Mehr als 3000 Impfungen an zwei Tagen - Viele Menschen proftieren von spontaner Impfaktion für Über-60-Jährige Jan Henning Rogge Hille-Unterlübbe. Eine spontane Impfaktion hat am Samstag für großen Andrang am Impfzentrum des Kreises in Unterlübbe gesorgt. Da durch die Sonderlieferungen durch das Land NRW genug Impfstoff zur Verfügung stand, wurden am Freitag und am Samstag impfberechtigte Personen über 60 außerplanmäßig geimpft. Diese Impfstoff gehört nicht zu dem Kontingent, das für die Termine zur Verfügung steht, die ab Samstagmorgen vergeben wurden, erklärt die Leiterin des Impfzentrums, die Medizinerin Anke Richter-Scheer. "Wir haben am Freitagmorgen entschieden, als hier Personen vor der Tür standen, die über 60 waren und mit AstraZeneca geimpft werden wollten, an diesen zwei Tagen bevor die Impfung für die Ü-60-Jährigen starten, ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung zu stellen", sagt Anna Breder, Referentin der Landrätin Anna Bölling. "Es hat sich herumgesprochen, wie ein Lauffeuer." Einen Aufruf habe es nicht gegeben. Trotzdem steht um kurz vor 14 Uhr eine Schlange vor dem Impfzentrum, die bis auf die Straße reicht. Von Impfmüdigkeit ist hier wenig zu spüren, auch am Samstag werden es wohl wieder mehr als 1000 Menschen sein, die in Unterlübbe eine Impfung bekommen. Genaue Zahlen liegen am Samstagabend noch nicht vor. Viele, die hier stehen, hatten zuvor versucht, einen Impftermin über das Terminvergabesystem zu bekommen und hatten keinen Erfolg, denn auch dieses Mal gab es Probleme – die nach ersten Informationen aber nicht am Buchungssystem lagen:Denn während Buchungen über einige Mailanbieter ohne größere Probleme funktionierte, war das über die Mailadressen der Anbieter t-online, Gmx und Web.de nach Informationen vieler MT-Leser nicht möglich: Nach der ersten Registrierung mussten sich die Impfkandidaten über ihre Email-Adresse registrieren – doch diese Mail kam bei den genannten Anbietern nicht an. Auf der Internetseite MT.de wies die Redaktion auf das Problem hin und gab Tipps, wie mit einer anderen Internetadresse doch noch ein Termin gebucht werden könnte. Warum es zu diesen Problemen gekommen ist, ist bislang unklar. Die KV Westfalen-Lippe räumte nach Angaben der Deutschen Presseagentur "leichte Verzögerungen beim Versand der Registrierungs- und Bestätigungsmails" ein und bat um Geduld: "Eine erneute Registrierung sollte zunächst nicht vorgenommen werden." Schon kurz nach Öffnung der Leitungen hatte das Ministerium per Twitter gemeldet, die Buchungssysteme seien überlastet. Die Termine in den Impfzentren der Stadt Bielefeld sowie in den Kreisen Soest, Steinfurt und Warendorf waren schon am Nachmittag komplett ausgebucht. Im Impfzentrum Minden-Lübbecke waren am Samstagnachmittag noch einige wenige Termine buchbar. In Unterlübbe verzeichnete das Team des Impfzentrums an Karfreitag und -Samstag hingegen einen neuen Rekord: "Wir haben gestern 1460 Impfungen, am Samstag waren es um halb eins 780", sagt Richter-Scheer. 