Raus aus dem Korsett: Mühlenbach wird auf einer Länge von rund 300 Metern freigelegt Stefanie Dullweber Hille-Rothenuffeln. Mindestens 200 Jahre ist der Mühlenbach unterirdisch verlaufen. Auf einer Länge von 300 Metern fließt das Gewässer durch ein Rohr. Aus diesem Korsett will die Gemeinde den Bach jetzt befreien. Mit den Vorarbeiten für die Offenlegung ist in dieser Woche begonnen worden. Ein Jahr hat die Gemeinde Zeit, bis der Auftrag abgeschlossen sein muss – und das hat einen Grund. Der Bereich, in dem die Arbeiten stattfinden, nennt sich „Kleiner Kurpark". Dieser ist nicht weit entfernt vom Kurpark am Bürgerhaus mit der Kulturscheune und dem Heuerlingshaus. Beide Grünanlagen sollen künftig eine Einheit bilden – und als verbindendes Element dient der Mühlenbach. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt vom ehemaligen Bauamtsleiter Helmut Spilker, der seit Kurzem im Ruhestand ist. Zum offiziellen Spatenstich in dieser Woche wies seine Nachfolgerin Ute Hildebrandt noch einmal auf den Einsatz ihres Vorgängers hin. Die Gemeinde profitiert bei der Offenlegung und naturnahen Gestaltung des Gewässers von Fördergeldern des Landes. Allerdings datiert der Antrag der Verwaltung bereits aus dem Jahr 2017 mit den seinerzeit geschätzten Baukosten in Höhe von 276.650 Euro. Auf Basis dieses Antrags hat die Kommune 2018 die Plangenehmigung erhalten und Ende letzten Jahres dann den Fördergeldbescheid in Höhe von 221.320 – sprich 80 Prozent der Baukosten. Aktuell liegen die geschätzten Baukosten laut Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos) bei 530.000 Euro. Sie sind also mit den Berechnungen von vor vier Jahren nicht mehr zu vergleichen. Wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt, werde man auf jeden Fall versuchen, mit der Bezirksregierung hinsichtlich einer Nachbewilligung von Fördergeldern ins Gespräch zu kommen. Ziel seit es, auf die besagten 80 Prozent zu kommen. Mit den Geldern unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Vorhaben zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Die Gelder sind jedoch an eine Bedingung geknüpft. Sie müssen bis zum 31. Oktober 2022 ausgegeben worden sein – heißt: das Projekt muss innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. „Das ist auch der Grund, warum wir einen Teil des Geldes noch in diesem Jahr verplanen und nicht erst nach dem Winter mit den Bauarbeiten beginnen", sagt Landschaftsarchitekt Wolfgang Hanke beim Vor-Ort Termin. Das Büro O.9 aus Minden hat die Pläne für das anstehende Mühlenbach-Projekt gezeichnet. Die Offenlegung des Mühlenbaches beginnt östlich der Straße Griepshop. Im weiteren Verlauf schwenkt der Bachlauf nach Nordwesten. Die alte Rohrleitung bleibt unter anderem zum Schutz der Bäume im Boden. Sie wird wie mit einem Korken verschlossen. „Die Baggerarbeiten müssen sehr exakt ausgeführt werden. Das wird von der Naturschutz- und Wasserbehörde engmaschig begleitet. Wir dürfen beispielsweise nicht riskieren, dass die Heilquelle hier im Kurgebiet in Mitleidenschaft gezogen wird", erklärt Wolfgang Hanke die besonderen Herausforderungen. Ausgeführt werden die Arbeiten von der heimischen Firma Lohmeier, die bereits die Arbeiten an Reimlers Teich übernommen hatte. Nach dem Schwenk verläuft das Bachbett über die Grünfläche im Kleinen Kurpark. Das Gewässer variiert in der Breite mit bis zu sechs Metern. An zwei Stellen im Kleinen Kurpark werden Brücken mit Holzbohlen und Metallgeländer gebaut, über die Spaziergänger den Mühlenbach überqueren können. Am östlichen Ufer ist eine Sandsteintreppe zum Wasser vorgesehen. Es wird Sitzmöglichkeiten und eine Informationstafel geben. Um zum Großen Kurpark zu gelangen, muss der Bach dann den Boselweg unterqueren. Im weiteren Verlauf fließt das Gewässer in seinem Bett über eine Obstbaumwiese und dann ostwärts in Richtung Neubaugebiet. Zwei Bäume müssten im Verlauf der Bauarbeiten weichen, so der Landschaftsarchitekt. „Es wird aber etliche Neuanpflanzungen geben." Ein letzter Schwenk nach Westen lenkt den Mühlenbach in den ursprünglichen Verlauf entlang des Großen Kurparks. Dank der breiten Sohle kann der Bach entsprechend der Gewässerdynamik seinen eigenen Lauf ausbilden und sich stetig verändern. Das bedeutet mehr Raum für Tiere und Pflanzen. Der Mühlenbach soll nicht nur in einen guten ökologischen Zustand versetzt, sondern laut Hanke auch erlebbar gemacht werden. So könnten beispielsweise später Schulklassen und Kindergartengruppen für einen Anschauungsunterricht hierher kommen. Und auch in Sachen Tourismus ist Rothenuffeln für die Gemeinde Hille ein wichtiger Standort. Immerhin hat die Ortschaft an der Bergkante seit August 2018 den Status als Luftkurort. Nach der Bekanntgabe hatte die Gemeinde bereits veranlasst, dass der kleine Kurpark optisch aufgewertet wird. Mit einer Mischung aus Fördergeldern und einem Eigenanteil wurde der Weg im Park frisch asphaltiert und es sind zwei Sandsteinwände mit Sitzmöglichkeiten entstanden. Es wurden Staudenbeete angelegt und abends leuchten hier Laternen. Unklar ist aktuell noch, wie es mit dem baufälligen Badehaus westlich der Straße Griepshop weitergeht. „Hierzu müssen noch Gespräche geführt werden", kündigte Michael Schweiß an. Um die Planungen rund um den großen und kleinen Kurpark abzurunden, favorisiert die Gemeinde einen Abriss des Gebäudes. In dem Fall würde der geöffnete Mühlenbach sogar bis zum Mittelweg reichen. Das Haus befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Kleinemeier. Früher haben die Gäste dort ihre Moorbäder bekommen. Heute ist das Gebäude baufällig.

