Regen reicht nicht: Die Wasserspeicher in den Böden sind annähernd leer Stefanie Dullweber Hille. Weniger Regen, trockene Böden und kaum Aussicht auf Besserung. Meteorologe Friedrich Föst bescheinigte insbesondere der Gemeinde Hille eine „extreme Dürre“. „Die Monate September bis Dezember waren allesamt teilweise deutlich zu trocken“, bilanzierte der Lübbecker. In vielen Bereichen bleibt dies nicht ohne Konsequenzen und Experten sind längst in Alarmbereitschaft. Laut Friedrich Föst fehlten im vergangenen Jahr fünf bis zehn Prozent an Regen im Vergleich zum langjährigen Mittel in OWL. „Die Monate September bis Dezember waren allesamt teilweise deutlich zu trocken.“ In Hilles Nachbarkommune Rahden sei der November 2021 gar der zweittrockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951 gewesen. Die Aussagen des Meteorologe decken sich mit den Daten aus dem Dürremonitor Deutschland, den das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig herausgibt. Danach werden Bodenschichten bis zu 1,80 Meter in den genannten Regionen in die Kategorien „extreme Dürre“ und „außergewöhnliche Dürre“ eingeordnet. Es sind die höchsten Kategorien in der fünfstufigen Skala, die die Bodentrockenheit bewertet. Landwirtschaft „Aktuell können wir uns nicht beschweren“, sagt Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, im Gespräch mit dem MT. Die überdurchschnittliche Trockenheit betreffe insbesondere die tieferen Bodenschichten. „In denen arbeiten wir nicht.“ Die Situation am Oberboden hingegen sei aufgrund der Regenfälle in den vergangenen Wochen relativ normal. „Unsere Saaten sind damit momentan gut versorgt und wir sind aktuell optimistisch.“ Allerdings könne niemand vorhersehen, was die nächsten Wochen und Monate wettertechnisch bringen. Interessant werde es erst wieder im März, wenn die Kulturen zum Wachsen einen erhöhten Wasserbedarf hätten. Problematischer könnte es laut Meyer für Bäume mit einem tieferen Wurzelwerk und für die Grundwasserneubildung werden. Die Wettervorhersagen habe er natürlich ständig im Blick, sagt Meyer. Aber die Trefferquote sei derzeit nicht besonders hoch.Grundwasser Die Trockenheit habe eindeutig Einfluss auf die Neubildungsrate des Grundwassers, bestätigt Ingenieur Stefan Wiese die Annahme von Landwirt Rainer Meyer. Wieses Büro in Hille-Holzhausen ist in der Wasserversorgung tätig und er selbst ist beratend für den Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen tätig. Der Experte erklärt, dass die trockenen Böden kaum Wasser aufnehmen können. „Es perlt regelrecht ab.“ Die Böden müssten langsam aufweichen, aber das würde dauern. „Es müsste ständig Wasser nachkommen. Der klassische Landregen fehlt uns, vor allem in den Wintermonaten“, sagt Stefan Wiese.Die Hoffnung, dass der Landregen früherer Zeiten wiederkommt, ist laut Friedrich Föst gering: „Die Westwetterlagen sind deutlich zurückgegangen.“ Ursache sei ein verlagerter Jetstream. Dies begünstige Trockenheit, aber auch Starkregen. Ingenieur Stefan Wiese stellt seit Jahren fallende Grundwasserstände fest. Im Jahr 2020 habe es mehr Niederschläge gegeben, so dass der Grundwasserspiegel gehalten werden konnte. „Wir unterhalten ein Messstellennetz und kontrollieren die Werte regelmäßig.“ Im vergangenen Jahr seien diese Werte dann wieder gefallen. Der Grund seien in erster Linie mangelnde Niederschläge.Der Wasserbeschaffungsverband wisse um diese Situation. „Dort ist man alarmiert.