Maisernte und frisch bestellte Felder: Im Herbst wird reiner Tisch gemacht Stefanie Dullweber Hille. Viele kennen Mais nur als Popcorn, oder als Kolben, der auf dem Grill zubereitet wird. „Bei uns macht die Pflanze die Tiere satt und liefert Energie für die Biogasanlage“, sagt Andreas Schwenker. Die Maisernte ist für Landwirte eine wichtige Etappe im Jahr. Lohnunternehmen mit riesigen Maschinen sind auf den Feldern im Einsatz, um den Mais abzuernten. „Für uns sind das mit die stressigsten Wochen im Jahr“, bestätigt Tochter Tabea. Denn neben der Ernte bestellen die Landwirte in dieser Zeit die Felder für das nächste Jahr neu. Zwar seien noch nicht alle Zahlen ausgewertet, vom Gefühl her sei die Maisernte aber durchschnittlich bis gut ausgefallen, ist man auf dem Hof an der Rahdener Straße durchaus zufrieden. Auf jeden Fall besser, als in den letzten zwei Jahren, sind sich die Hiller einig, die gemeinsam den Familienbetrieb leiten. „Der Starkregen Mitte Juni hat den Pflanzen richtig gut getan. Der kam genau zum richtigen Zeitpunkt“, erinnert sich Tabea Wengenroth noch genau an den Abend, an dem in Neuenbaum bis zum 100 Liter auf den Quadratmeter prasselten. Aktuell sind die meisten Kolben reif und werden noch bis Mitte Oktober abgeerntet. Nachdem der Häcksler die Pflanzenteile zerkleinert hat, werden sie in den großen Silos auf dem Hof als Futtervorrat eingelagert. Indem die Schlepper immer über die ausgebreitete Häckselmasse fahren, verdichten sie diese. „Damit die Silage die richtige Festigkeit bekommt“, erklärt Tabea Wengenroth. „Ist das Ganze zu locker, kann die gärende Silage schnell faulen.“ Etwa vier bis sechs Wochen müsse der Mais silieren, bevor er an die Kühe verfüttert werden kann. „Bis dahin konserviert er, wie in einer Dose.“ In der Regel werden die Silos mit Netzen, Planen und alten Reifen abgedeckt. „Das müssen wir nach und nach wieder abdecken, wenn wir das Futter benötigen. Es ist nicht ungefährlich auf die meterhohen Silos zu klettern“, sagt Ehemann Helge Wengenroth. Deshalb hat er in diesem Jahr einen Versuch gestartet. Von anderen Landwirten hat er gehört, dass sie die Silos mit Roggen abdecken – heißt, das Getreide begrünt die Silage und bildet somit eine natürliche Schutzschicht. „Wir probieren das jetzt auf einer kleinen Fläche aus. Wenn das klappt, würden wir auf jeden Fall Zeit sparen und Müll vermeiden.“ Mit dem Einfahren der Ernte ist es nicht getan, sagt Tabea Wengenroth und zeigt auf einen Karton, der zur Post gebracht werden muss. Darin befinden sich Proben der Maisernte, die an ein Labor geschickt werden. Hier wird ermittelt, wie hoch der Wasseranteil ist. Der Trockenmassegehalt sollte bei Maissilage um die 32 Prozent liegen. Jede Wagenladung werde beprobt, so dass jedes Feld nach dem tatsächlichen Ertrag bezahlt werden kann. In der Regel habe jeder Landwirt eine bestimmte Sorte Mais, die er jedes Jahr wieder anbaut, sagt Andreas Schwenker. Die Auswahl hänge davon ab, ob der Mais als Futter für Schweine, Kühe oder die Biogasanlage verwendet wird. Um über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, nimmt der Hiller jedes Jahr an einem Sortenversuch teil. Von den Saatgutfirmen bekommt Andreas Schwenker das Material gestellt und pflanzt es im Frühjahr nebeneinander in Reihen. Im Spätsommer kommt ein Vertreter und erklärt interessierten Landwirten die Vor- und Nachteile der einzelnen Sorten. „Wegen Corona dürfen die Firmen in diesem Jahr nicht einladen“, sagt Andreas Schwenker, der seine Kollegen diesmal selbst zum sogenannten Sortenvergleich gebeten hatte. „Jedes Jahr ist natürlich anders“, beschreibt Andreas Schwenker, dass der Sortenvergleich nur eine Momentaufnahme ist. Regnet es viel, oder wenig, ist es sehr heiß, oder eher kühl – all das beeinflusst das Wachstum der Pflanzen. Und, die Landwirte haben noch ein anderes Problem: den Maiszünsler. Die Schädlinge fressen zuerst an den Maisblättern und bohren sich später in den Stängel oder den Kolben. Der Maiszünsler durchläuft in Deutschland nur eine Generation pro Jahr. Er überwintert als Larve in den Stoppeln und verpuppt sich im Mai. „Deshalb empfiehlt es sich, im Herbst reinen Tisch zu machen. Heißt: der Acker muss so bewirtschaftet werden, dass die Stoppeln so zerkleinert werde, dass keine ganzen Stängel mehr übrig sind“, weiß Andreas Schwenker. Einer, der bei solchen und ähnlichen Tipps genau zuhört, ist Jan Höinghaus. Er ist seit dem 1. August als Auszubildender auf dem Hof und bleibt für ein Jahr. Den Betrieb habe er über die Landwirtschaftskammer gefunden, sagt der junge Mann aus Porta Westfalica. Sein erstes Lehrjahr habe er in Petershagen absolviert. Tabea Wengenroth, die als geprüfte Agrarbetriebswirtin einen Ausbilderschein hat, hat gerne Lehrlinge auf dem Hof. „Wir brauchen schließlich Nachwuchs“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, den Azubis mitzugeben, dass sie zuverlässig und ordentlich sein müssen und lernen, Probleme eigenständig zu lösen. „Selbständig sein und mitdenken – das ist entscheidend. Meist sind die Lehrlinge nach einem Jahr auf dem Hof bei uns soweit, und dann geben wir sie wieder ab“, sagt die 27-Jährige und lacht. Jan Höinghaus, der unter der Woche auf dem Hof in Hille wohnt, gefällt die Ausbildung bislang gut, wie er erzählt. „Ich habe mich schon immer für Landwirtschaft interessiert.“ Für die Zeit nach seiner Lehre könne er sich vorstellen, selbst Ausbilder zu werden und andere für seinen Beruf zu begeistern. Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 265 und Stefanie.Dullweber@MT.de

Maisernte und frisch bestellte Felder: Im Herbst wird reiner Tisch gemacht

Helge und Tabea Wengenroth nach getaner Arbeit: Auf dem Hof ist momentan viel zu tun. Die Maisernte läuft und parallel werden die Felder für das nächste Jahr neu bestellt. MT- © Fotos: Stefanie Dullweber

Hille. Viele kennen Mais nur als Popcorn, oder als Kolben, der auf dem Grill zubereitet wird. „Bei uns macht die Pflanze die Tiere satt und liefert Energie für die Biogasanlage“, sagt Andreas Schwenker. Die Maisernte ist für Landwirte eine wichtige Etappe im Jahr. Lohnunternehmen mit riesigen Maschinen sind auf den Feldern im Einsatz, um den Mais abzuernten. „Für uns sind das mit die stressigsten Wochen im Jahr“, bestätigt Tochter Tabea. Denn neben der Ernte bestellen die Landwirte in dieser Zeit die Felder für das nächste Jahr neu.

Zwar seien noch nicht alle Zahlen ausgewertet, vom Gefühl her sei die Maisernte aber durchschnittlich bis gut ausgefallen, ist man auf dem Hof an der Rahdener Straße durchaus zufrieden. Auf jeden Fall besser, als in den letzten zwei Jahren, sind sich die Hiller einig, die gemeinsam den Familienbetrieb leiten. „Der Starkregen Mitte Juni hat den Pflanzen richtig gut getan. Der kam genau zum richtigen Zeitpunkt“, erinnert sich Tabea Wengenroth noch genau an den Abend, an dem in Neuenbaum bis zum 100 Liter auf den Quadratmeter prasselten.

Die Proben werden jetzt in einem Labor untersucht.
Die Proben werden jetzt in einem Labor untersucht.

Aktuell sind die meisten Kolben reif und werden noch bis Mitte Oktober abgeerntet. Nachdem der Häcksler die Pflanzenteile zerkleinert hat, werden sie in den großen Silos auf dem Hof als Futtervorrat eingelagert. Indem die Schlepper immer über die ausgebreitete Häckselmasse fahren, verdichten sie diese. „Damit die Silage die richtige Festigkeit bekommt“, erklärt Tabea Wengenroth. „Ist das Ganze zu locker, kann die gärende Silage schnell faulen.“ Etwa vier bis sechs Wochen müsse der Mais silieren, bevor er an die Kühe verfüttert werden kann. „Bis dahin konserviert er, wie in einer Dose.“

- © Reckordt Malina
© Reckordt Malina

In der Regel werden die Silos mit Netzen, Planen und alten Reifen abgedeckt. „Das müssen wir nach und nach wieder abdecken, wenn wir das Futter benötigen. Es ist nicht ungefährlich auf die meterhohen Silos zu klettern“, sagt Ehemann Helge Wengenroth. Deshalb hat er in diesem Jahr einen Versuch gestartet. Von anderen Landwirten hat er gehört, dass sie die Silos mit Roggen abdecken – heißt, das Getreide begrünt die Silage und bildet somit eine natürliche Schutzschicht. „Wir probieren das jetzt auf einer kleinen Fläche aus. Wenn das klappt, würden wir auf jeden Fall Zeit sparen und Müll vermeiden.“

Die Maisernte ist durchschnittlich bis gut ausgefallen.
Die Maisernte ist durchschnittlich bis gut ausgefallen.

