„Rettung geht vor“: Deshalb sind Schaulustige an Unglücksorten für Einsatzkräfte ein gefährliches Ärgernis Stefanie Dullweber Hille. Dass Menschen versuchen, Fotos oder Videos von Unfallopfern zu machen, ist traurige Realität. Die sogenannten Gaffer sind vor allem für Einsatzkräfte ein Ärgernis, denn häufig stören sie die Rettungsmaßnahmen. Sie zücken ihre Handys, fotografieren, filmen und verbreiten diese Aufnahmen in den sozialen Netzwerken. Polizei und Feuerwehr versuchen, für das Thema zu sensibilisieren. Ein aktueller Fall aus Hille, bei dem Fotos des eingeklemmten Unfallopfers in einer WhatsApp-Gruppe aufgetaucht sind, wird nach wie vor viel diskutiert. Auch bei den Einsatzkräften der Feuerwehr sind diese Bilder Thema. Luis Rothe ist Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille und bekommt es gelegentlich mit Gaffern zu tun. „So einen Fall wie den in Hille hatten wir aber glücklicherweise noch nicht", sagt er im Gespräch mit dem MT. Luis Rothe betont, dass die Feuerwehr ein solches Verhalten in keiner Weise dulde. Von der Feuerwehr Hille hatte die Polizei im Nachgang zu dem Unfall erfahren, dass vor dem Eintreffen der Rettungskräfte offenbar jemand Bilder von dem im Auto eingeklemmten Unfallopfer gemacht und diese in eine WhatsApp-Gruppe gestellt hatte. Es sei nur folgerichtig und ein klares Signal, findet Rothe, dass die Feuerwehr, nachdem sie von dieser dieser Straftat erfahren hat, diese auch bei der Polizei angezeigt habe. „Wir haben da auch intern eine klare Regelung in Form einer Dienstanweisung, die keinen Spielraum lässt. Unsere Einsatzkräfte dürfen selbst keine Fotos machen. Das ist den Pressesprechern vorbehalten." Diese Bilder würden auch nur dann veröffentlicht oder der Presse zur Verfügung gestellt, sofern diese gegen keinerlei Rechte oder Sitten verstoßen würden. „Wir legen da sehr hohe Maßstäbe an und wählen das Bildmaterial nach strengen Kriterien aus", so Rothe weiter. Als Pressesprecher sei er nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit und die Einsatzberichte zuständig, er trage auch Bildmaterial und Informationen für die interne Dokumentation zusammen. Der Feuerwehr-Pressesprecher hat sich selber in einem Seminar fortgebildet, um im Umgang mit den Medien fit zu sein und zu erfahren, welche Informationen er wann herausgeben kann. „Da unterscheiden sich Berichte für Zeitungen auch noch einmal von den sozialen Medien", weiß Luis Rothe. Zwar würde die Feuerwehr ihre eigenen Berichte bei Facebook oder Instagram nicht moderieren, aber Beleidigungen und Hasskommentare würden selbstverständlich nicht toleriert und zwangsläufig gelöscht. Sie müssten diese Art der Berichterstattung im Auge behalten. „Hin und wieder bekommen wir auch ein Dankeschön für unsere ehrenamtliche Arbeit." Wenn er als Pressesprecher bei einem Unfall oder einem Feuer im Einsatz ist, erkundige er sich zunächst beim Einsatzleiter vor Ort und verschaffe sich einen Überblick über die Lage. „Die Rettungsmaßnahmen gehen grundsätzlich vor. Und solange noch Opfer zugegen sind, machen wir keine Bilder", spricht Luis Rothe auch für seinen Stellvertreter Lukas Röthemeier. Auch Bilder, auf denen Kennzeichen oder persönliche Gegenstände von Opfern zu sehen sind, würden sie nicht weitergeben, oder unkenntlich machen. Wenn er Texte schreibe, sei es wichtig, diese sachlich und neutral zu verfassen. „Wir überlegen immer, was im öffentlichen Interesse ist und welche Informationen wir an die Presse geben können." Insbesondere bei tödlichen Unfällen würden sie auf eine zeitliche Verzögerung bei der Berichterstattung achten. „Wir versuchen, das richtige Mittelmaß zu finden, um die Informationsnachfrage der Presse und Bevölkerung zu bedienen und möglichen Spekulationen vorzubeugen." In letzter Konsequenz könnten Gaffer sogar kurzfristig in Gewahrsam genommen werden, sagt Polizeisprecher Thomas Bensch. Dabei sei es auch wichtig, die eigenen Kompetenzen nicht zu überschreiten. „Sich zur Unfall- oder Brandursache zu äußern, obliegt der Polizei." Die gute Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften sei ihm wichtig, betont Rothe. Im Fall von Gaffern hätte die Feuerwehr beispielsweise auch die Möglichkeit, diese Personen von der Polizei entfernen zu lassen, die dann wiederum einen Platzverweis erteilen kann. Im Fall der Unfallfotos in Hille laufen aktuell Ermittlungen gegen einen 34-jährigen Mann aus der Gemeinde. Das hatte Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer in der vergangenen Woche bestätigt. Die Beamten ermitteln wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahme". Dieser Vorwurf findet sich in Paragraf 201a des Strafgesetzbuches wieder. Demnach droht demjenigen eine bis zu zweijährige Freiheits- oder Geldstrafe, der „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt". Der Beschuldigte sei von der Polizei zu einer Vernehmung vorgeladen worden, so Steinmeyer weiter.

