Mindener Geheimnisse: Kammerherr und die Königstochter in Rothenuffeln Kerstin Rickert Hille-Rothenuffeln. Die Bergkirchener Straße ist malerisch gelegen – aber sie hat auch ihre Tücken. Kurvenreich windet sie sich von Rothenuffeln nach Bergkirchen den Hang hinauf. Da bleibt vor lauter Konzentration auf die nächste Serpentine kaum Zeit nach links und rechts zu schauen. Leicht übersehen wird so eine Stelle, die in einer spitzen Kehre liegt. Dabei lohnt es sich, diesen Ort genauer zu betrachten. Denn er erzählt viel über den Menschen, dem man dort bereits zu Lebzeiten ein Denkmal setzte. Und über die besondere Bedeutung der Passstraße über das Wiehengebirge, an der dieses Denkmal steht. Uwe Meyer, Ortsheimatpfleger von Rothenuffeln, kennt noch eine weitere Geschichte. Es ist schon eine merkwürdige Stelle für eine Grabstätte, direkt an einer viel befahrenen Straße. Aber es ist auch ein sehr schöner Ort. 249,8 Meter hoch gelegen, befindet er sich an dem höchsten Punkt Rothenuffelns und zugleich der Gemeinde Hille. „Die Aussicht in die Norddeutsche Tiefebene ist traumhaft“, findet Uwe Meyer. Das müssen sich die Menschen damals auch gedacht haben, die an dieser Stelle ein Hochkreuz-Denkmal errichten ließen. Für wen, dazu geben die Inschriften an dem Denkmal Auskunft: Errichtet am 24. September 1857. Dem Königlichen Kammerherrn und Landrath Freiherrn Carl von Schlotheim, Rechts-Ritter des St. Johanniter- und Ritter des Rothen-Adler-Ordens. Hinweise zu den Gründen für die Errichtung des Denkmals an dieser Stelle liefert eine weitere Inschrift: „In ehrender Anerkennung seiner um den Kreis Minden erworbenen Verdienste, insbesondere zu dankbarer Erinnerung für die in väterlicher Fürsorge der hiesigen Gegend durch Anlegung dieses Weges erwiesene große Wohlthat.“ Nur wenige Schritte entfernt befindet sich ein Doppelgrab mit zwei gusseisernen Kreuzen: Begraben sind dort Carl Ludwig Theodor Freiherr von Schlotheim (1790-1869) und seine Frau Melanie Freifrau von Schlotheim geb. Gräfin von Wietersheim (1803-1876). Aber wer waren die beiden? „Carl von Schlotheim war Landrat im Kreis Minden und hat den Bau von Straßen vorangetrieben. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme soll er rund 2.000 Arbeitslosen Beschäftigung gegeben haben. Auch die Bergkirchener Straße hat er damals bauen lassen“, erzählt Uwe Meyer. Die Bevölkerung sei ihm so dankbar gewesen, dass sie ihm, den sie als „Straßenbauer des Kreises Minden“ feierten, ein Denkmal setzte. Und wer war Melanie? „Vor seiner Zeit als Mindener Landrat war Carl Kammerherr von Jerome Bonaparte, dem Bruder Napoleons und König von Westphalen. Dadurch lernte er seine Frau Melanie kennen, eine uneheliche Tochter Jeromes und Nichte Napoleons“, berichtet der Ortsheimatpfleger weiter. Jerome Bonaparte (1784-1860) war der jüngste Bruder von Napoleon (1769-1821). 1807 machte Napoleon seinen 15 Jahre jüngeren Bruder zum Herrscher über das von ihm geschaffene Königreich Westphalen, zu dem auch das Gebiet des heutigen Kreises Minden-Lübbecke gehörte. Residenzstadt war Kassel, wo Jerome von den Bürgern der Stadt „König Lustig“ oder auch „König Lustik“ genannt worden sein soll. Ihm wird nachgesagt, das Leben in vollen Zügen genossen zu haben und den Frauen sehr zugetan gewesen zu sein. Aus zwei Ehen und einer außerehelichen Verbindung gingen sechs Kinder hervor – und aus einer Liaison, die er als 17-Jähriger hatte, eine Tochter: Felicite-Melanie Adelaide, genannt Melanie. Über sie war lange Zeit wenig bekannt. Vermutlich wurde sie in Nantes geboren. Dort hatte Jerome, nachdem sein Bruder Napoleon ihn in die Kriegsmarine gesteckt hatte, als junger Fähnrich zur See 1802 mit ihrer verheirateten Mutter Adelaide-Melanie Lagarde ein Verhältnis. Von der Geburt seiner Tochter erfuhr er zunächst nichts, da er sich 1803 in die Vereinigten Staaten von Amerika abgesetzt hatte. „Aber später erkannte Jerome Melanie als seine Tochter an und holte sie zu sich nach Kassel“, erzählt Uwe Meyer. 