „Die Realisierung steht unter Vorbehalt“, sagt Kai Schulte. Die Planung erfolgt in zwei Schritten. Es gebe dafür ein bundesweit einheitliches Verfahren, so dass die Ergebnisse am Ende vergleichbar seien. Der erste Schritt nennt sich „verkehrliche Voruntersuchungen“. Damit soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Der NWL führt die Untersuchungen nicht selbst durch, sondern hat ein Gutachterbüro damit beauftragt.Es geht erst einmal um ganz praktische Sachen. In welchem Zustand ist die Strecke? Wie ist die Umgebung beschaffen? In welchem Takt kann die Bahn fahren? Was sind passende Fahrzeiten? Welche denkbaren Haltepunkte gibt es unterwegs? Mit welcher Geschwindigkeit kann die Bahn fahren? Was müsste baulich noch umgesetzt werden, um die Strecke zu reaktivieren? Und passt die Einbindung in das Netz der Deutschen Bahn? „Über allem steht die Frage: Lohnt sich das?“, erklärt Kai Schulte. Aus all diesen Überlegungen würden sich dann verschiedene Varianten ergeben, die dann in einem zweiten Schritt wichtig werden.Der zweite Schritt ist eine „Machbarkeitsstudie“ – dabei geht es um mögliche Risiken und Erfolgsaussichten. Laut Kai Schulte soll mit den Arbeiten an der Studie im nächsten Jahr begonnen werden. Dabei werden der Aufwand und die Kosten grob ermittelt und dem Nutzen beziehungsweise der Nachfrage gegenüberstellt.Schaut man sich den vorläufigen Plan an, könnte der Regionalexpress jede Stunde zwischen Minden und Hille fahren. Sogar Ankunft- und Abfahrtszeiten sind vermerkt. Das seien aber erst einmal nur fiktive Angaben, erklärt Kai Schulte. Unterwegs sind außerdem vier – nicht näher bezeichnete – Haltepunkte eingezeichnet. Aber auch die seien erst einmal nur symbolisch. „Sicherlich wird es Haltestellen geben. Aber erst einmal müssen wir klären, ob es die Verbindung überhaupt geben wird.“ Zwar gibt es für die Strecke – die beispielsweise von der Museumseisenbahn genutzt wird – eine Betriebsgenehmigung, aber sie müsste auf jeden Fall angepasst werden. „Für Gleise und Stationen gibt es Vorgaben, was zum Beispiel Höhe und Länge betrifft. Die müssten dann umgesetzt werden.“ Doch trotz aller noch offenen Fragen, sei es das erklärte Ziel, Hille an die Bahn zu kriegen, fasst Schulte zusammen.Auch die Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Minden-Lübbecke, Bianca Winkelmann, ist von dem Projekt überzeugt – weiß aber auch, dass die Bürger sich noch gedulden müssen. „Es wäre falsch zu behaupten, dass jetzt zeitnah mit einer Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Minden und Hille zu rechnen ist. Nichtsdestotrotz ist das ein wichtiger erster Schritt“, teilt sie auf MT-Anfrage mit.Die NRW-Koalition und das Verkehrsministerium hätten die Strecke auf dem Schirm und es werde genau geprüft, was möglich sei. „Entscheidend ist natürlich, dass der Bedarf da ist. Es bringt nichts, Strecken zu reaktivieren, die dann nicht genutzt werden.“ Sie persönlich könne sich nach allem, was sie bisher aus der Bevölkerung an Stimmen vernommen habe, und hinsichtlich des täglichen Autoverkehrs zwischen Minden und Hille, sehr gut vorstellen, dass eine Reaktivierung Sinn ergibt, sagt die Politikerin.„Wenn wir es mit der Mobilitätswende ernst meinen und dabei auch den ländlichen Raum mitdenken wollen, kommen wir nicht umhin, auch stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren“, ist Bianca Winkelmann überzeugt. Das gelte nicht nur für die Strecke Minden-Hille, sondern beispielsweise auch für die Verbindung von Rahden nach Bassum. Sie sei Ministerpräsident Hendrik Wüst insofern dankbar, dass er in seinem damaligen Amt als Verkehrsminister diesen Prozess zur Reaktivierung von Bahnstrecken angestoßen habe. Seine Nachfolgerin Ina Brandes setze dies fort. Die Verkehrsministerin teilt dazu mit: „Wir werden zum Wohle des Klimas unser Mobilitätsverhalten ändern müssen – und dazu ist die große Mehrheit der Menschen auch bereit, wenn wir mit guten, überzeugenden Angeboten den Umstieg auf die Bahn attraktiver machen.“

Schnell von A nach B: Pläne für eine Bahnverbindung zwischen Minden und Hille

Wenn alles klappt, könnte bis 2040 die Strecke zwischen Minden und Hille reaktiviert werden, so dass dort ein Regionalexpress fahren kann. Foto: MT-Archiv © xx

Hille/Minden. Hille hat bereits eine eigene Autobahnausfahrt an der A30, jetzt kommt vielleicht noch eine eigene Bahnlinie für einen Regionalexpress dazu. Das geht zumindest aus einem Plan hervor, der kürzlich im Verkehrsausschuss des NRW-Landtages vorgestellt wurde.

Das Ziel sei es, weitere Kommunen an das Netz anzubinden. Die Menschen sollten schneller, direkter, komfortabler und zuverlässiger mit der Bahn von A nach B kommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Pläne hat das NRW-Verkehrsministerium zusammen mit den Verantwortlichen für den Schienenpersonennahverkehr und der Deutschen Bahn entwickelt. Allein in Ostwestfalen-Lippe gibt es neun weitere Projekte, die auf eine mögliche Umsetzung geprüft werden. „Wir sehen gute Chancen für die Strecke Minden-Hille. Sie wäre auf jeden Fall eine Bereicherung“, sagt Kai Schulte. Für Bürgerinnen und Bürger aus Hille wäre es seiner Ansicht nach ein echter Mehrwert, mit dem Zug nach Minden fahren zu können. Dabei sei sicherlich für viele das Reiseziel Minden selbst interessant, für viele aber auch ein passender Umstieg zu Zügen nach Hannover, Berlin, Bielefeld oder Osnabrück.

