Kult-Imbiss sucht Nachfolger: Betrieb an der Hauptstraße in Oberlübbe steht zum Verkauf Kerstin Rickert Hille-Oberlübbe. Mit einem kleinen Verkaufswagen fing im Jahr 1977 alles an. Nach mehr als vier Jahrzehnten am selben Ort hat der Imbiss an der Hauptstraße in Oberlübbe heute längst Tradition. Mit den Betreibern wechselte auch immer mal wieder der Name: von „Wessels Imbiss“ über „Lindengrill“ und „Conny’s Imbiss“ zu „Imbiss am Wiehen“. Jetzt soll die Oberlübber Institution verkauft werden. Inhaberin Marlies Schulder sucht einen Nachfolger, der die Gastronomie in ihrem Sinne weiterführt. 2012 hatten Rolf und Marlies Schulder den Imbiss von Conny Bekemeier gekauft und ihn anschließend in „Imbiss am Wiehen“ umgetauft. Rolf Schulder betrieb den Imbiss, seine Frau arbeitete als Biologin in Bielefeld. Als ihr Mann im Herbst 2019 starb, übernahm sie den Betrieb und führte ihn neben ihrem Hauptberuf weiter. Inzwischen ist sie in Rente, und auch mit dem Imbiss soll für sie nun Schluss sein. „Ich werde 67, und jetzt sollen mal Jüngere ran“, begründet sie ihren Entschluss. Ganz zu Ende gehen soll die Ära in Oberlübbe aber nicht. Deshalb sucht sie derzeit einen Nachfolger, der den Imbiss in ihrem Sinne weiterführt. Sie wünscht sich, dass der- oder diejenige das bestehende Angebot aufrechterhält und möglichst auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernimmt. Das sei sie denen und auch ihren Stammkunden gegenüber schuldig. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“ Vor allem ihr „Mann für alles“, Dominik Steinmeier, sei ihr nach dem Tod ihres Ehemannes Rolf Schulder eine große Stütze gewesen. „Er hat mir vieles abgenommen und sich gekümmert. Ich hatte ja noch meinen regulären 40-Stunden-Job“, sagt Marlies Schulder. Dominik Steinmeier ist es auch, der seine Chefin bei der Suche nach einem Nachfolger unterstützt. Bei Ebay-Kleinanzeigen hat er in Absprache mit ihr eine Anzeige geschaltet und diese auch in den sozialen Medien verbreitet. „Der erste Interessent war ein Chinese“, berichtet er. Ein China-Imbiss aber soll aus dem „Imbiss am Wiehen“ nicht werden. „Ich möchte hier auch keinen Pizzaladen und keine Döner-Bude sehen“, hat sich Marlies Schulder über die Zukunft ihres Betriebes Gedanken gemacht. „Damit würde sich ein neuer Inhaber auch ins eigene Fleisch schneiden“, ist sie sicher. „Denn wenn die Stammkunden abspringen, ist das hier ein schwerer Standort.“ Deutsche Imbiss-Küche werde seit über 40 Jahren an der Hauptstraße angeboten und habe sich bewährt. „Mitte der Achtziger sind Burger dazu gekommen, seitdem hat sich kaum etwas verändert.“ Neben Klassikern wie Bratwurst mit Pommes, Currywurst, Schnitzeln, Frikadellen und Schaschliks stehen auch noch Hot Dogs auf der Speisekarte. „Beliebt ist auch unser Gyros, das wir selbst einlegen und stecken“, sagt Marlies Schulder. Selbst in den zurückliegenden Monaten mit der ausschließlichen Möglichkeit, Speisen zum Abholen anzubieten, habe ihre Stammkundschaft sie weiterhin so zuverlässig unterstützt, dass sie die Pandemie finanziell kaum gemerkt habe. „Das zeigt doch, dass wir alles richtig machen.“ Wir, das sind neben der Inhaberin, die immer dann einspringt, wenn „Not am Mann“ ist, Dominik Steinmeier und vier weitere feste Mitarbeiter. „In Spitzenzeiten kommen noch Aushilfen dazu.“ Ihnen würde Marlies Schulder mit dem Verkauf gerne eine Perspektive bieten, „mit der alle zufrieden sind“. Dem oder der Neuen stehe bei Übernahme der Mitarbeiter ein bewährtes und absolut zuverlässiges Team zur Seite, und das sei nicht zu unterschätzen. „Imbiss muss man erst lernen. Das ist etwas anderes, als zu Hause eine Bratwurst auf den Grill zu legen und dazu ein paar Pommes zu machen.“ Schließlich müssten viele Arbeitsschritte koordiniert werden, damit Bestellungen zeitgleich fertig würden. „Und parallel wird ja meist schon die nächste Bestellung vorbereitet“, sagt Marlies Schulder. Wichtig sei, zu wissen, was man tue und selbst in der größten Hektik Ruhe zu bewahren. Nicht von der Hand zu weisen sei auch der persönliche Kontakt zu den Kunden und das Wissen um deren Vorlieben. „Viele unserer Stammkunden haben ihr Lieblingsessen, das sie immer wieder bestellen. Da weiß ich oft schon, wenn sie auf den Hof fahren, was wir vorbereiten müssen“, sagt Dominik Steinmeier. Für Marlies Schulder kommt allein deshalb niemand als Nachfolger infrage, der sich nicht persönlich um den Imbiss kümmert. Eine Anfrage von einem Investor hatte sie schon. „Aber was nützt mir jemand, der in München sitzt und nur Geld abschöpfen will.“ Lieber wolle sie sich mit der Entscheidung Zeit lassen, bis der oder die Richtige kommt. „Schließlich möchte auch ich hier gerne weiterhin meine Bratwurst essen“, sagt Marlies Schulder.

Kult-Imbiss sucht Nachfolger: Betrieb an der Hauptstraße in Oberlübbe steht zum Verkauf

Marlies Schulder managt mit ihren Mitarbeitern den „Imbiss am Wiehen“ an der Hauptstraße in Oberlübbe. Ihren Stammkunden zuliebe will sie sich bei der Suche nach einem Nachfolger Zeit lassen. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Hille-Oberlübbe. Mit einem kleinen Verkaufswagen fing im Jahr 1977 alles an. Nach mehr als vier Jahrzehnten am selben Ort hat der Imbiss an der Hauptstraße in Oberlübbe heute längst Tradition. Mit den Betreibern wechselte auch immer mal wieder der Name: von „Wessels Imbiss“ über „Lindengrill“ und „Conny’s Imbiss“ zu „Imbiss am Wiehen“. Jetzt soll die Oberlübber Institution verkauft werden. Inhaberin Marlies Schulder sucht einen Nachfolger, der die Gastronomie in ihrem Sinne weiterführt.

2012 hatten Rolf und Marlies Schulder den Imbiss von Conny Bekemeier gekauft und ihn anschließend in „Imbiss am Wiehen“ umgetauft. Rolf Schulder betrieb den Imbiss, seine Frau arbeitete als Biologin in Bielefeld. Als ihr Mann im Herbst 2019 starb, übernahm sie den Betrieb und führte ihn neben ihrem Hauptberuf weiter. Inzwischen ist sie in Rente, und auch mit dem Imbiss soll für sie nun Schluss sein. „Ich werde 67, und jetzt sollen mal Jüngere ran“, begründet sie ihren Entschluss.

Ganz zu Ende gehen soll die Ära in Oberlübbe aber nicht. Deshalb sucht sie derzeit einen Nachfolger, der den Imbiss in ihrem Sinne weiterführt. Sie wünscht sich, dass der- oder diejenige das bestehende Angebot aufrechterhält und möglichst auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernimmt. Das sei sie denen und auch ihren Stammkunden gegenüber schuldig. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“


Vor allem ihr „Mann für alles“, Dominik Steinmeier, sei ihr nach dem Tod ihres Ehemannes Rolf Schulder eine große Stütze gewesen. „Er hat mir vieles abgenommen und sich gekümmert. Ich hatte ja noch meinen regulären 40-Stunden-Job“, sagt Marlies Schulder.