1810 vermachte Jerome seiner Tochter das Rittergut Wietersheim, erhob sie in den Adelsstand und verlieh ihr den Titel „Gräfin von Wietersheim“. „Als Kammerherr am Hof des Königs muss von Schlotheim Melanie kennengelernt haben“, vermutet Meyer. Nach dem Zusammenbruch des Königreichs Westphalen 1813 und dem Ende des Französischen Kaiserreichs 1815 begleiteten beide Jerome Bonaparte ins Exil, zunächst auf Schloss Schönau in Österreich. Dann lebten sie in der Villa Cassis in Triest, das damals ebenfalls zu Österreich gehörte. Offenbar fand der junge Carl Ludwig Theodor Gefallen an dem Mädchen, das schon als kleines Kind durch sein anmutiges und charmantes Wesen aufgefallen sein soll, und er bat Jerome um die Hand seiner Tochter. Mit Erfolg: 1820 heirateten die beiden in Triest. Ein Jahr später kam dort ihr erstes Kind zur Welt, Charlotte Luitgard Melanie Ernestine. Der einzige Sohn Eduard Ernst Franz Johann wurde zwei Jahre darauf in Paris geboren. Mit den Finanzen Jeromes stand es mittlerweile durch sein pompöses Leben in Triest nicht mehr zum Besten, und er musste sich einschränken. Die Familie von Schlotheim zog in dieser Zeit nach Wietersheim, heute ein Ortsteil von Petershagen, in das inzwischen zu einem Schlösschen umgebaute Gut. 1955 widmete der Wietersheimer und spätere Kreisheimatpfleger Wilhelm Brepohl (1913-2002) der „Gräfin von Wietersheim“ in zwei Ausgaben der Mindener Heimatblätter besondere Aufmerksamkeit und wies auf deren außergewöhnliche Barmherzigkeit hin. Sie habe „sich der Kranken und Schwachen des Dorfes angenommen, die sie mit Speise und Trank aus Küche und Keller des Gutes bedachte“, schrieb Brepohl. Vorbildlich für ihre Zeit sei auch die Fürsorge gewesen, die sie den jungen Mädchen des Dorfes habe angedeihen lassen. So habe sie „jedes Mädchen, ob Bauerntochter oder Tagelöhnerkind, zu Handarbeitsstunden ins Schloss eingeladen und sie im Nähen, Stricken und Sticken unterwiesen“. Ihrem Mann und ihren Kindern sei Melanie zudem immer eine liebevolle, gütige Gattin und Mutter gewesen. 1826 kam ihr drittes Kind zur Welt: Mathilde Charlotte Henriette Emilie Auguste. Taufpaten wurden Frau Regierungsrätin Kopp und Heinrich von Korff, Landrat des seit 1816 preußischen Kreises Minden. Das Ehepaar von Schlotheim hatte also bereits innerhalb kurzer Zeit gute Kontakte zur höheren Mindener Gesellschaft geknüpft. Schon bald gehörten sie fest zum Kreis der Honoratioren der Stadt, in der sie regelmäßig verkehrten. Ihre Tochter Emilie Melanie Jeromia wurde 1828 in Minden geboren. Carl Ludwig Theodor von Schlotheim machte Karriere als Regierungsbeamter und Abgeordneter. Als Rittergutsbesitzer gehörte er den Kreisständen an, 1837 wurde er Kreisdeputierter und damit Stellvertreter des Landrats. 1849 übernahm er zunächst die kommissarische und ab 1850 die Leitung des Landratsamtes von seinem Vorgänger von Korff, dem Patenonkel seiner zweitjüngsten Tochter. Während seiner 20-jährigen Amtszeit setzte er sich in besonderem Maße für den Bau von Straßen und von Deichen an der Weser ein. Sein Programm zur Entwicklung der Infrastruktur sah den Bau von 135 Kilometern Straßen im Kreis durch Arbeitslose vor. Mit der Umsetzung erhielten rund 2.000 Menschen Arbeit, wodurch die Gemeinden von der Armenfürsorge entlastet wurden und der Kreis Minden einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Für den Bau von Weser-Deichen im Gebiet der heutigen Stadt Petershagen, die größtenteils heute noch als Hochwasserschutz fungieren, generierte er staatliche Zuschüsse in Höhe von 15.000 Talern – damals eine Menge Geld. Die Bevölkerung dürfte sich seiner Verdienste durchaus bewusst gewesen sein, als sie ihm zwölf Jahre vor seinem Tod an der durch seine Initiative erbauten Passstraße über das Wiehengebirge ein Denkmal setzte. Melanie wurde so viel Aufmerksamkeit nicht zuteil – sie starb 1876 im Alter von 72 Jahren einsam, fast erblindet und verarmt in Bad Oeynhausen. Nach dem Tod ihres Mannes sieben Jahre zuvor war sie zu einem Notverkauf von Schloss Wietersheim gezwungen worden. Ihre letzte Ruhestätte fand sie bei ihm – an dem Platz neben dem Denkmal, den sich der gefeierte Landrat für sich und seine Frau gewünscht hatte. So geht’s zum Schlotheim-Grab: Es liegt in einer spitzen Kehre an der Bergkirchener Straße, die von Rothenuffeln nach Bergkirchen führt. Parkmöglichkeiten in direkter Umgebung gibt es nicht.

