Mindener Geheimnisse: Fabrikgebäude in Südhemmern wird zu Technikzentrum Jürgen Langenkämper Hille-Südhemmern. Das kleine Dorf Südhemmern lässt kaum vermuten, dass hier eine Talentschmiede für kommende Generationen ihren Hauptsitz hat. Und noch weniger würden zufällige Besucher wohl ahnen können, dass hier einst ein Rädchen der deutschen Genussmittelindustrie sich emsig drehte, stünde nicht auf einem Schild am Haus Fischerstadt 36 Zigarrenfabrik zu lesen: Wie aus der Produktionsstätte für Zigarren eine Talentfabrik werden konnte, kann Karin Ressel, Gründerin und Leiterin des Technikzentrums, anhand eines geheimnisvollen Rohrs zeigen, das aus der Hauswand an der Westseite ragt. „Es gehört zur alten Schwerkraftheizung, derentwegen es mir gelungen ist, das Gebäude für unseren gemeinnützigen Verein zu kaufen und umzubauen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Der Prozess des Erwerbs war lang und steinig. „1993 bin ich bei einem Spaziergang auf das leerstehende alte Fabrikgebäude am südlichen Dorfrand, unmittelbar an den Mittellandkanal grenzend, gestoßen“, erzählt Karin Ressel, die damals das Technikzentrum, eine Einrichtung zur Berufsfindung von Jugendlichen, am Hauptstandort Lübbecke leitete. Der zweigeschossige Bau ging in seinem Ursprungskern auf ein Haus zurück, das der Landwirt Waltke, genannt Benten, zwischen 1885 und 1890 errichten ließ, um in die Zigarrenproduktion einzusteigen. Schon wenige Wochen nach der Gründung der Zigarrenfabrik, die wie in anderen Dörfern der Umgegend im Auftrag für große Zigarrenhändler in Minden, Lübbecke und Bremen produzierte, sollen in Südhemmern 140 Roller und 45 Wickler gearbeitet haben. Die Zigarrenproduktion in der Region entwickelte sich ab 1830, von den Städten ausgehend, parallel zum Niedergang der Leinenindustrie auf den Dörfern sowie wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten in der Landwirtschaft für die rasch wachsende Bevölkerung. Dies führte zum einen zu einer Auswanderungswelle, vor allem nach Amerika, und zum anderen zur Herausbildung eines Zentrums der Tabakindustrie. Anfangs gingen Arbeiter täglich zu Fuß zur Arbeit in die Stadt. Als es auch in einzelnen Dörfern mehr Zigarrenarbeiter gab, wurde es ökonomischer, diese dort arbeiten zu lassen. Landwirte bauten in ihrem Ort kleine Produktionsstätten und vermieteten sie, was für sie eine gute zusätzliche Einnahmequelle darstellte. „Landwirt Waltke und seine Familie waren anfangs selbst in das Zigarrengeschäft einbezogen und daran beteiligt“, sagt Karin Ressel. Um 1900 verkauften sie jedoch das Gebäude, in dem die nächsten 30 Jahre unter den Werkmeistern Buhrmester und Kreuzer produziert wurde. Immer wieder kam es zu Absatzstockungen infolge mangelnder Nachfrage und Überproduktion, was auch die Arbeiter in den drei Zigarrenfabriken, die es zwischenzeitlich in Südhemmern gab – von 27 insgesamt im Bereich der heutigen Gemeinde Hille –, zu spüren bekamen. 1928 stieg die Arbeitslosigkeit stark an, als der Bremer Zigarrenhersteller Frischen Söhne, der auch in Lübbecke eine Filiale betrieb, seine Fabrik in Südhemmern stilllegte. Laut einer Notiz im Mindener Tageblatt wurde im November 1928 eine größere Zahl Zigarrenarbeiter im Ort arbeitslos. Dann half neben der dürftigen Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung, dass viele sich im Nebenerwerb auf den umliegenden Bauernhöfen als Heuerlinge verdingen konnten. Um 1930 wurde nach den Kenntnissen von Karin Ressel die Fabrik an den großen Zigarrenhersteller Arnold André aus Bünde verkauft, der das Gebäude in den 1930ern beträchtlich erweiterte und aufstocken ließ. Diese bauliche Veränderung lässt sich auch von außen erkennen. Die begeisterte Technikerin weist auf einen Knick der Außenwand auf der Ostseite hin. „Bis hierhin ging das alte Haus. Der Anbau folgt mit dem Minimalabstand zum Nachbargrundstück exakt der Grundstücksgrenze.“ Platz war im Dorf knapp, denn 90 Meter hinter dem Haus verläuft seit 1915 der Mittellandkanal. Weil keine Erweiterung in der Fläche möglich war, setzte der Bauherr die Fabriksäle oben auf den vorhandenen Bau auf. „Die Fenstersimse sind extra hoch angebracht“, macht Karin Ressel auf ein Detail aufmerksam. „Die Arbeiter sollten während der Arbeit nicht hinausschauen können, um sich nicht ablenken zu lassen.