Nabu blickt nach gescheiterter Volksinitiative nach vorn: „Lassen uns nicht entmutigen“ Hille (mt/sbo). Für Eckhard Schlömer war das letzte Aktiventreffen am Moorschutzhof am Samstag vor Weihnachten etwas Besonderes. 13 Helfer hatten sich eingefunden, um Kopfweiden am Rand des Großen Torfmoores und in der Rauhen Horst zu schneiteln und zu häckseln. „In der Regel sind wir eine kleinere Truppe“, so das Vorstandsmitglied. „Dass es diesmal so viele Helfer waren, zeigt, dass den Menschen Natur und Umweltthemen wieder wichtiger sind.“ Dies war nur eine der zahlreichen Aktivitäten des Naturschutzbundes (Nabu) im vergangenen Jahr. Mit wenigen Ausnahmen treffen sich die Praktiker immer samstags am Nabu-Moorschutzhof in Nettelstedt, um sich in ihrer Freizeit für den Naturschutz zu engagieren. Die Arbeit geht den Aktiven nie aus. Während im Winter vorwiegend Hecken und Kopfweiden geschnitten und gepflanzt werden, warten im Frühjahr 20 Bäume auf einer Obstwiese auf den Rückschnitt. Im übrigen Jahr konzentrieren sich die Tätigkeiten auf Instandsetzungsarbeiten im Großen Torfmoor oder Mäharbeiten sowie Arbeiten für den Artenschutz. Dazu gehören neben dem Bau und dem Anbringen von Turmfalken- und Schleiereulenkästen die Pflege von Fledermausquartieren sowie Schutzmaßnahmen für Hohltaube, Waldkauz, Kleinvögel, Amphibien und Insekten. Im letzten Jahr ist es dem Nabu mit Unterstützung des Landes gelungen, in Porta Westfalica einen fünf Hektar großen Wald- und Wiesenkomplex zu erwerben. Nun hat die Bezirksregierung auch den Förderantrag für Maßnahmen zur ökologischen Optimierung bewilligt.„Seit einigen Jahren haben wir ein weiteres großes Grundstück in Rahden-Varl, in dem vor allem Ernst Günter Bulk außerordentlich aktiv war. Um die Entwicklung einer Naturwaldparzelle zu fördern, hatte Bulk über 100 heimische Einzelbäume und Sträucher eingebracht“, weiß der Vorsitzende Lothar Meckling zu berichten. „2021 wurden Bäume nachgepflanzt und die Fläche weiterentwickelt. Den Rest werde die Natur sukzessive selbst erledigen.Eine Daueraufgabe des Nabu ist es, sich um einzelne Tierarten und Gruppen zu kümmern. „Selbst wenn die Aussichten auf ein Umdenken auf allen politischen Ebenen in Sachen Artenschutz mehr als ungewiss sind, ziehen wir aus erfolgreichen Projekten neue Motivation“, so Sandra Meier, Fledermausexpertin des Nabu Minden-Lübbecke. Unverständlich sei für sie, dass die Volksinitiative des Nabu und des BUND im NRW Landtag trotz über 110.000 Unterschriften gescheitert sei. „Davon werden wir uns nicht entmutigen lassen“, so Sandra Meier. „Wir arbeiten mit vielen Unterstützern auf allen Ebenen weiter an einem Politikwechsel und an tollen Vor-Ort-Projekten.“ Um die Eulen im Kreisgebiet kümmern sich mehrere Personen. Stefan Bulk kontrolliert die Uhu-Horste im Wiehen- und Wesergebirge und beringt die Jungen. Er betreut auch die Weißstörche im Westkreis. Gerhard Neuhaus und Karsten Grewe mit ihren Helfern liegen die Steinkauzvorkommen und die Schleiereulen am Herzen. Knapp 130 Steinkauzjunge aus 47 Bruten konnte die Gruppe um Gerd Neuhaus 2021 beringen. Die Schleiereulen brüteten im Raum Minden 22 Mal erfolgreich, 98 Jungvögel wurden flügge. Als Untermieter fanden sich 39 Bruten des Turmfalken in Schleiereulen-Kästen mit 159 Jungvögeln. „Ein besonderes Highlight“, so der Eulenfachmann, der sich auch um Wanderfalken kümmert, „war die Internetübertragung des Brutgeschehens aus dem Nest im Turm der Marienkirche.“Seit Jahren hat der Nabu die an beziehungsweise in Gebäuden brütenden Mehl- und Rauchschwalben im Blick. So konnten Hermann Nagel und Erwin Mattegiet 70 schwalbenfreundliche Häuser mit einer Plakette auszeichnen. Die Schmetterlingszählaktion sowie die Vogelzählung im Winter und im Sommer, an der sich 800 Haushalte beteiligen, zeige das große Interesse der Bürger an einer artenreichen Umwelt, so Ralf Quellhorst, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes. Er empfiehlt insbesondere Kinder an den Zählaktionen zu beteiligen, um sie für ihre Umwelt zu begeistern. Wie alle Einrichtungen hatte auch das Nabu-Informationszentrum Moorhus mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. In Phasen geringerer Inzidenzen wurden wieder Bildungsangebote an Schulen nachgefragt, die Natur und Landschaftsführer freuten sich über regen Besuch ihrer Führungen und die Apfelernte auf der Obstwiese in der Rauhen Horst mit Familien und Kindern brachte 500 Liter eigenen Apfelsaft, den man im Moorhus erwerben kann. Ramona Gieseking vom Team des Moorhus hofft, dass das Bildungsangebot des Regionalzentrums Bildung für nachhaltige Entwicklung 2022 endlich wieder in vollem Umfange anlaufen kann.