Mindener Geheimnisse: Kammerherr und die Königstochter in Rothenuffeln

Uwe Meyer kennt die Geschichten der Menschen, die an diesem besonderen Ort ihre letzte Ruhestätte fanden. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Hille-Rothenuffeln. Die Bergkirchener Straße ist malerisch gelegen – aber sie hat auch ihre Tücken. Kurvenreich windet sie sich von Rothenuffeln nach Bergkirchen den Hang hinauf. Da bleibt vor lauter Konzentration auf die nächste Serpentine kaum Zeit nach links und rechts zu schauen. Leicht übersehen wird so eine Stelle, die in einer spitzen Kehre liegt. Dabei lohnt es sich, diesen Ort genauer zu betrachten. Denn er erzählt viel über den Menschen, dem man dort bereits zu Lebzeiten ein Denkmal setzte. Und über die besondere Bedeutung der Passstraße über das Wiehengebirge, an der dieses Denkmal steht. Uwe Meyer, Ortsheimatpfleger von Rothenuffeln, kennt noch eine weitere Geschichte.

Es ist schon eine merkwürdige Stelle für eine Grabstätte, direkt an einer viel befahrenen Straße. Aber es ist auch ein sehr schöner Ort. 249,8 Meter hoch gelegen, befindet er sich an dem höchsten Punkt Rothenuffelns und zugleich der Gemeinde Hille. „Die Aussicht in die Norddeutsche Tiefebene ist traumhaft“, findet Uwe Meyer. Das müssen sich die Menschen damals auch gedacht haben, die an dieser Stelle ein Hochkreuz-Denkmal errichten ließen.

