Kältester April seit 1977 im Mühlenkreis Hille. „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, wer kennt nicht das Volkslied mit den Worten von Emanuel Geibel in der Vertonung von Justus Wilhelm Lyra, das am Ende der „Kleinen Eiszeit“ 1843 veröffentlicht wurde? In der Tat war damals der Vegetationsbeginn der Bäume im Durchschnitt Anfang Mai, seit dem hat sich der Beginn der Vegetationsperiode um durchschnittlich rund zwei Wochen nach vorne geschoben. Doch dieses Jahr hat die erste Zeile des Liedes seine volle Gültigkeit. Kein Wunder, denn der April ist im Mühlenkreis mehr als drei Grad zu kalt ausgefallen gegenüber dem neuen Klimamittel 1991 bis 2020 und sogar um knapp zwei Grad gegenüber dem „alten“, kälteren Klimamittel 1961 bis 1990. Dementsprechend hinkt die Vegetation rund zwei Wochen gegenüber dem letzten Jahr hinterher. Insgesamt haben wir im Mühlenkreis den kältesten April seit 1977, in anderen Teilen Ostwestfalens sogar seit 1973 erlebt. Neue Rekorde wurden aber nicht erreicht. An der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Rahden ordnet sich der April in der 70-jährigen Messreihe auf Rang 6 in der Rubrik Kälte ein. Die Sonnenscheindauer fiel mit rund 170 bis 180 Stunden durchschnittlich aus. Auch der Niederschlag erfüllte in etwa sein Soll; an der östlichen Kreisgrenze sowie im Raum Espelkamp und Stemwede war es teils leicht zu trocken. Zudem wurden in Rahden zwölf Frosttage registriert. Zu Monatsbeginn waren Schneefälle ein Thema und in Richtung Wiehengebirge wurden morgens Schneehöhen um zwei bis drei Zentimeter gemessen. Die langanhaltende Kältewelle hat ihre Ursache in dem seit mehreren Monaten stabilen Strömungsmuster des Jetstreams, einem Starkwindband in der oberen Troposphäre, mit dem Hoch- und Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa gelangen. Normalerweise liegt dieses Starkwindband in West-Ost-Richtung über uns, so dass sich vom Atlantik her die Tiefdruckgebiete die Klinke in die Hand geben. Doch seit geraumer Zeit ist der Jetstream so stark verwellt, dass er mehr in ein Nord-Süd ausgerichtetes, mäandrierendes Muster ausgelegt ist. Zeitweise ähnelt die Lage nach dem griechischen Buchstaben Omega, die Meteorologie spricht von „Omega-Wetterlage“. Diese sind sehr stabil. Mitteleuropa lag die meiste Zeit in den letzten Wochen und Monaten auf der kalten Seite des Jetstreams, was zu Wind aus nördlichen bis östlichen Gefilden führte und der ist zu dieser Jahreszeit kalt. Im Februar und März war das der Fall, kurzzeitig kamen wir in den warmen südlichen Ast des Jetstreams, was zu neuen Temperaturrekorden führte. Für die erste Maiwoche deutet sich für die Jahreszeit deutlich zu kühles Wetter an. Vorerst gibt es kein Entrinnen aus der stabilen Wetterlage.

Kältester April seit 1977 im Mühlenkreis

Der diesjährige April liegt hinsichtlich der Kälte auf Rang 6 in der 70-jährigen Messreihe. Foto: Pixabay © Pixabay

Hille. „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, wer kennt nicht das Volkslied mit den Worten von Emanuel Geibel in der Vertonung von Justus Wilhelm Lyra, das am Ende der „Kleinen Eiszeit“ 1843 veröffentlicht wurde? In der Tat war damals der Vegetationsbeginn der Bäume im Durchschnitt Anfang Mai, seit dem hat sich der Beginn der Vegetationsperiode um durchschnittlich rund zwei Wochen nach vorne geschoben. Doch dieses Jahr hat die erste Zeile des Liedes seine volle Gültigkeit.

Kein Wunder, denn der April ist im Mühlenkreis mehr als drei Grad zu kalt ausgefallen gegenüber dem neuen Klimamittel 1991 bis 2020 und sogar um knapp zwei Grad gegenüber dem „alten“, kälteren Klimamittel 1961 bis 1990. Dementsprechend hinkt die Vegetation rund zwei Wochen gegenüber dem letzten Jahr hinterher. Insgesamt haben wir im Mühlenkreis den kältesten April seit 1977, in anderen Teilen Ostwestfalens sogar seit 1973 erlebt. Neue Rekorde wurden aber nicht erreicht.

An der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Rahden ordnet sich der April in der 70-jährigen Messreihe auf Rang 6 in der Rubrik Kälte ein. Die Sonnenscheindauer fiel mit rund 170 bis 180 Stunden durchschnittlich aus. Auch der Niederschlag erfüllte in etwa sein Soll; an der östlichen Kreisgrenze sowie im Raum Espelkamp und Stemwede war es teils leicht zu trocken.

Zudem wurden in Rahden zwölf Frosttage registriert. Zu Monatsbeginn waren Schneefälle ein Thema und in Richtung Wiehengebirge wurden morgens Schneehöhen um zwei bis drei Zentimeter gemessen.

Die langanhaltende Kältewelle hat ihre Ursache in dem seit mehreren Monaten stabilen Strömungsmuster des Jetstreams, einem Starkwindband in der oberen Troposphäre, mit dem Hoch- und Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa gelangen. Normalerweise liegt dieses Starkwindband in West-Ost-Richtung über uns, so dass sich vom Atlantik her die Tiefdruckgebiete die Klinke in die Hand geben. Doch seit geraumer Zeit ist der Jetstream so stark verwellt, dass er mehr in ein Nord-Süd ausgerichtetes, mäandrierendes Muster ausgelegt ist. Zeitweise ähnelt die Lage nach dem griechischen Buchstaben Omega, die Meteorologie spricht von „Omega-Wetterlage“. Diese sind sehr stabil. Mitteleuropa lag die meiste Zeit in den letzten Wochen und Monaten auf der kalten Seite des Jetstreams, was zu Wind aus nördlichen bis östlichen Gefilden führte und der ist zu dieser Jahreszeit kalt.

Im Februar und März war das der Fall, kurzzeitig kamen wir in den warmen südlichen Ast des Jetstreams, was zu neuen Temperaturrekorden führte. Für die erste Maiwoche deutet sich für die Jahreszeit deutlich zu kühles Wetter an. Vorerst gibt es kein Entrinnen aus der stabilen Wetterlage.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille