Pause ohne Gong: Der Unterrichtsalltag ist auch in der Verbundschule anders geworden Carsten Korfesmeyer Hille. Der Pausengong bleibt aus und der Schulhof füllt sich langsamer als sonst. Die Kinder- und Jugendlichen stürmen dadurch nicht mehr zeitgleich aus ihren Klassenzimmern, sodass jegliches Gedränge gar nicht erst aufkommt. Begegnungsverkehr ist auch innerhalb der Verbundschule tabu. Der grüne Hinweispfeil „Laufrichtung“ begegnet einem an allen Ecken und wer die Maskenpflicht einen Moment verdrängt, wird mit Plakaten an nahezu sämtlichen Türen daran erinnert. Kein Zweifel: Der Alltag an der Verbundschule ist ein anderer geworden. Nerven die Masken und das ständige Händedesinfizieren? Moritz Westerhoff erzählt gegenüber dem MT von einem gewissen Gewöhnungseffekt. „Letzte Woche hat mich das noch ziemlich gestört“, sagt er. Das führt der 16-Jährige allerdings auch darauf zurück, dass die Temperaturen da noch deutlich höher waren. Ähnlich sieht das auch Lucia Karczewski (15), die den Schulalltag als insgesamt „etwas stressiger“ beschreibt. Die Coronaregeln zu beachten falle ihr im Unterricht immer weniger schwer. Probleme mit der Konzentration sieht auch Noel Wittemeier keine. Das Lernen mit Maske – das alles scheint nur eine Frage der Gewöhnung zu sein. Tatsächlich? In den Gesprächen mit den Schülern sagt ausnahmslos jeder, dass die Beachtung der Coronaregeln eine Selbstverständlichkeit ist. Ins Herz schließen werden die meisten die momentanen Beschränkungen aber auch nicht. „Meine Brille beschlägt ständig“, sagt beispielsweise Fine Schmidt (13) und ihre Freundin Liza Redekop (12) erzählt gegenüber dem MT, dass ihr das Aufpassen im Unterricht vor allem in den fünften und sechsten Stunden schwer falle. „Manchmal hab ich nachmittags auch Kopfschmerzen.“ Was das Verhältnis der Schüler untereinander betrifft, sagen alle, dass es genau so ist wie früher. Und regelrecht spürbar ist die Freude, einen Hauch von Alltag zu leben. Die stellvertretende Schulleiterin bestätigt diesen Eindruck und spricht von einer Erleichterung – auch unter den Lehrern. „Alle sind froh, dass wir uns wieder regelmäßig sehen“, sagt Regine Schiermeyer. Präsenzunterricht könne durch Homeschooling dauerhaft nicht ersetzt werden, weil die sozialen Kontakte fehlen. Die Phase des Lockdown und des allmählichen Wiederanlaufens hätten allerdings auch dazu geführt, die Möglichkeiten des digitale Lernen an ihrer Schule deutlich auszubauen. „Nur für alle Fälle“, sagt sie. Um etwaige Lerndefizite bei manchen Schülern zu erkennen, sei es rund zwei Wochen nach dem Schulstart aber noch zu früh. Und damit beispielsweise die neuen Fünftklässler nicht gleich überfordert werden, steht die Verbundschule in engem Kontakt mit den Grundschulen. Regine Schiermeyer zeigt sich im Gespräch sehr zuversichtlich, dass alles weiter funktioniert und auch der Lehrstoff die Schüler erreicht. Die Zeit der Schulschließungen lasse sich auffangen. „Aber sollte das nochmal so passieren, wirds schwer.“ Die Verbundschüler müssen zwar im Gebäude und Außenbereich ihre Maske tragen, brauchen allerdings nicht zwei Meter Abstand halten. Das wäre nach Worten des Schulleiters im Unterrichtsalltag auch gar nicht leistbar. „Ich muss unseren Schülern und meinen Kollegen höchsten Respekt zollen“, sagt Dirk Schubert. Bis auf seltene Ausnahmen verhielten sich an der Schule alle vorbildlich. Er spricht auch von einer logistischen Herausforderung und erklärt, dass mit dem Thema Corona weiterhin sehr sensibel umgegangen werde. Wer einen Ansatz von Symptomen zeige, werde vorsorglich für 24 Stunden zur Beobachtung nach Hause geschickt. Übrigens: die Coronaregeln haben auch die Laufwege in der Verbundschule erheblich verlängert, wie Schüler Bennet Kalsow erzählt. Weil es nur in eine Laufrichtung geht, verschließen sich beispielsweise hinter einem die Türen. „Dann gibt es kein zurück“, sagt der 15-Jährige. Wer sich dann in der Tür geirrt hat und nur einen Eingang weiter nehmen könnte, müsste dann dafür womöglich durch das gesamte Schulgebäude laufen. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de

Pause ohne Gong: Der Unterrichtsalltag ist auch in der Verbundschule anders geworden

Fine Schmidt (von links), Merle Bredemeyer, Liska von der Ahe und Liza Redekop müssen sich vor dem Betreten des Schulgebäudes die Hände waschen. MT- © Fotos: Carsten Korfesmeyer

Hille. Der Pausengong bleibt aus und der Schulhof füllt sich langsamer als sonst. Die Kinder- und Jugendlichen stürmen dadurch nicht mehr zeitgleich aus ihren Klassenzimmern, sodass jegliches Gedränge gar nicht erst aufkommt. Begegnungsverkehr ist auch innerhalb der Verbundschule tabu. Der grüne Hinweispfeil „Laufrichtung“ begegnet einem an allen Ecken und wer die Maskenpflicht einen Moment verdrängt, wird mit Plakaten an nahezu sämtlichen Türen daran erinnert. Kein Zweifel: Der Alltag an der Verbundschule ist ein anderer geworden.

