MT-Serie "Zu zweit": Bei Thomas Möller und Carsten Meyer kommt kein Billigfleisch auf den Teller Stefanie Dullweber Hille (mt). Die beiden kennen sich schon seit der Schule, sind zwei echte Dorfkinder. Der eine ist auf einem Bauernhof groß geworden, der andere ist in einen Familienbetrieb hineingeboren. Thomas Möller und Carsten Meyer treffen sich heute noch regelmäßig beim Sport, im Kindergarten oder in der Kirche. Sie haben aber noch eine andere Verbindung – sie sind beruflich miteinander verbunden. Thomas Möller mästet Schweine, Carsten Meyer ist Inhaber einer Fleischerei in Hille. Im Stall am Sportplatzweg in Hille zeigt das Thermometer warme 26 Grad und es riecht nicht gerade angenehm. Dafür ist es relativ ruhig, obwohl hier rund 100 Ferkel untergebracht sind. Thomas Möller achtet darauf, dass die Gummistiefel desinfiziert sind, bevor er mit Carsten Meyer den Stall betritt. Der Fleischermeister macht sich heute ein Bild von den Tieren, die er demnächst zu Schnitzeln und Wurst verarbeitet. „Fleisch, das auf dem Dorf verkauft wird, hat viel mit Vertrauen zu tun", weiß Carsten Meyer, der das Familienunternehmen in der fünften Generation leitet. Aus diesem Grund beziehe er sein Fleisch von Landwirten aus Hille. Zwar wird auch bei der Fleischerei Meyer nicht mehr selbst geschlachtet, aber er achte auf kurze Transportwege, so Carsten Meyer. „Wenn die Tiere gestresst sind, wird das Fleisch weich und wässrig und das wirkt sich auf die Qualität der Produkte aus." Für Hobby-Landwirt Thomas Möller – er arbeitet hauptberuflich beim Diakonischen Werk in Minden – ist es lukrativer, sein Fleisch vor Ort zu verkaufen. „Bei den großen Unternehmen muss das Schwein ideale Maße haben. Ist es zu kurz, zu schwer oder zu dünn, habe ich wahnsinnige Abzüge", erklärt Möller die Spielregeln. Beim Metzger vor Ort gehe es hingegen nach Augenmaß. „Ja, es gibt eine Klassifizierung, aber deren Maßstäbe legen wir nicht an. Mit unserer Erfahrung sehen wir, ob ein Schwein gut oder schlecht ist", sagt Carsten Meyer. Thomas Möller bezieht seine Ferkel derzeit aus Rothenuffeln. Mit rund 30 Kilo werden die Tiere auf seinem Hof angeliefert. Geschlachtet werden die Schweine, wenn sie ein Gewicht zwischen 95 und 110 Kilogramm erreicht haben. Die höchsten Tageszunahmen könne er nicht vorweisen, gibt Thomas Möller zu. Heißt, der Hiller füttert seine Tiere maßvoll. Je gehaltvoller das Futter sei, desto aggressiver seien die Tiere unter Umständen und das möchte der Hobby-Landwirt verhindern. Deshalb ist das Futter weniger auf schnelle Gewichtszunahme ausgelegt, stattdessen füttert er mehr Rohfaseranteile, die die Tiere laut Möller satter und zufriedener machen. Außerdem mischt der Landwirt unter anderem ätherische Öle unter das Futter. „Das ist zwar extrem teuer, macht aber die Atemwege frei und reduziert den Einsatz von Antibiotika nahezu komplett." Die Zusammenarbeit haben Thomas Möller und Carsten Meyer von den Eltern und Großeltern übernommen – und beibehalten. „Ich finde es schön, dass wir uns zwischendurch auch mal privat treffen, das ist eine gute Basis", meint Möller. Wenn man sich kennt, sei es einfacher, auch mal ein offenes Wort zu sprechen, pflichtet ihm Meyer bei. Ihre Verbindung sei auch deswegen besonders, weil sich mögliche fehlerhafte Ware nicht einfach so zurückgeben lasse. 60 Proben muss Thomas Möller im Jahr vorlegen – zum Glück habe es in den vergangenen Jahren keine negativen Befunde gegeben, so Möller. Während die beiden die neu eingetroffenen Ferkel begutachten, kommen sie unwillkürlich auf Themen wie Labels zur Kennzeichnung von Produkten und Vorgaben für Landwirte zu sprechen. „Für Verbraucher sind Labels deshalb wichtig, weil viele gar nicht mehr wissen, woher ihr Fleisch kommt. Für uns auf dem Dorf sind Labels bedeutungslos, weil wir die Landwirte vor Ort kennen. Wir sehen im Stall, dass es den Schweinen gut geht", argumentiert Carsten Meyer. Für Thomas Möller ist vor allem die ständig zunehmende Bürokratie ein Ärgernis. Nahezu jeder Handgriff müsse mittlerweile dokumentiert werden. Die Vorgaben der Politik seien für kleine Betriebe kaum noch leistbar, das könne nur noch ein Industrieller stemmen. „Das macht die familiäre Landwirtschaft kaputt." Thomas Möller und Carsten Meyer sind dennoch überzeugt von dem, was sie tun. Und Billigfleisch zu produzieren – das kommt für die beiden nicht infrage. Von ihrer Eltern- und Großelterngeneration haben sie übrigens auch übernommen, das die Viehabrechnungen nicht per Post oder per E-Mail geschickt, sondern persönlich abgeholt werden. „Dann kann Thomas auch gleich bei uns einkaufen", sagt Carsten Meyer und lacht. Serie „Zu zweit" Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen können. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – mit einer Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

