SPD-Fraktionschefin Susanne Steuber im Interview: „Junge Menschen brauchen ein Mitspracherecht“ Carsten Korfesmeyer Hille. Laute Auftritte sind nicht ihr Stil. Susanne Steuber steht für eher ruhiger geführte Debatten, wenn es um die Realisierung von politischen Zielen geht. Im Herbst 2020 beerbte sie Ratsmitglied Burkhard Günther an der Hiller SPD-Fraktionsspitze. In ihrer neuen Rolle habe sie sich schnell zurechtgefunden, erklärt die Kommunalpolitikerin aus Nordhemmern. Mit ihrer Partei will sie in der laufenden Legislatur noch einige politische Felder beackern – allem voran das Thema Wasserversorgung, das Susanne Steuber als ihr Steckenpferd bezeichnet. Ob Bauen, Wohnen, Verkehr oder Mobilität: Im MT-Sommerinterview spricht sie über ihre Pläne, politischen Ansichten und auch über Ideen, die sie noch gar nicht mit ihrer Partei diskutiert hat. Frau Steuber, rund neun Monate besteht der neue Rat. Für Beobachter geht es in dort erstaunlich harmonisch zu. Teilen Sie diesen Eindruck? Das sehe ich auch so und ich begrüße das. Wir tauschen uns viel im informellen Teil aus und das ist konstruktiv. Der Politik tut das gut. Aber müssten die Parteien nicht eher kontrovers diskutieren? Was gibt es bei den aktuellen Themen in Hille denn zu streiten? Da liegen die Probleme offen auf dem Tisch und müssen angepackt werden. Machen wir das gemeinsam, kommen wir am besten voran. Politik muss lösungsorientiert arbeiten und nicht nur diskutieren. Wenn es überhaupt etwas zu streiten gibt, dann bei den Finanzen. Zum Beispiel die Investitionen in die Kindergärten wie in Hartum und Hille. Beim Anbau in Hille hat der Rat gerade erst wieder 100.000 Euro nachgeschossen. Über sowas lässt sich doch kontrovers diskutieren? Das sind gute Beispiele dafür, wie wichtig es ist, dass die Politik genau hinschaut. Allein beim Hiller Kindergarten hätte es soweit gar nicht kommen dürfen, dass das Wasser in die Räume tropft. Die Verwaltung hätte deutlich früher reagieren müssen. Da müssen wir in der Politik total aufpassen, schneller intervenieren. Und wenn wir das gemeinsam tun, kommt am Ende das Beste dabei raus. An den Beispielen der Kindergärten sieht man aber auch, wie wichtig es ist, dass die Verwaltung die Position eines Hochbauingenieurs besetzt. Was würden Sie beim Hiller Kindergarten jetzt anders machen? Wir hätten mehr Informationen einfordern müssen – zum Beispiel über das Flachdach. Da ist Fachwissen gefragt, was die Politiker im Rat nicht alle haben. Wir müssen uns auf die Experten verlassen. Grundsätzlich ist bei Baumaßnahmen eine Kostendeckelung angebracht. Sie gelten als Expertin beim Thema Wasser und haben angekündigt, auf diesem Gebiet einiges auf den Weg zu bringen. Was denn alles? Grundsätzlich gibt es auf diesem Gebiet viele gesetzliche Vorgaben. Ich finde, die Wasserverordnung müsste geändert werden, um künftig umweltfreundlicher zu sein. Und natürlich habe ich schon Ideen – über die ich aber noch nicht mit meiner Fraktion gesprochen habe. So könnte ich mir vorstellen, dass wir die Wasserverbräuche von Pools ab 2022 anders berechnen. Es gibt Vorschläge der SPD Bundesministerin für eine nationale Wasserstrategie. Eine Maßnahme wäre der smarte Tarif. Wie sieht es mit Grauwasser aus? Regenwasser für die Spülung der Toiletten wird ja eifrig diskutiert, in Hille aber nicht vorgeschrieben. Zieht für Sie das Argument, dass Bauen dadurch nur unerschwinglich würde und potenzielle Bauherren nur abschrecken könnte? Was wir brauchen, ist mehr ökologisches Denken. Ich halte es für blanken Unsinn, wertvolles Trinkwasser durch die Toilette zu spülen. Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Warum also nicht Regenwasser? Das würde Sinn machen. Dabei spielt die Freiwilligkeit eine ganz entscheidende Rolle. Die Menschen müssen ein gutes Gefühl haben, aktiv etwas für den Umweltschutz zu tun. Durch eigene Zisternen auf den Grundstücken wäre schon viel erreicht. So könnte das Regenwasser für die Toilettenspülungen genutzt werden. Nur ist sowas in Hille nicht erlaubt. Das sollten wir ändern. Ein großes Hiller Thema ist das Straßen- und Wegekonzept. Außer dass es ab und zu ein paar Treckerschleusen gibt, ist nicht viel passiert. Sehen Sie das auch so? Beim Straßen- und Wegekonzept sind Probleme definiert. Die Maßnahmen sind leider nicht zeitlich definiert. Wir wissen zwar, welche Strecken betroffen sind, doch einen Zeitplan gibt es nicht. Wir brauchen einen Zeitplan für die nächsten zehn Jahre. Der Maßnahmenkatalog muss konkret zeigen, was gewollt ist. Treckerschleusen sind nicht unumstritten. Wie stehen Sie dazu? Sie sind durchaus geeignet, um unsere Unterhaltungskosten zu senken. Wenn diese Strecken vom Verkehr abgetrennt sind, werden Kosten reduziert. Bleiben wir beim Verkehr. Bei der Mobilität gibt es in Hille sicher noch Luft nach oben, oder? Die gibt es sicherlich. Die Menschen möchten schnell von A nach B kommen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das in einer Flächengemeinde wie Hille natürlich nicht so einfach. Aber es gibt Möglichkeiten, die Verkehrsmittel effektiv zu nutzen. Mit einer App „Here we go“ lassen sich die Verbindungen von Bus und Bahn anzeigen. Wenn dies bekannt ist, nutzen es die Leute auch. Da kann die Verwaltung auf der Internetseite noch nachbessern. Sie fordern auch ein Jugendparlament. Wie könnte das funktionieren? Es müsste ähnliche Strukturen haben wie der Seniorenbeirat. Die jungen Menschen brauchen ein Mitspracherecht in den Belangen, die sie betreffen. Eine beratende Funktion sollten sie deshalb bekommen – beispielsweise bei den Themen Feuerwehr, Bildung oder Sport. Ein gutes Beispiel wäre der neue Kunstrasenplatz an der Verbundschule. Kommen wir noch einmal auf die Ratsarbeit und die Kommunikation. Was ist jetzt besser als früher? Der Stil in der Politik hat sich gewandelt – von destruktiv zu konstruktiv. Man redet nicht mehr schlecht über den anderen, wie es früher noch üblich war. Schlecht übereinander zu reden kommt bei den Menschen auch nicht mehr gut an. Das haben alle verstanden. Und ich bin sicher, dass wir in den Fraktionen heute sehr viel besser kommunizieren.