Raus aus dem Korsett: Mühlenbach wird auf einer Länge von rund 300 Metern freigelegt

Im kleinen Kurpark stehen die Baumaschinen bereit. Bereits im nächsten Jahr soll hier der Mühlenbach fließen, der aktuell noch durch ein unterirdisches Rohr geleitet wird. Der Bach soll den großen und kleinen Kurpark verbinden. MT-Foto: Stefanie Dullweber © sbo

Hille-Rothenuffeln. Mindestens 200 Jahre ist der Mühlenbach unterirdisch verlaufen. Auf einer Länge von 300 Metern fließt das Gewässer durch ein Rohr. Aus diesem Korsett will die Gemeinde den Bach jetzt befreien. Mit den Vorarbeiten für die Offenlegung ist in dieser Woche begonnen worden. Ein Jahr hat die Gemeinde Zeit, bis der Auftrag abgeschlossen sein muss – und das hat einen Grund.

Der Bereich, in dem die Arbeiten stattfinden, nennt sich „Kleiner Kurpark". Dieser ist nicht weit entfernt vom Kurpark am Bürgerhaus mit der Kulturscheune und dem Heuerlingshaus. Beide Grünanlagen sollen künftig eine Einheit bilden – und als verbindendes Element dient der Mühlenbach. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt vom ehemaligen Bauamtsleiter Helmut Spilker, der seit Kurzem im Ruhestand ist. Zum offiziellen Spatenstich in dieser Woche wies seine Nachfolgerin Ute Hildebrandt noch einmal auf den Einsatz ihres Vorgängers hin.

Die Gemeinde profitiert bei der Offenlegung und naturnahen Gestaltung des Gewässers von Fördergeldern des Landes. Allerdings datiert der Antrag der Verwaltung bereits aus dem Jahr 2017 mit den seinerzeit geschätzten Baukosten in Höhe von 276.650 Euro. Auf Basis dieses Antrags hat die Kommune 2018 die Plangenehmigung erhalten und Ende letzten Jahres dann den Fördergeldbescheid in Höhe von 221.320 – sprich 80 Prozent der Baukosten.

Malina Reckordt

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Aktuell liegen die geschätzten Baukosten laut Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos) bei 530.000 Euro. Sie sind also mit den Berechnungen von vor vier Jahren nicht mehr zu vergleichen. Wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt, werde man auf jeden Fall versuchen, mit der Bezirksregierung hinsichtlich einer Nachbewilligung von Fördergeldern ins Gespräch zu kommen. Ziel seit es, auf die besagten 80 Prozent zu kommen.

Mit den Geldern unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Vorhaben zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Die Gelder sind jedoch an eine Bedingung geknüpft. Sie müssen bis zum 31. Oktober 2022 ausgegeben worden sein – heißt: das Projekt muss innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. „Das ist auch der Grund, warum wir einen Teil des Geldes noch in diesem Jahr verplanen und nicht erst nach dem Winter mit den Bauarbeiten beginnen", sagt Landschaftsarchitekt Wolfgang Hanke beim Vor-Ort Termin. Das Büro O.9 aus Minden hat die Pläne für das anstehende Mühlenbach-Projekt gezeichnet.

Die Offenlegung des Mühlenbaches beginnt östlich der Straße Griepshop. Im weiteren Verlauf schwenkt der Bachlauf nach Nordwesten. Die alte Rohrleitung bleibt unter anderem zum Schutz der Bäume im Boden. Sie wird wie mit einem Korken verschlossen. „Die Baggerarbeiten müssen sehr exakt ausgeführt werden. Das wird von der Naturschutz- und Wasserbehörde engmaschig begleitet. Wir dürfen beispielsweise nicht riskieren, dass die Heilquelle hier im Kurgebiet in Mitleidenschaft gezogen wird", erklärt Wolfgang Hanke die besonderen Herausforderungen. Ausgeführt werden die Arbeiten von der heimischen Firma Lohmeier, die bereits die Arbeiten an Reimlers Teich übernommen hatte.

Nach dem Schwenk verläuft das Bachbett über die Grünfläche im Kleinen Kurpark. Das Gewässer variiert in der Breite mit bis zu sechs Metern. An zwei Stellen im Kleinen Kurpark werden Brücken mit Holzbohlen und Metallgeländer gebaut, über die Spaziergänger den Mühlenbach überqueren können. Am östlichen Ufer ist eine Sandsteintreppe zum Wasser vorgesehen. Es wird Sitzmöglichkeiten und eine Informationstafel geben. Um zum Großen Kurpark zu gelangen, muss der Bach dann den Boselweg unterqueren.

Im weiteren Verlauf fließt das Gewässer in seinem Bett über eine Obstbaumwiese und dann ostwärts in Richtung Neubaugebiet. Zwei Bäume müssten im Verlauf der Bauarbeiten weichen, so der Landschaftsarchitekt. „Es wird aber etliche Neuanpflanzungen geben." Ein letzter Schwenk nach Westen lenkt den Mühlenbach in den ursprünglichen Verlauf entlang des Großen Kurparks. Dank der breiten Sohle kann der Bach entsprechend der Gewässerdynamik seinen eigenen Lauf ausbilden und sich stetig verändern. Das bedeutet mehr Raum für Tiere und Pflanzen.

Der Mühlenbach soll nicht nur in einen guten ökologischen Zustand versetzt, sondern laut Hanke auch erlebbar gemacht werden. So könnten beispielsweise später Schulklassen und Kindergartengruppen für einen Anschauungsunterricht hierher kommen. Und auch in Sachen Tourismus ist Rothenuffeln für die Gemeinde Hille ein wichtiger Standort. Immerhin hat die Ortschaft an der Bergkante seit August 2018 den Status als Luftkurort.

Nach der Bekanntgabe hatte die Gemeinde bereits veranlasst, dass der kleine Kurpark optisch aufgewertet wird. Mit einer Mischung aus Fördergeldern und einem Eigenanteil wurde der Weg im Park frisch asphaltiert und es sind zwei Sandsteinwände mit Sitzmöglichkeiten entstanden. Es wurden Staudenbeete angelegt und abends leuchten hier Laternen.

Unklar ist aktuell noch, wie es mit dem baufälligen Badehaus westlich der Straße Griepshop weitergeht. „Hierzu müssen noch Gespräche geführt werden", kündigte Michael Schweiß an. Um die Planungen rund um den großen und kleinen Kurpark abzurunden, favorisiert die Gemeinde einen Abriss des Gebäudes. In dem Fall würde der geöffnete Mühlenbach sogar bis zum Mittelweg reichen. Das Haus befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Kleinemeier. Früher haben die Gäste dort ihre Moorbäder bekommen. Heute ist das Gebäude baufällig.

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