“ Es werde versucht, Kooperationen mit anderen Versorgern zu bilden. „Da ist man auf einem guten Weg“, so Wiese weiter. Allerdings hätten auch andere Versorger keine unbegrenzten Kapazitäten. In jedem Jahr würde er mit Sorge auf die Sommermonate schauen, sagt der Hiller. Vor allem die Tagesspitzen an heißen Tagen seien ein Problem. Der neue Hochbehälter in Bergkirchen könne zwar 10.000 Kubikmeter Wasser speichern, aber auch das sei keine hundertprozentige Absicherung. Um die Bevölkerung bei Trinkwasserknappheit zu warnen, wurde ein Ampelsystem eingerichtet, das unter anderem auf der Homepage der Gemeinde Hille einsehbar ist. Springt die Ampel auf Gelb, ist auf die Bewässerung des Gartens oder das Befüllen eines Gartenpools zu verzichten. Großes Torfmoor Dass die Jahresniederschläge zurückgegangen sind, mache sich im Großen Torfmoor und in den Bastauwiesen bemerkbar, sagt Lothar Meckling, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Er spricht von rund einem halben Meter Wasser, der im Moor fehlt. Und in den Bastauwiesen würden die Bastau und der Entlaster das Gelände immer noch stark entwässern. All das habe Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. „Gräser und Blumen bekommen nicht genügend Wasser und sterben ab. Die Vögel können in den teils harten Böden nicht nach Nahrung stochern. Ihnen wird der Lebensraum entzogen“, ist Meckling in großer Sorge. Das Ziel sei es, feuchte Landschaften zu schützen. Dafür haben die NRW-Stiftung, der Kreis und der Nabu bereits mehrere Hektar Land in den Bastauwiesen gekauft. Und im Rahmen des Life-Projekts seien weitere Ankäufe im Hiller Bereich geplant, kündigt Meckling an.Dirk Esplör, Geschäftsführer der Biologischen Station kennt die aktuelle Situation genau, weil er monatlich die Messstellen im Moor und in den Bastauwiesen kontrolliert. Im Moor ist in der Vergangenheit einiges getan worden, um das Wasser zurückzuhalten. „Das spiegelt sich im Wasserhaushalt wieder“, sagt Esplör. Seit dem Spätsommer steigen die Werte langsam an. In den Bastauwiesen sei die Situation hingegen umgekehrt. Für die Jahreszeit unüblich sinken die Wasserstände und können sich folglich gar nicht mehr erholen. Für Esplör ist die Botschaft klar: „Mit Maßnahmen zur Wiedervernässung lässt sich die Sache deutlich abmildern. Wird nichts unternommen, wird es dramatisch.“Der Wald Gefühlt habe es im letzten Jahr sehr viel geregnet und obendrein sei es recht kalt gewesen. Den Eindruck hatte zumindest Förster Markus Uhr. Dennoch sind die Böden trocken und der Grund dafür liegt schon etwas länger zurück. Denn 2018 und 2019 gehörten zu den trockensten Jahren überhaupt. „In den beiden Jahren danach hat es nur durchschnittlich geregnet und das Defizit konnte nicht ausgeglichen werden“, sagt Uhr. Hinzukommt, dass es nie die ganz üppigen Niederschläge gab. „Wir befinden uns hier im Regenschatten des Wiehengebirges.“ Welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Bäume hat, hängt laut Markus Uhr auch von der Beschaffenheit der Böden ab. Der Boden im Wiehengebirge habe eine feinkörnige Auflage – Löss genannt –, die durch Regen sehr klebrig wird. Die Niederschläge könnten im Boden sehr gut aufgenommen und gehalten werden. „Es dauert lange, bis die Bäume Wasserstress haben.“ In den tieferen Lagen – nördlich des Kanals – gebe es eine kaum durchlässige Tonschicht und folglich eher staunasse Böden. Das komme eher den flacher wurzelnden Baumarten zugute. Je nach Beschaffenheit böten sich also unterschiedliche Bepflanzungen an. Grundsätzlich würde es jedoch noch dauern, bis sich die Vegetation von den Dürrejahren erholt hat, weiß Markus Uhr. Und einigen Bäume, wie beispielsweise der Eiche, würde man die Grundwasserabsenkung erst nach zehn bis zwölf Jahren anmerken. Seine Hoffnung ist, dass dieser Sommer nicht zu heiß und trocken wird. „Das würde uns auf jeden Fall voranbringen.“

