NRW-Landtagswahl: Kandidat Dietrich Janzen lehnt Corona-Maßnahmen und Abtreibungen ab Karsten Schulz Hille/Espelkamp. Im neuen Wohngebiet der Espelkamper „Kolonie“, auch Heinrich-Drake-Siedlung, genannt, ist er Zuhause. Nur einen Steinwurf weit vom großen Gemeindezentrum der Freien Evangelischen Bibelgemeinde (FEBG) entfernt. Viele seiner Nachbarn am Holunderweg gehören dieser freikirchlichen Gemeinschaft an, doch Dietrich Janzen hat sich für die Gemeinschaft der Evangeliumschristen entschieden. Und die bauen gerade ein großes neues Gemeindezentrum an einer anderen Stelle der Stadt. „Das dauert nun schon einige Jahre und kostet unserer kleinen, gut 200 Mitglieder starken Gemeinde viel, viel Geld“, sagt Janzen, der mit seiner Überzeugung nicht hinterm Berg hält, sich gerne streitet, auch schon mal überzieht und übers Ziel hinausschießt – und jetzt im Düsseldorfer Landtag für den NRW-Landtag im Wahlkreis 88, zu dem auch Hille gehört, für das „Bündnis C“ antritt.Im Espelkamper Stadtparlament wurde das ehemalige AfD-Mitglied für seine Aussagen schon häufig scharf kritisiert. Es gab auch Forderungen, dass Janzen den Rat verlässt (wir berichteten). „Die christlichen Werte verkörpern“ will er dort. Es gebe „viel Unaufrichtigkeit in der Politik“. Janzen hat sich das deutsche Grundgesetz genau angeschaut und dabei diesen Satz in der Präambel entdeckt: „Verantwortung vor Gott und den Menschen.“ Der Hinweis „vor Gott“ werde ihm von der deutschen Politik zu wenig beachtet und in aktive Politik umgesetzt. Der Mensch stehe zu sehr im Mittelpunkt, das gesamte System sei ihm zu stark laizistisch (strenge Trennung zwischen Religion und Staat, Anm. d. Redaktion) ausgelegt.„Unsere Demokratie, unser Wertesystem haben die Wurzeln in der Reformation.“ Und dahin müsse man sich wieder hinbewegen. Wenn er in den Landtag gewählt würde, was er dann als erstes machen würde? „Darauf hinarbeiten, dass die übergriffigen Corona-Maßnahmen endlich abgeschafft werden. Dass wir dahin kommen, so damit umzugehen, wie mit einer normalen Grippe-Erkrankung.“ So lange sich dies nicht ändere, werde er auch die sogenannten „Montagsspaziergänge“ organisieren und daran teilnehmen. Und noch etwas liege ihm sehr am Herzen: Der „Lebensschutz“, wie er es bezeichnet. Damit gemeint ist für ihn der Schutz des ungeborenen Lebens. Es könne nicht sein, dass in Deutschland jährlich etwa 100.000 Abtreibungen vollzogen würden. Aus christlicher Sicht sei dies „unerträglich“, dieses müsse „vor Gott neu überdacht werden“, sagt Janzen. Bereits die vorchristlichen, heidnischen und philosophischen Systeme hätten dies als Unrecht bezeichnet. Die „Ehrfurcht vor dem Leben“ sei in Deutschland seit den 1950er-Jahren abhanden gekommen, ereifert sich der 63-Jährige. Janzen selbst lebt seine christlichen Wertvorstellungen zumindest privat sehr intensiv. In seinem großen Haus wohnen zurzeit noch seine Frau und acht Kinder – im Alter von sieben bis 24 Jahre, vier weitere Kinder seien bereits erwachsen und hätten eigene Wohnungen, erzählt er nicht ohne Stolz. Mit seiner ersten Frau, mit der er fünf Kinder hat, verbinde ihn noch heute eine ganz besondere, ihn sehr berührende Erfahrung. Obwohl sie – während sie mit dem fünften Kind schwanger war – an einer schweren Krebserkrankung litt, habe sie das Kind nicht abtreiben lassen. „Sie hat sich aus freien Stücken gegen die Empfehlungen der Ärzte und sogar unserer Gemeinde entschieden“, schildert der überzeugte Christ. Der Ukraine-Krieg lässt auch Dietrich Janzen nicht los, wie der Espelkämper sagt. Als Übersetzer sei er aktuell manchmal bis in die Nacht hinein damit beschäftigt, Pässe und Geburtsurkunden zu übersetzen. Er ist offizieller Russisch-Übersetzer, kann aber auch ein wenig Ukrainisch und sei deshalb sehr gefordert. Seine Familie sei damit beschäftigt, Hilfspakete zu füllen und Kleidungsspenden zu organisieren. Er sei überzeugt, dass die festgestellten Gräuel-Taten in Vororten von Kiew von Russen begangen worden seien. „Russland trifft die volle Verantwortung“, ist der Politiker überzeugt. Seit 45 Jahren lebt und arbeitet Dietrich Janzen in Deutschland. Neben seiner Übersetzertätigkeit, der Organisation von Montagsspaziergängen, seinem Engagement bei „Bündnis C“ und in der Espelkamper Kommunalpolitik ist er auch Hörer der Fernuniversität Hagen. Dort studiert er aktuell Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Geschichte. Als Hobbys nennt er Schach, Pilze sammeln und im Urlaub Angeln. Außerdem habe er bis vor kurzem Fußball gespielt und sei sechs Jahre lang Fußballschiedsrichter gewesen. Beweglich hält er sich mit regelmäßigen Übungen wie zum Beispiel Seilspringen im eigenen Wohnzimmer. „In meinem Alter muss man sich fit halten“, sagt er.

