Kratzdisteln und Kornblumen: In Hille entstehen neue Blühwiesen Stefanie Dullweber Hille. Hermann Böhne hofft, dass seine Aktion viele Nachahmer findet. Das Ratsmitglied hat zusammen mit Gerd Tiemann einen etwa 220 Meter langen Blühstreifen am Mittellandkanal in der Ortschaft Hille angelegt. Und auch die Verwaltung hat sich zusammen mit dem Ingenieurbüro Ingus darum gekümmert, dass es in der Gemeinde blüht. An insgesamt 14 Trinkwasserbrunnen hat der Bauhof im vergangenen Jahr Blühmischungen gesät – das Ergebnis ist in diesem Jahr besonders schön. Blühstreifen am Kanal „Ich sehe es als Verpflichtung an, auf das Insektensterben aufmerksam zu machen“, sagt Hermann Böhne. Eine Studie von Forschern aus Krefeld im Herbst 2017 habe ihn aufgerüttelt. Die Experten seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zahl der Fluginsekten seit knapp drei Jahrzehnten um 75 Prozent zurückgegangen sei. Grund seien vor allem chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft, aber auch Monokulturen, die weniger Nahrungs- und Lebensraum bieten. Hermann Böhne findet, dass seine Funktion als Bauausschuss-Vorsitzender auch etwas mit Naturschutz zu tun hat und freut sich, dass sich auch Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) und sein Ratskollege Heinz Grannemann ein Bild von der Arbeit vor Ort machen. „Am besten funktioniert Ehrenamt an konkreten Projekten“, findet Schweiß. Und, wenn Ehrenamtliche sich einbringen, könne man gemeinsam die Gemeinde voranbringen. Für Böhne ist es bereits das dritte Projekt dieser Art. Die Kurve beim Gasthaus „Zum Timpen“ hat er bereits zum Blühen gebracht und auch am von-Oeynhauseschen-Hof hat der ehemalige Vorsitzende des Heimat- und Gartenbauvereins eine Blühwiese angelegt. Für das Projekt am Kanal hat die Gemeinde die Grasnarbe abgezogen, bevor Gerhard Tiemann die Fläche mit seinem Trecker bearbeitet hat. Abschließend sind vier Kilogramm Saatgut verteilt worden. „Es handelt sich um eine Mischung, die speziell für diese Region zusammengestellt wurde“, erklärt Bauhofleiterin Dagmar Meinert und nennt Wildblumen wie die „Wilde Möhre“, den Gewöhnlichen Natternkopf oder die „Acker-Witwenblume“. Aber auch Kratzdistel und Kornblumen finden sich in der Saatgutmischung. Dagmar Meinert appelliert an die Bürger, sich zu melden, sollte sie weitere Ideen für Blühstreifen haben, oder Fragen zum Anlegen eines solchen. Blütenmeer an Brunnen In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hille und dem Ingenieurbüro Ingus wurden an den Trinkwasserbrunnen des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) „Am Wiehen“ im Frühjahr 2019 unterschiedliche Blühmischungen gesät. „Meist sehen die Flächen erst im zweiten Jahr richtig gut aus“, sagt Bauhofleiterin Dagmar Meinert. So kämen sie nicht nur Insekten zugute, sondern erfreuten auch Spaziergänger. Neu angebrachte Hinweisschilder machen jetzt auf den Nutzen der Flächen aufmerksam. In den vergangenen Jahren sei das öffentliche Interesse am Insektenschutz deutlich größer geworden. So sei auch beim WBV die Idee entstanden, eigene Flächen sinnvoll zu nutzen, wie die beiden Geschäftsführer Holger Freymuth und Stefan Wiese mitteilen. An 14 der 21 Trinkwasserförderbrunnen des Wasserschutzgebietes Hille-Südhemmern seien daraufhin sieben verschiedene Mischungen mehrjähriger Wildpflanzen angesät worden. Aufgrund der Dürre waren die Bedingungen jedoch nicht optimal. Zudem habe es wegen der generell hohen Nachfrage Lieferschwierigkeiten gegeben. Trotzdem hätten sich die Flächen gut entwickelt. Die naturnahen Saumbiotope seien keine akkuraten Blumenbeete, sondern ein Miteinander aus bunten Blüten und Gräsern, sagt Dagmar Meinert. Die Streifen bilden den Übergang von den umzäunten Gehölzen im Bereich der Brunnen zur umliegenden Ackerfläche. Die Blühmischungen seien so ausgewählt, dass möglichst bis in den Herbst hinein Blüten als Nahrungsquelle für Insekten zur Verfügung stehen. „Das Angebot für Bienen auf Feldern und in Gärten nimmt im Spätsommer und Herbst stark ab.“ Tipps für das Anlegen von Blühwiesen: Wer auf seinem Grundstück oder am Wegesrand einen Blühstreifen beziehungsweise eine Blühwiese anlegen möchte, sollte einige Dinge beachten. Die wichtigsten Tipps fasst Bauhofleiterin Dagmar Meinert zusammen: 1. Die Einsaatfläche muss möglichst unkrautfrei sein – falls möglich, sollte der Bereich mit Sand oder Splitt abgemagert werden. Das sorgt dafür, dass nährstoffliebende Gräser besser verdrängt werden können. 2. Für eine blütenreiche und vielfältige Wiese empfiehlt es sich, standortgerechtes Saatgut zu verwenden – dieses sollte möglichst aus der Region kommen. Es gibt zertifizierte Saatguthersteller, bei denen die passenden Mischungen bestellt werden können. 3. Im ersten Jahr ist vor allem Geduld gefragt – das beste Blütenergebnis zeigt sich häufig erst im zweiten Jahr. Die Flächen müssen auch nicht zwingend gewässert werden, da die Mischungen eher anspruchslos sind. Weitere Tipps erhalten Interessierte bei Dagmar Meinert unter Telefon (05 71) 40 44 162.

Kratzdisteln und Kornblumen: In Hille entstehen neue Blühwiesen

Hermann Böhne (links) und Gerhard Tiemann (Mitte) haben am Mittellandkanal einen Blühstreifen angelegt. Heinz Grannemann hat sich die Arbeiten vor Ort angeschaut. MT- © Foto: Stefanie Dullweber

Hille. Hermann Böhne hofft, dass seine Aktion viele Nachahmer findet. Das Ratsmitglied hat zusammen mit Gerd Tiemann einen etwa 220 Meter langen Blühstreifen am Mittellandkanal in der Ortschaft Hille angelegt. Und auch die Verwaltung hat sich zusammen mit dem Ingenieurbüro Ingus darum gekümmert, dass es in der Gemeinde blüht. An insgesamt 14 Trinkwasserbrunnen hat der Bauhof im vergangenen Jahr Blühmischungen gesät – das Ergebnis ist in diesem Jahr besonders schön.

Blühstreifen am Kanal

„Ich sehe es als Verpflichtung an, auf das Insektensterben aufmerksam zu machen“, sagt Hermann Böhne. Eine Studie von Forschern aus Krefeld im Herbst 2017 habe ihn aufgerüttelt. Die Experten seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zahl der Fluginsekten seit knapp drei Jahrzehnten um 75 Prozent zurückgegangen sei. Grund seien vor allem chemische Spritzmittel in der Landwirtschaft, aber auch Monokulturen, die weniger Nahrungs- und Lebensraum bieten.

Mit Hinweistafeln werden die Bürger über die Blühstreifen an den Trinkwasser-Förderbrunnen informiert. - © Foto: privat
Mit Hinweistafeln werden die Bürger über die Blühstreifen an den Trinkwasser-Förderbrunnen informiert. - © Foto: privat

Hermann Böhne findet, dass seine Funktion als Bauausschuss-Vorsitzender auch etwas mit Naturschutz zu tun hat und freut sich, dass sich auch Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) und sein Ratskollege Heinz Grannemann ein Bild von der Arbeit vor Ort machen. „Am besten funktioniert Ehrenamt an konkreten Projekten“, findet Schweiß. Und, wenn Ehrenamtliche sich einbringen, könne man gemeinsam die Gemeinde voranbringen.

