Richie Arndt und ein rundes Heimspiel Michael Grundmeier Hille-Oberlübbe (mig). Ein „Heimspiel“ der besonderen Art hatte am Wochenende Richie Arndt im Dorfgemeinschaftshaus Oberlübbe. „Endlich kann ich mal eines meiner Konzerte zu Fuß erreichen“, meinte der Hiller augenzwinkernd. Vor mehr als hundert Zuhörern stellte Arndt sein Projekt „Mississippi“ vor. Wenn Richie Arndt in seiner alten Heimat spielt, darf man ein volles Haus erwarten. Und tatsächlich: das Dorfgemeinschaftshaus ist bis auf den allerletzten Platz gefüllt – viel mehr würden an diesem Abend nicht rein passen. Die Vorsitzende des Heimatvereins Oberlübbe und Unterlübbe ist zufrieden: „Es ist großartig, das so viele gekommen sind“. Man habe auch dem jüngeren Publikum etwas bieten wollen. Erstaunlich genug: bei den älteren Gästen sei Richie Arndt gar nicht so bekannt. Kann das stimmen? Das Ehepaar Suthmeier gibt immerhin zu: „So richtig was von ihm gehört haben wir noch nicht. Er soll aber gut sein“. Na, immerhin. Vielleicht gilt ja auch hier das alte Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Land....Sei es wie es sei: Arndt hat an seinem Heimspiel jedenfalls sichtlich großen Spaß. Mal spielt er Gitarre, mal liest er vor – die Kreuzung aus Konzert/Reisebericht und Fotoshow gibt der Veranstaltung einen ganz eigenen Reiz. Arndt berichtet von einer Reise in den tiefen Süden, entlang des „Mississippi“vor einigen Jahren. Ein deutscher Bluessänger macht sich auf Suche nach dem Ursprung der Blues-Musik – eine schöne, eine spannende Geschichte. Arndt erzählt vom Mississippi-Delta und den Bajous, der alligatorverseuchten Sumpflandschaft. Gemeinsam mit einem Fotografen hat er die Dockery-Farm besucht, die als Geburtsstätte des Blues gilt. Und er war in Clarksdale, das „für einen eingefleischten Bluesfan etwa so klingt wie Jerusalem für einen bibeltreuen Christen“. Zwar sei er an vielen Orten fast alleine gewesen - „das ist das Paradies für einen Individualtouristen“ - aber ausgerechnet bei den „Crossroads“ hätte er sich anstellen müssen, um ein Video drehen zu können. Man fuhr also weiter. Dass der Süden nicht nur seine schönen Seiten hat, erfuhr Arndt an vielen Stellen. Ein junger Schwarzer namens Emmett Till hat das am eigenen Leib erfahren müssen. Er war aus dem Norden und deshalb nicht mit den Gepflogenheiten des Südens vertraut, als er einer Frau ein Kompliment machte. Der junge Mann wurde brutal gefoltert und später ermordet. Billy Holiday sang das Lied „Strange Fruits“: damit gemeint waren die „seltsamen Früchte“, die von den Bäumen hängen – eine bittere Ernte. Einfach toll auch die Hotels, die Arndt findet und die an immer authentischeren Orten schlafen lassen. Von ehemaligen Pflücker-Hütten bis zum plüschigen Südstaaten-Look ist alles dabei. „Ich werde diese Reise nie vergessen“, sagt Arndt. Und gibt zu, dass er schon auf die nächste spart. Richtig rund wird der Abend durch die zahlreichen Songs, die Arndt von seiner Reise mitgebracht hat. „Crossroads“ beispielsweise, mit seinen teuflischen Rhythmen und natürlich den „Mystery Train“. Arndts Finger gleiten über die Saiten, seine Augen schließen sich. Für einen Augenblick, ist er, sind wir, tief im Süden. Da wo sich Robert Johnson und der Teufel gute Nacht sagen. Übrigens: Echte Fans können Arndt und seine Band auf eine weitere Reise begleiten. Zu einer Blues-Challenge in Memphis. „Wer will, der kann uns zu der Challenge begleiten, sozusagen als Fangruppe. Und wer richtig schnell ist, kann sogar mit uns im gleichen Hotel wohnen“. Einfach bei Arndt melden.

