MT-Interview mit Prof. Dr. Johannes Weinig: Das alles steckt hinter dem Programm Ökoprofit Carsten Korfesmeyer Hille (mt). Hinter Ökoprofit steckt die Idee, Betriebe voranzubringen und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz zu tun. Schon die kleinen Veränderungen können in der Summe Großes erreichen, heißt die Philosophie dieses landesweiten Programms, das der Mühlenkreis unterstützt. 63 Firmen sind inzwischen zertifiziert – darunter auch die Kreisabfallwerwertungsgesellschaft (KAVG) auf der Pohlschen Heide. Prof. Dr. Johannes Weinig ist Vorsitzender der Ökoprofit-Kommission und spricht im MT-Interview über die zahlreichen Effekte dieses Zertifikats. Herr Prof. Weinig, Klimaschutz istzurzeit in aller Munde. Ökoprofit passt somit genau in die Zeit. Das ist richtig, aber der Grundgedanke reicht schon etwa 20 Jahre zurück. Damals ging es bereits um den Ressourcenschutz in den Unternehmen. Ressourcen machten seinerzeit rund 40 Prozent der Kosten aus. Wir wollten darauf aufmerksam machen, was alles unnötig verbraucht wird und was sich problemlos einsparen lässt. Es ist erstaunlich was in dieser Hinsicht alles wegfallen kann. Beispielsweise das Licht nicht unnötig brennen lassen? Das zählt auch dazu und es sind die vielen kleinen Maßnahmen, die sich im Gesamtergebnis eines Unternehmens deutlich bemerkbar machen. Ökoprofit hat aber auch umwelttechnische Entwicklungen im Blick und es geht auch um mögliche Investitionen in den Betrieben. Übrigens rechnen die sich nach spätestens drei Jahren. Hat sich das auf die Ressourcen ausgewirkt? Ja. Heute haben die zertifizierten Firmen schon einen deutlich geringeren Verbrauch als noch zu Beginn des Programms. Es ist in der Wirtschaft natürlich so, dass die weniger verbrauchten Ressourcen schnell zur Selbstverständlichkeit werden. Man gewöhnt sich daran. Ökoprofit steht für Umweltschutz und Ökonomie, aber auch für Soziales. Das Programm umfasst nahezu alle Bereiche, die im Alltag eines Betriebes eine Rolle spielen. Dazu zählt unter anderem auch die Arbeitssicherheit, wo häufig Defizite bestehen. Oder auch im Bereich der Lagerung von Gefahrgut oder Putzmitteln sind viele Unternehmen nicht ganz auf Höhe der Zeit. Auch da setzt Ökoprofit an. Sogar Tipps in betriebswirtschaftlichen Fragen sind möglich – beispielsweise in der Buchführung. Und wir nehmen auch die Abläufe in den Blick. Das hat dann aber doch etwas Belehrendes, oder? Nein, wir begegnen den Unternehmern immer auf Augenhöhe. Und alles läuft auf freiwilliger Basis ab. Ökoprofit setzt ganz klar auf die Kooperation. Es geht nicht um das Ordnungsrecht, sondern darum gemeinsam Verbesserungen zu erreichen. Die Experten kommen zu individuellen Beratungsgesprächen in die Firmen und dann bieten wir insgesamt zehn Workshops an. Hinter allem steckt das Ziel, nachhaltige positive Veränderungen zu erzielen und besser zu werden. Spricht das alles nicht eher die kleinen Firmen an? Es sind viele kleine und mittlere Unternehmen dabei, aber auch größere. In dieser Runde hat die Kreisabfallverwertungsgesellschaft mitgemacht – ein Entsorger mit immerhin 100 Mitarbeitern. Die haben teilgenommen, damit mal jemand von außen einen Blick auf das Unternehmen wirft. So etwas tut gut, um Betriebsblindheit zu verhindern. Und das kann in vieler Hinsicht auch inspirierend sein. Kommt es auch vor, dass Unternehmen Ihre Anregungen ablehnen? Wir haben in den vergangenen 15 Jahren durchweg gute Erfahrungen sammeln können. Die Firmen zeigen sich immer sehr interessiert und offen. Das wundert nicht, denn wer will schon unökologisch handeln. Das zeigt auch die Erfahrungen, die wir im Ökoprofit-Klub sammeln. Darin sind inzwischen 63 Firmen als Mitglieder dabei, die langfristig optimieren möchten. Dort können sich alle untereinander austauschen. Es geht übrigens immer um das Miteinander und nicht darum, ein Konkurrenzdenken zu erzeugen. Schon deshalb waren in jeder der bislang acht Runden jeweils nur Firmen aus einer Branche dabei. Wie wichtig sind die Ökoprofit-Ziele in Zeiten des Fachkräftemangels? Sie haben eine hohe Bedeutung. Gute und qualifizierte Mitarbeiter werden händeringend gesucht und das ändert sich auch in Zukunft nicht. Das Arbeitsumfeld spielt eine bedeutende Rolle und ich bin überzeugt, dass sich die Menschen lieber einen Betrieb aussuchen, in dem es ein angenehmes Klima gibt. Firmen, die nicht auf Höhe der Zeit sind, könnten Mitarbeiter verlieren oder gar nicht erst bekommen. Zusatz-Info: Ökoprofit Ökoprofit gibt es bundesweit seit 1998. Allein in NRW haben sich mehr als 2.000 Betriebe an den Zertifizierungen beteiligt. Ein Ökoprofit-Durchgang dauert ein Jahr. Dazu zählen unter anderem die betriebliche Einzelberatung, Workshops oder Netzwerkbildung. Es geht um Abfallvermeidung, Energieverbrauch und Kostensenkung. In den Räumen der KAVG lief die Verleihung der Zertifikate und es gab auch Erfahrungsberichte.