Für wen, dazu geben die Inschriften an dem Denkmal Auskunft: Errichtet am 24. September 1857. Dem Königlichen Kammerherrn und Landrath Freiherrn Carl von Schlotheim, Rechts-Ritter des St. Johanniter- und Ritter des Rothen-Adler-Ordens. Hinweise zu den Gründen für die Errichtung des Denkmals an dieser Stelle liefert eine weitere Inschrift: „In ehrender Anerkennung seiner um den Kreis Minden erworbenen Verdienste, insbesondere zu dankbarer Erinnerung für die in väterlicher Fürsorge der hiesigen Gegend durch Anlegung dieses Weges erwiesene große Wohlthat.“

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich ein Doppelgrab mit zwei gusseisernen Kreuzen: Begraben sind dort Carl Ludwig Theodor Freiherr von Schlotheim (1790-1869) und seine Frau Melanie Freifrau von Schlotheim geb. Gräfin von Wietersheim (1803-1876). Aber wer waren die beiden?

„Carl von Schlotheim war Landrat im Kreis Minden und hat den Bau von Straßen vorangetrieben. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme soll er rund 2.000 Arbeitslosen Beschäftigung gegeben haben. Auch die Bergkirchener Straße hat er damals bauen lassen“, erzählt Uwe Meyer. Die Bevölkerung sei ihm so dankbar gewesen, dass sie ihm, den sie als „Straßenbauer des Kreises Minden“ feierten, ein Denkmal setzte. Und wer war Melanie? „Vor seiner Zeit als Mindener Landrat war Carl Kammerherr von Jerome Bonaparte, dem Bruder Napoleons und König von Westphalen. Dadurch lernte er seine Frau Melanie kennen, eine uneheliche Tochter Jeromes und Nichte Napoleons“, berichtet der Ortsheimatpfleger weiter.

Jerome Bonaparte (1784-1860) war der jüngste Bruder von Napoleon (1769-1821). 1807 machte Napoleon seinen 15 Jahre jüngeren Bruder zum Herrscher über das von ihm geschaffene Königreich Westphalen, zu dem auch das Gebiet des heutigen Kreises Minden-Lübbecke gehörte. Residenzstadt war Kassel, wo Jerome von den Bürgern der Stadt „König Lustig“ oder auch „König Lustik“ genannt worden sein soll. Ihm wird nachgesagt, das Leben in vollen Zügen genossen zu haben und den Frauen sehr zugetan gewesen zu sein.

Aus zwei Ehen und einer außerehelichen Verbindung gingen sechs Kinder hervor – und aus einer Liaison, die er als 17-Jähriger hatte, eine Tochter: Felicite-Melanie Adelaide, genannt Melanie. Über sie war lange Zeit wenig bekannt. Vermutlich wurde sie in Nantes geboren. Dort hatte Jerome, nachdem sein Bruder Napoleon ihn in die Kriegsmarine gesteckt hatte, als junger Fähnrich zur See 1802 mit ihrer verheirateten Mutter Adelaide-Melanie Lagarde ein Verhältnis.

Von der Geburt seiner Tochter erfuhr er zunächst nichts, da er sich 1803 in die Vereinigten Staaten von Amerika abgesetzt hatte. „Aber später erkannte Jerome Melanie als seine Tochter an und holte sie zu sich nach Kassel“, erzählt Uwe Meyer. 1810 vermachte Jerome seiner Tochter das Rittergut Wietersheim, erhob sie in den Adelsstand und verlieh ihr den Titel „Gräfin von Wietersheim“. „Als Kammerherr am Hof des Königs muss von Schlotheim Melanie kennengelernt haben“, vermutet Meyer.

Nach dem Zusammenbruch des Königreichs Westphalen 1813 und dem Ende des Französischen Kaiserreichs 1815 begleiteten beide Jerome Bonaparte ins Exil, zunächst auf Schloss Schönau in Österreich. Dann lebten sie in der Villa Cassis in Triest, das damals ebenfalls zu Österreich gehörte. Offenbar fand der junge Carl Ludwig Theodor Gefallen an dem Mädchen, das schon als kleines Kind durch sein anmutiges und charmantes Wesen aufgefallen sein soll, und er bat Jerome um die Hand seiner Tochter. Mit Erfolg: 1820 heirateten die beiden in Triest. Ein Jahr später kam dort ihr erstes Kind zur Welt, Charlotte Luitgard Melanie Ernestine. Der einzige Sohn Eduard Ernst Franz Johann wurde zwei Jahre darauf in Paris geboren.