NRW-Landtagswahl: Kandidat Dietrich Janzen lehnt Corona-Maßnahmen und Abtreibungen ab

Dietrich Janzen will die christlichen Werte im Düsseldorfer Landtag wieder stärker in den Vordergrund rücken. Foto: Bündnis C/privat © Bündnis C /privat

Hille/Espelkamp. Im neuen Wohngebiet der Espelkamper „Kolonie“, auch Heinrich-Drake-Siedlung, genannt, ist er Zuhause. Nur einen Steinwurf weit vom großen Gemeindezentrum der Freien Evangelischen Bibelgemeinde (FEBG) entfernt. Viele seiner Nachbarn am Holunderweg gehören dieser freikirchlichen Gemeinschaft an, doch Dietrich Janzen hat sich für die Gemeinschaft der Evangeliumschristen entschieden.

Und die bauen gerade ein großes neues Gemeindezentrum an einer anderen Stelle der Stadt. „Das dauert nun schon einige Jahre und kostet unserer kleinen, gut 200 Mitglieder starken Gemeinde viel, viel Geld“, sagt Janzen, der mit seiner Überzeugung nicht hinterm Berg hält, sich gerne streitet, auch schon mal überzieht und übers Ziel hinausschießt – und jetzt im Düsseldorfer Landtag für den NRW-Landtag im Wahlkreis 88, zu dem auch Hille gehört, für das „Bündnis C“ antritt.

Im Espelkamper Stadtparlament wurde das ehemalige AfD-Mitglied für seine Aussagen schon häufig scharf kritisiert. Es gab auch Forderungen, dass Janzen den Rat verlässt (wir berichteten). „Die christlichen Werte verkörpern“ will er dort. Es gebe „viel Unaufrichtigkeit in der Politik“. Janzen hat sich das deutsche Grundgesetz genau angeschaut und dabei diesen Satz in der Präambel entdeckt: „Verantwortung vor Gott und den Menschen.“ Der Hinweis „vor Gott“ werde ihm von der deutschen Politik zu wenig beachtet und in aktive Politik umgesetzt. Der Mensch stehe zu sehr im Mittelpunkt, das gesamte System sei ihm zu stark laizistisch (strenge Trennung zwischen Religion und Staat, Anm. d. Redaktion) ausgelegt.

