Plausch am Container: Ein Besuch auf dem Wertstoffhof der Pohlschen Heide Stefanie Dullweber Hille (mt). „Ich packe mal gerade mit an." – Diesen Satz sagt Reiner Wesemann am Samstagvormittag mindestens ein Dutzend Mal. Der Vorarbeiter auf dem Wertstoffhof der Pohlschen Heide in Hille ist in seinem Element. Er weist die Autofahrer ein, hilft ihnen beim Abladen und beim Sortieren, kassiert ab und stempelt Bonushefte. „Kein Tag ist wie der andere", sagt er. Und überhaupt, die Hiller, das seien super Leute, die würden ihren Müll ordentlich sortieren, seien hilfsbereit und hätten immer ein freundliches Wort auf den Lippen, sagt der Mann aus dem niedersächsischen Ort Höfen. Viele Kunden, die an diesem Morgen auf den Wertstoffhof kommen, duzen Rainer Wesemann. Es sind Stammkunden, die meisten kommen aus der näheren Umgebung. Der Mitarbeiter führt eine Statistik, er notiert den Wohnort jedes einzelnen Kunden. An einem Samstagvormittag sind das schon mal bis zu 300 Fahrzeuge, die hier auf den Hof fahren. Und einige wollen nicht nur ihren Müll loswerden, sondern sich auch unterhalten. „Da muss man auch zuhören können", sagt Wesemann. Auf den beiden Wertstoffhöfen der Pohlschen Heide – einer für Privatleute, einer für Gewerbetreibende – können die Kunden ihre Abfälle und Wertstoffe in abgesenkten Containern als Selbstanlieferer entsorgen. Unterschieden wird hier zwischen Holz, Reifen, Textilien, Bauschutt, Bio- und Grünabfällen, Elektrogeräten, Glas, Hartkunststoffen, Metall, Papier und Pappe, Restmüll und Sperrmüll. Gerade kommt ein Kunde angefahren, der einen Kühlschrank und eine Waschmaschine loswerden möchte. „Das kostet Sie nichts", ruft Wesemann dem Mann zu. Die Entsorgung von Elektro- und Metallschrott, Papier und Pappe ist kostenlos. Ansonsten zahlt der Kunde für eine Auto-Ladung pauschal zehn Euro, eine Kofferraumladung kostet fünf Euro. Eigentlich funktioniert es so, dass die Kunden Reiner Wesemann ansagen, was sie geladen haben – der Mitarbeiter erklärt ihnen dann, in welche Container sie die verschiedenen Abfälle werfen können. Manchmal wirft er aber auch selber einen Blick in das Auto oder den Anhänger, denn einige versuchen hier ihren illegalen Müll zu entsorgen. Aber nicht mit Reiner Wesemann. „Ich kenne meine Leute. Ich sehe es ihnen an, wenn sie mir etwas unterjubeln wollen und zwar daran, wie sie reagieren oder wie sie sprechen." Manche würden sogar versuchen, einen mit Müll vollgestopften vollen Kühlschrank loszuwerden, verrät Wesemann, der seit 2001 auf der Pohlschen Heide arbeitet. Sabine Kruckenbaum aus Oberlübbe bringt an diesem Morgen „alles, was den Sommer nicht überlebt hat". Die Mutter hat eine alte Kinderküche, eine kaputte Luftmatratze und Bilder geladen. „Ich nutze den Wertstoffhof regelmäßig. Hier ist es günstig, Dinge zu entsorgen", findet sie. Herbert Schäffer aus Südhemmern entsorgt auf der Pohlschen Heide Elektroschrott, den er bei Kunden demontiert hat. „Wenn wir den Kunden diesen Service nicht bieten, landen die Sachen im Restmüll oder schlimmstenfalls in der Landschaft", meint Schäffer. Helmut Lilienkamp aus Hille hat sein Auto bis unter das Dach vollgepackt mit Grünabfällen. „Ich bin glücklich, dass ich jemanden habe, der mit anpackt", sagt er in Richtung Reiner Wesemann, der ihm hilft, die schweren Säcke zu leeren. Drei Wochen hat Lilienkamp die Abfälle aus seinem Garten gesammelt, jetzt wird er sie für drei Euro auf der Pohlschen Heide los. In seinem Heft sammelt der Hiller Bonus-Stempel – mit zehn Stempeln ist die nächste Lieferung gratis. Einigen Kunden würde Reiner Wesemann am liebsten sagen, dass sie Dinge lieber wieder mit nach Hause nehmen sollten. „Vieles ist doch einfach zu schade zum Wegschmeißen", findet er. Für all diese Dinge gibt es zum Glück noch das Stöberparadies. Gut erhaltene Sachen können auf der Pohlschen Heide abgegeben werden, von dort werden sie nach Minden gebracht und als Secondhand-Ware weiterverkauft. Dort finden Kunden Möbel, Bekleidung, Haushaltswaren oder Heimwerker-Utensilien. Reiner Wesemann, der selber früher in einem Baumarkt gearbeitet hat, liest gerne die Prospekte mit den aktuellen Angeboten. „Dann sehe ich heute schon, was die Leute demnächst bei uns auf der Pohlschen Heide entsorgen", sagt er kopfschüttelnd. Das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide: Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung. Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem täglich dort angelieferten Müll? Und warumist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht das Mindener Tageblatt in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide" tiefer auf den Grund. Haben Sie ein weiteres Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!

