MT-Serie "Zu zweit": Melanie und Ken-Jack Enk leiten gemeinsam ein Gestüt und eine Naturheilpraxis Stefanie Dullweber Hille(mt). Melanie Enk reitet im Damensattel durch die Halle. Ihr Sohn Ken-Jack steht am Rand, korrigiert den Sitz und rät ihr, dem Pferd einen kleineren Sattel aufzulegen. Kurz diskutieren die beiden, dann steigt die Reiterin ab und holt den anderen Sattel. „Mein Sohn hat Recht", sagt sie und lacht. Mutter und Sohn haben nicht nur das gleiche Hobby, – die Reiterei – sondern auch den gleichen Beruf. Sie sind Heilpraktiker und führen gemeinsam eine Praxis. Niemand hätte ihr vor 30 Jahren zugetraut, dass es mit der eigenen Praxis klappt, erinnert sich Melanie Enk an die ersten Wochen und Monate. Ursprünglich wollte sie Auslandskorrespondentin werden, kam über ihr Sprachen-Studium mit der chinesischen Medizin in Verbindung und entschied nach dem Grundstudium, sich zur Heilpraktikerin ausbilden zu lassen. Heute sei sie froh und dankbar, wie alles gekommen sei. „Ein großes Glück", sagt sie und blickt zu ihrem Sohn. Dabei hat das Anwesen auf der Grenze zwischen Holzhausen II und Friedewalde so gar nichts mit der großen, weiten Welt zu tun. „In der Tucht" heißt die Straße, an der nicht nur die Praxis, sondern auch das Gestüt „af Wendandi" der Familie Enk liegt. Aber genau dieser Rückzugsort gibt Mutter und Sohn die Energie für die tägliche Arbeit. „Und die Leute brauchen keinen Parkplatz suchen", sagt die Besitzerin mit einem Augenzwinkern. Er habe sich eigentlich für ein Medizinstudium interessiert und wollte Landarzt werden, erzählt Ken-Jack Enk. Einige Wartesemester und ein schwerer Reitunfall durchkreuzten seine Pläne. „Ich habe mich dann intensiver mit der Naturheilkunde befasst und bin mittlerweile seit fünf Jahren in der Praxis", sagt der 27-Jährige. Hier hat er seine Ausbildung gemacht und sich in den Bereichen Osteopathie, Chiropraktik und Akupunktur fortgebildet. Gerade einmal vier Wochen habe es gedauert, bis die beiden sich im Praxisalltag aneinander gewöhnt hatten, erinnert sich Melanie Enk. Wenn zwei Generationen zusammenarbeiten, sei gegenseitiger Respekt die Basis. „Das Gute ist, dass wir uns sehr ähnlich sind und unsere Schwächen und Stärken kennen. Gleichzeitig können wir, glaube ich, gut mit Kritik umgehen." Sie würden zwar nach wie vor häufig diskutieren, aber die Debatten seien im Laufe der Jahre konstruktiver geworden, gibt Ken-Jack einen Einblick in die Mutter-Sohn-Beziehung. Bei Patienten würden sie häufig zu zweit auf die Krankheiten schauen – jeder mit seinem eigenen Schwerpunkt, aber mit dem gemeinsamen Ziel, die Beschwerden zu lindern. Als sie im Alter von 26 Jahren ihre Ausbildung absolviert hatte, galten Heilpraktiker gemeinhin noch als Quacksalber, erinnert sich Melanie Enk. Und auch ihr Sohn wird hin und wieder mit Vorurteilen konfrontiert. „Wer heilt, hat Recht", ist seine Devise, wobei er sich generell ein engeres Zusammenspiel zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin wünschen würde. Wichtig sei, den Blick dafür zu haben, was möglich ist. „Natürlich stoßen wir mit der Naturheilkunde manchmal auch an unsere Grenzen." Als Mutter habe sie nie darauf hingearbeitet, dass der Sohn in ihre Fußstapfen tritt, sagt Melanie Enk. „Er hätte auch jeden anderen Beruf ergreifen können." Allerdings sei Ken in gewisser Weise vorbelastet gewesen. Nach seiner Geburt habe sie nach nur drei Wochen Pause weitergearbeitet. „Ken hat seine Hausaufgaben schon in der Praxis gemacht." An der Zusammenarbeit schätzt sie, dass ihr Sohn Erfahrungen einbringt, durch die sie sich weiterentwickelt. „Das kann zu guten Erfolgen führen." Und wenn es doch einmal kracht, hält Melanie Enk es mit der Preußischen Beschwerdeordnung – erst einmal eine Nacht drüber schlafen. Melanie Enk hat ihre morgendliche Reitstunde mittlerweile beendet und tätschelt ihrem Pferd „Avalon" liebevoll den Hals. Es ist eine besondere Rasse, die hier auf dem Gestüt gezüchtet wird – Knabstrupper heißt sie. Die Tiere, die aussehen, wie der kleine Onkel aus Pippi Langstrumpf sind Barockpferde, die Rasse stammt aus Dänemark. „Die Pferde spiegeln unsere Seele. Die Arbeit mit ihnen ist ein super Ausgleich", findet Melanie Enk. Ihr Sohn, Trainer der klassisch-barocken Reiterin, ergänzt: „Die Pferde sind unsere Therapeuten. Sie erden uns für die Arbeit mit den Patienten."

