Martin Schulz und Achim Post im Hiller Moor: Der etwas andere Wahlkampf Carsten Korfesmeyer Hille. Gehört hatte Martin Schulz schon jede Menge über das Große Torfmoor. Entsprechend hoch sind die Neugier und Erwartungshaltung des SPD-Politikers, bevor er es am Samstagmorgen zum ersten Mal betritt. „Ich will es jetzt auch endlich mal sehen“, sagt er auf dem Parkplatz des Moorhus. Zur Führung eingeladen hatte ihn sein Bundestagskollege Achim Post. Der steckt im Gegensatz zu dem Kanzlerkandidaten von 2017 in der ganz heißen Phase des Wahlkampfs. Martin Schulz selbst kandidiert nicht mehr für Berlin, unterstützt seinen Parteikollegen aber immer wieder gerne. Beide verbindet eine mehr als drei Jahrzehnte lange Freundschaft. Politik? Die kommt auf den überwiegend mit Holzbohlen ausgelegten Wegen im Naturschutzgebiet bestenfalls zwischendurch mal vor. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments spricht beispielsweise über die Bedeutung des Moores in den Zeiten des Klimawandels. Als Lebensraum seltener und teilweise bedrohter Pflanzen- und Tierarten sei das 476 Hektar große Areal besonders schützenswert. Thematisiert wird kurz auch einmal der Bestand der Wölfe in Deutschland. Grundlegende politische Positionen bezieht Martin Schulz während des Rundgangs aber nicht. Dafür lässt er durchblicken, wie er besonders die vergangenen Jahre empfunden hat. „Bekannte gehen, Freunde kommen“, sagt er vor seinen rund 40 geladenen Mitwanderern. Er, der im März 2017 mit dem Rekordergebnis von 100 Prozent zum Parteichef aufstieg, spricht einen kurzen Moment über seinen Politikeralltag. Der habe sich besonders nach der Bundestagswahl 2017 verändert. Viele, die noch vor einiger Zeit seine Nähe gesucht hätten, seien abgesprungen. Doch einer, auf den er sich zu jeder Zeit immer fest verlassen konnte, steht auch in diesem Moment direkt neben ihm. „Der Achim ist immer geblieben“, sagt Martin Schulz. Beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in Brüssel und die hatte ihren Anfang vor inzwischen mehr als drei Jahrzehnten. Der Wahlkampf zeigt sich an diesem Vormittag einmal von einer ganz anderen Seite. „Wir wollen einfach alle gemeinsam ein bisschen wandern und die Natur genießen“, sagt Achim Post gegenüber dem MT. Durchblicken lässt der SPD-Bundestagskandidat, dass er die Führung durch das Große Torfmoor als eine entspannende Abwechslung betrachtet. Denn es geht gerade nicht um die großen Reden und den Applaus der Zuhörer, sondern vielmehr um nette und ungezwungene Gespräche. Dieses Konzept kommt an. Die meisten Mitwanderer nutzen die Gelegenheit, um mit Achim Post und Martin Schulz persönlich zu reden. Selfies mit dem früheren SPD-Spitzenkandidaten entstehen dabei so einige. Den beiden SPD-Promis gilt während der Führung zwar die volle Aufmerksamkeit der Mitwanderer, doch das Sagen hat während der Tour ein anderer: Jens Bökenkröger. Er ist zertifizierter Natur- und Landschaftsführer und stellt seinen Gästen das Moor vor. Er weist auf seltene Pflanzen hin, spricht über Tiere oder die Entstehungsgeschichte des größten verbliebenen Moorgebiets in NRW. Er führt die Gruppe unter anderem an den Ort, wo vor rund 100 Jahren Schädel im Moor entdeckt wurden. Außerdem an den Nordturm – einer der drei Aussichtspunkte. Martin Schulz und Achim Post sind die ersten aus der Gruppe, die sich auf den Weg nach oben machen. Von dort hat man einen herrlichen Blick über das Torfmoor und auf die Höhen des Wiehengebirges. Ziel der Führung ist die so genannte Matschkuhle, die die Besucher mit bloßen Füßen beschreiten können. Nutzt jemand das Angebot? Nein. Zurzeit stünde man dort zu tief im Matsch.