Schulte arbeitet für den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Der NWL untersucht in den nächsten Monaten mehrere der derzeit brachliegenden Schienenstrecken, um festzustellen, ob diese reaktiviert werden können.

Die Planungs- und Bauzeit werde einige Jahre in Anspruch nehmen, erklärt Schulte. Während einige Projekte bis 2032 umgesetzt werden sollen, ist die Strecke Minden-Hille in das langfristige Konzept mit aufgenommen worden, für das eine Umsetzung bis 2040 vorgesehen ist. Bis der Regionalexpress – im Plan wird er als RB 79 bezeichnet – möglicherweise in den Bahnhof Hille einfahren wird, dauert es also noch ein paar Jahre.

Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. „Die Realisierung steht unter Vorbehalt“, sagt Kai Schulte. Die Planung erfolgt in zwei Schritten. Es gebe dafür ein bundesweit einheitliches Verfahren, so dass die Ergebnisse am Ende vergleichbar seien. Der erste Schritt nennt sich „verkehrliche Voruntersuchungen“. Damit soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Der NWL führt die Untersuchungen nicht selbst durch, sondern hat ein Gutachterbüro damit beauftragt.

Es geht erst einmal um ganz praktische Sachen. In welchem Zustand ist die Strecke? Wie ist die Umgebung beschaffen? In welchem Takt kann die Bahn fahren? Was sind passende Fahrzeiten? Welche denkbaren Haltepunkte gibt es unterwegs? Mit welcher Geschwindigkeit kann die Bahn fahren? Was müsste baulich noch umgesetzt werden, um die Strecke zu reaktivieren? Und passt die Einbindung in das Netz der Deutschen Bahn? „Über allem steht die Frage: Lohnt sich das?“, erklärt Kai Schulte. Aus all diesen Überlegungen würden sich dann verschiedene Varianten ergeben, die dann in einem zweiten Schritt wichtig werden.

Der zweite Schritt ist eine „Machbarkeitsstudie“ – dabei geht es um mögliche Risiken und Erfolgsaussichten. Laut Kai Schulte soll mit den Arbeiten an der Studie im nächsten Jahr begonnen werden. Dabei werden der Aufwand und die Kosten grob ermittelt und dem Nutzen beziehungsweise der Nachfrage gegenüberstellt.

Schaut man sich den vorläufigen Plan an, könnte der Regionalexpress jede Stunde zwischen Minden und Hille fahren. Sogar Ankunft- und Abfahrtszeiten sind vermerkt. Das seien aber erst einmal nur fiktive Angaben, erklärt Kai Schulte. Unterwegs sind außerdem vier – nicht näher bezeichnete – Haltepunkte eingezeichnet. Aber auch die seien erst einmal nur symbolisch. „Sicherlich wird es Haltestellen geben. Aber erst einmal müssen wir klären, ob es die Verbindung überhaupt geben wird.“ Zwar gibt es für die Strecke – die beispielsweise von der Museumseisenbahn genutzt wird – eine Betriebsgenehmigung, aber sie müsste auf jeden Fall angepasst werden. „Für Gleise und Stationen gibt es Vorgaben, was zum Beispiel Höhe und Länge betrifft. Die müssten dann umgesetzt werden.“ Doch trotz aller noch offenen Fragen, sei es das erklärte Ziel, Hille an die Bahn zu kriegen, fasst Schulte zusammen.

Auch die Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Minden-Lübbecke, Bianca Winkelmann, ist von dem Projekt überzeugt – weiß aber auch, dass die Bürger sich noch gedulden müssen. „Es wäre falsch zu behaupten, dass jetzt zeitnah mit einer Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Minden und Hille zu rechnen ist. Nichtsdestotrotz ist das ein wichtiger erster Schritt“, teilt sie auf MT-Anfrage mit.

Die NRW-Koalition und das Verkehrsministerium hätten die Strecke auf dem Schirm und es werde genau geprüft, was möglich sei. „Entscheidend ist natürlich, dass der Bedarf da ist. Es bringt nichts, Strecken zu reaktivieren, die dann nicht genutzt werden.“ Sie persönlich könne sich nach allem, was sie bisher aus der Bevölkerung an Stimmen vernommen habe, und hinsichtlich des täglichen Autoverkehrs zwischen Minden und Hille, sehr gut vorstellen, dass eine Reaktivierung Sinn ergibt, sagt die Politikerin.

„Wenn wir es mit der Mobilitätswende ernst meinen und dabei auch den ländlichen Raum mitdenken wollen, kommen wir nicht umhin, auch stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren“, ist Bianca Winkelmann überzeugt. Das gelte nicht nur für die Strecke Minden-Hille, sondern beispielsweise auch für die Verbindung von Rahden nach Bassum. Sie sei Ministerpräsident Hendrik Wüst insofern dankbar, dass er in seinem damaligen Amt als Verkehrsminister diesen Prozess zur Reaktivierung von Bahnstrecken angestoßen habe. Seine Nachfolgerin Ina Brandes setze dies fort.


Die Verkehrsministerin teilt dazu mit: „Wir werden zum Wohle des Klimas unser Mobilitätsverhalten ändern müssen – und dazu ist die große Mehrheit der Menschen auch bereit, wenn wir mit guten, überzeugenden Angeboten den Umstieg auf die Bahn attraktiver machen.“

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