Pediküre in Seitenlage: So wichtig ist Klauenpflege für Tiere Stefanie Dullweber Hille. Es ist ein kühler, sonniger Mittwochmorgen in Hille-Neuenbaum. Ein guter Tag für eine Wellness-Behandlung, findet Landwirtin Tabea Wengenroth. Ihre erste Kandidatin für die Pediküre ist eine Kuh, die auf den Namen „Fee“ hört. „Eigentlich passt der Name gar nicht zu ihr“, sagt die Hillerin und lacht. Fee scheint von der geplanten Klauenpflege überhaupt nicht begeistert und macht einen auf Diva, indem sie der Landwirtin das Hinterteil entgegenstreckt und einen großen Haufen produziert. Weil Fee leicht humpelt, ist das Schneiden der Klauen jedoch alternativlos. Zielstrebig führt Tabea Wengenroth das Tier in den selbst gebauten Klauenstand, legt ihm zwei Gurte um den Bauch, drückt einen Knopf – und Fee wird sanft auf die Seite gelegt. Schnell fixiert die Landwirtin die Beine, damit die Kuh nicht treten kann. Fee kennt das Prozedere schon und bleibt ganz ruhig liegen. Zunächst befreit die Hillerin die Klauen vom gröbsten Dreck und greift anschließend zum Winkelschleifer. „Die meisten Landwirte beauftragen einen mobilen Klauenpfleger. Ich habe einen Lehrgang absolviert und mache das selbst“, sagt die Landwirtin, während sie sich eine Schürze umbindet und eine Schutzbrille aufsetzt. Auch ihr Vater habe die Klauen immer selbst behandelt. „Und mir macht diese Arbeit tatsächlich Spaß.“ Jedes Tier sei mindestens zweimal im Jahr an der Reihe, damit möglichst erst gar keine Probleme beim Laufen auftreten. „Das ist wie mit den Fußnägeln beim Menschen. Die müssen ja auch regelmäßig geschnitten werden.“ Aus ihrem Koffer holt Tabea Wengenroth eine sogenannte Klauenscheibe. Die kann sie am Huf der Kuh anlegen und somit die Länge, den Winkel und die Sohlendicke kontrollieren. „Anhand dieser Scheibe kann ich die Klaue modellieren. Aber mittlerweile habe ich das so häufig gemacht, dass das Augenmaß reicht.“ Weil Fee an einer Klaue eine entzündete Stelle hat, legt Tabea Wengenroth abschließend noch einen schützenden Salbenverband an. „Den nehme ich dann nach etwa einer Woche im Melkstand wieder ab.“ Nach nicht einmal zehn Minuten ist Fee mit ihrer Behandlung fertig und kann zurück zu den anderen Kühen. Die ersten Schritte auf dem eingestreuten Boden sind noch etwas wackelig. Kurzzeitig versucht Fee, den Verband wieder loszuwerden, bevor sie sich schließlich entspannt ins Stroh sinken lässt. Neben der Wellness-Behandlung steht die neue Futterliste auf der To-do-Liste für diesen Mittwoch. Eigentlich ist Büroarbeit nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung von Tabea Wengenroth, aber über die Fütterung und die spezielle Zusammensetzung würde sie gerne noch viel mehr lernen. „Doch dafür fehlt mir, wie für so vieles, die Zeit“, sagt sie. Um die genaue Zusammensetzung der täglichen Futterration für die Kühe, Rinder und Bullen kümmert sich der Tierarzt in Absprache mit den Hofbesitzerin. Er habe das nötige Hintergrundwissen. Die regelmäßige Milchkontrolle lässt dann wiederum Rückschlüsse auf die Fütterung zu. „Wenn eine Kuh ins Restaurant gehen könnte, würde sie immer wieder das gleiche bestellen“, weiß Tabea Wengenroth. Denn jede Umstellung des Futters bereite den Tieren Stress. Weil sich das aber nicht vermeiden lässt – es gibt allein drei Schnitte Grassilage im Jahr – passt der Tierarzt die Rationen regelmäßig an. „Es dauert in der Regel vier Wochen, bis die sieben Mägen der Kuh sich darauf eingestellt haben.“ Gerade erst hat die Landwirtin die Analyse von dem vor einigen Wochen gehäckselten Mais auf den Tisch bekommen. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden. „In den Maiskörnern ist mehr Stärke enthalten als im letzten Jahr. Das bedeutet mehr Energie.“ Neben Gras und Mais bekommen ihre Tiere Stroh, Mineral- und Kraftfutter. „Früher haben wir Sojaschrot gefüttert. Weil aber die gesamte Fütterung gentechnikfrei ist und ein entsprechendes Sojaprodukt sehr teuer, haben wir es durch Rapsschrot ersetzt.“ Ihr Kraftfutter können sich die Tiere in Boxen, die im Stall installiert sind, selber abholen. Dazu tragen sie ein elektronisches Halsband. „Das ist wie eine Süßigkeiten-Box“, sagt die Hillerin. Die Ration, die diese Box ausschüttet, richtet sich nach der Milchmenge. „Wenn die Tiere von dem Kraftfutter zu viel auf einmal fressen würden, übersäuert der Pansen. Deshalb verteilt der Computer das Futter über den Tag in mehrere kleine Portionen“, erklärt Tabea Wengenroth. Sobald eine Kuh nicht die volle Menge abruft, weiß die Landwirtin, dass mit ihrem Tier etwas nicht stimmt – oder dass das Halsband kaputt ist. „Unser Ziel ist, dass unsere Tiere bestmöglich versorgt sind“, sagt die Hillerin. Und gerade deshalb sei alles, was mit der Fütterung zusammenhängt, enorm wichtig. Das fange schon beim Abdecken des Silos an. „Wenn das Futter nicht sorgfältig verpackt wird, kann sich Schimmel bilden und der kann krank machen. Im Sommer achten wir außerdem darauf, dass das Futter nicht zu warm wird und möglicherweise anfängt zu gären.“ Sollte mit der Nahrung irgendwas nicht in Ordnung sein, fällt Tabea Wengenroth das spätestens beim Melken auf. „Eine Entzündung am Euter ist meist ein Indiz dafür, dass etwas mit dem Futter nicht stimmt.“ Schon in der Ausbildung habe sie dieses Thema fasziniert. „Das ist eine Wissenschaft für sich.“ Dabei ist die optimale Fütterung nicht nur die Grundlage für viel Milch und gesunde Tiere. „Nur wenn du an den richtig Stellschrauben drehst, verdienst du entsprechend dein Geld.“ Aus diesem Grund würden sie ein besonderes Augenmerk auf den Futterbau legen. Mit dem Gras und Getreide, das sie anbauen, werden die Tiere ein ganzes Jahr lang ernährt. Insbesondere beim Grasschnitt sei es wichtig, den optimalen Zeitpunkt abzupassen. „Von diesen ein bis zwei Tagen der Ernte hängt die gesamte Fütterung und deren Qualität ab.“

Pediküre in Seitenlage: So wichtig ist Klauenpflege für Tiere

Tabea Wengenroth legt das Tier zunächst auf die Seite, um dann die Klauen mit einem Winkelschleifer zu bearbeiten. MT-Foto: Alexander Lehn © lehn

Hille. Es ist ein kühler, sonniger Mittwochmorgen in Hille-Neuenbaum. Ein guter Tag für eine Wellness-Behandlung, findet Landwirtin Tabea Wengenroth. Ihre erste Kandidatin für die Pediküre ist eine Kuh, die auf den Namen „Fee“ hört. „Eigentlich passt der Name gar nicht zu ihr“, sagt die Hillerin und lacht. Fee scheint von der geplanten Klauenpflege überhaupt nicht begeistert und macht einen auf Diva, indem sie der Landwirtin das Hinterteil entgegenstreckt und einen großen Haufen produziert.

Weil Fee leicht humpelt, ist das Schneiden der Klauen jedoch alternativlos. Zielstrebig führt Tabea Wengenroth das Tier in den selbst gebauten Klauenstand, legt ihm zwei Gurte um den Bauch, drückt einen Knopf – und Fee wird sanft auf die Seite gelegt. Schnell fixiert die Landwirtin die Beine, damit die Kuh nicht treten kann. Fee kennt das Prozedere schon und bleibt ganz ruhig liegen. Zunächst befreit die Hillerin die Klauen vom gröbsten Dreck und greift anschließend zum Winkelschleifer.

Das ist die Ration, die eine Kuh an einem Tag frisst. - © Alex Lehn
Das ist die Ration, die eine Kuh an einem Tag frisst. - © Alex Lehn

„Die meisten Landwirte beauftragen einen mobilen Klauenpfleger. Ich habe einen Lehrgang absolviert und mache das selbst“, sagt die Landwirtin, während sie sich eine Schürze umbindet und eine Schutzbrille aufsetzt. Auch ihr Vater habe die Klauen immer selbst behandelt. „Und mir macht diese Arbeit tatsächlich Spaß.“

Jedes Tier sei mindestens zweimal im Jahr an der Reihe, damit möglichst erst gar keine Probleme beim Laufen auftreten. „Das ist wie mit den Fußnägeln beim Menschen. Die müssen ja auch regelmäßig geschnitten werden.“ Aus ihrem Koffer holt Tabea Wengenroth eine sogenannte Klauenscheibe. Die kann sie am Huf der Kuh anlegen und somit die Länge, den Winkel und die Sohlendicke kontrollieren. „Anhand dieser Scheibe kann ich die Klaue modellieren. Aber mittlerweile habe ich das so häufig gemacht, dass das Augenmaß reicht.“

Weil Fee an einer Klaue eine entzündete Stelle hat, legt Tabea Wengenroth abschließend noch einen schützenden Salbenverband an. „Den nehme ich dann nach etwa einer Woche im Melkstand wieder ab.“ Nach nicht einmal zehn Minuten ist Fee mit ihrer Behandlung fertig und kann zurück zu den anderen Kühen. Die ersten Schritte auf dem eingestreuten Boden sind noch etwas wackelig. Kurzzeitig versucht Fee, den Verband wieder loszuwerden, bevor sie sich schließlich entspannt ins Stroh sinken lässt.

