Medizinerin Anke Richter-Scheer: Impfstoffe sind gleichwertig Nicole Sielermann Hille-Unterlübbe. Rund 152.200 Menschen werden derzeit pro Tag in Deutschland geimpft. Bliebe es bei diesem Pensum, wäre erst im Sommer 2023 die gesamte Bevölkerung durchgeimpft. Um dagegen bis zu den Sommerferien im Juli sämtliche Erwachsenen gepiekst zu haben, bräuchte es täglich eine Million Impfungen. Auch der Kreis Minden-Lübbecke ist von den dafür erforderlichen Zahlen derzeit weit entfernt. Im Impfzentrum und mittels mobiler Impfteams werden täglich rund 600 Menschen mit der ersten oder zweiten Dosis geimpft. Probleme mit der Akzeptanz der beiden bisher verfügbaren Impfstoffe gebe es im Kreis nicht, sagt die ärztliche Leiterin des Impfzentrums, die Bad Oeynhausener Medizinerin Anke Richter-Scheer. „Beide Impfstoffe sind gleichwertig“, betont sie. Und würden auch verimpft. „Wir haben keine Massen auf Halde liegen.“ In Zahlen bedeutet das: „Mit Stand vom 1. März sind dem Kreis Minden-Lübbecke 448 Impfstoff-Vials von Astrazeneca geliefert worden. Zur Erklärung: Aus einem Astrazeneca-Vial können regelmäßig zehn Impfdosen gezogen werden. Bisher wurden im Kreis 2.658 Dosen des Vakzins von Astrazeneca verimpft. Im Bestand sind aktuell noch 189 Vials“, teilt Kreissprecher Florian Hemann mit. Damit hebt sich der Kreis von anderen Bundesländern ab, in denen offenbar zuhauf Impfdosen von Astrazeneca ungenutzt bleiben. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) wurden bis Dienstag nur rund 239.000 Dosen des Herstellers Astrazeneca gespritzt. Dem Gesundheitsministerium zufolge sind aber bereits mehr als 1,4 Millionen Astrazeneca-Dosen an die 16 Bundesländer geliefert worden. Das Impfzentrum hat nach Angaben von Richter-Scheer nur das eingelagert, was routinemäßig bestellt und regelmäßig abgeimpft werde. „Ich von meiner Seite habe immer gegen die Nicht-Akzeptanz von Astrazeneca gegengesteuert“, betont sie. Und so gibt es für die über 80-Jährigen Biontech/Pfizer, für alle unter 65 Jahre Astrazeneca. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe meldet, dass im Impfzentrum in Hille-Unterlübbe bis einschließlich 2. März 7.841 Personen eine Erstimpfung sowie 280 Personen eine Folgeimpfung erhalten haben. Hinzu kommen weitere 7.972 Personen in Minden-Lübbecke, die von einem mobilen Team geimpft wurden (davon haben bereits 5.453 Personen die Zweitimpfung erhalten). Doch ohne eine Impffreigabe in den Arztpraxen wird Deutschland noch Monate brauchen, um Covid-19 einigermaßen in den Griff zu bekommen. Wenn 50.000 Arztpraxen täglich jeweils 20 Impfstoffdosen verabreichten, könnten alleine dadurch laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung aber schon bis zu fünf Millionen Impfungen in der Woche durchgeführt werden. Es sind vor allem die gehäuft auftretenden Impfreaktionen bei der Erstimpfung mit Astrazeneca, die viele Menschen verunsichert haben. Nun aber zeigt sich, dass die zweite Dosis Biontech/Pfizer noch stärkere Nebenwirkungen auslöst: „Teilweise sehr heftig, mit bis zu 40 Grad Fieber“, weiß Richter-Scheer. „Im Impfzentrum raten wir den Impflingen deshalb zu der prophylaktischen Einnahme von Paracetamol.“ Und zwar je eher nach der Impfung, desto besser. „Jeder, der reagiert, hat eine Immunantwort“, erklärt die Medizinerin. Eine Reaktion nach einer Impfung – eigentlich normal. Dass der Impfstoff von Astrazeneca mehr Erklärungsbedarf hat – das weiß auch Christian Busse, Pressesprecher der Mühlenkreiskliniken. Wobei dort seit längerem für die Erstimpfung nur Astrazeneca zur Verfügung steht. 2.600 Impfdosen sind laut Verordnungslage bis jetzt in den Standorten der Mühlenkreiskliniken gespritzt worden. Damit sind rund die Hälfte der Mitarbeiter geimpft: „Alle, die durften und wollten. Mehr Impfdosen gibt es momentan für uns nicht“, erklärt Busse: „Wir haben bisher nichts weggeworfen.“ Auch im Impfzentrum in Unterlübbe gibt es keine gehäuften Termine, die wegen Bedenken ausfallen oder gar Astrazeneca-Impfdosen, die deshalb verworfen werden müssten, sagt Florian Hemann. Aber auch im Kreis gebe es teilweise eine zögerliche Haltung bei der Terminvereinbarung für Impfungen mit Astrazeneca. „Wer tatsächliche Bedenken gegenüber dem Impfstoff hat, macht deshalb vermutlich erst gar keinen Termin.“ Und muss sich somit hinten anstellen.