Nabu blickt nach gescheiterter Volksinitiative nach vorn: „Lassen uns nicht entmutigen“

Das Rotkehlchen war Vogel des Jahres 2021. Es fühlt sich in Wäldern, Parks und Gärten zu Hause.
Foto: Nabu/Karin Bohrer
© Nabu, Karin Bohrer

Hille (mt/sbo). Für Eckhard Schlömer war das letzte Aktiventreffen am Moorschutzhof am Samstag vor Weihnachten etwas Besonderes. 13 Helfer hatten sich eingefunden, um Kopfweiden am Rand des Großen Torfmoores und in der Rauhen Horst zu schneiteln und zu häckseln. „In der Regel sind wir eine kleinere Truppe“, so das Vorstandsmitglied. „Dass es diesmal so viele Helfer waren, zeigt, dass den Menschen Natur und Umweltthemen wieder wichtiger sind.“ Dies war nur eine der zahlreichen Aktivitäten des Naturschutzbundes (Nabu) im vergangenen Jahr.

Mit wenigen Ausnahmen treffen sich die Praktiker immer samstags am Nabu-Moorschutzhof in Nettelstedt, um sich in ihrer Freizeit für den Naturschutz zu engagieren. Die Arbeit geht den Aktiven nie aus. Während im Winter vorwiegend Hecken und Kopfweiden geschnitten und gepflanzt werden, warten im Frühjahr 20 Bäume auf einer Obstwiese auf den Rückschnitt. Im übrigen Jahr konzentrieren sich die Tätigkeiten auf Instandsetzungsarbeiten im Großen Torfmoor oder Mäharbeiten sowie Arbeiten für den Artenschutz. Dazu gehören neben dem Bau und dem Anbringen von Turmfalken- und Schleiereulenkästen die Pflege von Fledermausquartieren sowie Schutzmaßnahmen für Hohltaube, Waldkauz, Kleinvögel, Amphibien und Insekten.

Im letzten Jahr ist es dem Nabu mit Unterstützung des Landes gelungen, in Porta Westfalica einen fünf Hektar großen Wald- und Wiesenkomplex zu erwerben. Nun hat die Bezirksregierung auch den Förderantrag für Maßnahmen zur ökologischen Optimierung bewilligt.

