„Keine Riesenvorräte anlegen“: Lieber Regional statt Hamsterkäufe - Landfrau gibt Tipps für gesunde Ernährung Ingrun Waschneck Hille. Wer in diesen Wochen Weizenmehl kaufen möchte, steht, wenn er Pech hat, vor einem leeren Regal im Supermarkt. Oder, mit etwas mehr Glück, darf er ein oder zwei Pakete mitnehmen. Wie sinnvoll es ist, Weizenmehl oder Sonnenblumenöl zu hamstern und welche Ersatzprodukte es gibt, erzählt die Landfrau Eva Maria Meier aus Hille im Interview. Wie erklären Sie sich den Ansturm auf das Weizenmehl? Die Menschen haben Sorge, aufgrund des Ukraine-Konfliktes kein Mehl mehr zu bekommen. Dabei kriegen wir kein Mehl aus diesem Land. Backmehl ist nicht wirklich knapp. Es gibt eine echte und eine gefühlte Verknappung. Es ist knapp, weil alle zugreifen. In Deutschland gibt es jedoch genug Mehl. Und keiner braucht 100 Kilo Mehl zu Hause. Wenn ich einen Kuchen backen möchte, aber kein Weizenmehl bekomme, was bietet sich als Ersatz an? Man kann auf Dinkelmehl ausweichen. Das verhält sich jedoch etwas anders als Weizenmehl, weil es mehr Klebereiweiß enthält. Und wie sieht es mit Brot und Brötchen aus? Wer sein Brot selbst backt, sollte das wie gewohnt weitermachen. Und wer jetzt damit beginnen möchte, kann sich beispielsweise im Internet Anleitungen anschauen. Da wird sogar erklärt, wie man einen Sauerteig selbst ansetzt. Ein gutes Brot lässt sich mit wenig Aufwand machen. Wer den Teig lange, etwa über Nacht, gären lässt, erhält ein gut bekömmliches Brot. Und wer sein Brot lieber kauft? Die Deutschen essen im Vergleich viel Brot und Backwaren. Es bietet sich an, ein ganzes Brot mit hohem Roggenanteil zu kaufen, weil es länger frisch hält. Alternativ kann eine Hälfte aber auch eingefroren werden. Backshop oder Bioladen? Backwaren aus einem Backshop werden oft mit Enzymen angereichert, damit sie schon nach kurzer Gehzeit gebacken werden können. Das wird aber nicht von jedem gut vertragen. Ein Brot, das eine lange Ruhezeit hatte, ist gesünder. Wer sein Brot im Bioladen kauft, erhält zudem Bioqualität. Einer meiner Grundsätze lautet: Billig kann teuer sein. Neben Weizenmehl ist auch Sonnenblumenöl zurzeit fast immer ausverkauft. Können Sie eine Alternative empfehlen? Sonnenblumenöl lässt sich gut durch Rapsöl ersetzen. Es ist geschmacksneutral und zum Erhitzen geeignet. Grundsätzlich gilt, dass Öl nicht dick macht. Die Fettsäuren, die im Öl enthalten sind, sind wichtige Bausteine, die der Körper benötigt. Man sollte also nicht darauf verzichten. Viele Produkte werden in unserer Region produziert. Ja, heimische Produkte zu kaufen, ist sinnvoll. Man sollte jedoch keine Riesenvorräte anlegen, von denen irgendwann die Hälfte weggeworfen werden muss, weil das Verfallsdatum abgelaufen ist. Es ist genug da. Und was halten Sie als Diplom-Ökotrophologin von Fertigprodukten? Die sollte man eher vermeiden und lieber selbst frisch kochen. Es gibt viele Gerichte, die schnell zubereitet sind. Und dabei sollte man saisonale und regionale Produkte verwenden. Das ist besser für die Umwelt, den Menschen und das Portemonnaie. Was in der Gemüseabteilung jetzt günstig ist – zugreifen. Aktuell kommen gerade die ersten Radieschen und Frühlingszwiebeln auf den Markt. Woran erkenne ich denn ein gutes Lebensmittel? Das beste Lebensmittel hat kein Etikett. Je länger die Liste mit den Inhaltsstoffen ist, desto vorsichtiger sollte man sein. Mehl ist Mehl und eine Tomate ist eine Tomate. Haben Sie einen Tipp für ein gesundes Frühstück? Haferflocken mit Milch oder Joghurt und frischem Obst der Saison, oder, die warme Variante, Porridge. Auch heimische Gerstenprodukte bieten sich an. Der Landfrauenservice bietet regelmäßig Kochkurse an. Ja, in unserer Küche verwenden wir das Obst und Gemüse, das gerade Saison hat. Auf exotische Zutaten verzichten wir zugunsten der Nachhaltigkeit. Im Kurs am 17. Mai geht es um Wilde Maikräuter, am 3. Juni backen wir Zupfbrote. Neben den angebotenen Kursen bieten wir auch Kurse für Gruppen ab sechs Personen an, die an einem bestimmten Thema interessiert sind. Weitere Infos gibt es unter Tel. (0 57 41) 85 23 oder per E-Mail an landfrauenservice@t-online.de.