„Rettung geht vor“: Deshalb sind Schaulustige an Unglücksorten für Einsatzkräfte ein gefährliches Ärgernis

Immer wieder haben Rettungskräfte Schwierigkeiten mit Schaulustigen, die bei einem Rettungseinsatz fotografieren oder filmen. Foto: Imago © imago/Jochen Tack

Hille. Dass Menschen versuchen, Fotos oder Videos von Unfallopfern zu machen, ist traurige Realität. Die sogenannten Gaffer sind vor allem für Einsatzkräfte ein Ärgernis, denn häufig stören sie die Rettungsmaßnahmen. Sie zücken ihre Handys, fotografieren, filmen und verbreiten diese Aufnahmen in den sozialen Netzwerken. Polizei und Feuerwehr versuchen, für das Thema zu sensibilisieren.

Ein aktueller Fall aus Hille, bei dem Fotos des eingeklemmten Unfallopfers in einer WhatsApp-Gruppe aufgetaucht sind, wird nach wie vor viel diskutiert. Auch bei den Einsatzkräften der Feuerwehr sind diese Bilder Thema. Luis Rothe ist Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille und bekommt es gelegentlich mit Gaffern zu tun. „So einen Fall wie den in Hille hatten wir aber glücklicherweise noch nicht", sagt er im Gespräch mit dem MT.

Luis Rothe betont, dass die Feuerwehr ein solches Verhalten in keiner Weise dulde. Von der Feuerwehr Hille hatte die Polizei im Nachgang zu dem Unfall erfahren, dass vor dem Eintreffen der Rettungskräfte offenbar jemand Bilder von dem im Auto eingeklemmten Unfallopfer gemacht und diese in eine WhatsApp-Gruppe gestellt hatte. Es sei nur folgerichtig und ein klares Signal, findet Rothe, dass die Feuerwehr, nachdem sie von dieser dieser Straftat erfahren hat, diese auch bei der Polizei angezeigt habe. „Wir haben da auch intern eine klare Regelung in Form einer Dienstanweisung, die keinen Spielraum lässt. Unsere Einsatzkräfte dürfen selbst keine Fotos machen. Das ist den Pressesprechern vorbehalten."

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Patrick Schwemmling

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Diese Bilder würden auch nur dann veröffentlicht oder der Presse zur Verfügung gestellt, sofern diese gegen keinerlei Rechte oder Sitten verstoßen würden. „Wir legen da sehr hohe Maßstäbe an und wählen das Bildmaterial nach strengen Kriterien aus", so Rothe weiter. Als Pressesprecher sei er nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit und die Einsatzberichte zuständig, er trage auch Bildmaterial und Informationen für die interne Dokumentation zusammen.

Der Feuerwehr-Pressesprecher hat sich selber in einem Seminar fortgebildet, um im Umgang mit den Medien fit zu sein und zu erfahren, welche Informationen er wann herausgeben kann. „Da unterscheiden sich Berichte für Zeitungen auch noch einmal von den sozialen Medien", weiß Luis Rothe. Zwar würde die Feuerwehr ihre eigenen Berichte bei Facebook oder Instagram nicht moderieren, aber Beleidigungen und Hasskommentare würden selbstverständlich nicht toleriert und zwangsläufig gelöscht. Sie müssten diese Art der Berichterstattung im Auge behalten. „Hin und wieder bekommen wir auch ein Dankeschön für unsere ehrenamtliche Arbeit."

Wenn er als Pressesprecher bei einem Unfall oder einem Feuer im Einsatz ist, erkundige er sich zunächst beim Einsatzleiter vor Ort und verschaffe sich einen Überblick über die Lage. „Die Rettungsmaßnahmen gehen grundsätzlich vor. Und solange noch Opfer zugegen sind, machen wir keine Bilder", spricht Luis Rothe auch für seinen Stellvertreter Lukas Röthemeier. Auch Bilder, auf denen Kennzeichen oder persönliche Gegenstände von Opfern zu sehen sind, würden sie nicht weitergeben, oder unkenntlich machen.

Wenn er Texte schreibe, sei es wichtig, diese sachlich und neutral zu verfassen. „Wir überlegen immer, was im öffentlichen Interesse ist und welche Informationen wir an die Presse geben können." Insbesondere bei tödlichen Unfällen würden sie auf eine zeitliche Verzögerung bei der Berichterstattung achten. „Wir versuchen, das richtige Mittelmaß zu finden, um die Informationsnachfrage der Presse und Bevölkerung zu bedienen und möglichen Spekulationen vorzubeugen." In letzter Konsequenz könnten Gaffer sogar kurzfristig in Gewahrsam genommen werden, sagt Polizeisprecher Thomas Bensch.

Dabei sei es auch wichtig, die eigenen Kompetenzen nicht zu überschreiten. „Sich zur Unfall- oder Brandursache zu äußern, obliegt der Polizei." Die gute Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften sei ihm wichtig, betont Rothe. Im Fall von Gaffern hätte die Feuerwehr beispielsweise auch die Möglichkeit, diese Personen von der Polizei entfernen zu lassen, die dann wiederum einen Platzverweis erteilen kann.

Im Fall der Unfallfotos in Hille laufen aktuell Ermittlungen gegen einen 34-jährigen Mann aus der Gemeinde. Das hatte Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer in der vergangenen Woche bestätigt. Die Beamten ermitteln wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahme". Dieser Vorwurf findet sich in Paragraf 201a des Strafgesetzbuches wieder. Demnach droht demjenigen eine bis zu zweijährige Freiheits- oder Geldstrafe, der „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt". Der Beschuldigte sei von der Polizei zu einer Vernehmung vorgeladen worden, so Steinmeyer weiter.

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