Jubel bei Premiere der plattdeutschen Komödie "Dat Hörrohr" Kerstin Rickert Hille-Oberlübbe (kr). Wenn das Publikum in stürmischen, kaum enden wollenden Jubel verfällt, dann haben die, die es fast drei Stunden lang unterhalten hat, wohl alles richtig gemacht. So geschehen am Samstagabend bei der Premiere von „Dat Hörrohr" im Dorfgemeinschaftshaus Oberlübbe. Bei der Umsetzung der Geschichte um den schwerhörigen Opa Meiners und seine hinterlistige Schwiegertochter Berta blieb in den bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerreihen kein Auge trocken. Es war einfach zu köstlich, mit wie viel Spielfreude und Komik (auch unfreiwilliger) die Laienspielgruppe des Heimatvereins „Zwischen Berg und Bruch" Oberlübbe-Unterlübbe den plattdeutschen Dreiakter von Karl Bunje auf die Bühne brachte. Spielleiterin Annette Kanning hatte das Publikum zu Beginn davor gewarnt, was während der Aufführung alles passieren könne: „Dass die Darsteller nicht auf die Souffleuse hören, dafür aber auf die ersten fünf Zuschauerreihen. Dass eine Wand umfällt oder ein Schauspieler seinen Einsatz verpasst. Dass die Kuh bölkt, obwohl ein Auto hupen soll." Oder dass bei der hochschwangeren Katharina Hersemann, die Opa Meiners Enkelin Elke spielt, die Wehen einsetzen. Zum Glück ging – anders als noch bei der Generalprobe am Vorabend – alles gut. Fast jedenfalls. Einmal kracht mit lauten Getöse ein Bild von der Wand. Doch dieser Zwischenfall hätte auch ebenso gut perfekt inszeniert sein können, so passend ist die Stelle, an der er geschieht. Es ist nicht das einzige Mal, dass die rund 150 Zuschauer vor Lachen kaum an sich halten können. Vor allem Anja Eikmeyer in der Rolle der resoluten Lieschen Quadfasel treibt dem Publikum mit ihrer übertrieben theatralischen Art regelmäßig Tränen in die Augen. Und die beiden Brüder Heiko (Opa Meiners Sohn Jochen) und Sascha Bunkowski (Briefträger Tobias Quadfasel) in ihren Rollen als unter der Fuchtel stehende Ehemänner begeistern immer wieder mit ihrem trockenen, „dösbaddeligen" Humor, der dank der plattdeutschen Sprache treffsicher herüberkommt. Alles dreht sich um Opa Meiners (von der auf alt getrimmten Anja Wiese klasse gespielt) und seinen Hof, auf den es seine Schwiegertochter Berta (Melanie Schneider) abgesehen hat. Dabei kommt ihr eine Eigenschaft des Alten besonders gut zu Pass: „Schlecht hörn kann er besonners gaut." Opa Meiners ist schwerhörig, und am Anfang bekommt der Hofbesitzer von den perfiden Plänen seiner Schwiegertochter, ihm den Hof abspenstig machen zu wollen, trotz Hörrohrs nicht alles mit. Sein Sohn Jochen hat sowieso nichts zu melden und lässt seine Frau machen. „As du dat meinst, Berta" ist alles, was er dazu zu sagen hat. Doch da ist auch noch Elke, die Tochter seiner verstorbenen Schwester, die ebenfalls auf dem Hof lebt und ein Techtelmechtel hat mit dem Knecht Bernd (Dorian Wandtke). Für die beiden jungen Leute ist schnell klar: „Et werd höchste Tied, dat Opa hellhörig werd." Der Alte, da sind sich die beiden einig, sei nämlich noch ganz schön „hell in Kopp un weiß genau, wat he will". Also besorgen sie Opa Meiners ein neues Hörrohr mit modernster Technik. Der ist nach anfänglicher Skepsis denn auch begeistert, dass er plötzlich wieder hören kann, was ihm lange Zeit verborgen blieb. „Dat Gackern vonne Hühner, dat Blöken vonne Kau un dat Schnattern vonne Gans." Was ihm aber geradezu die Sprache verschlägt, sind Bertas Worte hinter ihren gespielten Nettigkeiten. Wenn die ihn als „ollen Dösbaddel" oder „ollen Quesenkopp" bezeichnet, dann soll Berta ihn kennenlernen. Von seiner ach so lieben Schwiegertochter lässt sich Opa Meiners nämlich nicht so leicht übers Ohr hauen. Hinter ihrem Rücken verbündet sich der Alte bei ein paar Gläsern Schnaps mit seinem Sohn und Tobias Quadfasel, dem nämlich noch das Land gehört, auf dem der Hof steht – eine köstliche Szene, die beim Publikum für großes Gelächter sorgt. Bertas Pläne, die sie glaubt mit Hilfe ihres Jugendfreundes Arnold Hogeback (Marco Wandtke), Kneipenwirt in Hamburg, perfekt ausgekungelt zu haben, gehen nach hinten los. Die Schadenfreude ist nicht nur bei Lieschen Quadfasel groß, als auch sie in Berta eine falsche Freundin erkennen muss. Beim Premierenpublikum trifft das turbulente Laienspiel auf restlose Begeisterung. Daran haben sowohl die auf ganzer Linie überzeugenden Darsteller ihren Anteil als auch die augenzwinkernde Portion Lokalkolorit, die Spielleiterin Annette Kanning in das Stück eingebaut hat. Ganz großartig. „Dat Hörrohr" wird noch dreimal im Dorfgemeinschaftshaus aufgeführt: Samstag, 16. März, und Montag, 18. März, jeweils um 19 Uhr, sowie Sonntag, 17. März, um 16 Uhr.