„Keine Riesenvorräte anlegen“: Lieber Regional statt Hamsterkäufe - Landfrau gibt Tipps für gesunde Ernährung

Als guten Start in den Tag empfiehlt Eva Maria Meier Haferflocken mit Joghurt und Obst zum Frühstück.
Foto: Ingrun Waschneck

Hille. Wer in diesen Wochen Weizenmehl kaufen möchte, steht, wenn er Pech hat, vor einem leeren Regal im Supermarkt. Oder, mit etwas mehr Glück, darf er ein oder zwei Pakete mitnehmen. Wie sinnvoll es ist, Weizenmehl oder Sonnenblumenöl zu hamstern und welche Ersatzprodukte es gibt, erzählt die Landfrau Eva Maria Meier aus Hille im Interview.

Wie erklären Sie sich den Ansturm auf das Weizenmehl?

Die Menschen haben Sorge, aufgrund des Ukraine-Konfliktes kein Mehl mehr zu bekommen. Dabei kriegen wir kein Mehl aus diesem Land. Backmehl ist nicht wirklich knapp. Es gibt eine echte und eine gefühlte Verknappung. Es ist knapp, weil alle zugreifen. In Deutschland gibt es jedoch genug Mehl. Und keiner braucht 100 Kilo Mehl zu Hause.


Wenn ich einen Kuchen backen möchte, aber kein Weizenmehl bekomme, was bietet sich als Ersatz an?

Man kann auf Dinkelmehl ausweichen. Das verhält sich jedoch etwas anders als Weizenmehl, weil es mehr Klebereiweiß enthält.

Und wie sieht es mit Brot und Brötchen aus?

Wer sein Brot selbst backt, sollte das wie gewohnt weitermachen. Und wer jetzt damit beginnen möchte, kann sich beispielsweise im Internet Anleitungen anschauen. Da wird sogar erklärt, wie man einen Sauerteig selbst ansetzt. Ein gutes Brot lässt sich mit wenig Aufwand machen. Wer den Teig lange, etwa über Nacht, gären lässt, erhält ein gut bekömmliches Brot.

Und wer sein Brot lieber kauft?

Die Deutschen essen im Vergleich viel Brot und Backwaren. Es bietet sich an, ein ganzes Brot mit hohem Roggenanteil zu kaufen, weil es länger frisch hält. Alternativ kann eine Hälfte aber auch eingefroren werden.

Backshop oder Bioladen?

Backwaren aus einem Backshop werden oft mit Enzymen angereichert, damit sie schon nach kurzer Gehzeit gebacken werden können. Das wird aber nicht von jedem gut vertragen. Ein Brot, das eine lange Ruhezeit hatte, ist gesünder. Wer sein Brot im Bioladen kauft, erhält zudem Bioqualität. Einer meiner Grundsätze lautet: Billig kann teuer sein.

Neben Weizenmehl ist auch Sonnenblumenöl zurzeit fast immer ausverkauft. Können Sie eine Alternative empfehlen?

Sonnenblumenöl lässt sich gut durch Rapsöl ersetzen. Es ist geschmacksneutral und zum Erhitzen geeignet. Grundsätzlich gilt, dass Öl nicht dick macht. Die Fettsäuren, die im Öl enthalten sind, sind wichtige Bausteine, die der Körper benötigt. Man sollte also nicht darauf verzichten.

Viele Produkte werden in unserer Region produziert.

Ja, heimische Produkte zu kaufen, ist sinnvoll. Man sollte jedoch keine Riesenvorräte anlegen, von denen irgendwann die Hälfte weggeworfen werden muss, weil das Verfallsdatum abgelaufen ist. Es ist genug da.

Und was halten Sie als Diplom-Ökotrophologin von Fertigprodukten?

Die sollte man eher vermeiden und lieber selbst frisch kochen. Es gibt viele Gerichte, die schnell zubereitet sind. Und dabei sollte man saisonale und regionale Produkte verwenden. Das ist besser für die Umwelt, den Menschen und das Portemonnaie. Was in der Gemüseabteilung jetzt günstig ist – zugreifen. Aktuell kommen gerade die ersten Radieschen und Frühlingszwiebeln auf den Markt.

Woran erkenne ich denn ein gutes Lebensmittel?

Das beste Lebensmittel hat kein Etikett. Je länger die Liste mit den Inhaltsstoffen ist, desto vorsichtiger sollte man sein. Mehl ist Mehl und eine Tomate ist eine Tomate.

Haben Sie einen Tipp für ein gesundes Frühstück?

Haferflocken mit Milch oder Joghurt und frischem Obst der Saison, oder, die warme Variante, Porridge. Auch heimische Gerstenprodukte bieten sich an.

Der Landfrauenservice bietet regelmäßig Kochkurse an.

Ja, in unserer Küche verwenden wir das Obst und Gemüse, das gerade Saison hat. Auf exotische Zutaten verzichten wir zugunsten der Nachhaltigkeit. Im Kurs am 17. Mai geht es um Wilde Maikräuter, am 3. Juni backen wir Zupfbrote. Neben den angebotenen Kursen bieten wir auch Kurse für Gruppen ab sechs Personen an, die an einem bestimmten Thema interessiert sind. Weitere Infos gibt es unter Tel. (0 57 41) 85 23 oder per E-Mail an landfrauenservice@t-online.de.

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