Regen reicht nicht: Die Wasserspeicher in den Böden sind annähernd leer

Zu wenig Regen sorgt für dürre Böden – insbesondere in der Gemeinde Hille. Foto: Pixabay

Hille. Weniger Regen, trockene Böden und kaum Aussicht auf Besserung. Meteorologe Friedrich Föst bescheinigte insbesondere der Gemeinde Hille eine „extreme Dürre“. „Die Monate September bis Dezember waren allesamt teilweise deutlich zu trocken“, bilanzierte der Lübbecker. In vielen Bereichen bleibt dies nicht ohne Konsequenzen und Experten sind längst in Alarmbereitschaft.

Laut Friedrich Föst fehlten im vergangenen Jahr fünf bis zehn Prozent an Regen im Vergleich zum langjährigen Mittel in OWL. „Die Monate September bis Dezember waren allesamt teilweise deutlich zu trocken.“ In Hilles Nachbarkommune Rahden sei der November 2021 gar der zweittrockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1951 gewesen. Die Aussagen des Meteorologe decken sich mit den Daten aus dem Dürremonitor Deutschland, den das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig herausgibt. Danach werden Bodenschichten bis zu 1,80 Meter in den genannten Regionen in die Kategorien „extreme Dürre“ und „außergewöhnliche Dürre“ eingeordnet. Es sind die höchsten Kategorien in der fünfstufigen Skala, die die Bodentrockenheit bewertet.

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Patrick Schwemmling

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„Aktuell können wir uns nicht beschweren“, sagt Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, im Gespräch mit dem MT. Die überdurchschnittliche Trockenheit betreffe insbesondere die tieferen Bodenschichten. „In denen arbeiten wir nicht.“ Die Situation am Oberboden hingegen sei aufgrund der Regenfälle in den vergangenen Wochen relativ normal. „Unsere Saaten sind damit momentan gut versorgt und wir sind aktuell optimistisch.“ Allerdings könne niemand vorhersehen, was die nächsten Wochen und Monate wettertechnisch bringen. Interessant werde es erst wieder im März, wenn die Kulturen zum Wachsen einen erhöhten Wasserbedarf hätten. Problematischer könnte es laut Meyer für Bäume mit einem tieferen Wurzelwerk und für die Grundwasserneubildung werden. Die Wettervorhersagen habe er natürlich ständig im Blick, sagt Meyer. Aber die Trefferquote sei derzeit nicht besonders hoch.

Grundwasser

Die Trockenheit habe eindeutig Einfluss auf die Neubildungsrate des Grundwassers, bestätigt Ingenieur Stefan Wiese die Annahme von Landwirt Rainer Meyer. Wieses Büro in Hille-Holzhausen ist in der Wasserversorgung tätig und er selbst ist beratend für den Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen tätig. Der Experte erklärt, dass die trockenen Böden kaum Wasser aufnehmen können. „Es perlt regelrecht ab.“ Die Böden müssten langsam aufweichen, aber das würde dauern. „Es müsste ständig Wasser nachkommen. Der klassische Landregen fehlt uns, vor allem in den Wintermonaten“, sagt Stefan Wiese.

Die Hoffnung, dass der Landregen früherer Zeiten wiederkommt, ist laut Friedrich Föst gering: „Die Westwetterlagen sind deutlich zurückgegangen.“ Ursache sei ein verlagerter Jetstream. Dies begünstige Trockenheit, aber auch Starkregen.

Ingenieur Stefan Wiese stellt seit Jahren fallende Grundwasserstände fest. Im Jahr 2020 habe es mehr Niederschläge gegeben, so dass der Grundwasserspiegel gehalten werden konnte. „Wir unterhalten ein Messstellennetz und kontrollieren die Werte regelmäßig.“ Im vergangenen Jahr seien diese Werte dann wieder gefallen. Der Grund seien in erster Linie mangelnde Niederschläge.