Richie Arndt und ein rundes Heimspiel

Wo hat er nicht schon überall gespielt? Diesmal zuhause. Richie Arndt kam zu Fuß und hat in der Nachbarschaft überzeugt. © Foto: Michael Grundmeier

Hille-Oberlübbe (mig). Ein „Heimspiel“ der besonderen Art hatte am Wochenende Richie Arndt im Dorfgemeinschaftshaus Oberlübbe. „Endlich kann ich mal eines meiner Konzerte zu Fuß erreichen“, meinte der Hiller augenzwinkernd. Vor mehr als hundert Zuhörern stellte Arndt sein Projekt „Mississippi“ vor.

Wenn Richie Arndt in seiner alten Heimat spielt, darf man ein volles Haus erwarten. Und tatsächlich: das Dorfgemeinschaftshaus ist bis auf den allerletzten Platz gefüllt – viel mehr würden an diesem Abend nicht rein passen. Die Vorsitzende des Heimatvereins Oberlübbe und Unterlübbe ist zufrieden: „Es ist großartig, das so viele gekommen sind“. Man habe auch dem jüngeren Publikum etwas bieten wollen. Erstaunlich genug: bei den älteren Gästen sei Richie Arndt gar nicht so bekannt. Kann das stimmen? Das Ehepaar Suthmeier gibt immerhin zu: „So richtig was von ihm gehört haben wir noch nicht. Er soll aber gut sein“. Na, immerhin. Vielleicht gilt ja auch hier das alte Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Land....Sei es wie es sei: Arndt hat an seinem Heimspiel jedenfalls sichtlich großen Spaß. Mal spielt er Gitarre, mal liest er vor – die Kreuzung aus Konzert/Reisebericht und Fotoshow gibt der Veranstaltung einen ganz eigenen Reiz.

Arndt berichtet von einer Reise in den tiefen Süden, entlang des „Mississippi“vor einigen Jahren. Ein deutscher Bluessänger macht sich auf Suche nach dem Ursprung der Blues-Musik – eine schöne, eine spannende Geschichte. Arndt erzählt vom Mississippi-Delta und den Bajous, der alligatorverseuchten Sumpflandschaft. Gemeinsam mit einem Fotografen hat er die Dockery-Farm besucht, die als Geburtsstätte des Blues gilt.

Und er war in Clarksdale, das „für einen eingefleischten Bluesfan etwa so klingt wie Jerusalem für einen bibeltreuen Christen“. Zwar sei er an vielen Orten fast alleine gewesen - „das ist das Paradies für einen Individualtouristen“ - aber ausgerechnet bei den „Crossroads“ hätte er sich anstellen müssen, um ein Video drehen zu können. Man fuhr also weiter.

Dass der Süden nicht nur seine schönen Seiten hat, erfuhr Arndt an vielen Stellen. Ein junger Schwarzer namens Emmett Till hat das am eigenen Leib erfahren müssen. Er war aus dem Norden und deshalb nicht mit den Gepflogenheiten des Südens vertraut, als er einer Frau ein Kompliment machte. Der junge Mann wurde brutal gefoltert und später ermordet. Billy Holiday sang das Lied „Strange Fruits“: damit gemeint waren die „seltsamen Früchte“, die von den Bäumen hängen – eine bittere Ernte.

Einfach toll auch die Hotels, die Arndt findet und die an immer authentischeren Orten schlafen lassen. Von ehemaligen Pflücker-Hütten bis zum plüschigen Südstaaten-Look ist alles dabei. „Ich werde diese Reise nie vergessen“, sagt Arndt. Und gibt zu, dass er schon auf die nächste spart. Richtig rund wird der Abend durch die zahlreichen Songs, die Arndt von seiner Reise mitgebracht hat.

„Crossroads“ beispielsweise, mit seinen teuflischen Rhythmen und natürlich den „Mystery Train“. Arndts Finger gleiten über die Saiten, seine Augen schließen sich. Für einen Augenblick, ist er, sind wir, tief im Süden. Da wo sich Robert Johnson und der Teufel gute Nacht sagen.

Übrigens: Echte Fans können Arndt und seine Band auf eine weitere Reise begleiten. Zu einer Blues-Challenge in Memphis. „Wer will, der kann uns zu der Challenge begleiten, sozusagen als Fangruppe. Und wer richtig schnell ist, kann sogar mit uns im gleichen Hotel wohnen“. Einfach bei Arndt melden.

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