Per Mausklick ins Rathaus? Behördengänge sollen in Hille künftig auch online möglich sein Carsten Korfesmeyer Hille. Das Online-Zeitalter bietet Chancen, die Wege in der Verwaltung deutlich abzukürzen. Schon in manchen Behörden können Bürger bequem vom eigenen Sofa aus ihren Schriftverkehr erledigen oder auch Anträge stellen. Im Hiller Rathaus ist das Zukunftsmusik. Noch, denn die Gemeinde sattelt auf. Die Politik hat die Stelle eines Digitalbeauftragten geschaffen und verbindet damit die Hoffnung, dass es voran geht. „In Stemwede kann man polizeiliche Führungszeugnisse schon längere Zeit auch online beantragen“, sagt FDP-Fraktionsvize Nikolaus Netzel im MT-Gespräch. Solche und ähnliche Angebote wünscht er sich auch für die Hille. Perspektivisch müsse es möglich sein, durch das Digitale die Zahl der persönlichen Besuche in den Amtsstuben deutlich runter zu fahren. Damit stößt er auf viel Gegenliebe bei der SPD-Fraktionschefin. Susanne Steuber sieht im Ausbau des Online-Angebots eine zentrale Aufgabe der Kommunalpolitik. Persönlich sieht sie die Hiller Verwaltung aber noch am Anfang eines langen Prozesses. „Wir brauchen in der Sache erstmal eine Gesamtstrategie“, sagt sie am Samstag gegenüber dem MT. Die Position eines Digitalisierungsbeauftragten sei erst der Auftakt. Wie weit sich die Online-Angebote in das operative Geschäft im Rathaus einbinden lassen, werde sich schrittweise zeigen.Die Bündnisgrünen sehen beim Online-Angebot noch viel Luft nach oben. „Vielfach nutzt man sogar noch Faxgeräte“, sagt Fraktionsvorsitzende Marlies Schulder. Zwar lassen sich Anträge vereinzelt schon online abrufen, doch um die Wege ins Rathaus kämen die Menschen in aller Regel nicht herum. Das koste Zeit, erfordere Geduld, und beides sei durch die vorhandenen technischen IT-Möglichkeiten unnötig. Auf Papier könne ihrer Ansicht nach auch noch viel stärker verzichtet werden. Was meint die CDU dazu? Fraktionschef Henning Grinke spricht von elektronischer Aktenführung und will perspektivisch das Online-Angebot ausbauen. Wie seine Amtskollegen im Rat weist aber auch er auf die Risiken hin, die mit diesem Prozess zusammenhängen. „Da hängt viel mehr dran, als manche denken.“ In Zeiten zunehmender Cyberattacken seien Datenschutz und Datensicherung hochsensible Themen. Denn Digitalisierung bedeute nicht, dass ein Zettel einfach durch eine Datei ersetzt werden kann. Der gelebte „enge Draht“ zum Kommunalen Rechenzentrum (KRZ) in Lemgo spiele bei dem Prozess eine entscheidende Rolle. Dort laufen die Daten der Hiller Verwaltung auf – beispielsweise das Einwohnerwesen, die Finanzbuchhaltung oder die Gebühren.„Je mehr wir digital anbieten, umso höher ist selbstverständlich unser Risiko für Angriffe“, sagt Nikolaus Netzel, der deshalb zum Thema Cybersicherheit eine Anfrage bei Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos) stellte und eine beruhigende Antwort erhielt. Das KRZ sei vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert und biete den bestmöglichen Schutz. Außerdem gebe es ein eigenes Virenschutzprogramm auf den Rechnern im Rathaus, das ständig aktualisiert werde. Ein IT-Sicherungsmanagement auf der Verwaltung gebe es hingegen nicht. Das gibt es aber beim KRZ und nach Worten des stellvertretenden Verbandsvorstehers Kai Abruszat seit Jahrzehnten auf höchstem Niveau. Was erforderlich ist, werde „fortlaufend in einem gesteuerten Sicherheitsprozess erarbeitet und realisiert“, schreibt er auf MT-Anfrage. Zu den 40 Verbandsmitgliedern des KRZ gebe es einen intensiven Austausch und bei Notfällen könne man in kürzester Zeit entsprechende Sofortmaßnahmen ergreifen. Welche Aufgaben im digitalen Zeitalter können Kommunen übernehmen? Und wo sind die Grenzen? Kai Abruszat legt sich nicht fest, sieht die Kommunen aber grundsätzlich vor der Aufgabe, ihre Mitarbeiter in dem Veränderungsprozess mitzunehmen. „Digitalisierung ist kein reines Technikthema.“ Die Organisation und die Menschen hätten daran mehr Anteil als die Technik selbst. Das Digitale müsse man auch in den Köpfen etablieren.