Mit dem Einfahren der Ernte ist es nicht getan, sagt Tabea Wengenroth und zeigt auf einen Karton, der zur Post gebracht werden muss. Darin befinden sich Proben der Maisernte, die an ein Labor geschickt werden. Hier wird ermittelt, wie hoch der Wasseranteil ist. Der Trockenmassegehalt sollte bei Maissilage um die 32 Prozent liegen. Jede Wagenladung werde beprobt, so dass jedes Feld nach dem tatsächlichen Ertrag bezahlt werden kann.

Jedes Jahr nimmt Andreas Schwenker an einem Sortenvergleich teil. Am Ende des Sommers vergleicht er die Erträge der einzelnen Sorten.
Jedes Jahr nimmt Andreas Schwenker an einem Sortenvergleich teil. Am Ende des Sommers vergleicht er die Erträge der einzelnen Sorten.

In der Regel habe jeder Landwirt eine bestimmte Sorte Mais, die er jedes Jahr wieder anbaut, sagt Andreas Schwenker. Die Auswahl hänge davon ab, ob der Mais als Futter für Schweine, Kühe oder die Biogasanlage verwendet wird. Um über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, nimmt der Hiller jedes Jahr an einem Sortenversuch teil. Von den Saatgutfirmen bekommt Andreas Schwenker das Material gestellt und pflanzt es im Frühjahr nebeneinander in Reihen. Im Spätsommer kommt ein Vertreter und erklärt interessierten Landwirten die Vor- und Nachteile der einzelnen Sorten. „Wegen Corona dürfen die Firmen in diesem Jahr nicht einladen“, sagt Andreas Schwenker, der seine Kollegen diesmal selbst zum sogenannten Sortenvergleich gebeten hatte.

„Jedes Jahr ist natürlich anders“, beschreibt Andreas Schwenker, dass der Sortenvergleich nur eine Momentaufnahme ist. Regnet es viel, oder wenig, ist es sehr heiß, oder eher kühl – all das beeinflusst das Wachstum der Pflanzen. Und, die Landwirte haben noch ein anderes Problem: den Maiszünsler. Die Schädlinge fressen zuerst an den Maisblättern und bohren sich später in den Stängel oder den Kolben. Der Maiszünsler durchläuft in Deutschland nur eine Generation pro Jahr. Er überwintert als Larve in den Stoppeln und verpuppt sich im Mai. „Deshalb empfiehlt es sich, im Herbst reinen Tisch zu machen. Heißt: der Acker muss so bewirtschaftet werden, dass die Stoppeln so zerkleinert werde, dass keine ganzen Stängel mehr übrig sind“, weiß Andreas Schwenker.

Einer, der bei solchen und ähnlichen Tipps genau zuhört, ist Jan Höinghaus. Er ist seit dem 1. August als Auszubildender auf dem Hof und bleibt für ein Jahr. Den Betrieb habe er über die Landwirtschaftskammer gefunden, sagt der junge Mann aus Porta Westfalica. Sein erstes Lehrjahr habe er in Petershagen absolviert. Tabea Wengenroth, die als geprüfte Agrarbetriebswirtin einen Ausbilderschein hat, hat gerne Lehrlinge auf dem Hof. „Wir brauchen schließlich Nachwuchs“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, den Azubis mitzugeben, dass sie zuverlässig und ordentlich sein müssen und lernen, Probleme eigenständig zu lösen. „Selbständig sein und mitdenken – das ist entscheidend. Meist sind die Lehrlinge nach einem Jahr auf dem Hof bei uns soweit, und dann geben wir sie wieder ab“, sagt die 27-Jährige und lacht.

Jan Höinghaus, der unter der Woche auf dem Hof in Hille wohnt, gefällt die Ausbildung bislang gut, wie er erzählt. „Ich habe mich schon immer für Landwirtschaft interessiert.“ Für die Zeit nach seiner Lehre könne er sich vorstellen, selbst Ausbilder zu werden und andere für seinen Beruf zu begeistern.

Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 265 und Stefanie.Dullweber@MT.de

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