„Seit einigen Jahren haben wir ein weiteres großes Grundstück in Rahden-Varl, in dem vor allem Ernst Günter Bulk außerordentlich aktiv war. Um die Entwicklung einer Naturwaldparzelle zu fördern, hatte Bulk über 100 heimische Einzelbäume und Sträucher eingebracht“, weiß der Vorsitzende Lothar Meckling zu berichten. „2021 wurden Bäume nachgepflanzt und die Fläche weiterentwickelt. Den Rest werde die Natur sukzessive selbst erledigen.

Eine Daueraufgabe des Nabu ist es, sich um einzelne Tierarten und Gruppen zu kümmern. „Selbst wenn die Aussichten auf ein Umdenken auf allen politischen Ebenen in Sachen Artenschutz mehr als ungewiss sind, ziehen wir aus erfolgreichen Projekten neue Motivation“, so Sandra Meier, Fledermausexpertin des Nabu Minden-Lübbecke. Unverständlich sei für sie, dass die Volksinitiative des Nabu und des BUND im NRW Landtag trotz über 110.000 Unterschriften gescheitert sei. „Davon werden wir uns nicht entmutigen lassen“, so Sandra Meier. „Wir arbeiten mit vielen Unterstützern auf allen Ebenen weiter an einem Politikwechsel und an tollen Vor-Ort-Projekten.“

Newsletter
Patrick Schwemmling

Jetzt kostenlos „Die MT-Woche“ abonnieren!

Immer sonntags ab 18 Uhr erfahren, was wichtig ist

Um die Eulen im Kreisgebiet kümmern sich mehrere Personen. Stefan Bulk kontrolliert die Uhu-Horste im Wiehen- und Wesergebirge und beringt die Jungen. Er betreut auch die Weißstörche im Westkreis. Gerhard Neuhaus und Karsten Grewe mit ihren Helfern liegen die Steinkauzvorkommen und die Schleiereulen am Herzen. Knapp 130 Steinkauzjunge aus 47 Bruten konnte die Gruppe um Gerd Neuhaus 2021 beringen. Die Schleiereulen brüteten im Raum Minden 22 Mal erfolgreich, 98 Jungvögel wurden flügge. Als Untermieter fanden sich 39 Bruten des Turmfalken in Schleiereulen-Kästen mit 159 Jungvögeln. „Ein besonderes Highlight“, so der Eulenfachmann, der sich auch um Wanderfalken kümmert, „war die Internetübertragung des Brutgeschehens aus dem Nest im Turm der Marienkirche.“

Seit Jahren hat der Nabu die an beziehungsweise in Gebäuden brütenden Mehl- und Rauchschwalben im Blick. So konnten Hermann Nagel und Erwin Mattegiet 70 schwalbenfreundliche Häuser mit einer Plakette auszeichnen. Die Schmetterlingszählaktion sowie die Vogelzählung im Winter und im Sommer, an der sich 800 Haushalte beteiligen, zeige das große Interesse der Bürger an einer artenreichen Umwelt, so Ralf Quellhorst, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes. Er empfiehlt insbesondere Kinder an den Zählaktionen zu beteiligen, um sie für ihre Umwelt zu begeistern.

Wie alle Einrichtungen hatte auch das Nabu-Informationszentrum Moorhus mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. In Phasen geringerer Inzidenzen wurden wieder Bildungsangebote an Schulen nachgefragt, die Natur und Landschaftsführer freuten sich über regen Besuch ihrer Führungen und die Apfelernte auf der Obstwiese in der Rauhen Horst mit Familien und Kindern brachte 500 Liter eigenen Apfelsaft, den man im Moorhus erwerben kann. Ramona Gieseking vom Team des Moorhus hofft, dass das Bildungsangebot des Regionalzentrums Bildung für nachhaltige Entwicklung 2022 endlich wieder in vollem Umfange anlaufen kann.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille