Kein Kampf gegen Windmühlen: Südhemmern Schauplatz für Filmaufnahmen zu "Don Quijote" Kerstin Rickert Hille-Südhemmern. Die Mühlenflügel stehen still. Um sie herum kreist hörbar der Wind, der sich im nächsten Moment mit dem Rauschen eines alten Schwarz-Weiß-Fernsehers vermischt. Schritte sind zu hören. Zu sehen ist ein Mann, der sich langsam auf eine Windmühle zubewegt. „Miguel de Cervantes. Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“, spricht eine Stimme aus dem Off. So beginnt ein knapp zwölfminütiger Kurzfilm, den das Literaturbüro OWL produziert hat. Gedreht wurde er an und in der Windmühle Südhemmern. Geplant war das Projekt „Don Quijote reloaded“ aber eigentlich anders. Mit der Idee, Miguel de Cervantes berühmte tragikomische Geschichte von dem selbsternannten Rittersmann, der gegen Windmühlen kämpft, als zeitgemäßes Veranstaltungsformat zu präsentieren, war das Literaturbüro OWL im vergangenen Jahr an die Mühlengruppe Südhemmern herangetreten. „Schon mehrmals waren wir in der Vergangenheit mit Lesungen an der Windmühle Südhemmern zu Gast und haben sie als eine der schönsten Mühlen in der Region in Erinnerung behalten“, sagt Christin Harpering. Sie ist für den Detmolder Verein als Programmmitarbeiterin tätig und hat das Projekt „Don Quijote reloaded“ begleitet. Entwickelt wurde die Idee, Miguel de Cervantes’ Roman in Lesungen und Klangkompositionen in die heutige Zeit zu übersetzen. Das Mühlenensemble in Südhemmern biete dafür den passenden Rahmen. „Es sollte eine mehrteilige Veranstaltung an drei Stationen werden“, so Harpering über den ursprünglichen Plan. Eine Lesung des Schauspielers und Hörbuchsprechers Tom Jacobs, musikalische Begleitung und eine Klanginstallation, für die die Komponistin Antje Vowinckel aus Berlin den künstlerischen Auftrag erhalten hatte, sollten die Besucher im Frühjahr auf eine Erlebnisreise durch Mühle, Müllerhaus und Scheune mitnehmen. Doch die Kontaktbeschränkungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ließen das zum damaligen Zeitpunkt nicht zu. Höchstens fünf Besucher gleichzeitig hätten Vowinckels Klängen am Saxofon und denen von Trompeterin Sabine Ercklentz in der Mühle lauschen können. Insofern habe sich das Vorhaben leider nicht umsetzen lassen, sagt Christin Harpering: „An der Idee aber wollten wir gerne festhalten, und so haben wir das Projekt ins Digitale verlegt.“ Im April rückten die Detmolder samt Filmproduktionsteam aus Paderborn zum Drehen des Kurzfilms an. Alles habe hervorragend geklappt, sagt Harpering und lobt besonders die Zusammenarbeit mit der Mühlengruppe Südhemmern: „Da engagieren sich Leute, die man begeistern kann und die sehr gastfreundlich sind.“ „Natürlich waren wir traurig, hatten aber schon befürchtet, dass eine Präsenzveranstaltung sich nicht realisieren lässt“, blickt der Sprecher der Mühlengruppe, Andreas Schneider, zurück. Auf die besondere Lesung hätten sich die Betreiber der Mühle auch deshalb so sehr gefreut, da ja bereits im vergangenen Jahr keine Veranstaltungen möglich gewesen seien. „Da freut man sich natürlich über jede Möglichkeit, auch ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen. Eine Absage ist da nie schön“, so Schneider. Mit der Alternative, ein Video zu produzieren, habe die Mühlengruppe aber wenigstens „einen kleinen Beitrag zur Kultur leisten können“. Und eine bleibende Erinnerung sei auf diese Weise ja auch noch entstanden. Andreas Schneider hatte sogar einen Auftritt als Komparse. Weil Tom Jacobs an dem angesetzten Drehtag nicht dabei sein konnte, ist der Südhemmeraner in den Filmszenen von hinten, im Schatten oder halb zu sehen. Die Lesung aus Don Quijote, den Cervantes in seinem 1605 veröffentlichten Roman schuf, hat Jacobs an einem anderen Tag eingesprochen. Parallel zu dessen Worten erwachen der gegen Windmühlen kämpfende Junker und sein Knappe Sancho Panza in einem Schattenspiel auf dem erwähnten Fernseher zum Leben. Saxofon- und Trompetenklänge vermischen sich mit der geräuschvollen Arbeit der Mühle zur Klanginstallation „Mikroganten“. Stimmen von Menschen aus der Mancha gesellen sich dazu, die auf Spanisch von ihren Erinnerungen an den Helden erzählen, der zur Berühmtheit der Weltliteratur avancierte. Und dessen „Kampf gegen Windmühlen“ zum geflügelten Wort wurde für das vergebliche Bemühen um etwas, das aussichtslos erscheint. In diesem Fall hat die Suche nach einem anderen Weg letztlich doch noch zu einem Ergebnis geführt – auch wenn das eigentlich anders geplant war.