Mit den Finanzen Jeromes stand es mittlerweile durch sein pompöses Leben in Triest nicht mehr zum Besten, und er musste sich einschränken. Die Familie von Schlotheim zog in dieser Zeit nach Wietersheim, heute ein Ortsteil von Petershagen, in das inzwischen zu einem Schlösschen umgebaute Gut.

1955 widmete der Wietersheimer und spätere Kreisheimatpfleger Wilhelm Brepohl (1913-2002) der „Gräfin von Wietersheim“ in zwei Ausgaben der Mindener Heimatblätter besondere Aufmerksamkeit und wies auf deren außergewöhnliche Barmherzigkeit hin. Sie habe „sich der Kranken und Schwachen des Dorfes angenommen, die sie mit Speise und Trank aus Küche und Keller des Gutes bedachte“, schrieb Brepohl.

Vorbildlich für ihre Zeit sei auch die Fürsorge gewesen, die sie den jungen Mädchen des Dorfes habe angedeihen lassen. So habe sie „jedes Mädchen, ob Bauerntochter oder Tagelöhnerkind, zu Handarbeitsstunden ins Schloss eingeladen und sie im Nähen, Stricken und Sticken unterwiesen“. Ihrem Mann und ihren Kindern sei Melanie zudem immer eine liebevolle, gütige Gattin und Mutter gewesen.

1826 kam ihr drittes Kind zur Welt: Mathilde Charlotte Henriette Emilie Auguste. Taufpaten wurden Frau Regierungsrätin Kopp und Heinrich von Korff, Landrat des seit 1816 preußischen Kreises Minden. Das Ehepaar von Schlotheim hatte also bereits innerhalb kurzer Zeit gute Kontakte zur höheren Mindener Gesellschaft geknüpft. Schon bald gehörten sie fest zum Kreis der Honoratioren der Stadt, in der sie regelmäßig verkehrten. Ihre Tochter Emilie Melanie Jeromia wurde 1828 in Minden geboren.

Carl Ludwig Theodor von Schlotheim machte Karriere als Regierungsbeamter und Abgeordneter. Als Rittergutsbesitzer gehörte er den Kreisständen an, 1837 wurde er Kreisdeputierter und damit Stellvertreter des Landrats. 1849 übernahm er zunächst die kommissarische und ab 1850 die Leitung des Landratsamtes von seinem Vorgänger von Korff, dem Patenonkel seiner zweitjüngsten Tochter. Während seiner 20-jährigen Amtszeit setzte er sich in besonderem Maße für den Bau von Straßen und von Deichen an der Weser ein.

Sein Programm zur Entwicklung der Infrastruktur sah den Bau von 135 Kilometern Straßen im Kreis durch Arbeitslose vor. Mit der Umsetzung erhielten rund 2.000 Menschen Arbeit, wodurch die Gemeinden von der Armenfürsorge entlastet wurden und der Kreis Minden einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Für den Bau von Weser-Deichen im Gebiet der heutigen Stadt Petershagen, die größtenteils heute noch als Hochwasserschutz fungieren, generierte er staatliche Zuschüsse in Höhe von 15.000 Talern – damals eine Menge Geld.

Die Bevölkerung dürfte sich seiner Verdienste durchaus bewusst gewesen sein, als sie ihm zwölf Jahre vor seinem Tod an der durch seine Initiative erbauten Passstraße über das Wiehengebirge ein Denkmal setzte. Melanie wurde so viel Aufmerksamkeit nicht zuteil – sie starb 1876 im Alter von 72 Jahren einsam, fast erblindet und verarmt in Bad Oeynhausen. Nach dem Tod ihres Mannes sieben Jahre zuvor war sie zu einem Notverkauf von Schloss Wietersheim gezwungen worden. Ihre letzte Ruhestätte fand sie bei ihm – an dem Platz neben dem Denkmal, den sich der gefeierte Landrat für sich und seine Frau gewünscht hatte.

So geht’s zum Schlotheim-Grab: Es liegt in einer spitzen Kehre an der Bergkirchener Straße, die von Rothenuffeln nach Bergkirchen führt. Parkmöglichkeiten in direkter Umgebung gibt es nicht.

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