MT-Interview mit Prof. Dr. Johannes Weinig: Das alles steckt hinter dem Programm Ökoprofit

Das Thema Arbeitssicherheit spielt im Aufgabenbereich von Ökoprofit eine Rolle. Foto: Patrick Pleul/dpa © (c) dpa-Zentralbild

Hille (mt). Hinter Ökoprofit steckt die Idee, Betriebe voranzubringen und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz zu tun. Schon die kleinen Veränderungen können in der Summe Großes erreichen, heißt die Philosophie dieses landesweiten Programms, das der Mühlenkreis unterstützt. 63 Firmen sind inzwischen zertifiziert – darunter auch die Kreisabfallwerwertungsgesellschaft (KAVG) auf der Pohlschen Heide. Prof. Dr. Johannes Weinig ist Vorsitzender der Ökoprofit-Kommission und spricht im MT-Interview über die zahlreichen Effekte dieses Zertifikats.

Herr Prof. Weinig, Klimaschutz istzurzeit in aller Munde. Ökoprofit passt somit genau in die Zeit.

Das ist richtig, aber der Grundgedanke reicht schon etwa 20 Jahre zurück. Damals ging es bereits um den Ressourcenschutz in den Unternehmen. Ressourcen machten seinerzeit rund 40 Prozent der Kosten aus. Wir wollten darauf aufmerksam machen, was alles unnötig verbraucht wird und was sich problemlos einsparen lässt. Es ist erstaunlich was in dieser Hinsicht alles wegfallen kann.

Beispielsweise das Licht nicht unnötig brennen lassen?

Das zählt auch dazu und es sind die vielen kleinen Maßnahmen, die sich im Gesamtergebnis eines Unternehmens deutlich bemerkbar machen. Ökoprofit hat aber auch umwelttechnische Entwicklungen im Blick und es geht auch um mögliche Investitionen in den Betrieben. Übrigens rechnen die sich nach spätestens drei Jahren.

Hat sich das auf die Ressourcen ausgewirkt?

