NRW-Landtagswahl: Darum hat Polizist Andreas Schröder Lust auf Politik Karsten Schulz Hille/Lübbecke. Man merkt, dass er sich hier richtig wohlfühlt, fast ein wenig wie Zuhause. In der SPD-Geschäftsstelle in Lübbeckes Altstadt setzt sich Andreas Schröder, Kandidat für den Landtagswahlbezirk 88 und damit auch für Hille und Petershagen, an den Tisch, neben ihm seine große gebundene Kladde, in dem sich alle wichtigen Unterlagen und Adressen befinden. Sein Blick ist offen, in die Augen seines Gegenübers gerichtet. Zuvorkommend und freundlich, aber bestimmt beantwortet er die Fragen. Bei Andreas Schröder laufen, was Lübbecke angeht, viele Fäden zusammen. Er ist Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzender in einer Person. Ohne ihn läuft bei der SPD in der alten Kreisstadt jedenfalls nichts mehr. Da war es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, Landtagskandidat zu werden, oder? Er habe sich erst überreden und dann überzeugen lassen, als Nachfolger für Ernst-Wilhelm Rahe anzutreten, bekennt der 53-Jährige freimütig. Er selbst habe am wenigsten damit gerechnet, gleich den ersten Wahlgang für sich zu entscheiden. Doch fühle er sich von diesem Vertrauensvorschuss getragen und wolle ihn nicht enttäuschen. „Das ist eine Verantwortung, der ich gerecht werden möchte", so der Kandidat. Anscheinend hat Schröder den nötigen sozialdemokratischen „Stallgeruch" schneller angenommen als andere. Erst seit 2010 ist er Parteimitglied. Von da an ging es geradlinig durch die Parteiebenen auf kommunaler Ebene. Nach zwölf Jahren hat er hier die Schlüsselpositionen erreicht und sich einen Namen gemacht. Praktische Politik und Pragmatismus sind seine Markenzeichen. Er ist ein geschätzter Vermittler in der größten Fraktion im Lübbecker Rat, zeigt sich kompromissbereit, ist aber auch, wo nötig, ein Mann des offenen Wortes und der „klaren Kante", wie er es nennt. Das entspricht seinem Naturell und spiegelt sich in der beruflichen Laufbahn des Alsweders wider. So absolvierte er als junger Mann beim Architekten Werner Fortriede ein Praktikum, um sich Taschengeld zu verdienen, und lernte später von der Pike auf den Maurerberuf. Die Lehre schloss er als Innungsbester ab. Dann ging es zum Bundesgrenzschutz, für den er seit 34 Jahren in In- und Auslandseinsätzen tätig ist. So war er etwa im Schutz deutscher Botschaften eingesetzt und dafür in Beirut, Algier und Riad. Er erlebte krisenhafte Situationen. Der Tod zweier Kollegen in Verbindung mit einem Einsatz in Kabul prägte ihn. Nicht zuletzt diese Erfahrungen hätten ihn dazu gebracht, sich politisch zu engagieren, erzählt Schröder: „Ich habe mich Zeit Lebens für die Gesellschaft eingesetzt, dann kann ich das jetzt auch in der Politik machen", so sein Credo. Bei allem Engagement im Ausland und in Krisengebieten war es Schröder immer wichtig, auch unter schwierigen Voraussetzungen ein Familienmensch zu bleiben. Er habe nichts ohne das Einverständnis seiner Familie gemacht – bis heute. „Und ich wusste immer, was Zuhause los war und habe den Kontakt gehalten", sagt er. Heute arbeitet er im Stab der bundespolizeilichen Ausbildung in Bielefeld. Er nennt das einen „fließenden Übergang" von der praktischen Polizeiarbeit hin zu einer Verwaltungstätigkeit und für ihn auch zu einem möglichen Mandat in Düsseldorf. „Das macht es mir leicht, mich auf eine neue Herausforderung einzustellen", so Schröder. Der Polizeidienst habe ihn gelehrt, sich frei von Einzelinteressen zu machen. „Politik ist genau wie mein Beruf Dienst an der Gesellschaft – das nehme ich für mich in Anspruch", sagt er. Er sei von konservativen Werten geprägt, möchte sich aber „in keine Schublade stecken lassen". Neben einer inhaltlichen Nähe zum „Seeheimer Kreis" der SPD habe er ein gutes Verhältnis zu den Jusos und sei bestrebt, „offen für Neues" zu bleiben. Aktiv ist Schröder sowohl in der Dorfgemeinschaft wie auch seit vielen Jahren in der Schulpflegschaft der Gesamtschule Hüllhorst. Sein besonderes Steckenpferd ist daher neben der Sicherheits- auch die Bildungspolitik. Der Ausbildung soll wieder größere Bedeutung zukommen. Jedes Kind müsse freien Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten erhalten, um unabhängig vom Elternhaus seine Talente entfalten zu können. Dafür brauche es einen Offenen Ganztag, wo die Kinder qualifiziert pädagogisch betreut werden. In der Ratsarbeit habe er immer versucht, sachbezogene Politik zu machen, die dem Wohle der ganzen Stadt diene – auch dann, wenn es nicht allen gefällt. „Wer zuerst an seine Partei denkt oder immer auf die Lautesten hört, hat den Auftrag nicht verstanden", sekundiert Schröder. Auch bei der Frage nach den Krankenhäusern im Altkreis ist der Sozialdemokrat pragmatisch. Er wundere sich, dass die Diskussion so geführt werde, als sei alles schon beschlossene Sache. An der Entwicklung störe ihn, dass sie von Beginn an etwas „Handstreichartiges" gehabt habe. Für seinen Geschmack sei viel zu oft das Wort „Wirtschaftlichkeit" gefallen. „Das wurmt mich ganz grundsätzlich, denn hier geht es um die Gesundheit, und die ist nun einmal keine Ware." Bis die Kosten verlässlich geklärt seien, und „wer die Zeche bezahlen soll", sei es für ihn weniger eine Frage, wo ein neues Krankenhaus gebaut wird, „sondern ob das überhaupt geschieht". „Da mache ich vorerst ein dickes Fragezeichen dran." Entspannen kann Andreas Schröder am besten beim Rasenmähen am heimischen „Pastorenteich" in Alswede. Und wenn er mit einem Freund als Baumkletterer unterwegs ist, um Gefahrenbäume zu untersuchen. Beim Naturschutzbund ist er seit Kurzem gerne für die Umwelt im Einsatz beim Schneiteln der Weiden.