Nerven die Masken und das ständige Händedesinfizieren? Moritz Westerhoff erzählt gegenüber dem MT von einem gewissen Gewöhnungseffekt. „Letzte Woche hat mich das noch ziemlich gestört“, sagt er. Das führt der 16-Jährige allerdings auch darauf zurück, dass die Temperaturen da noch deutlich höher waren. Ähnlich sieht das auch Lucia Karczewski (15), die den Schulalltag als insgesamt „etwas stressiger“ beschreibt. Die Coronaregeln zu beachten falle ihr im Unterricht immer weniger schwer. Probleme mit der Konzentration sieht auch Noel Wittemeier keine. Das Lernen mit Maske – das alles scheint nur eine Frage der Gewöhnung zu sein. Tatsächlich?

Schüler wie Jesko Klingbeil (links) und Bennet Kalsow dürfen sich im Gebäude nur in eine Richtung bewegen. Dadurch werden Wege oft länger.
Schüler wie Jesko Klingbeil (links) und Bennet Kalsow dürfen sich im Gebäude nur in eine Richtung bewegen. Dadurch werden Wege oft länger.

In den Gesprächen mit den Schülern sagt ausnahmslos jeder, dass die Beachtung der Coronaregeln eine Selbstverständlichkeit ist. Ins Herz schließen werden die meisten die momentanen Beschränkungen aber auch nicht. „Meine Brille beschlägt ständig“, sagt beispielsweise Fine Schmidt (13) und ihre Freundin Liza Redekop (12) erzählt gegenüber dem MT, dass ihr das Aufpassen im Unterricht vor allem in den fünften und sechsten Stunden schwer falle. „Manchmal hab ich nachmittags auch Kopfschmerzen.“

Was das Verhältnis der Schüler untereinander betrifft, sagen alle, dass es genau so ist wie früher. Und regelrecht spürbar ist die Freude, einen Hauch von Alltag zu leben. Die stellvertretende Schulleiterin bestätigt diesen Eindruck und spricht von einer Erleichterung – auch unter den Lehrern. „Alle sind froh, dass wir uns wieder regelmäßig sehen“, sagt Regine Schiermeyer. Präsenzunterricht könne durch Homeschooling dauerhaft nicht ersetzt werden, weil die sozialen Kontakte fehlen. Die Phase des Lockdown und des allmählichen Wiederanlaufens hätten allerdings auch dazu geführt, die Möglichkeiten des digitale Lernen an ihrer Schule deutlich auszubauen. „Nur für alle Fälle“, sagt sie.

Um etwaige Lerndefizite bei manchen Schülern zu erkennen, sei es rund zwei Wochen nach dem Schulstart aber noch zu früh. Und damit beispielsweise die neuen Fünftklässler nicht gleich überfordert werden, steht die Verbundschule in engem Kontakt mit den Grundschulen. Regine Schiermeyer zeigt sich im Gespräch sehr zuversichtlich, dass alles weiter funktioniert und auch der Lehrstoff die Schüler erreicht. Die Zeit der Schulschließungen lasse sich auffangen. „Aber sollte das nochmal so passieren, wirds schwer.“

Die Verbundschüler müssen zwar im Gebäude und Außenbereich ihre Maske tragen, brauchen allerdings nicht zwei Meter Abstand halten. Das wäre nach Worten des Schulleiters im Unterrichtsalltag auch gar nicht leistbar. „Ich muss unseren Schülern und meinen Kollegen höchsten Respekt zollen“, sagt Dirk Schubert. Bis auf seltene Ausnahmen verhielten sich an der Schule alle vorbildlich. Er spricht auch von einer logistischen Herausforderung und erklärt, dass mit dem Thema Corona weiterhin sehr sensibel umgegangen werde. Wer einen Ansatz von Symptomen zeige, werde vorsorglich für 24 Stunden zur Beobachtung nach Hause geschickt.

Übrigens: die Coronaregeln haben auch die Laufwege in der Verbundschule erheblich verlängert, wie Schüler Bennet Kalsow erzählt. Weil es nur in eine Laufrichtung geht, verschließen sich beispielsweise hinter einem die Türen. „Dann gibt es kein zurück“, sagt der 15-Jährige. Wer sich dann in der Tür geirrt hat und nur einen Eingang weiter nehmen könnte, müsste dann dafür womöglich durch das gesamte Schulgebäude laufen.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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