“ So entstand ein für dörfliche Verhältnisse wuchtiger Bau, der viele der radelnden Ausflügler staunen lässt, die auf dem Weg über die nahe gelegene Kanalbrücke in die Bastauwiesen und das Hiller Moor vorbeikommen. „Während des Zweiten Weltkriegs musste die Zigarrenproduktion in Südhemmern eingestellt werden, weil keine Deckblätter mehr geordert werden konnten“, sagt Karin Ressel. Stattdessen wurden die Räume an den Flugzeug-Hersteller Peschke aus Minden vermietet. „Peschke nutzte die Fabrik als Lager für Flugzeugteile“ – etwas abseits des Stadtgebiets, wo ab 1943 vermehrt Bomben fielen. „Nach Ende des Krieges wurde die Fabrik im Februar 1946 von der Firma Schäferbarthold, die Kfz-Teile und Zubehör verkaufte und gezwungenermaßen ihren Standort in Porta Westfalica verlassen musste, bis 1948 gemietet. Ein Jahr nachdem Schäferbarthold ausgezogen war und die Produktion wieder lief, fand sich noch ein Untermieter ein“, sagt Karin Ressel. „Eine Hutstofffabrik aus Niedersachsen mietete von 1949 bis 1952 den zweiten Stock der Fabrik, während der Rest weiterhin zur Anfertigung der Zigarren der Marke André genutzt wurde.“ Zum 60-jährigen Bestehen der Zigarrenfabrik zog ein Zeitungsartikel im Mindener Tageblatt Anfang 1960 Bilanz. Anfänglich hatten 40 Arbeiter 10.000 Zigarren am Tag im Akkord von Hand produziert. 1929/30 waren 125 Menschen in Südhemmern in der Zigarrenherstellung tätig, 1960 dann 240. Viele, darunter auch immer mehr Frauen, kamen aus benachbarten Ortschaften. Die Produktivität war enorm gestiegen. Die Tagesleistung hatte sich von 500 Stück durch die ersten Handwickelmaschinen auf 1.200 bis 1.500 Stück nahezu verdreifacht. Elektrische Wickelmaschinen, die von einem Mann bedient, überwacht und mit Material versorgt wurden, produzierten 1.300 Zigarren – in der Stunde. Sechs solcher Maschinen standen in Südhemmern und liefen in zwei Schichten von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr am Abend. Trotzdem konnte der Standort mit der fortschreitenden Automatisierung nicht Schritt halten und wurde als einer der ersten geschlossen. „Bis 1963 nutzte der André-Konzern das Gebäude noch als Lagerhalle für Tabak“, weiß Karin Ressel. In jenem Jahr kaufte das Bielefelder Verlagsunternehmen Rido die Zigarrenfabrik und stellte dort bis 1980 in Handarbeit Kalender her. Danach wurde das Gebäude einmal mehr bis etwa 1990 als Lager genutzt. Mit dem Verkauf des Kalenderherstellers an den Bertelsmann-Konzern wurden seine Geschicke von Gütersloh aus gelenkt. Dort stieß Karin Ressels erste Nutzungsanfrage auf taube Ohren. Aber als der Weltkonzern das Gebäude an Richard Dohse jun. zurückgegeben hatte, schlug ihre Stunde erneut. „Dazu geeignete Räume hatte Herr Dohse als Wohnung vermietet“, sagt sie. Das hatte einen Nachteil: Die Schwerkraftheizung konnte nur das ganze Gebäude von 1.500 Quadratmetern Nutzfläche beheizen und verschlang Unsummen. Angesichts der Kosten wollte der Eigentümer die Immobilie Mitte der 2000er-Jahre abstoßen, und so einigten sich beide Seiten auf einen akzeptablen Kaufpreis. Die Umstände der Finanzierung und Sanierung des Industriedenkmals, das inzwischen unter Schutz steht, wären ein Kapitel für sich. Denn schließlich musste Karin Ressel die Zigarrenfabrik als Privatperson kaufen und mit einem Kredit ab 2009 umbauen, damit das Ganze zu einer Fabrik für Bildung und Kultur werden konnte, von der aus jährlich bundesweit 50.000 Schüler handwerklich trainiert und bei der Berufsfindung unterstützt werden. „Das Heizungsproblem haben wir auch gelöst, indem wir eine effiziente Brennwertheizung und Heizschleifen als Wandheizung eingebaut haben“, sagt Karin Ressel. Von der alten, wenig umwelt- und portemonnaiefreundlichen Schwerkraftheizung ist nur noch das mysteriöse Lüftungsrohr in der Hauswand geblieben. So geht’s zum Lüftungsrohr Das Technikzentrum in der alten Zigarrenfabrik liegt in der Straße Fischerstadt 36. Das Lüftungsrohr befindet sich an der Westseite des Hauses.

Mindener Geheimnisse: Fabrikgebäude in Südhemmern wird zu Technikzentrum

Das dreigeschossige Gebäude der alten Zigarrenfabrik ist in der dörflichen Umgebung Südhemmerns ortsbildprägend und nicht zu übersehen. © lkp

Hille-Südhemmern. Das kleine Dorf Südhemmern lässt kaum vermuten, dass hier eine Talentschmiede für kommende Generationen ihren Hauptsitz hat. Und noch weniger würden zufällige Besucher wohl ahnen können, dass hier einst ein Rädchen der deutschen Genussmittelindustrie sich emsig drehte, stünde nicht auf einem Schild am Haus Fischerstadt 36 Zigarrenfabrik zu lesen: Wie aus der Produktionsstätte für Zigarren eine Talentfabrik werden konnte, kann Karin Ressel, Gründerin und Leiterin des Technikzentrums, anhand eines geheimnisvollen Rohrs zeigen, das aus der Hauswand an der Westseite ragt. „Es gehört zur alten Schwerkraftheizung, derentwegen es mir gelungen ist, das Gebäude für unseren gemeinnützigen Verein zu kaufen und umzubauen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Der Prozess des Erwerbs war lang und steinig. „1993 bin ich bei einem Spaziergang auf das leerstehende alte Fabrikgebäude am südlichen Dorfrand, unmittelbar an den Mittellandkanal grenzend, gestoßen“, erzählt Karin Ressel, die damals das Technikzentrum, eine Einrichtung zur Berufsfindung von Jugendlichen, am Hauptstandort Lübbecke leitete. Der zweigeschossige Bau ging in seinem Ursprungskern auf ein Haus zurück, das der Landwirt Waltke, genannt Benten, zwischen 1885 und 1890 errichten ließ, um in die Zigarrenproduktion einzusteigen. Schon wenige Wochen nach der Gründung der Zigarrenfabrik, die wie in anderen Dörfern der Umgegend im Auftrag für große Zigarrenhändler in Minden, Lübbecke und Bremen produzierte, sollen in Südhemmern 140 Roller und 45 Wickler gearbeitet haben.

Platz für Talentschmiede: Karin Ressel weist auf das Lüftungsrohr der alten Schwerkraftheizung hin, deren hohe Kosten den Vorbesitzer veranlassten, das Gebäude zu verkaufen. MT-Fotos: Langenkämper - © lkp
Platz für Talentschmiede: Karin Ressel weist auf das Lüftungsrohr der alten Schwerkraftheizung hin, deren hohe Kosten den Vorbesitzer veranlassten, das Gebäude zu verkaufen. MT-Fotos: Langenkämper - © lkp

Die Zigarrenproduktion in der Region entwickelte sich ab 1830, von den Städten ausgehend, parallel zum Niedergang der Leinenindustrie auf den Dörfern sowie wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten in der Landwirtschaft für die rasch wachsende Bevölkerung. Dies führte zum einen zu einer Auswanderungswelle, vor allem nach Amerika, und zum anderen zur Herausbildung eines Zentrums der Tabakindustrie. Anfangs gingen Arbeiter täglich zu Fuß zur Arbeit in die Stadt. Als es auch in einzelnen Dörfern mehr Zigarrenarbeiter gab, wurde es ökonomischer, diese dort arbeiten zu lassen. Landwirte bauten in ihrem Ort kleine Produktionsstätten und vermieteten sie, was für sie eine gute zusätzliche Einnahmequelle darstellte.

„Landwirt Waltke und seine Familie waren anfangs selbst in das Zigarrengeschäft einbezogen und daran beteiligt“, sagt Karin Ressel. Um 1900 verkauften sie jedoch das Gebäude, in dem die nächsten 30 Jahre unter den Werkmeistern Buhrmester und Kreuzer produziert wurde. Immer wieder kam es zu Absatzstockungen infolge mangelnder Nachfrage und Überproduktion, was auch die Arbeiter in den drei Zigarrenfabriken, die es zwischenzeitlich in Südhemmern gab – von 27 insgesamt im Bereich der heutigen Gemeinde Hille –, zu spüren bekamen. 1928 stieg die Arbeitslosigkeit stark an, als der Bremer Zigarrenhersteller Frischen Söhne, der auch in Lübbecke eine Filiale betrieb, seine Fabrik in Südhemmern stilllegte. Laut einer Notiz im Mindener Tageblatt wurde im November 1928 eine größere Zahl Zigarrenarbeiter im Ort arbeitslos. Dann half neben der dürftigen Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung, dass viele sich im Nebenerwerb auf den umliegenden Bauernhöfen als Heuerlinge verdingen konnten.

Um 1930 wurde nach den Kenntnissen von Karin Ressel die Fabrik an den großen Zigarrenhersteller Arnold André aus Bünde verkauft, der das Gebäude in den 1930ern beträchtlich erweiterte und aufstocken ließ. Diese bauliche Veränderung lässt sich auch von außen erkennen. Die begeisterte Technikerin weist auf einen Knick der Außenwand auf der Ostseite hin. „Bis hierhin ging das alte Haus. Der Anbau folgt mit dem Minimalabstand zum Nachbargrundstück exakt der Grundstücksgrenze.“ Platz war im Dorf knapp, denn 90 Meter hinter dem Haus verläuft seit 1915 der Mittellandkanal. Weil keine Erweiterung in der Fläche möglich war, setzte der Bauherr die Fabriksäle oben auf den vorhandenen Bau auf. „Die Fenstersimse sind extra hoch angebracht“, macht Karin Ressel auf ein Detail aufmerksam. „Die Arbeiter sollten während der Arbeit nicht hinausschauen können, um sich nicht ablenken zu lassen.“ So entstand ein für dörfliche Verhältnisse wuchtiger Bau, der viele der radelnden Ausflügler staunen lässt, die auf dem Weg über die nahe gelegene Kanalbrücke in die Bastauwiesen und das Hiller Moor vorbeikommen.

„Während des Zweiten Weltkriegs musste die Zigarrenproduktion in Südhemmern eingestellt werden, weil keine Deckblätter mehr geordert werden konnten“, sagt Karin Ressel. Stattdessen wurden die Räume an den Flugzeug-Hersteller Peschke aus Minden vermietet. „Peschke nutzte die Fabrik als Lager für Flugzeugteile“ – etwas abseits des Stadtgebiets, wo ab 1943 vermehrt Bomben fielen. „Nach Ende des Krieges wurde die Fabrik im Februar 1946 von der Firma Schäferbarthold, die Kfz-Teile und Zubehör verkaufte und gezwungenermaßen ihren Standort in Porta Westfalica verlassen musste, bis 1948 gemietet. Ein Jahr nachdem Schäferbarthold ausgezogen war und die Produktion wieder lief, fand sich noch ein Untermieter ein“, sagt Karin Ressel. „Eine Hutstofffabrik aus Niedersachsen mietete von 1949 bis 1952 den zweiten Stock der Fabrik, während der Rest weiterhin zur Anfertigung der Zigarren der Marke André genutzt wurde.“

Zum 60-jährigen Bestehen der Zigarrenfabrik zog ein Zeitungsartikel im Mindener Tageblatt Anfang 1960 Bilanz. Anfänglich hatten 40 Arbeiter 10.000 Zigarren am Tag im Akkord von Hand produziert. 1929/30 waren 125 Menschen in Südhemmern in der Zigarrenherstellung tätig, 1960 dann 240. Viele, darunter auch immer mehr Frauen, kamen aus benachbarten Ortschaften. Die Produktivität war enorm gestiegen. Die Tagesleistung hatte sich von 500 Stück durch die ersten Handwickelmaschinen auf 1.200 bis 1.500 Stück nahezu verdreifacht. Elektrische Wickelmaschinen, die von einem Mann bedient, überwacht und mit Material versorgt wurden, produzierten 1.300 Zigarren – in der Stunde. Sechs solcher Maschinen standen in Südhemmern und liefen in zwei Schichten von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr am Abend.

Trotzdem konnte der Standort mit der fortschreitenden Automatisierung nicht Schritt halten und wurde als einer der ersten geschlossen. „Bis 1963 nutzte der André-Konzern das Gebäude noch als Lagerhalle für Tabak“, weiß Karin Ressel. In jenem Jahr kaufte das Bielefelder Verlagsunternehmen Rido die Zigarrenfabrik und stellte dort bis 1980 in Handarbeit Kalender her. Danach wurde das Gebäude einmal mehr bis etwa 1990 als Lager genutzt. Mit dem Verkauf des Kalenderherstellers an den Bertelsmann-Konzern wurden seine Geschicke von Gütersloh aus gelenkt.

Dort stieß Karin Ressels erste Nutzungsanfrage auf taube Ohren. Aber als der Weltkonzern das Gebäude an Richard Dohse jun. zurückgegeben hatte, schlug ihre Stunde erneut. „Dazu geeignete Räume hatte Herr Dohse als Wohnung vermietet“, sagt sie. Das hatte einen Nachteil: Die Schwerkraftheizung konnte nur das ganze Gebäude von 1.500 Quadratmetern Nutzfläche beheizen und verschlang Unsummen. Angesichts der Kosten wollte der Eigentümer die Immobilie Mitte der 2000er-Jahre abstoßen, und so einigten sich beide Seiten auf einen akzeptablen Kaufpreis. Die Umstände der Finanzierung und Sanierung des Industriedenkmals, das inzwischen unter Schutz steht, wären ein Kapitel für sich. Denn schließlich musste Karin Ressel die Zigarrenfabrik als Privatperson kaufen und mit einem Kredit ab 2009 umbauen, damit das Ganze zu einer Fabrik für Bildung und Kultur werden konnte, von der aus jährlich bundesweit 50.000 Schüler handwerklich trainiert und bei der Berufsfindung unterstützt werden.

„Das Heizungsproblem haben wir auch gelöst, indem wir eine effiziente Brennwertheizung und Heizschleifen als Wandheizung eingebaut haben“, sagt Karin Ressel. Von der alten, wenig umwelt- und portemonnaiefreundlichen Schwerkraftheizung ist nur noch das mysteriöse Lüftungsrohr in der Hauswand geblieben.

So geht’s zum Lüftungsrohr

Das Technikzentrum in der alten Zigarrenfabrik liegt in der Straße Fischerstadt 36. Das Lüftungsrohr befindet sich an der Westseite des Hauses.

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