MT-Serie "Zu zweit": Bei Thomas Möller und Carsten Meyer kommt kein Billigfleisch auf den Teller

Thomas Möller (links) und Carsten Meyer MT- © Foto: Stefanie Dullweber

Hille (mt). Die beiden kennen sich schon seit der Schule, sind zwei echte Dorfkinder. Der eine ist auf einem Bauernhof groß geworden, der andere ist in einen Familienbetrieb hineingeboren. Thomas Möller und Carsten Meyer treffen sich heute noch regelmäßig beim Sport, im Kindergarten oder in der Kirche. Sie haben aber noch eine andere Verbindung – sie sind beruflich miteinander verbunden. Thomas Möller mästet Schweine, Carsten Meyer ist Inhaber einer Fleischerei in Hille.

Im Stall am Sportplatzweg in Hille zeigt das Thermometer warme 26 Grad und es riecht nicht gerade angenehm. Dafür ist es relativ ruhig, obwohl hier rund 100 Ferkel untergebracht sind. Thomas Möller achtet darauf, dass die Gummistiefel desinfiziert sind, bevor er mit Carsten Meyer den Stall betritt. Der Fleischermeister macht sich heute ein Bild von den Tieren, die er demnächst zu Schnitzeln und Wurst verarbeitet.

Carsten Meyer bei der Produktion von Stippgrütze. MT- - © Foto: N. Schwan
Carsten Meyer bei der Produktion von Stippgrütze. MT- - © Foto: N. Schwan

„Fleisch, das auf dem Dorf verkauft wird, hat viel mit Vertrauen zu tun", weiß Carsten Meyer, der das Familienunternehmen in der fünften Generation leitet. Aus diesem Grund beziehe er sein Fleisch von Landwirten aus Hille. Zwar wird auch bei der Fleischerei Meyer nicht mehr selbst geschlachtet, aber er achte auf kurze Transportwege, so Carsten Meyer. „Wenn die Tiere gestresst sind, wird das Fleisch weich und wässrig und das wirkt sich auf die Qualität der Produkte aus."