MT-Serie "Zu zweit": Melanie und Ken-Jack Enk leiten gemeinsam ein Gestüt und eine Naturheilpraxis

Melanie und Ken-Jack Enk züchten auf ihrem Gestüt Knabstrupper. Die Arbeit mit den Pferden ist für die beiden ein Ausgleich zu ihrem Beruf – den die beiden ebenfalls gemeinsam ausüben. MT-Fotos: Alex Lehn

Hille(mt). Melanie Enk reitet im Damensattel durch die Halle. Ihr Sohn Ken-Jack steht am Rand, korrigiert den Sitz und rät ihr, dem Pferd einen kleineren Sattel aufzulegen. Kurz diskutieren die beiden, dann steigt die Reiterin ab und holt den anderen Sattel. „Mein Sohn hat Recht", sagt sie und lacht. Mutter und Sohn haben nicht nur das gleiche Hobby, – die Reiterei – sondern auch den gleichen Beruf. Sie sind Heilpraktiker und führen gemeinsam eine Praxis.

Niemand hätte ihr vor 30 Jahren zugetraut, dass es mit der eigenen Praxis klappt, erinnert sich Melanie Enk an die ersten Wochen und Monate. Ursprünglich wollte sie Auslandskorrespondentin werden, kam über ihr Sprachen-Studium mit der chinesischen Medizin in Verbindung und entschied nach dem Grundstudium, sich zur Heilpraktikerin ausbilden zu lassen. Heute sei sie froh und dankbar, wie alles gekommen sei. „Ein großes Glück", sagt sie und blickt zu ihrem Sohn.

Ken-Jack hat schon als Kind seine Hausaufgaben in der Praxis gemacht. Heute leitet er sie zusammen mit seiner Mutter Melanie.
Ken-Jack hat schon als Kind seine Hausaufgaben in der Praxis gemacht. Heute leitet er sie zusammen mit seiner Mutter Melanie.

Dabei hat das Anwesen auf der Grenze zwischen Holzhausen II und Friedewalde so gar nichts mit der großen, weiten Welt zu tun. „In der Tucht" heißt die Straße, an der nicht nur die Praxis, sondern auch das Gestüt „af Wendandi" der Familie Enk liegt. Aber genau dieser Rückzugsort gibt Mutter und Sohn die Energie für die tägliche Arbeit. „Und die Leute brauchen keinen Parkplatz suchen", sagt die Besitzerin mit einem Augenzwinkern.

Er habe sich eigentlich für ein Medizinstudium interessiert und wollte Landarzt werden, erzählt Ken-Jack Enk. Einige Wartesemester und ein schwerer Reitunfall durchkreuzten seine Pläne. „Ich habe mich dann intensiver mit der Naturheilkunde befasst und bin mittlerweile seit fünf Jahren in der Praxis", sagt der 27-Jährige. Hier hat er seine Ausbildung gemacht und sich in den Bereichen Osteopathie, Chiropraktik und Akupunktur fortgebildet.

Gerade einmal vier Wochen habe es gedauert, bis die beiden sich im Praxisalltag aneinander gewöhnt hatten, erinnert sich Melanie Enk. Wenn zwei Generationen zusammenarbeiten, sei gegenseitiger Respekt die Basis. „Das Gute ist, dass wir uns sehr ähnlich sind und unsere Schwächen und Stärken kennen. Gleichzeitig können wir, glaube ich, gut mit Kritik umgehen." Sie würden zwar nach wie vor häufig diskutieren, aber die Debatten seien im Laufe der Jahre konstruktiver geworden, gibt Ken-Jack einen Einblick in die Mutter-Sohn-Beziehung. Bei Patienten würden sie häufig zu zweit auf die Krankheiten schauen – jeder mit seinem eigenen Schwerpunkt, aber mit dem gemeinsamen Ziel, die Beschwerden zu lindern.

Als sie im Alter von 26 Jahren ihre Ausbildung absolviert hatte, galten Heilpraktiker gemeinhin noch als Quacksalber, erinnert sich Melanie Enk. Und auch ihr Sohn wird hin und wieder mit Vorurteilen konfrontiert. „Wer heilt, hat Recht", ist seine Devise, wobei er sich generell ein engeres Zusammenspiel zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin wünschen würde. Wichtig sei, den Blick dafür zu haben, was möglich ist. „Natürlich stoßen wir mit der Naturheilkunde manchmal auch an unsere Grenzen."

Als Mutter habe sie nie darauf hingearbeitet, dass der Sohn in ihre Fußstapfen tritt, sagt Melanie Enk. „Er hätte auch jeden anderen Beruf ergreifen können." Allerdings sei Ken in gewisser Weise vorbelastet gewesen. Nach seiner Geburt habe sie nach nur drei Wochen Pause weitergearbeitet. „Ken hat seine Hausaufgaben schon in der Praxis gemacht." An der Zusammenarbeit schätzt sie, dass ihr Sohn Erfahrungen einbringt, durch die sie sich weiterentwickelt. „Das kann zu guten Erfolgen führen." Und wenn es doch einmal kracht, hält Melanie Enk es mit der Preußischen Beschwerdeordnung – erst einmal eine Nacht drüber schlafen.

Melanie Enk hat ihre morgendliche Reitstunde mittlerweile beendet und tätschelt ihrem Pferd „Avalon" liebevoll den Hals. Es ist eine besondere Rasse, die hier auf dem Gestüt gezüchtet wird – Knabstrupper heißt sie. Die Tiere, die aussehen, wie der kleine Onkel aus Pippi Langstrumpf sind Barockpferde, die Rasse stammt aus Dänemark. „Die Pferde spiegeln unsere Seele. Die Arbeit mit ihnen ist ein super Ausgleich", findet Melanie Enk. Ihr Sohn, Trainer der klassisch-barocken Reiterin, ergänzt: „Die Pferde sind unsere Therapeuten. Sie erden uns für die Arbeit mit den Patienten."

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