1749 werden es am Abend sein. Um diese enorme Zahl zu bewältigen, wurden zusätzliche Helfer und Mediziner zusammengezogen, auch die Leiterin des Impfzentrums half beim Impfen mit. Um die regulären Termin-Impfungen der Über-80-Jährigen ohne längere Wartezeiten durchführen zu können, wurde kurzerhand eine zusätzliche Impfstraße eröffnet. Bevor die Besucher die Impfstraßen erreichen, bekommen sie weitere Informationen. Eine der freiwilligen Helferinnen ist heute die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte. Sie hatte sich freiwillig gemeldet, um im Impfzentrum zu helfen. Dass sie nun ausgerechnet an den Tagen hier arbeitet, an denen diese Impfaktion läuft, war nicht abzusehen. „Ich mache das hier, weil ich das sehr wichtig finde und dieses großartige Team im Impfzentrum unterstützen möchte. Und ich mache das als Privatperson." Gemeldet hatte sie sich über die Kassenärztliche Vereinigung, über die auch andere ehrenamtliche Helfer ihren Weg ins Impfzentrum gefunden haben. Gerade betreut sie Liane Lösch aus Eisbergen: „Ich bin heute zum dritten Mal hier" sagt sie. „Zweimal mit meiner Mutter und heute werde ich selber geimpft. Hier sind alle sehr hilfsbereit." In den Impfstraßen herrscht reger Betrieb. Ärzte führen hier in den Kabinen Aufklärungsgespräche, die Impfungen werden dann von medizinischem Fachpersonal und Medizinstudenten durchgeführt. Alles läuft ruhig und unaufgeregt ab. Einer derjenigen, die von der Aktion profitieren ist Hartmut Branning aus Minden. Auch er hatte von der Impfaktion gehört. Er war zum ersten Mal um 11.30 Uhr zum Impfzentrum gekommen aber zunächst auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. „Dann bin ich um halb zwei wieder gekomen und dann ging es relativ flott." Mit dem umstrittenen Impfstoff hatte er kein Problem. „Das ist ja für meine Altersgruppe ein absolut akzeptabler Impfstoff, deshalb habe ich das so entschieden." Nach seinen Berechnungen wäre er sonst erst Ende Mai mit der Impfung an der Reihe gewesen – und ist deshalb froh, dass es nun schneller geklappt hat. Auch mit dem Zeitaufwand ist er zufrieden: „Von der Schlange an der Straße bis zur Impfung habe ich eine gute Stunde gebraucht – das ist absolut okay." Während Hartmut Branning noch in der Schlange vor der Abmeldung wartet, steht draußen Jutta Heuer in der Schlange. Sie ist „über 70" und wartet nun auf ihren Impftermin. Ihr Sohn hatte sie zum Impfzentrum gebracht, nachdem auch er über Mund-zu-Mund-Propaganda vom Impfangebot erfahren hatte. Sorgen wegen des Impfstoffs macht auch sie sich nicht. „Ich habe keine Bedenken. Es muss ja sein, man fühlt sich ja auch wohler, wenn man weiß, dass man geimpft ist. Auch wenn man nach der Impfung vielleicht Beschwerden hat – das ist unsere Generation ja noch gewohnt." Dass es noch dauern wird, bis sie ihr altes Leben zurückbekommt, ist ihr bewusst. Besonders vermisst sie ihren Chor und hofft deshalb darauf, dass die Zahl der Infizierten bald sinkt. „Es ist besser, man verzichtet darauf, als dass man sich ansteckt." Heinz Friedel Kuhlmann aus Eickhorst ist ebenfalls spontan zum Impfzentrum gekommen. „Als ich von der Möglichkeit gehört habe,dass man sich heute ohne Termin mit AstraZeneca impfen lassen kann,habe ich nicht lange überlegt. Ich habe morgens versucht,mir telefonisch und übers Internet einen Termin zu buchen, aber damit hatte ich keinen Erfolg." Nun steht er in der Schlange und wartet auf seinen Termin – und stellt fest: „Ostern ist nicht so wichtig - wichtiger ist hier heute eine Impfung zu bekommen." Doch nicht alle Menschen, die am Samstag zum Impfzentrum gekommen sind, konnten auch geimpft nach Hause fahren: Um kurz vor 14 Uhr war die Zahl der zu vergebenen Impfdosen erreicht, wer später am Impfzentrum ankam, musste unverrichteter Dinge wieder fahren. Trotzdem: "Hier sind heute viele Menschen sehr glücklich nach Hause gegangen", sagt Anna Breder. Und Anke Richter-Scheer ergänzt: Es ist schön, dass das so unbürokratisch geklappt hat!"