Für Böhne ist es bereits das dritte Projekt dieser Art. Die Kurve beim Gasthaus „Zum Timpen“ hat er bereits zum Blühen gebracht und auch am von-Oeynhauseschen-Hof hat der ehemalige Vorsitzende des Heimat- und Gartenbauvereins eine Blühwiese angelegt. Für das Projekt am Kanal hat die Gemeinde die Grasnarbe abgezogen, bevor Gerhard Tiemann die Fläche mit seinem Trecker bearbeitet hat. Abschließend sind vier Kilogramm Saatgut verteilt worden. „Es handelt sich um eine Mischung, die speziell für diese Region zusammengestellt wurde“, erklärt Bauhofleiterin Dagmar Meinert und nennt Wildblumen wie die „Wilde Möhre“, den Gewöhnlichen Natternkopf oder die „Acker-Witwenblume“. Aber auch Kratzdistel und Kornblumen finden sich in der Saatgutmischung.

Dagmar Meinert appelliert an die Bürger, sich zu melden, sollte sie weitere Ideen für Blühstreifen haben, oder Fragen zum Anlegen eines solchen.

Blütenmeer an Brunnen

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hille und dem Ingenieurbüro Ingus wurden an den Trinkwasserbrunnen des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) „Am Wiehen“ im Frühjahr 2019 unterschiedliche Blühmischungen gesät. „Meist sehen die Flächen erst im zweiten Jahr richtig gut aus“, sagt Bauhofleiterin Dagmar Meinert. So kämen sie nicht nur Insekten zugute, sondern erfreuten auch Spaziergänger. Neu angebrachte Hinweisschilder machen jetzt auf den Nutzen der Flächen aufmerksam.

In den vergangenen Jahren sei das öffentliche Interesse am Insektenschutz deutlich größer geworden. So sei auch beim WBV die Idee entstanden, eigene Flächen sinnvoll zu nutzen, wie die beiden Geschäftsführer Holger Freymuth und Stefan Wiese mitteilen. An 14 der 21 Trinkwasserförderbrunnen des Wasserschutzgebietes Hille-Südhemmern seien daraufhin sieben verschiedene Mischungen mehrjähriger Wildpflanzen angesät worden. Aufgrund der Dürre waren die Bedingungen jedoch nicht optimal. Zudem habe es wegen der generell hohen Nachfrage Lieferschwierigkeiten gegeben. Trotzdem hätten sich die Flächen gut entwickelt.

Die naturnahen Saumbiotope seien keine akkuraten Blumenbeete, sondern ein Miteinander aus bunten Blüten und Gräsern, sagt Dagmar Meinert. Die Streifen bilden den Übergang von den umzäunten Gehölzen im Bereich der Brunnen zur umliegenden Ackerfläche. Die Blühmischungen seien so ausgewählt, dass möglichst bis in den Herbst hinein Blüten als Nahrungsquelle für Insekten zur Verfügung stehen. „Das Angebot für Bienen auf Feldern und in Gärten nimmt im Spätsommer und Herbst stark ab.“

Tipps für das Anlegen von Blühwiesen:

Wer auf seinem Grundstück oder am Wegesrand einen Blühstreifen beziehungsweise eine Blühwiese anlegen möchte, sollte einige Dinge beachten. Die wichtigsten Tipps fasst Bauhofleiterin Dagmar Meinert zusammen:

1. Die Einsaatfläche muss möglichst unkrautfrei sein – falls möglich, sollte der Bereich mit Sand oder Splitt abgemagert werden. Das sorgt dafür, dass nährstoffliebende Gräser besser verdrängt werden können.

2. Für eine blütenreiche und vielfältige Wiese empfiehlt es sich, standortgerechtes Saatgut zu verwenden – dieses sollte möglichst aus der Region kommen. Es gibt zertifizierte Saatguthersteller, bei denen die passenden Mischungen bestellt werden können.

3. Im ersten Jahr ist vor allem Geduld gefragt – das beste Blütenergebnis zeigt sich häufig erst im zweiten Jahr. Die Flächen müssen auch nicht zwingend gewässert werden, da die Mischungen eher anspruchslos sind. Weitere Tipps erhalten Interessierte bei Dagmar Meinert unter Telefon (05 71) 40 44 162.

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