NRW-Landtagswahl: Darum hat Polizist Andreas Schröder Lust auf Politik

Andreas Schröder in der Geschäftsstelle der Lübbecker SPD. Für seine Partei möchte er in den Landtag einziehen. Foto: Karsten Schulz

Hille/Lübbecke. Man merkt, dass er sich hier richtig wohlfühlt, fast ein wenig wie Zuhause. In der SPD-Geschäftsstelle in Lübbeckes Altstadt setzt sich Andreas Schröder, Kandidat für den Landtagswahlbezirk 88 und damit auch für Hille und Petershagen, an den Tisch, neben ihm seine große gebundene Kladde, in dem sich alle wichtigen Unterlagen und Adressen befinden. Sein Blick ist offen, in die Augen seines Gegenübers gerichtet. Zuvorkommend und freundlich, aber bestimmt beantwortet er die Fragen.

Bei Andreas Schröder laufen, was Lübbecke angeht, viele Fäden zusammen. Er ist Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzender in einer Person. Ohne ihn läuft bei der SPD in der alten Kreisstadt jedenfalls nichts mehr. Da war es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, Landtagskandidat zu werden, oder?

Er habe sich erst überreden und dann überzeugen lassen, als Nachfolger für Ernst-Wilhelm Rahe anzutreten, bekennt der 53-Jährige freimütig. Er selbst habe am wenigsten damit gerechnet, gleich den ersten Wahlgang für sich zu entscheiden. Doch fühle er sich von diesem Vertrauensvorschuss getragen und wolle ihn nicht enttäuschen. „Das ist eine Verantwortung, der ich gerecht werden möchte", so der Kandidat.


Anscheinend hat Schröder den nötigen sozialdemokratischen „Stallgeruch" schneller angenommen als andere. Erst seit 2010 ist er Parteimitglied. Von da an ging es geradlinig durch die Parteiebenen auf kommunaler Ebene. Nach zwölf Jahren hat er hier die Schlüsselpositionen erreicht und sich einen Namen gemacht.