Für Hobby-Landwirt Thomas Möller – er arbeitet hauptberuflich beim Diakonischen Werk in Minden – ist es lukrativer, sein Fleisch vor Ort zu verkaufen. „Bei den großen Unternehmen muss das Schwein ideale Maße haben. Ist es zu kurz, zu schwer oder zu dünn, habe ich wahnsinnige Abzüge", erklärt Möller die Spielregeln. Beim Metzger vor Ort gehe es hingegen nach Augenmaß. „Ja, es gibt eine Klassifizierung, aber deren Maßstäbe legen wir nicht an. Mit unserer Erfahrung sehen wir, ob ein Schwein gut oder schlecht ist", sagt Carsten Meyer.

Thomas Möller bezieht seine Ferkel derzeit aus Rothenuffeln. Mit rund 30 Kilo werden die Tiere auf seinem Hof angeliefert. Geschlachtet werden die Schweine, wenn sie ein Gewicht zwischen 95 und 110 Kilogramm erreicht haben. Die höchsten Tageszunahmen könne er nicht vorweisen, gibt Thomas Möller zu. Heißt, der Hiller füttert seine Tiere maßvoll. Je gehaltvoller das Futter sei, desto aggressiver seien die Tiere unter Umständen und das möchte der Hobby-Landwirt verhindern. Deshalb ist das Futter weniger auf schnelle Gewichtszunahme ausgelegt, stattdessen füttert er mehr Rohfaseranteile, die die Tiere laut Möller satter und zufriedener machen. Außerdem mischt der Landwirt unter anderem ätherische Öle unter das Futter. „Das ist zwar extrem teuer, macht aber die Atemwege frei und reduziert den Einsatz von Antibiotika nahezu komplett."

Die Zusammenarbeit haben Thomas Möller und Carsten Meyer von den Eltern und Großeltern übernommen – und beibehalten. „Ich finde es schön, dass wir uns zwischendurch auch mal privat treffen, das ist eine gute Basis", meint Möller. Wenn man sich kennt, sei es einfacher, auch mal ein offenes Wort zu sprechen, pflichtet ihm Meyer bei. Ihre Verbindung sei auch deswegen besonders, weil sich mögliche fehlerhafte Ware nicht einfach so zurückgeben lasse. 60 Proben muss Thomas Möller im Jahr vorlegen – zum Glück habe es in den vergangenen Jahren keine negativen Befunde gegeben, so Möller.

Während die beiden die neu eingetroffenen Ferkel begutachten, kommen sie unwillkürlich auf Themen wie Labels zur Kennzeichnung von Produkten und Vorgaben für Landwirte zu sprechen. „Für Verbraucher sind Labels deshalb wichtig, weil viele gar nicht mehr wissen, woher ihr Fleisch kommt. Für uns auf dem Dorf sind Labels bedeutungslos, weil wir die Landwirte vor Ort kennen. Wir sehen im Stall, dass es den Schweinen gut geht", argumentiert Carsten Meyer. Für Thomas Möller ist vor allem die ständig zunehmende Bürokratie ein Ärgernis. Nahezu jeder Handgriff müsse mittlerweile dokumentiert werden. Die Vorgaben der Politik seien für kleine Betriebe kaum noch leistbar, das könne nur noch ein Industrieller stemmen. „Das macht die familiäre Landwirtschaft kaputt."

Thomas Möller und Carsten Meyer sind dennoch überzeugt von dem, was sie tun. Und Billigfleisch zu produzieren – das kommt für die beiden nicht infrage. Von ihrer Eltern- und Großelterngeneration haben sie übrigens auch übernommen, das die Viehabrechnungen nicht per Post oder per E-Mail geschickt, sondern persönlich abgeholt werden. „Dann kann Thomas auch gleich bei uns einkaufen", sagt Carsten Meyer und lacht.

Serie „Zu zweit"

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen können. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – mit einer Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind.

Stichwort: „Zu zweit", E-Mail: lokales@MT.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille