Keine PS-Protzerei: Fahrer beweisen in Hille Geschick und Präzision Michael Grundmeier Hille (mig). Laura ist tief in ihre kleine Welt versunken. Ganz gemütlich hockt sie auf ihrem Karussellpferd und lässt sich treiben. Runde um Runde zieht sie ihre Kreise – mehr als eine Pferdestärke braucht es dafür nicht. Etwas schneller sind die Teilnehmer des 44. Westdeutschen ADAC Turniersport Endlaufs unterwegs. Die Fahrer jagen durch einen Parcours – für Kontemplation bleibt da keine Zeit. Für Konzentration aber schon, wie Michael Burgrichter vom Motorsportclub Rothenuffeln ausführt. „Einfach nur schnell fahren reicht hier nicht“, sagt er. Wer hier vorne mit fahren wolle, müsse seinen Wagen mit „großem Geschick und viel Präzision“ bedienen können. Es geht darum, die Aufgaben zentimetergenau zu lösen, um Fahrzeugkontrolle“. Laut Baurichter ist dieser Sport im Grunde gerade auch für junge Menschen geeignet: „Die lernen ihr Auto richtig kennen, wo es anfängt und wo es aufhört,“ sagt Baurichter. Wenn sie dann in den Straßenverkehr kämen seien sie gut vorbereitet. Quietschende oder sogar durchdrehende Reifen sind an diesem Tag übrigens nur ganz selten zu hören. Die Fahrer wissen, wann sie beschleunigen können und wann besser nicht. Ziel ist die absolute Kontrolle, nicht der Geschwindigkeitswahn. 43 Fahrer sind gegeneinander angetreten – darunter zehn Frauen. Ist das viel? Oder wenig? Einer, der die Zahlen einzuordnen weiß, ist Manuel Rehrmann, der seine Frau nach Hille begleitet hat. Rehrmann sitzt auf einem kleinen Strandstuhl an der Seitenlinie und feuert die Fahrerin an. Sein Eindruck sei, dass „immer mehr Frauen Motorsport betreiben und das teilweise genauso oder besser als die Männer“. Für seine Verlobte sei der Sport jedenfalls ideal: „Hier geht es nicht um PS-Protzerei, sondern um Geschick und davon haben Frauen ziemlich viel“, meint Rehrmann und schmunzelt. Probleme mit den Männern habe es bisher nicht gegeben, so Rehrmann weiter. Das liegt vielleicht am Sport. Hier geht es nicht so um PS, mehr um Präzision“. Eine andere Sportlerin ist gerade in den Rundkurs gefahren. Tomke Marten mit ihrem VW Polo 6N2 schießt Richtung Fahrgasse – und manövriert dann vorsichtig an den einzelnen Klötzchen vorbei. Ein schwieriges Unterfangen! Und auch die nächste Aufgabe meistert die Fahrerin ohne Probleme: eine Vollbremsung bis kurz vor eine Wand. Das ist Millimeterarbeit. Nach insgesamt neun Stationen (darunter Wenden doppelt oder Einparken rechts) kommt die Stopplinie. Hier muss der Fahrer sein Fahrzeug innerhalb eines Bereichs von 30 Zentimetern zum Stehen bringen. Eine Lichtschranke überprüft, ob alles seine Richtigkeit hat. „Wer ganz oben auf dem Treppchen stehen will, darf keine Fehler machen und muss außerdem noch schnell sein“, erklärt Michael Baurichter. Wobei: Um schnelles Fahren geht es dabei nicht. „Durch den Sport werden die Sportler auch im Straßenverkehr sicherer“, sagt Baurichter. Und betont, dass jeder den Turniersport einmal in der Anfängerklasse ausprobieren könne. „Auf diese Weise lernt man sein Auto besser kennen.“ Tomke Marten ist an diesem Nachmittag nicht ganz zufrieden mit ihrem Lauf. Drei Fehler sind unterm Strich nicht viel – „aber nicht genug, um oben dabei zu sein“, meint sie und lächelt. Wirklich schlimm findet Tomke das aber nicht. Mit 16 Jahren begann sie Card-Slalom zu fahren, ihr Vater war der Vorsitzende des örtlichen Motorsportclubs. „Da bin ich so reingewachsen“. Ihr mache das Fahren einfach Spaß, „weil ich Benzin im Blut habe“ und zum anderen, „weil man hier Fahrer aus ganz Deutschland trifft“. „Wir haben hier eine echt gute Gemeinschaft, die ich nicht missen möchte“, sagt die Fahrerin aus dem Osnabrücker Land. Natürlich: „Gewinnen will ich schon, aber ich gönne es auch allen anderen. Ehrgeiz haben wir sicherlich alle, aber Neid gibt es hier nicht“. Die Turniersport-Szene sei eine in der „sehr unterschiedliche Typen mitfahren“. Eines aber eine sie alle: „Die Liebe zum Fahrzeug und zum sicheren Fahren.“

Keine PS-Protzerei: Fahrer beweisen in Hille Geschick und Präzision

Eine Kirmes mit vielen Buden lieferte den passenden Rahmen für den Hiller Herbstmarkt. Fotos: Michael Grundmeier © Picasa

Hille (mig). Laura ist tief in ihre kleine Welt versunken. Ganz gemütlich hockt sie auf ihrem Karussellpferd und lässt sich treiben. Runde um Runde zieht sie ihre Kreise – mehr als eine Pferdestärke braucht es dafür nicht. Etwas schneller sind die Teilnehmer des 44. Westdeutschen ADAC Turniersport Endlaufs unterwegs. Die Fahrer jagen durch einen Parcours – für Kontemplation bleibt da keine Zeit. Für Konzentration aber schon, wie Michael Burgrichter vom Motorsportclub Rothenuffeln ausführt. „Einfach nur schnell fahren reicht hier nicht“, sagt er.