Per Mausklick ins Rathaus? Behördengänge sollen in Hille künftig auch online möglich sein

Dass Bürger ihre Anträge und Behördengänge online erledigen können, ist in Hille noch Zukunftsmusik. Die Politik will das Digitale in Zukunft stärker ausbauen und setzt auf das Kommunale Rechenzentrum (KRZ). Foto: MT-Archiv © x

Hille. Das Online-Zeitalter bietet Chancen, die Wege in der Verwaltung deutlich abzukürzen. Schon in manchen Behörden können Bürger bequem vom eigenen Sofa aus ihren Schriftverkehr erledigen oder auch Anträge stellen. Im Hiller Rathaus ist das Zukunftsmusik. Noch, denn die Gemeinde sattelt auf. Die Politik hat die Stelle eines Digitalbeauftragten geschaffen und verbindet damit die Hoffnung, dass es voran geht. „In Stemwede kann man polizeiliche Führungszeugnisse schon längere Zeit auch online beantragen“, sagt FDP-Fraktionsvize Nikolaus Netzel im MT-Gespräch. Solche und ähnliche Angebote wünscht er sich auch für die Hille. Perspektivisch müsse es möglich sein, durch das Digitale die Zahl der persönlichen Besuche in den Amtsstuben deutlich runter zu fahren.

Damit stößt er auf viel Gegenliebe bei der SPD-Fraktionschefin. Susanne Steuber sieht im Ausbau des Online-Angebots eine zentrale Aufgabe der Kommunalpolitik. Persönlich sieht sie die Hiller Verwaltung aber noch am Anfang eines langen Prozesses. „Wir brauchen in der Sache erstmal eine Gesamtstrategie“, sagt sie am Samstag gegenüber dem MT. Die Position eines Digitalisierungsbeauftragten sei erst der Auftakt. Wie weit sich die Online-Angebote in das operative Geschäft im Rathaus einbinden lassen, werde sich schrittweise zeigen.

Die Bündnisgrünen sehen beim Online-Angebot noch viel Luft nach oben. „Vielfach nutzt man sogar noch Faxgeräte“, sagt Fraktionsvorsitzende Marlies Schulder. Zwar lassen sich Anträge vereinzelt schon online abrufen, doch um die Wege ins Rathaus kämen die Menschen in aller Regel nicht herum. Das koste Zeit, erfordere Geduld, und beides sei durch die vorhandenen technischen IT-Möglichkeiten unnötig. Auf Papier könne ihrer Ansicht nach auch noch viel stärker verzichtet werden.

Was meint die CDU dazu? Fraktionschef Henning Grinke spricht von elektronischer Aktenführung und will perspektivisch das Online-Angebot ausbauen. Wie seine Amtskollegen im Rat weist aber auch er auf die Risiken hin, die mit diesem Prozess zusammenhängen. „Da hängt viel mehr dran, als manche denken.“ In Zeiten zunehmender Cyberattacken seien Datenschutz und Datensicherung hochsensible Themen. Denn Digitalisierung bedeute nicht, dass ein Zettel einfach durch eine Datei ersetzt werden kann. Der gelebte „enge Draht“ zum Kommunalen Rechenzentrum (KRZ) in Lemgo spiele bei dem Prozess eine entscheidende Rolle. Dort laufen die Daten der Hiller Verwaltung auf – beispielsweise das Einwohnerwesen, die Finanzbuchhaltung oder die Gebühren.

„Je mehr wir digital anbieten, umso höher ist selbstverständlich unser Risiko für Angriffe“, sagt Nikolaus Netzel, der deshalb zum Thema Cybersicherheit eine Anfrage bei Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos) stellte und eine beruhigende Antwort erhielt. Das KRZ sei vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert und biete den bestmöglichen Schutz. Außerdem gebe es ein eigenes Virenschutzprogramm auf den Rechnern im Rathaus, das ständig aktualisiert werde. Ein IT-Sicherungsmanagement auf der Verwaltung gebe es hingegen nicht.

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Patrick Schwemmling

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Das gibt es aber beim KRZ und nach Worten des stellvertretenden Verbandsvorstehers Kai Abruszat seit Jahrzehnten auf höchstem Niveau. Was erforderlich ist, werde „fortlaufend in einem gesteuerten Sicherheitsprozess erarbeitet und realisiert“, schreibt er auf MT-Anfrage. Zu den 40 Verbandsmitgliedern des KRZ gebe es einen intensiven Austausch und bei Notfällen könne man in kürzester Zeit entsprechende Sofortmaßnahmen ergreifen.

Welche Aufgaben im digitalen Zeitalter können Kommunen übernehmen? Und wo sind die Grenzen? Kai Abruszat legt sich nicht fest, sieht die Kommunen aber grundsätzlich vor der Aufgabe, ihre Mitarbeiter in dem Veränderungsprozess mitzunehmen. „Digitalisierung ist kein reines Technikthema.“ Die Organisation und die Menschen hätten daran mehr Anteil als die Technik selbst. Das Digitale müsse man auch in den Köpfen etablieren.

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