SPD-Fraktionschefin Susanne Steuber im Interview: „Junge Menschen brauchen ein Mitspracherecht“

SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Steuber hat ihr Amt nach der Kommunalwahl 2020 übernommen. Die Ratsarbeit mit den Fraktionen ist ihrer Ansicht nach konstruktiver geworden. MT-Foto: Carsten Korfesmeyer © cko

Hille. Laute Auftritte sind nicht ihr Stil. Susanne Steuber steht für eher ruhiger geführte Debatten, wenn es um die Realisierung von politischen Zielen geht. Im Herbst 2020 beerbte sie Ratsmitglied Burkhard Günther an der Hiller SPD-Fraktionsspitze. In ihrer neuen Rolle habe sie sich schnell zurechtgefunden, erklärt die Kommunalpolitikerin aus Nordhemmern. Mit ihrer Partei will sie in der laufenden Legislatur noch einige politische Felder beackern – allem voran das Thema Wasserversorgung, das Susanne Steuber als ihr Steckenpferd bezeichnet. Ob Bauen, Wohnen, Verkehr oder Mobilität: Im MT-Sommerinterview spricht sie über ihre Pläne, politischen Ansichten und auch über Ideen, die sie noch gar nicht mit ihrer Partei diskutiert hat.

Frau Steuber, rund neun Monate besteht der neue Rat. Für Beobachter geht es in dort erstaunlich harmonisch zu. Teilen Sie diesen Eindruck?

Das sehe ich auch so und ich begrüße das. Wir tauschen uns viel im informellen Teil aus und das ist konstruktiv. Der Politik tut das gut.


Aber müssten die Parteien nicht eher kontrovers diskutieren?

Was gibt es bei den aktuellen Themen in Hille denn zu streiten? Da liegen die Probleme offen auf dem Tisch und müssen angepackt werden. Machen wir das gemeinsam, kommen wir am besten voran. Politik muss lösungsorientiert arbeiten und nicht nur diskutieren. Wenn es überhaupt etwas zu streiten gibt, dann bei den Finanzen.

Zum Beispiel die Investitionen in die Kindergärten wie in Hartum und Hille. Beim Anbau in Hille hat der Rat gerade erst wieder 100.000 Euro nachgeschossen. Über sowas lässt sich doch kontrovers diskutieren?