Wer hier vorne mit fahren wolle, müsse seinen Wagen mit „großem Geschick und viel Präzision“ bedienen können. Es geht darum, die Aufgaben zentimetergenau zu lösen, um Fahrzeugkontrolle“. Laut Baurichter ist dieser Sport im Grunde gerade auch für junge Menschen geeignet: „Die lernen ihr Auto richtig kennen, wo es anfängt und wo es aufhört,“ sagt Baurichter. Wenn sie dann in den Straßenverkehr kämen seien sie gut vorbereitet.

An insgesamt neun verschiedenen Stationen mussten die Fahrer ihr Können unter Beweis stellen.
An insgesamt neun verschiedenen Stationen mussten die Fahrer ihr Können unter Beweis stellen.

Quietschende oder sogar durchdrehende Reifen sind an diesem Tag übrigens nur ganz selten zu hören. Die Fahrer wissen, wann sie beschleunigen können und wann besser nicht. Ziel ist die absolute Kontrolle, nicht der Geschwindigkeitswahn. 43 Fahrer sind gegeneinander angetreten – darunter zehn Frauen. Ist das viel? Oder wenig?

Einer, der die Zahlen einzuordnen weiß, ist Manuel Rehrmann, der seine Frau nach Hille begleitet hat. Rehrmann sitzt auf einem kleinen Strandstuhl an der Seitenlinie und feuert die Fahrerin an. Sein Eindruck sei, dass „immer mehr Frauen Motorsport betreiben und das teilweise genauso oder besser als die Männer“. Für seine Verlobte sei der Sport jedenfalls ideal: „Hier geht es nicht um PS-Protzerei, sondern um Geschick und davon haben Frauen ziemlich viel“, meint Rehrmann und schmunzelt. Probleme mit den Männern habe es bisher nicht gegeben, so Rehrmann weiter. Das liegt vielleicht am Sport. Hier geht es nicht so um PS, mehr um Präzision“.

Eine andere Sportlerin ist gerade in den Rundkurs gefahren. Tomke Marten mit ihrem VW Polo 6N2 schießt Richtung Fahrgasse – und manövriert dann vorsichtig an den einzelnen Klötzchen vorbei. Ein schwieriges Unterfangen! Und auch die nächste Aufgabe meistert die Fahrerin ohne Probleme: eine Vollbremsung bis kurz vor eine Wand. Das ist Millimeterarbeit. Nach insgesamt neun Stationen (darunter Wenden doppelt oder Einparken rechts) kommt die Stopplinie. Hier muss der Fahrer sein Fahrzeug innerhalb eines Bereichs von 30 Zentimetern zum Stehen bringen. Eine Lichtschranke überprüft, ob alles seine Richtigkeit hat. „Wer ganz oben auf dem Treppchen stehen will, darf keine Fehler machen und muss außerdem noch schnell sein“, erklärt Michael Baurichter. Wobei: Um schnelles Fahren geht es dabei nicht. „Durch den Sport werden die Sportler auch im Straßenverkehr sicherer“, sagt Baurichter. Und betont, dass jeder den Turniersport einmal in der Anfängerklasse ausprobieren könne. „Auf diese Weise lernt man sein Auto besser kennen.“

Tomke Marten ist an diesem Nachmittag nicht ganz zufrieden mit ihrem Lauf. Drei Fehler sind unterm Strich nicht viel – „aber nicht genug, um oben dabei zu sein“, meint sie und lächelt. Wirklich schlimm findet Tomke das aber nicht. Mit 16 Jahren begann sie Card-Slalom zu fahren, ihr Vater war der Vorsitzende des örtlichen Motorsportclubs. „Da bin ich so reingewachsen“. Ihr mache das Fahren einfach Spaß, „weil ich Benzin im Blut habe“ und zum anderen, „weil man hier Fahrer aus ganz Deutschland trifft“.

„Wir haben hier eine echt gute Gemeinschaft, die ich nicht missen möchte“, sagt die Fahrerin aus dem Osnabrücker Land. Natürlich: „Gewinnen will ich schon, aber ich gönne es auch allen anderen. Ehrgeiz haben wir sicherlich alle, aber Neid gibt es hier nicht“. Die Turniersport-Szene sei eine in der „sehr unterschiedliche Typen mitfahren“. Eines aber eine sie alle: „Die Liebe zum Fahrzeug und zum sicheren Fahren.“

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