Neben der Wellness-Behandlung steht die neue Futterliste auf der To-do-Liste für diesen Mittwoch. Eigentlich ist Büroarbeit nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung von Tabea Wengenroth, aber über die Fütterung und die spezielle Zusammensetzung würde sie gerne noch viel mehr lernen. „Doch dafür fehlt mir, wie für so vieles, die Zeit“, sagt sie. Um die genaue Zusammensetzung der täglichen Futterration für die Kühe, Rinder und Bullen kümmert sich der Tierarzt in Absprache mit den Hofbesitzerin. Er habe das nötige Hintergrundwissen. Die regelmäßige Milchkontrolle lässt dann wiederum Rückschlüsse auf die Fütterung zu.

„Wenn eine Kuh ins Restaurant gehen könnte, würde sie immer wieder das gleiche bestellen“, weiß Tabea Wengenroth. Denn jede Umstellung des Futters bereite den Tieren Stress. Weil sich das aber nicht vermeiden lässt – es gibt allein drei Schnitte Grassilage im Jahr – passt der Tierarzt die Rationen regelmäßig an. „Es dauert in der Regel vier Wochen, bis die sieben Mägen der Kuh sich darauf eingestellt haben.“

Gerade erst hat die Landwirtin die Analyse von dem vor einigen Wochen gehäckselten Mais auf den Tisch bekommen. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden. „In den Maiskörnern ist mehr Stärke enthalten als im letzten Jahr. Das bedeutet mehr Energie.“ Neben Gras und Mais bekommen ihre Tiere Stroh, Mineral- und Kraftfutter. „Früher haben wir Sojaschrot gefüttert. Weil aber die gesamte Fütterung gentechnikfrei ist und ein entsprechendes Sojaprodukt sehr teuer, haben wir es durch Rapsschrot ersetzt.“

Ihr Kraftfutter können sich die Tiere in Boxen, die im Stall installiert sind, selber abholen. Dazu tragen sie ein elektronisches Halsband. „Das ist wie eine Süßigkeiten-Box“, sagt die Hillerin. Die Ration, die diese Box ausschüttet, richtet sich nach der Milchmenge. „Wenn die Tiere von dem Kraftfutter zu viel auf einmal fressen würden, übersäuert der Pansen. Deshalb verteilt der Computer das Futter über den Tag in mehrere kleine Portionen“, erklärt Tabea Wengenroth. Sobald eine Kuh nicht die volle Menge abruft, weiß die Landwirtin, dass mit ihrem Tier etwas nicht stimmt – oder dass das Halsband kaputt ist.

„Unser Ziel ist, dass unsere Tiere bestmöglich versorgt sind“, sagt die Hillerin. Und gerade deshalb sei alles, was mit der Fütterung zusammenhängt, enorm wichtig. Das fange schon beim Abdecken des Silos an. „Wenn das Futter nicht sorgfältig verpackt wird, kann sich Schimmel bilden und der kann krank machen. Im Sommer achten wir außerdem darauf, dass das Futter nicht zu warm wird und möglicherweise anfängt zu gären.“ Sollte mit der Nahrung irgendwas nicht in Ordnung sein, fällt Tabea Wengenroth das spätestens beim Melken auf. „Eine Entzündung am Euter ist meist ein Indiz dafür, dass etwas mit dem Futter nicht stimmt.“

Schon in der Ausbildung habe sie dieses Thema fasziniert. „Das ist eine Wissenschaft für sich.“ Dabei ist die optimale Fütterung nicht nur die Grundlage für viel Milch und gesunde Tiere. „Nur wenn du an den richtig Stellschrauben drehst, verdienst du entsprechend dein Geld.“ Aus diesem Grund würden sie ein besonderes Augenmerk auf den Futterbau legen. Mit dem Gras und Getreide, das sie anbauen, werden die Tiere ein ganzes Jahr lang ernährt. Insbesondere beim Grasschnitt sei es wichtig, den optimalen Zeitpunkt abzupassen. „Von diesen ein bis zwei Tagen der Ernte hängt die gesamte Fütterung und deren Qualität ab.“

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