Das sind gute Beispiele dafür, wie wichtig es ist, dass die Politik genau hinschaut. Allein beim Hiller Kindergarten hätte es soweit gar nicht kommen dürfen, dass das Wasser in die Räume tropft. Die Verwaltung hätte deutlich früher reagieren müssen. Da müssen wir in der Politik total aufpassen, schneller intervenieren. Und wenn wir das gemeinsam tun, kommt am Ende das Beste dabei raus. An den Beispielen der Kindergärten sieht man aber auch, wie wichtig es ist, dass die Verwaltung die Position eines Hochbauingenieurs besetzt.

Was würden Sie beim Hiller Kindergarten jetzt anders machen?

Wir hätten mehr Informationen einfordern müssen – zum Beispiel über das Flachdach. Da ist Fachwissen gefragt, was die Politiker im Rat nicht alle haben. Wir müssen uns auf die Experten verlassen. Grundsätzlich ist bei Baumaßnahmen eine Kostendeckelung angebracht.

Sie gelten als Expertin beim Thema Wasser und haben angekündigt, auf diesem Gebiet einiges auf den Weg zu bringen. Was denn alles?

Grundsätzlich gibt es auf diesem Gebiet viele gesetzliche Vorgaben. Ich finde, die Wasserverordnung müsste geändert werden, um künftig umweltfreundlicher zu sein. Und natürlich habe ich schon Ideen – über die ich aber noch nicht mit meiner Fraktion gesprochen habe. So könnte ich mir vorstellen, dass wir die Wasserverbräuche von Pools ab 2022 anders berechnen. Es gibt Vorschläge der SPD Bundesministerin für eine nationale Wasserstrategie. Eine Maßnahme wäre der smarte Tarif.

Wie sieht es mit Grauwasser aus? Regenwasser für die Spülung der Toiletten wird ja eifrig diskutiert, in Hille aber nicht vorgeschrieben. Zieht für Sie das Argument, dass Bauen dadurch nur unerschwinglich würde und potenzielle Bauherren nur abschrecken könnte?

Was wir brauchen, ist mehr ökologisches Denken. Ich halte es für blanken Unsinn, wertvolles Trinkwasser durch die Toilette zu spülen. Das ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Warum also nicht Regenwasser? Das würde Sinn machen. Dabei spielt die Freiwilligkeit eine ganz entscheidende Rolle. Die Menschen müssen ein gutes Gefühl haben, aktiv etwas für den Umweltschutz zu tun.

Durch eigene Zisternen auf den Grundstücken wäre schon viel erreicht. So könnte das Regenwasser für die Toilettenspülungen genutzt werden. Nur ist sowas in Hille nicht erlaubt. Das sollten wir ändern.

Ein großes Hiller Thema ist das Straßen- und Wegekonzept. Außer dass es ab und zu ein paar Treckerschleusen gibt, ist nicht viel passiert. Sehen Sie das auch so?

Beim Straßen- und Wegekonzept sind Probleme definiert. Die Maßnahmen sind leider nicht zeitlich definiert. Wir wissen zwar, welche Strecken betroffen sind, doch einen Zeitplan gibt es nicht. Wir brauchen einen Zeitplan für die nächsten zehn Jahre. Der Maßnahmenkatalog muss konkret zeigen, was gewollt ist.

Treckerschleusen sind nicht unumstritten. Wie stehen Sie dazu?

Sie sind durchaus geeignet, um unsere Unterhaltungskosten zu senken. Wenn diese Strecken vom Verkehr abgetrennt sind, werden Kosten reduziert.

Bleiben wir beim Verkehr. Bei der Mobilität gibt es in Hille sicher noch Luft nach oben, oder?

Die gibt es sicherlich. Die Menschen möchten schnell von A nach B kommen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das in einer Flächengemeinde wie Hille natürlich nicht so einfach. Aber es gibt Möglichkeiten, die Verkehrsmittel effektiv zu nutzen. Mit einer App „Here we go“ lassen sich die Verbindungen von Bus und Bahn anzeigen. Wenn dies bekannt ist, nutzen es die Leute auch. Da kann die Verwaltung auf der Internetseite noch nachbessern.

Sie fordern auch ein Jugendparlament. Wie könnte das funktionieren?

Es müsste ähnliche Strukturen haben wie der Seniorenbeirat. Die jungen Menschen brauchen ein Mitspracherecht in den Belangen, die sie betreffen. Eine beratende Funktion sollten sie deshalb bekommen – beispielsweise bei den Themen Feuerwehr, Bildung oder Sport. Ein gutes Beispiel wäre der neue Kunstrasenplatz an der Verbundschule.

Kommen wir noch einmal auf die Ratsarbeit und die Kommunikation. Was ist jetzt besser als früher?

Der Stil in der Politik hat sich gewandelt – von destruktiv zu konstruktiv. Man redet nicht mehr schlecht über den anderen, wie es früher noch üblich war. Schlecht übereinander zu reden kommt bei den Menschen auch nicht mehr gut an. Das haben alle verstanden. Und ich bin sicher, dass wir in den Fraktionen heute sehr viel besser kommunizieren.

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