Mehr als 3000 Impfungen an zwei Tagen - Viele Menschen proftieren von spontaner Impfaktion für Über-60-Jährige

Hartmut Branning aus Minden ließ sich am Samstag mit AstraZeneca impfen. © MT-Foto: Jan Henning Rogge

Hille-Unterlübbe. Eine spontane Impfaktion hat am Samstag für großen Andrang am Impfzentrum des Kreises in Unterlübbe gesorgt. Da durch die Sonderlieferungen durch das Land NRW genug Impfstoff zur Verfügung stand, wurden am Freitag und am Samstag impfberechtigte Personen über 60 außerplanmäßig geimpft.

Diese Impfstoff gehört nicht zu dem Kontingent, das für die Termine zur Verfügung steht, die ab Samstagmorgen vergeben wurden, erklärt die Leiterin des Impfzentrums, die Medizinerin Anke Richter-Scheer. "Wir haben am Freitagmorgen entschieden, als hier Personen vor der Tür standen, die über 60 waren und mit AstraZeneca geimpft werden wollten, an diesen zwei Tagen bevor die Impfung für die Ü-60-Jährigen starten, ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung zu stellen", sagt Anna Breder, Referentin der Landrätin Anna Bölling. "Es hat sich herumgesprochen, wie ein Lauffeuer." Einen Aufruf habe es nicht gegeben.

Trotzdem steht um kurz vor 14 Uhr eine Schlange vor dem Impfzentrum, die bis auf die Straße reicht. Von Impfmüdigkeit ist hier wenig zu spüren, auch am Samstag werden es wohl wieder mehr als 1000 Menschen sein, die in Unterlübbe eine Impfung bekommen. Genaue Zahlen liegen am Samstagabend noch nicht vor.

Viele, die hier stehen, hatten zuvor versucht, einen Impftermin über das Terminvergabesystem zu bekommen und hatten keinen Erfolg, denn auch dieses Mal gab es Probleme – die nach ersten Informationen aber nicht am Buchungssystem lagen:Denn während Buchungen über einige Mailanbieter ohne größere Probleme funktionierte, war das über die Mailadressen der Anbieter t-online, Gmx und Web.de nach Informationen vieler MT-Leser nicht möglich: Nach der ersten Registrierung mussten sich die Impfkandidaten über ihre Email-Adresse registrieren – doch diese Mail kam bei den genannten Anbietern nicht an. Auf der Internetseite MT.de wies die Redaktion auf das Problem hin und gab Tipps, wie mit einer anderen Internetadresse doch noch ein Termin gebucht werden könnte. Warum es zu diesen Problemen gekommen ist, ist bislang unklar.

Die KV Westfalen-Lippe räumte nach Angaben der Deutschen Presseagentur "leichte Verzögerungen beim Versand der Registrierungs- und Bestätigungsmails" ein und bat um Geduld: "Eine erneute Registrierung sollte zunächst nicht vorgenommen werden." Schon kurz nach Öffnung der Leitungen hatte das Ministerium per Twitter gemeldet, die Buchungssysteme seien überlastet. Die Termine in den Impfzentren der Stadt Bielefeld sowie in den Kreisen Soest, Steinfurt und Warendorf waren schon am Nachmittag komplett ausgebucht. Im Impfzentrum Minden-Lübbecke waren am Samstagnachmittag noch einige wenige Termine buchbar.

In Unterlübbe verzeichnete das Team des Impfzentrums an Karfreitag und -Samstag hingegen einen neuen Rekord: "Wir haben gestern 1460 Impfungen, am Samstag waren es um halb eins 780", sagt Richter-Scheer. 1749 werden es am Abend sein. Um diese enorme Zahl zu bewältigen, wurden zusätzliche Helfer und Mediziner zusammengezogen, auch die Leiterin des Impfzentrums half beim Impfen mit. Um die regulären Termin-Impfungen der Über-80-Jährigen ohne längere Wartezeiten durchführen zu können, wurde kurzerhand eine zusätzliche Impfstraße eröffnet.

Bevor die Besucher die Impfstraßen erreichen, bekommen sie weitere Informationen. Eine der freiwilligen Helferinnen ist heute die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte. Sie hatte sich freiwillig gemeldet, um im Impfzentrum zu helfen. Dass sie nun ausgerechnet an den Tagen hier arbeitet, an denen diese Impfaktion läuft, war nicht abzusehen. „Ich mache das hier, weil ich das sehr wichtig finde und dieses großartige Team im Impfzentrum unterstützen möchte. Und ich mache das als Privatperson." Gemeldet hatte sie sich über die Kassenärztliche Vereinigung, über die auch andere ehrenamtliche Helfer ihren Weg ins Impfzentrum gefunden haben. Gerade betreut sie Liane Lösch aus Eisbergen: „Ich bin heute zum dritten Mal hier" sagt sie. „Zweimal mit meiner Mutter und heute werde ich selber geimpft. Hier sind alle sehr hilfsbereit."

In den Impfstraßen herrscht reger Betrieb. Ärzte führen hier in den Kabinen Aufklärungsgespräche, die Impfungen werden dann von medizinischem Fachpersonal und Medizinstudenten durchgeführt. Alles läuft ruhig und unaufgeregt ab.

Einer derjenigen, die von der Aktion profitieren ist Hartmut Branning aus Minden. Auch er hatte von der Impfaktion gehört. Er war zum ersten Mal um 11.30 Uhr zum Impfzentrum gekommen aber zunächst auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. „Dann bin ich um halb zwei wieder gekomen und dann ging es relativ flott." Mit dem umstrittenen Impfstoff hatte er kein Problem. „Das ist ja für meine Altersgruppe ein absolut akzeptabler Impfstoff, deshalb habe ich das so entschieden." Nach seinen Berechnungen wäre er sonst erst Ende Mai mit der Impfung an der Reihe gewesen – und ist deshalb froh, dass es nun schneller geklappt hat. Auch mit dem Zeitaufwand ist er zufrieden: „Von der Schlange an der Straße bis zur Impfung habe ich eine gute Stunde gebraucht – das ist absolut okay."

Während Hartmut Branning noch in der Schlange vor der Abmeldung wartet, steht draußen Jutta Heuer in der Schlange. Sie ist „über 70" und wartet nun auf ihren Impftermin. Ihr Sohn hatte sie zum Impfzentrum gebracht, nachdem auch er über Mund-zu-Mund-Propaganda vom Impfangebot erfahren hatte. Sorgen wegen des Impfstoffs macht auch sie sich nicht. „Ich habe keine Bedenken. Es muss ja sein, man fühlt sich ja auch wohler, wenn man weiß, dass man geimpft ist. Auch wenn man nach der Impfung vielleicht Beschwerden hat – das ist unsere Generation ja noch gewohnt." Dass es noch dauern wird, bis sie ihr altes Leben zurückbekommt, ist ihr bewusst. Besonders vermisst sie ihren Chor und hofft deshalb darauf, dass die Zahl der Infizierten bald sinkt. „Es ist besser, man verzichtet darauf, als dass man sich ansteckt."

Heinz Friedel Kuhlmann aus Eickhorst ist ebenfalls spontan zum Impfzentrum gekommen. „Als ich von der Möglichkeit gehört habe,dass man sich heute ohne Termin mit AstraZeneca impfen lassen kann,habe ich nicht lange überlegt. Ich habe morgens versucht,mir telefonisch und übers Internet einen Termin zu buchen, aber damit hatte ich keinen Erfolg." Nun steht er in der Schlange und wartet auf seinen Termin – und stellt fest: „Ostern ist nicht so wichtig - wichtiger ist hier heute eine Impfung zu bekommen."

Doch nicht alle Menschen, die am Samstag zum Impfzentrum gekommen sind, konnten auch geimpft nach Hause fahren: Um kurz vor 14 Uhr war die Zahl der zu vergebenen Impfdosen erreicht, wer später am Impfzentrum ankam, musste unverrichteter Dinge wieder fahren. Trotzdem: "Hier sind heute viele Menschen sehr glücklich nach Hause gegangen", sagt Anna Breder. Und Anke Richter-Scheer ergänzt: Es ist schön, dass das so unbürokratisch geklappt hat!"

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