Kein Kampf gegen Windmühlen: Südhemmern Schauplatz für Filmaufnahmen zu "Don Quijote"

Hille-Südhemmern. Die Mühlenflügel stehen still. Um sie herum kreist hörbar der Wind, der sich im nächsten Moment mit dem Rauschen eines alten Schwarz-Weiß-Fernsehers vermischt. Schritte sind zu hören. Zu sehen ist ein Mann, der sich langsam auf eine Windmühle zubewegt. „Miguel de Cervantes. Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“, spricht eine Stimme aus dem Off. So beginnt ein knapp zwölfminütiger Kurzfilm, den das Literaturbüro OWL produziert hat. Gedreht wurde er an und in der Windmühle Südhemmern. Geplant war das Projekt „Don Quijote reloaded“ aber eigentlich anders.

Den Verantwortlichen des Literaturbüros war die Windmühle Südhemmern als eine der schönsten in der Region im Gedächtnis geblieben. Deshalb wählten sie das Objekt als Schauplatz aus. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Den Verantwortlichen des Literaturbüros war die Windmühle Südhemmern als eine der schönsten in der Region im Gedächtnis geblieben. Deshalb wählten sie das Objekt als Schauplatz aus. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

Mit der Idee, Miguel de Cervantes berühmte tragikomische Geschichte von dem selbsternannten Rittersmann, der gegen Windmühlen kämpft, als zeitgemäßes Veranstaltungsformat zu präsentieren, war das Literaturbüro OWL im vergangenen Jahr an die Mühlengruppe Südhemmern herangetreten. „Schon mehrmals waren wir in der Vergangenheit mit Lesungen an der Windmühle Südhemmern zu Gast und haben sie als eine der schönsten Mühlen in der Region in Erinnerung behalten“, sagt Christin Harpering. Sie ist für den Detmolder Verein als Programmmitarbeiterin tätig und hat das Projekt „Don Quijote reloaded“ begleitet. Entwickelt wurde die Idee, Miguel de Cervantes’ Roman in Lesungen und Klangkompositionen in die heutige Zeit zu übersetzen. Das Mühlenensemble in Südhemmern biete dafür den passenden Rahmen.

„Es sollte eine mehrteilige Veranstaltung an drei Stationen werden“, so Harpering über den ursprünglichen Plan. Eine Lesung des Schauspielers und Hörbuchsprechers Tom Jacobs, musikalische Begleitung und eine Klanginstallation, für die die Komponistin Antje Vowinckel aus Berlin den künstlerischen Auftrag erhalten hatte, sollten die Besucher im Frühjahr auf eine Erlebnisreise durch Mühle, Müllerhaus und Scheune mitnehmen. Doch die Kontaktbeschränkungen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ließen das zum damaligen Zeitpunkt nicht zu.


Höchstens fünf Besucher gleichzeitig hätten Vowinckels Klängen am Saxofon und denen von Trompeterin Sabine Ercklentz in der Mühle lauschen können. Insofern habe sich das Vorhaben leider nicht umsetzen lassen, sagt Christin Harpering: „An der Idee aber wollten wir gerne festhalten, und so haben wir das Projekt ins Digitale verlegt.“ Im April rückten die Detmolder samt Filmproduktionsteam aus Paderborn zum Drehen des Kurzfilms an. Alles habe hervorragend geklappt, sagt Harpering und lobt besonders die Zusammenarbeit mit der Mühlengruppe Südhemmern: „Da engagieren sich Leute, die man begeistern kann und die sehr gastfreundlich sind.“

„Natürlich waren wir traurig, hatten aber schon befürchtet, dass eine Präsenzveranstaltung sich nicht realisieren lässt“, blickt der Sprecher der Mühlengruppe, Andreas Schneider, zurück. Auf die besondere Lesung hätten sich die Betreiber der Mühle auch deshalb so sehr gefreut, da ja bereits im vergangenen Jahr keine Veranstaltungen möglich gewesen seien. „Da freut man sich natürlich über jede Möglichkeit, auch ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen. Eine Absage ist da nie schön“, so Schneider. Mit der Alternative, ein Video zu produzieren, habe die Mühlengruppe aber wenigstens „einen kleinen Beitrag zur Kultur leisten können“. Und eine bleibende Erinnerung sei auf diese Weise ja auch noch entstanden.

Andreas Schneider hatte sogar einen Auftritt als Komparse. Weil Tom Jacobs an dem angesetzten Drehtag nicht dabei sein konnte, ist der Südhemmeraner in den Filmszenen von hinten, im Schatten oder halb zu sehen. Die Lesung aus Don Quijote, den Cervantes in seinem 1605 veröffentlichten Roman schuf, hat Jacobs an einem anderen Tag eingesprochen. Parallel zu dessen Worten erwachen der gegen Windmühlen kämpfende Junker und sein Knappe Sancho Panza in einem Schattenspiel auf dem erwähnten Fernseher zum Leben.

Saxofon- und Trompetenklänge vermischen sich mit der geräuschvollen Arbeit der Mühle zur Klanginstallation „Mikroganten“. Stimmen von Menschen aus der Mancha gesellen sich dazu, die auf Spanisch von ihren Erinnerungen an den Helden erzählen, der zur Berühmtheit der Weltliteratur avancierte. Und dessen „Kampf gegen Windmühlen“ zum geflügelten Wort wurde für das vergebliche Bemühen um etwas, das aussichtslos erscheint. In diesem Fall hat die Suche nach einem anderen Weg letztlich doch noch zu einem Ergebnis geführt – auch wenn das eigentlich anders geplant war.

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