Jugendarbeit auf Abstand: Mitarbeiter entscheiden sich bewusst gegen digitale Angebote Ursula Koch Hille-Rothenuffeln/Haddenhausen. Zum Home-Schooling noch ein digitales Angebot? Die Idee hat der CVJM Rothenuffeln-Haddenhausen schnell verworfen. Statt dessen haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter den „Jungscharboten“ einfallen lassen. Wöchentlich haben sie mit dieser Zeitung die rund 100 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren, die normalerweise in jeweils drei Gruppen in Rothenuffeln und Haddenhausen betreut werden, mit Geschichten, Rätseln, Rezepten und Ideen für Aktivitäten versorgt, erzählt Sönke Wittemeier. „Wir wollten einen Ausgleich zum Home-Schooling bieten“, berichtet seine Schwester Janne, die ebenfalls zum Team der rund 30 Betreuer gehört. Die Idee sei bei der letzten Teamsitzung im März letzten Jahres entstanden. Am 3. April ist das erste Heft erschienen. „Wir hatten total Bock darauf. Das war auch für uns Betreuer ein toller Zeitvertreib“, sagt Janne Wittemeier. „Manche Kinder haben regelrecht auf die neue Ausgabe gewartet“, weiß die Mitarbeiterin von Eltern. „Unsere Arbeit ist Beziehungsarbeit. Ein Jungscharbote kann die Gruppenarbeit nicht ersetzen“, sagt Sönke Wittemeier. Die Zeitung sei wohl auch deshalb so gut angekommen, weil zwischen den Machern und den Kindern vorher eine persönliche Beziehung bestanden habe. Die Geschwister Wittemeier und die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr sehr flexibel auf die jeweiligen Möglichkeiten reagiert. Mitte März musste die Jugendarbeit komplett auf Eis gelegt werden, drei Wochen vor den Sommerferien konnten die Gruppen wieder starten – mit entsprechendem Hygienekonzept. „Wir haben die Zeit von eineinhalb Stunden auf eine Stunde reduziert und waren vor den Sommerferien mit den Kindern nur draußen“, berichtet Janne Wittemeier. In den Sommerferien pausieren die Gruppen generell. Tradition ist dann aber die einwöchige Jungscharfreizeit in der ersten Ferienwoche. Daran nehmen im Durchschnitt 50 Kinder teil, die von zehn Ehrenamtlern betreut werden. In diesem Sommer wäre es die 40. Freizeit gewesen, dafür war eigentlich eine Fahrt nach Thüringen geplant, erzählt Sönke Wittemeier. Als Ersatz hat er sich zusammen mit den Betreuern die Jungschar-Sommertage einfallen lassen. Fünf Programmblöcke mit einem Ausflug zu einem Bio-Bauernhof in Haddenhausen, Schnitzeljagd, Boßeln, Quiz und Laufspiele haben sie sich einfallen lassen. „Alles in festen Bezugsgruppen von maximal zehn Kindern. Darum war auch ein Programm ohne Abstand und Masken möglich“, sagt Sönke Wittemeier und betont: „Wir haben nicht alles gemacht, was möglich gewesen wäre, wie zum Beispiel Kontaktsport mit 30 Kindern.“ Am Beginn des Tages habe aber immer unter freiem Himmel das gemeinsame Singen und eine kurze Andacht gestanden. Bei der Zielgruppe kam das Programm gut an: Alle Plätze waren binnen 24 Stunden ausgebucht, berichtet er. Das Ziel bleibt trotzdem: Sobald wie möglich sollen sich die Gruppen wieder treffen können. Das Ziel für die nächste Freizeit in den Sommerferien steht auch schon fest – dann soll es, wenn die Infektionszahlen das zulassen, nach Meschede ins Sauerland gehen. Ebenso wie die Jungschar-Gruppen wurde der Posaunenchor der Gemeinde „vom ersten Lockdown kalt erwischt“, wie dessen Leiter Klaus-Peter Diehl formuliert, der zugleich Bundesposaunenwart im CVJM-Westbund ist. Den Einzelunterricht für sechs Jugendliche und vier Erwachsene hat er Anfang April auf Skype umgestellt. Präsenzunterricht einzeln und in der Gruppe habe er immer dann angeboten, wenn das die Vorgaben von Ordnungs- und Gesundheitsamt erlaubten. Die Arbeit mit dem Posaunenchor ruhte bis Juni letzten Jahres. „Wir haben uns zuerst auf dem Sportplatz in Rothenuffeln, dann unter der Remise von Schloss Haddenhausen und schließlich in der Kirche getroffen, um mehr zu spielen, als zu proben“, erzählt Klaus-Peter Diehl. Die rund 40 aktiven Bläser haben im vergangenen Jahr nur knapp die Hälfte der sonst üblichen 140 Aufritte in Gottesdiensten, bei Beerdigungen, Geburtstagsständchen oder dem Kurrendespiel in der Adventszeit absolviert. Auch das Bläsercamp, das Diehl alle zwei Jahre an einem anderen Ort organisiert, musste 2020 ausfallen. Aktuell halten die Bläser per Video-Konferenzen Kontakt zueinander. „Wir fahren auf Sicht, können nicht langfristig planen“, sagt Diehl. In diesem Jahr würde er gerne ein großes Jahreskonzert organisieren und auch ein Vorspiel für die Anfänger. „Wir wollen die Schüler in positivem Sinne unter Adrenalin halten“, sagt Diehl.

Jugendarbeit auf Abstand: Mitarbeiter entscheiden sich bewusst gegen digitale Angebote

cvjm rothenuffeln © Wittemeier

Hille-Rothenuffeln/Haddenhausen. Zum Home-Schooling noch ein digitales Angebot? Die Idee hat der CVJM Rothenuffeln-Haddenhausen schnell verworfen. Statt dessen haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter den „Jungscharboten“ einfallen lassen. Wöchentlich haben sie mit dieser Zeitung die rund 100 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren, die normalerweise in jeweils drei Gruppen in Rothenuffeln und Haddenhausen betreut werden, mit Geschichten, Rätseln, Rezepten und Ideen für Aktivitäten versorgt, erzählt Sönke Wittemeier.

„Wir wollten einen Ausgleich zum Home-Schooling bieten“, berichtet seine Schwester Janne, die ebenfalls zum Team der rund 30 Betreuer gehört. Die Idee sei bei der letzten Teamsitzung im März letzten Jahres entstanden. Am 3. April ist das erste Heft erschienen. „Wir hatten total Bock darauf. Das war auch für uns Betreuer ein toller Zeitvertreib“, sagt Janne Wittemeier. „Manche Kinder haben regelrecht auf die neue Ausgabe gewartet“, weiß die Mitarbeiterin von Eltern.

„Unsere Arbeit ist Beziehungsarbeit. Ein Jungscharbote kann die Gruppenarbeit nicht ersetzen“, sagt Sönke Wittemeier. Die Zeitung sei wohl auch deshalb so gut angekommen, weil zwischen den Machern und den Kindern vorher eine persönliche Beziehung bestanden habe. Die Geschwister Wittemeier und die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr sehr flexibel auf die jeweiligen Möglichkeiten reagiert.

Mitte März musste die Jugendarbeit komplett auf Eis gelegt werden, drei Wochen vor den Sommerferien konnten die Gruppen wieder starten – mit entsprechendem Hygienekonzept. „Wir haben die Zeit von eineinhalb Stunden auf eine Stunde reduziert und waren vor den Sommerferien mit den Kindern nur draußen“, berichtet Janne Wittemeier. In den Sommerferien pausieren die Gruppen generell.

Tradition ist dann aber die einwöchige Jungscharfreizeit in der ersten Ferienwoche. Daran nehmen im Durchschnitt 50 Kinder teil, die von zehn Ehrenamtlern betreut werden. In diesem Sommer wäre es die 40. Freizeit gewesen, dafür war eigentlich eine Fahrt nach Thüringen geplant, erzählt Sönke Wittemeier.

Als Ersatz hat er sich zusammen mit den Betreuern die Jungschar-Sommertage einfallen lassen. Fünf Programmblöcke mit einem Ausflug zu einem Bio-Bauernhof in Haddenhausen, Schnitzeljagd, Boßeln, Quiz und Laufspiele haben sie sich einfallen lassen. „Alles in festen Bezugsgruppen von maximal zehn Kindern.

Darum war auch ein Programm ohne Abstand und Masken möglich“, sagt Sönke Wittemeier und betont: „Wir haben nicht alles gemacht, was möglich gewesen wäre, wie zum Beispiel Kontaktsport mit 30 Kindern.“ Am Beginn des Tages habe aber immer unter freiem Himmel das gemeinsame Singen und eine kurze Andacht gestanden.

Bei der Zielgruppe kam das Programm gut an: Alle Plätze waren binnen 24 Stunden ausgebucht, berichtet er. Das Ziel bleibt trotzdem: Sobald wie möglich sollen sich die Gruppen wieder treffen können. Das Ziel für die nächste Freizeit in den Sommerferien steht auch schon fest – dann soll es, wenn die Infektionszahlen das zulassen, nach Meschede ins Sauerland gehen.

Ebenso wie die Jungschar-Gruppen wurde der Posaunenchor der Gemeinde „vom ersten Lockdown kalt erwischt“, wie dessen Leiter Klaus-Peter Diehl formuliert, der zugleich Bundesposaunenwart im CVJM-Westbund ist.

Den Einzelunterricht für sechs Jugendliche und vier Erwachsene hat er Anfang April auf Skype umgestellt. Präsenzunterricht einzeln und in der Gruppe habe er immer dann angeboten, wenn das die Vorgaben von Ordnungs- und Gesundheitsamt erlaubten. Die Arbeit mit dem Posaunenchor ruhte bis Juni letzten Jahres. „Wir haben uns zuerst auf dem Sportplatz in Rothenuffeln, dann unter der Remise von Schloss Haddenhausen und schließlich in der Kirche getroffen, um mehr zu spielen, als zu proben“, erzählt Klaus-Peter Diehl.

Die rund 40 aktiven Bläser haben im vergangenen Jahr nur knapp die Hälfte der sonst üblichen 140 Aufritte in Gottesdiensten, bei Beerdigungen, Geburtstagsständchen oder dem Kurrendespiel in der Adventszeit absolviert. Auch das Bläsercamp, das Diehl alle zwei Jahre an einem anderen Ort organisiert, musste 2020 ausfallen.

Aktuell halten die Bläser per Video-Konferenzen Kontakt zueinander. „Wir fahren auf Sicht, können nicht langfristig planen“, sagt Diehl. In diesem Jahr würde er gerne ein großes Jahreskonzert organisieren und auch ein Vorspiel für die Anfänger. „Wir wollen die Schüler in positivem Sinne unter Adrenalin halten“, sagt Diehl.

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