Ja. Heute haben die zertifizierten Firmen schon einen deutlich geringeren Verbrauch als noch zu Beginn des Programms. Es ist in der Wirtschaft natürlich so, dass die weniger verbrauchten Ressourcen schnell zur Selbstverständlichkeit werden. Man gewöhnt sich daran.

Ökoprofit steht für Umweltschutz und Ökonomie, aber auch für Soziales.

Das Programm umfasst nahezu alle Bereiche, die im Alltag eines Betriebes eine Rolle spielen. Dazu zählt unter anderem auch die Arbeitssicherheit, wo häufig Defizite bestehen. Oder auch im Bereich der Lagerung von Gefahrgut oder Putzmitteln sind viele Unternehmen nicht ganz auf Höhe der Zeit. Auch da setzt Ökoprofit an. Sogar Tipps in betriebswirtschaftlichen Fragen sind möglich – beispielsweise in der Buchführung. Und wir nehmen auch die Abläufe in den Blick.

Das hat dann aber doch etwas Belehrendes, oder?

Nein, wir begegnen den Unternehmern immer auf Augenhöhe. Und alles läuft auf freiwilliger Basis ab. Ökoprofit setzt ganz klar auf die Kooperation. Es geht nicht um das Ordnungsrecht, sondern darum gemeinsam Verbesserungen zu erreichen. Die Experten kommen zu individuellen Beratungsgesprächen in die Firmen und dann bieten wir insgesamt zehn Workshops an. Hinter allem steckt das Ziel, nachhaltige positive Veränderungen zu erzielen und besser zu werden.

Spricht das alles nicht eher die kleinen Firmen an?

Es sind viele kleine und mittlere Unternehmen dabei, aber auch größere. In dieser Runde hat die Kreisabfallverwertungsgesellschaft mitgemacht – ein Entsorger mit immerhin 100 Mitarbeitern. Die haben teilgenommen, damit mal jemand von außen einen Blick auf das Unternehmen wirft. So etwas tut gut, um Betriebsblindheit zu verhindern. Und das kann in vieler Hinsicht auch inspirierend sein.

Kommt es auch vor, dass Unternehmen Ihre Anregungen ablehnen?

Wir haben in den vergangenen 15 Jahren durchweg gute Erfahrungen sammeln können. Die Firmen zeigen sich immer sehr interessiert und offen. Das wundert nicht, denn wer will schon unökologisch handeln. Das zeigt auch die Erfahrungen, die wir im Ökoprofit-Klub sammeln. Darin sind inzwischen 63 Firmen als Mitglieder dabei, die langfristig optimieren möchten. Dort können sich alle untereinander austauschen. Es geht übrigens immer um das Miteinander und nicht darum, ein Konkurrenzdenken zu erzeugen. Schon deshalb waren in jeder der bislang acht Runden jeweils nur Firmen aus einer Branche dabei.

Wie wichtig sind die Ökoprofit-Ziele in Zeiten des Fachkräftemangels?

Sie haben eine hohe Bedeutung. Gute und qualifizierte Mitarbeiter werden händeringend gesucht und das ändert sich auch in Zukunft nicht. Das Arbeitsumfeld spielt eine bedeutende Rolle und ich bin überzeugt, dass sich die Menschen lieber einen Betrieb aussuchen, in dem es ein angenehmes Klima gibt. Firmen, die nicht auf Höhe der Zeit sind, könnten Mitarbeiter verlieren oder gar nicht erst bekommen.

Zusatz-Info: Ökoprofit

Ökoprofit gibt es bundesweit seit 1998. Allein in NRW haben sich mehr als 2.000 Betriebe an den Zertifizierungen beteiligt. Ein Ökoprofit-Durchgang dauert ein Jahr. Dazu zählen unter anderem die betriebliche Einzelberatung, Workshops oder Netzwerkbildung. Es geht um Abfallvermeidung, Energieverbrauch und Kostensenkung. In den Räumen der KAVG lief die Verleihung der Zertifikate und es gab auch Erfahrungsberichte.

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