„Unsere Demokratie, unser Wertesystem haben die Wurzeln in der Reformation.“ Und dahin müsse man sich wieder hinbewegen. Wenn er in den Landtag gewählt würde, was er dann als erstes machen würde? „Darauf hinarbeiten, dass die übergriffigen Corona-Maßnahmen endlich abgeschafft werden. Dass wir dahin kommen, so damit umzugehen, wie mit einer normalen Grippe-Erkrankung.“ So lange sich dies nicht ändere, werde er auch die sogenannten „Montagsspaziergänge“ organisieren und daran teilnehmen.

Und noch etwas liege ihm sehr am Herzen: Der „Lebensschutz“, wie er es bezeichnet. Damit gemeint ist für ihn der Schutz des ungeborenen Lebens. Es könne nicht sein, dass in Deutschland jährlich etwa 100.000 Abtreibungen vollzogen würden. Aus christlicher Sicht sei dies „unerträglich“, dieses müsse „vor Gott neu überdacht werden“, sagt Janzen. Bereits die vorchristlichen, heidnischen und philosophischen Systeme hätten dies als Unrecht bezeichnet. Die „Ehrfurcht vor dem Leben“ sei in Deutschland seit den 1950er-Jahren abhanden gekommen, ereifert sich der 63-Jährige.


Janzen selbst lebt seine christlichen Wertvorstellungen zumindest privat sehr intensiv. In seinem großen Haus wohnen zurzeit noch seine Frau und acht Kinder – im Alter von sieben bis 24 Jahre, vier weitere Kinder seien bereits erwachsen und hätten eigene Wohnungen, erzählt er nicht ohne Stolz. Mit seiner ersten Frau, mit der er fünf Kinder hat, verbinde ihn noch heute eine ganz besondere, ihn sehr berührende Erfahrung. Obwohl sie – während sie mit dem fünften Kind schwanger war – an einer schweren Krebserkrankung litt, habe sie das Kind nicht abtreiben lassen. „Sie hat sich aus freien Stücken gegen die Empfehlungen der Ärzte und sogar unserer Gemeinde entschieden“, schildert der überzeugte Christ.

Der Ukraine-Krieg lässt auch Dietrich Janzen nicht los, wie der Espelkämper sagt. Als Übersetzer sei er aktuell manchmal bis in die Nacht hinein damit beschäftigt, Pässe und Geburtsurkunden zu übersetzen. Er ist offizieller Russisch-Übersetzer, kann aber auch ein wenig Ukrainisch und sei deshalb sehr gefordert. Seine Familie sei damit beschäftigt, Hilfspakete zu füllen und Kleidungsspenden zu organisieren. Er sei überzeugt, dass die festgestellten Gräuel-Taten in Vororten von Kiew von Russen begangen worden seien. „Russland trifft die volle Verantwortung“, ist der Politiker überzeugt.

Seit 45 Jahren lebt und arbeitet Dietrich Janzen in Deutschland. Neben seiner Übersetzertätigkeit, der Organisation von Montagsspaziergängen, seinem Engagement bei „Bündnis C“ und in der Espelkamper Kommunalpolitik ist er auch Hörer der Fernuniversität Hagen. Dort studiert er aktuell Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Geschichte. Als Hobbys nennt er Schach, Pilze sammeln und im Urlaub Angeln. Außerdem habe er bis vor kurzem Fußball gespielt und sei sechs Jahre lang Fußballschiedsrichter gewesen. Beweglich hält er sich mit regelmäßigen Übungen wie zum Beispiel Seilspringen im eigenen Wohnzimmer. „In meinem Alter muss man sich fit halten“, sagt er.

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