Martin Schulz und Achim Post im Hiller Moor: Der etwas andere Wahlkampf

Jens Bökenkröger (links) führt die Besuchergruppe um Martin Schulz und Achim Post durch das Hochmoor. Die Gäste erfahren von dem zertifizierten Natur- und Landschaftsführer einiges über die Lebensbedingungen auf dem 476 Hektar großen Areals. MT-Fotos: Carsten Korfesmeyer © cko

Hille. Gehört hatte Martin Schulz schon jede Menge über das Große Torfmoor. Entsprechend hoch sind die Neugier und Erwartungshaltung des SPD-Politikers, bevor er es am Samstagmorgen zum ersten Mal betritt. „Ich will es jetzt auch endlich mal sehen“, sagt er auf dem Parkplatz des Moorhus. Zur Führung eingeladen hatte ihn sein Bundestagskollege Achim Post. Der steckt im Gegensatz zu dem Kanzlerkandidaten von 2017 in der ganz heißen Phase des Wahlkampfs. Martin Schulz selbst kandidiert nicht mehr für Berlin, unterstützt seinen Parteikollegen aber immer wieder gerne. Beide verbindet eine mehr als drei Jahrzehnte lange Freundschaft.

Politik? Die kommt auf den überwiegend mit Holzbohlen ausgelegten Wegen im Naturschutzgebiet bestenfalls zwischendurch mal vor. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments spricht beispielsweise über die Bedeutung des Moores in den Zeiten des Klimawandels. Als Lebensraum seltener und teilweise bedrohter Pflanzen- und Tierarten sei das 476 Hektar große Areal besonders schützenswert. Thematisiert wird kurz auch einmal der Bestand der Wölfe in Deutschland. Grundlegende politische Positionen bezieht Martin Schulz während des Rundgangs aber nicht.

Dafür lässt er durchblicken, wie er besonders die vergangenen Jahre empfunden hat. „Bekannte gehen, Freunde kommen“, sagt er vor seinen rund 40 geladenen Mitwanderern. Er, der im März 2017 mit dem Rekordergebnis von 100 Prozent zum Parteichef aufstieg, spricht einen kurzen Moment über seinen Politikeralltag. Der habe sich besonders nach der Bundestagswahl 2017 verändert. Viele, die noch vor einiger Zeit seine Nähe gesucht hätten, seien abgesprungen. Doch einer, auf den er sich zu jeder Zeit immer fest verlassen konnte, steht auch in diesem Moment direkt neben ihm. „Der Achim ist immer geblieben“, sagt Martin Schulz. Beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in Brüssel und die hatte ihren Anfang vor inzwischen mehr als drei Jahrzehnten.


Der Wahlkampf zeigt sich an diesem Vormittag einmal von einer ganz anderen Seite. „Wir wollen einfach alle gemeinsam ein bisschen wandern und die Natur genießen“, sagt Achim Post gegenüber dem MT. Durchblicken lässt der SPD-Bundestagskandidat, dass er die Führung durch das Große Torfmoor als eine entspannende Abwechslung betrachtet. Denn es geht gerade nicht um die großen Reden und den Applaus der Zuhörer, sondern vielmehr um nette und ungezwungene Gespräche. Dieses Konzept kommt an. Die meisten Mitwanderer nutzen die Gelegenheit, um mit Achim Post und Martin Schulz persönlich zu reden. Selfies mit dem früheren SPD-Spitzenkandidaten entstehen dabei so einige.

Zwischenstopp am Nordturm: Achim Post und Martin Schulz genießen von dort den weitläufigen Blick über das Torfmoor in Richtung Wiehengebirge. - © cko
Zwischenstopp am Nordturm: Achim Post und Martin Schulz genießen von dort den weitläufigen Blick über das Torfmoor in Richtung Wiehengebirge. - © cko

Den beiden SPD-Promis gilt während der Führung zwar die volle Aufmerksamkeit der Mitwanderer, doch das Sagen hat während der Tour ein anderer: Jens Bökenkröger. Er ist zertifizierter Natur- und Landschaftsführer und stellt seinen Gästen das Moor vor. Er weist auf seltene Pflanzen hin, spricht über Tiere oder die Entstehungsgeschichte des größten verbliebenen Moorgebiets in NRW. Er führt die Gruppe unter anderem an den Ort, wo vor rund 100 Jahren Schädel im Moor entdeckt wurden. Außerdem an den Nordturm – einer der drei Aussichtspunkte. Martin Schulz und Achim Post sind die ersten aus der Gruppe, die sich auf den Weg nach oben machen. Von dort hat man einen herrlichen Blick über das Torfmoor und auf die Höhen des Wiehengebirges. Ziel der Führung ist die so genannte Matschkuhle, die die Besucher mit bloßen Füßen beschreiten können. Nutzt jemand das Angebot? Nein. Zurzeit stünde man dort zu tief im Matsch.

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