Medizinerin Anke Richter-Scheer: Impfstoffe sind gleichwertig

Für alle unter 65 Jahren steht auch im Kreis Minden-Lübbecke grundsätzlich Astrazeneca-Impfstoff zur Verfügung. Symbolfoto: Carlos Osorio/dpa © Carlos Osorio

Hille-Unterlübbe. Rund 152.200 Menschen werden derzeit pro Tag in Deutschland geimpft. Bliebe es bei diesem Pensum, wäre erst im Sommer 2023 die gesamte Bevölkerung durchgeimpft. Um dagegen bis zu den Sommerferien im Juli sämtliche Erwachsenen gepiekst zu haben, bräuchte es täglich eine Million Impfungen. Auch der Kreis Minden-Lübbecke ist von den dafür erforderlichen Zahlen derzeit weit entfernt.

Im Impfzentrum und mittels mobiler Impfteams werden täglich rund 600 Menschen mit der ersten oder zweiten Dosis geimpft. Probleme mit der Akzeptanz der beiden bisher verfügbaren Impfstoffe gebe es im Kreis nicht, sagt die ärztliche Leiterin des Impfzentrums, die Bad Oeynhausener Medizinerin Anke Richter-Scheer. „Beide Impfstoffe sind gleichwertig“, betont sie. Und würden auch verimpft. „Wir haben keine Massen auf Halde liegen.“ In Zahlen bedeutet das: „Mit Stand vom 1. März sind dem Kreis Minden-Lübbecke 448 Impfstoff-Vials von Astrazeneca geliefert worden. Zur Erklärung: Aus einem Astrazeneca-Vial können regelmäßig zehn Impfdosen gezogen werden. Bisher wurden im Kreis 2.658 Dosen des Vakzins von Astrazeneca verimpft. Im Bestand sind aktuell noch 189 Vials“, teilt Kreissprecher Florian Hemann mit.

Damit hebt sich der Kreis von anderen Bundesländern ab, in denen offenbar zuhauf Impfdosen von Astrazeneca ungenutzt bleiben. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) wurden bis Dienstag nur rund 239.000 Dosen des Herstellers Astrazeneca gespritzt. Dem Gesundheitsministerium zufolge sind aber bereits mehr als 1,4 Millionen Astrazeneca-Dosen an die 16 Bundesländer geliefert worden. Das Impfzentrum hat nach Angaben von Richter-Scheer nur das eingelagert, was routinemäßig bestellt und regelmäßig abgeimpft werde. „Ich von meiner Seite habe immer gegen die Nicht-Akzeptanz von Astrazeneca gegengesteuert“, betont sie. Und so gibt es für die über 80-Jährigen Biontech/Pfizer, für alle unter 65 Jahre Astrazeneca.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe meldet, dass im Impfzentrum in Hille-Unterlübbe bis einschließlich 2. März 7.841 Personen eine Erstimpfung sowie 280 Personen eine Folgeimpfung erhalten haben. Hinzu kommen weitere 7.972 Personen in Minden-Lübbecke, die von einem mobilen Team geimpft wurden (davon haben bereits 5.453 Personen die Zweitimpfung erhalten). Doch ohne eine Impffreigabe in den Arztpraxen wird Deutschland noch Monate brauchen, um Covid-19 einigermaßen in den Griff zu bekommen. Wenn 50.000 Arztpraxen täglich jeweils 20 Impfstoffdosen verabreichten, könnten alleine dadurch laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung aber schon bis zu fünf Millionen Impfungen in der Woche durchgeführt werden.

Es sind vor allem die gehäuft auftretenden Impfreaktionen bei der Erstimpfung mit Astrazeneca, die viele Menschen verunsichert haben. Nun aber zeigt sich, dass die zweite Dosis Biontech/Pfizer noch stärkere Nebenwirkungen auslöst: „Teilweise sehr heftig, mit bis zu 40 Grad Fieber“, weiß Richter-Scheer. „Im Impfzentrum raten wir den Impflingen deshalb zu der prophylaktischen Einnahme von Paracetamol.“ Und zwar je eher nach der Impfung, desto besser. „Jeder, der reagiert, hat eine Immunantwort“, erklärt die Medizinerin. Eine Reaktion nach einer Impfung – eigentlich normal.

Dass der Impfstoff von Astrazeneca mehr Erklärungsbedarf hat – das weiß auch Christian Busse, Pressesprecher der Mühlenkreiskliniken. Wobei dort seit längerem für die Erstimpfung nur Astrazeneca zur Verfügung steht. 2.600 Impfdosen sind laut Verordnungslage bis jetzt in den Standorten der Mühlenkreiskliniken gespritzt worden. Damit sind rund die Hälfte der Mitarbeiter geimpft: „Alle, die durften und wollten. Mehr Impfdosen gibt es momentan für uns nicht“, erklärt Busse: „Wir haben bisher nichts weggeworfen.“

Auch im Impfzentrum in Unterlübbe gibt es keine gehäuften Termine, die wegen Bedenken ausfallen oder gar Astrazeneca-Impfdosen, die deshalb verworfen werden müssten, sagt Florian Hemann. Aber auch im Kreis gebe es teilweise eine zögerliche Haltung bei der Terminvereinbarung für Impfungen mit Astrazeneca. „Wer tatsächliche Bedenken gegenüber dem Impfstoff hat, macht deshalb vermutlich erst gar keinen Termin.“ Und muss sich somit hinten anstellen.

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