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Praktische Politik und Pragmatismus sind seine Markenzeichen. Er ist ein geschätzter Vermittler in der größten Fraktion im Lübbecker Rat, zeigt sich kompromissbereit, ist aber auch, wo nötig, ein Mann des offenen Wortes und der „klaren Kante", wie er es nennt. Das entspricht seinem Naturell und spiegelt sich in der beruflichen Laufbahn des Alsweders wider. So absolvierte er als junger Mann beim Architekten Werner Fortriede ein Praktikum, um sich Taschengeld zu verdienen, und lernte später von der Pike auf den Maurerberuf. Die Lehre schloss er als Innungsbester ab.

Dann ging es zum Bundesgrenzschutz, für den er seit 34 Jahren in In- und Auslandseinsätzen tätig ist. So war er etwa im Schutz deutscher Botschaften eingesetzt und dafür in Beirut, Algier und Riad. Er erlebte krisenhafte Situationen. Der Tod zweier Kollegen in Verbindung mit einem Einsatz in Kabul prägte ihn. Nicht zuletzt diese Erfahrungen hätten ihn dazu gebracht, sich politisch zu engagieren, erzählt Schröder: „Ich habe mich Zeit Lebens für die Gesellschaft eingesetzt, dann kann ich das jetzt auch in der Politik machen", so sein Credo.

Bei allem Engagement im Ausland und in Krisengebieten war es Schröder immer wichtig, auch unter schwierigen Voraussetzungen ein Familienmensch zu bleiben. Er habe nichts ohne das Einverständnis seiner Familie gemacht – bis heute. „Und ich wusste immer, was Zuhause los war und habe den Kontakt gehalten", sagt er. Heute arbeitet er im Stab der bundespolizeilichen Ausbildung in Bielefeld. Er nennt das einen „fließenden Übergang" von der praktischen Polizeiarbeit hin zu einer Verwaltungstätigkeit und für ihn auch zu einem möglichen Mandat in Düsseldorf. „Das macht es mir leicht, mich auf eine neue Herausforderung einzustellen", so Schröder.

Der Polizeidienst habe ihn gelehrt, sich frei von Einzelinteressen zu machen. „Politik ist genau wie mein Beruf Dienst an der Gesellschaft – das nehme ich für mich in Anspruch", sagt er. Er sei von konservativen Werten geprägt, möchte sich aber „in keine Schublade stecken lassen". Neben einer inhaltlichen Nähe zum „Seeheimer Kreis" der SPD habe er ein gutes Verhältnis zu den Jusos und sei bestrebt, „offen für Neues" zu bleiben. Aktiv ist Schröder sowohl in der Dorfgemeinschaft wie auch seit vielen Jahren in der Schulpflegschaft der Gesamtschule Hüllhorst.

Sein besonderes Steckenpferd ist daher neben der Sicherheits- auch die Bildungspolitik. Der Ausbildung soll wieder größere Bedeutung zukommen. Jedes Kind müsse freien Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten erhalten, um unabhängig vom Elternhaus seine Talente entfalten zu können. Dafür brauche es einen Offenen Ganztag, wo die Kinder qualifiziert pädagogisch betreut werden.

In der Ratsarbeit habe er immer versucht, sachbezogene Politik zu machen, die dem Wohle der ganzen Stadt diene – auch dann, wenn es nicht allen gefällt. „Wer zuerst an seine Partei denkt oder immer auf die Lautesten hört, hat den Auftrag nicht verstanden", sekundiert Schröder.

Auch bei der Frage nach den Krankenhäusern im Altkreis ist der Sozialdemokrat pragmatisch. Er wundere sich, dass die Diskussion so geführt werde, als sei alles schon beschlossene Sache. An der Entwicklung störe ihn, dass sie von Beginn an etwas „Handstreichartiges" gehabt habe. Für seinen Geschmack sei viel zu oft das Wort „Wirtschaftlichkeit" gefallen. „Das wurmt mich ganz grundsätzlich, denn hier geht es um die Gesundheit, und die ist nun einmal keine Ware." Bis die Kosten verlässlich geklärt seien, und „wer die Zeche bezahlen soll", sei es für ihn weniger eine Frage, wo ein neues Krankenhaus gebaut wird, „sondern ob das überhaupt geschieht". „Da mache ich vorerst ein dickes Fragezeichen dran."

Entspannen kann Andreas Schröder am besten beim Rasenmähen am heimischen „Pastorenteich" in Alswede. Und wenn er mit einem Freund als Baumkletterer unterwegs ist, um Gefahrenbäume zu untersuchen. Beim Naturschutzbund ist er seit Kurzem gerne für die Umwelt im Einsatz beim Schneiteln der Weiden.

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