Dominik Steinmeier ist es auch, der seine Chefin bei der Suche nach einem Nachfolger unterstützt. Bei Ebay-Kleinanzeigen hat er in Absprache mit ihr eine Anzeige geschaltet und diese auch in den sozialen Medien verbreitet. „Der erste Interessent war ein Chinese“, berichtet er. Ein China-Imbiss aber soll aus dem „Imbiss am Wiehen“ nicht werden. „Ich möchte hier auch keinen Pizzaladen und keine Döner-Bude sehen“, hat sich Marlies Schulder über die Zukunft ihres Betriebes Gedanken gemacht. „Damit würde sich ein neuer Inhaber auch ins eigene Fleisch schneiden“, ist sie sicher. „Denn wenn die Stammkunden abspringen, ist das hier ein schwerer Standort.“

Deutsche Imbiss-Küche werde seit über 40 Jahren an der Hauptstraße angeboten und habe sich bewährt. „Mitte der Achtziger sind Burger dazu gekommen, seitdem hat sich kaum etwas verändert.“ Neben Klassikern wie Bratwurst mit Pommes, Currywurst, Schnitzeln, Frikadellen und Schaschliks stehen auch noch Hot Dogs auf der Speisekarte. „Beliebt ist auch unser Gyros, das wir selbst einlegen und stecken“, sagt Marlies Schulder. Selbst in den zurückliegenden Monaten mit der ausschließlichen Möglichkeit, Speisen zum Abholen anzubieten, habe ihre Stammkundschaft sie weiterhin so zuverlässig unterstützt, dass sie die Pandemie finanziell kaum gemerkt habe. „Das zeigt doch, dass wir alles richtig machen.“

Wir, das sind neben der Inhaberin, die immer dann einspringt, wenn „Not am Mann“ ist, Dominik Steinmeier und vier weitere feste Mitarbeiter. „In Spitzenzeiten kommen noch Aushilfen dazu.“ Ihnen würde Marlies Schulder mit dem Verkauf gerne eine Perspektive bieten, „mit der alle zufrieden sind“. Dem oder der Neuen stehe bei Übernahme der Mitarbeiter ein bewährtes und absolut zuverlässiges Team zur Seite, und das sei nicht zu unterschätzen.

„Imbiss muss man erst lernen. Das ist etwas anderes, als zu Hause eine Bratwurst auf den Grill zu legen und dazu ein paar Pommes zu machen.“ Schließlich müssten viele Arbeitsschritte koordiniert werden, damit Bestellungen zeitgleich fertig würden. „Und parallel wird ja meist schon die nächste Bestellung vorbereitet“, sagt Marlies Schulder. Wichtig sei, zu wissen, was man tue und selbst in der größten Hektik Ruhe zu bewahren. Nicht von der Hand zu weisen sei auch der persönliche Kontakt zu den Kunden und das Wissen um deren Vorlieben. „Viele unserer Stammkunden haben ihr Lieblingsessen, das sie immer wieder bestellen. Da weiß ich oft schon, wenn sie auf den Hof fahren, was wir vorbereiten müssen“, sagt Dominik Steinmeier.

Für Marlies Schulder kommt allein deshalb niemand als Nachfolger infrage, der sich nicht persönlich um den Imbiss kümmert. Eine Anfrage von einem Investor hatte sie schon. „Aber was nützt mir jemand, der in München sitzt und nur Geld abschöpfen will.“ Lieber wolle sie sich mit der Entscheidung Zeit lassen, bis der oder die Richtige kommt. „Schließlich möchte auch ich hier gerne weiterhin meine Bratwurst essen“, sagt Marlies Schulder.

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