Plausch am Container: Ein Besuch auf dem Wertstoffhof der Pohlschen Heide

„Ich packe mal gerade mit an“. Reiner Wesemann unterstützt Helmut Lilienkamp, der auf der Pohlschen Heide Grünabfälle entsorgt. MT-Fotos: S. Dullweber

Hille (mt). „Ich packe mal gerade mit an." – Diesen Satz sagt Reiner Wesemann am Samstagvormittag mindestens ein Dutzend Mal. Der Vorarbeiter auf dem Wertstoffhof der Pohlschen Heide in Hille ist in seinem Element. Er weist die Autofahrer ein, hilft ihnen beim Abladen und beim Sortieren, kassiert ab und stempelt Bonushefte. „Kein Tag ist wie der andere", sagt er. Und überhaupt, die Hiller, das seien super Leute, die würden ihren Müll ordentlich sortieren, seien hilfsbereit und hätten immer ein freundliches Wort auf den Lippen, sagt der Mann aus dem niedersächsischen Ort Höfen.

Viele Kunden, die an diesem Morgen auf den Wertstoffhof kommen, duzen Rainer Wesemann. Es sind Stammkunden, die meisten kommen aus der näheren Umgebung. Der Mitarbeiter führt eine Statistik, er notiert den Wohnort jedes einzelnen Kunden. An einem Samstagvormittag sind das schon mal bis zu 300 Fahrzeuge, die hier auf den Hof fahren. Und einige wollen nicht nur ihren Müll loswerden, sondern sich auch unterhalten. „Da muss man auch zuhören können", sagt Wesemann.

Wilfried Eickmeier aus Friedewalde lässt sich für jede Anlieferung einen Stempel in sein Bonusheft geben. Die elfte Lieferung bekommt er gratis.
Wilfried Eickmeier aus Friedewalde lässt sich für jede Anlieferung einen Stempel in sein Bonusheft geben. Die elfte Lieferung bekommt er gratis.

Auf den beiden Wertstoffhöfen der Pohlschen Heide – einer für Privatleute, einer für Gewerbetreibende – können die Kunden ihre Abfälle und Wertstoffe in abgesenkten Containern als Selbstanlieferer entsorgen. Unterschieden wird hier zwischen Holz, Reifen, Textilien, Bauschutt, Bio- und Grünabfällen, Elektrogeräten, Glas, Hartkunststoffen, Metall, Papier und Pappe, Restmüll und Sperrmüll. Gerade kommt ein Kunde angefahren, der einen Kühlschrank und eine Waschmaschine loswerden möchte. „Das kostet Sie nichts", ruft Wesemann dem Mann zu. Die Entsorgung von Elektro- und Metallschrott, Papier und Pappe ist kostenlos. Ansonsten zahlt der Kunde für eine Auto-Ladung pauschal zehn Euro, eine Kofferraumladung kostet fünf Euro.

Viel los am Samstagmorgen: „Zwischen 8 und 13 Uhr kommen bis zu 300 Kunden auf den Wertstoffhof“, sagt Reiner Wesemann.
Viel los am Samstagmorgen: „Zwischen 8 und 13 Uhr kommen bis zu 300 Kunden auf den Wertstoffhof“, sagt Reiner Wesemann.

Eigentlich funktioniert es so, dass die Kunden Reiner Wesemann ansagen, was sie geladen haben – der Mitarbeiter erklärt ihnen dann, in welche Container sie die verschiedenen Abfälle werfen können. Manchmal wirft er aber auch selber einen Blick in das Auto oder den Anhänger, denn einige versuchen hier ihren illegalen Müll zu entsorgen. Aber nicht mit Reiner Wesemann. „Ich kenne meine Leute. Ich sehe es ihnen an, wenn sie mir etwas unterjubeln wollen und zwar daran, wie sie reagieren oder wie sie sprechen." Manche würden sogar versuchen, einen mit Müll vollgestopften vollen Kühlschrank loszuwerden, verrät Wesemann, der seit 2001 auf der Pohlschen Heide arbeitet.

Sabine Kruckenbaum aus Oberlübbe bringt an diesem Morgen „alles, was den Sommer nicht überlebt hat". Die Mutter hat eine alte Kinderküche, eine kaputte Luftmatratze und Bilder geladen. „Ich nutze den Wertstoffhof regelmäßig. Hier ist es günstig, Dinge zu entsorgen", findet sie.

Herbert Schäffer aus Südhemmern entsorgt auf der Pohlschen Heide Elektroschrott, den er bei Kunden demontiert hat. „Wenn wir den Kunden diesen Service nicht bieten, landen die Sachen im Restmüll oder schlimmstenfalls in der Landschaft", meint Schäffer.

Helmut Lilienkamp aus Hille hat sein Auto bis unter das Dach vollgepackt mit Grünabfällen. „Ich bin glücklich, dass ich jemanden habe, der mit anpackt", sagt er in Richtung Reiner Wesemann, der ihm hilft, die schweren Säcke zu leeren. Drei Wochen hat Lilienkamp die Abfälle aus seinem Garten gesammelt, jetzt wird er sie für drei Euro auf der Pohlschen Heide los. In seinem Heft sammelt der Hiller Bonus-Stempel – mit zehn Stempeln ist die nächste Lieferung gratis.

Einigen Kunden würde Reiner Wesemann am liebsten sagen, dass sie Dinge lieber wieder mit nach Hause nehmen sollten. „Vieles ist doch einfach zu schade zum Wegschmeißen", findet er. Für all diese Dinge gibt es zum Glück noch das Stöberparadies. Gut erhaltene Sachen können auf der Pohlschen Heide abgegeben werden, von dort werden sie nach Minden gebracht und als Secondhand-Ware weiterverkauft. Dort finden Kunden Möbel, Bekleidung, Haushaltswaren oder Heimwerker-Utensilien. Reiner Wesemann, der selber früher in einem Baumarkt gearbeitet hat, liest gerne die Prospekte mit den aktuellen Angeboten. „Dann sehe ich heute schon, was die Leute demnächst bei uns auf der Pohlschen Heide entsorgen", sagt er kopfschüttelnd.

Das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide:

Die Pohlsche Heide in Hille ist das Entsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke. Es ist bekannt für seine effizienten und modernen Anlagen zur Abfallaufbereitung.

Wie funktionieren diese Anlagen? Was passiert mit dem täglich dort angelieferten Müll? Und warumist die Deponie selbst im Zeitalter des Recyclings noch unerlässlich? Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht das Mindener Tageblatt in diesen Wochen in der Serie „Pohlsche Heide" tiefer auf den Grund.

Haben Sie ein weiteres Thema rund um das Entsorgungszentrum in Hille, das Sie interessiert und über das wir berichten sollten? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per E-Mail an lokales@MT.de!

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