Der Wasserbeschaffungsverband wisse um diese Situation. „Dort ist man alarmiert.“ Es werde versucht, Kooperationen mit anderen Versorgern zu bilden. „Da ist man auf einem guten Weg“, so Wiese weiter. Allerdings hätten auch andere Versorger keine unbegrenzten Kapazitäten. In jedem Jahr würde er mit Sorge auf die Sommermonate schauen, sagt der Hiller. Vor allem die Tagesspitzen an heißen Tagen seien ein Problem. Der neue Hochbehälter in Bergkirchen könne zwar 10.000 Kubikmeter Wasser speichern, aber auch das sei keine hundertprozentige Absicherung. Um die Bevölkerung bei Trinkwasserknappheit zu warnen, wurde ein Ampelsystem eingerichtet, das unter anderem auf der Homepage der Gemeinde Hille einsehbar ist. Springt die Ampel auf Gelb, ist auf die Bewässerung des Gartens oder das Befüllen eines Gartenpools zu verzichten.

Großes Torfmoor

Dass die Jahresniederschläge zurückgegangen sind, mache sich im Großen Torfmoor und in den Bastauwiesen bemerkbar, sagt Lothar Meckling, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Minden-Lübbecke. Er spricht von rund einem halben Meter Wasser, der im Moor fehlt. Und in den Bastauwiesen würden die Bastau und der Entlaster das Gelände immer noch stark entwässern. All das habe Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. „Gräser und Blumen bekommen nicht genügend Wasser und sterben ab. Die Vögel können in den teils harten Böden nicht nach Nahrung stochern. Ihnen wird der Lebensraum entzogen“, ist Meckling in großer Sorge. Das Ziel sei es, feuchte Landschaften zu schützen. Dafür haben die NRW-Stiftung, der Kreis und der Nabu bereits mehrere Hektar Land in den Bastauwiesen gekauft. Und im Rahmen des Life-Projekts seien weitere Ankäufe im Hiller Bereich geplant, kündigt Meckling an.

Dirk Esplör, Geschäftsführer der Biologischen Station kennt die aktuelle Situation genau, weil er monatlich die Messstellen im Moor und in den Bastauwiesen kontrolliert. Im Moor ist in der Vergangenheit einiges getan worden, um das Wasser zurückzuhalten. „Das spiegelt sich im Wasserhaushalt wieder“, sagt Esplör. Seit dem Spätsommer steigen die Werte langsam an. In den Bastauwiesen sei die Situation hingegen umgekehrt. Für die Jahreszeit unüblich sinken die Wasserstände und können sich folglich gar nicht mehr erholen. Für Esplör ist die Botschaft klar: „Mit Maßnahmen zur Wiedervernässung lässt sich die Sache deutlich abmildern. Wird nichts unternommen, wird es dramatisch.“

Der Wald

Gefühlt habe es im letzten Jahr sehr viel geregnet und obendrein sei es recht kalt gewesen. Den Eindruck hatte zumindest Förster Markus Uhr. Dennoch sind die Böden trocken und der Grund dafür liegt schon etwas länger zurück. Denn 2018 und 2019 gehörten zu den trockensten Jahren überhaupt. „In den beiden Jahren danach hat es nur durchschnittlich geregnet und das Defizit konnte nicht ausgeglichen werden“, sagt Uhr. Hinzukommt, dass es nie die ganz üppigen Niederschläge gab. „Wir befinden uns hier im Regenschatten des Wiehengebirges.“

Welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Bäume hat, hängt laut Markus Uhr auch von der Beschaffenheit der Böden ab. Der Boden im Wiehengebirge habe eine feinkörnige Auflage – Löss genannt –, die durch Regen sehr klebrig wird. Die Niederschläge könnten im Boden sehr gut aufgenommen und gehalten werden. „Es dauert lange, bis die Bäume Wasserstress haben.“ In den tieferen Lagen – nördlich des Kanals – gebe es eine kaum durchlässige Tonschicht und folglich eher staunasse Böden. Das komme eher den flacher wurzelnden Baumarten zugute. Je nach Beschaffenheit böten sich also unterschiedliche Bepflanzungen an.

Grundsätzlich würde es jedoch noch dauern, bis sich die Vegetation von den Dürrejahren erholt hat, weiß Markus Uhr. Und einigen Bäume, wie beispielsweise der Eiche, würde man die Grundwasserabsenkung erst nach zehn bis zwölf Jahren anmerken. Seine Hoffnung ist, dass dieser Sommer nicht zu heiß und trocken wird. „Das würde uns auf jeden Fall voranbringen.“

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