Jubel bei Premiere der plattdeutschen Komödie "Dat Hörrohr"

© Kerstin Rickert

Hille-Oberlübbe (kr). Wenn das Publikum in stürmischen, kaum enden wollenden Jubel verfällt, dann haben die, die es fast drei Stunden lang unterhalten hat, wohl alles richtig gemacht. So geschehen am Samstagabend bei der Premiere von „Dat Hörrohr" im Dorfgemeinschaftshaus Oberlübbe.

Bei der Umsetzung der Geschichte um den schwerhörigen Opa Meiners und seine hinterlistige Schwiegertochter Berta blieb in den bis auf den letzten Platz besetzten Zuschauerreihen kein Auge trocken. Es war einfach zu köstlich, mit wie viel Spielfreude und Komik (auch unfreiwilliger) die Laienspielgruppe des Heimatvereins „Zwischen Berg und Bruch" Oberlübbe-Unterlübbe den plattdeutschen Dreiakter von Karl Bunje auf die Bühne brachte.

- © Kerstin Rickert
© Kerstin Rickert

Spielleiterin Annette Kanning hatte das Publikum zu Beginn davor gewarnt, was während der Aufführung alles passieren könne: „Dass die Darsteller nicht auf die Souffleuse hören, dafür aber auf die ersten fünf Zuschauerreihen. Dass eine Wand umfällt oder ein Schauspieler seinen Einsatz verpasst. Dass die Kuh bölkt, obwohl ein Auto hupen soll." Oder dass bei der hochschwangeren Katharina Hersemann, die Opa Meiners Enkelin Elke spielt, die Wehen einsetzen. Zum Glück ging – anders als noch bei der Generalprobe am Vorabend – alles gut. Fast jedenfalls.

- © Kerstin Rickert
© Kerstin Rickert

Einmal kracht mit lauten Getöse ein Bild von der Wand. Doch dieser Zwischenfall hätte auch ebenso gut perfekt inszeniert sein können, so passend ist die Stelle, an der er geschieht. Es ist nicht das einzige Mal, dass die rund 150 Zuschauer vor Lachen kaum an sich halten können. Vor allem Anja Eikmeyer in der Rolle der resoluten Lieschen Quadfasel treibt dem Publikum mit ihrer übertrieben theatralischen Art regelmäßig Tränen in die Augen. Und die beiden Brüder Heiko (Opa Meiners Sohn Jochen) und Sascha Bunkowski (Briefträger Tobias Quadfasel) in ihren Rollen als unter der Fuchtel stehende Ehemänner begeistern immer wieder mit ihrem trockenen, „dösbaddeligen" Humor, der dank der plattdeutschen Sprache treffsicher herüberkommt.

- © Kerstin Rickert
© Kerstin Rickert

Alles dreht sich um Opa Meiners (von der auf alt getrimmten Anja Wiese klasse gespielt) und seinen Hof, auf den es seine Schwiegertochter Berta (Melanie Schneider) abgesehen hat. Dabei kommt ihr eine Eigenschaft des Alten besonders gut zu Pass: „Schlecht hörn kann er besonners gaut." Opa Meiners ist schwerhörig, und am Anfang bekommt der Hofbesitzer von den perfiden Plänen seiner Schwiegertochter, ihm den Hof abspenstig machen zu wollen, trotz Hörrohrs nicht alles mit. Sein Sohn Jochen hat sowieso nichts zu melden und lässt seine Frau machen. „As du dat meinst, Berta" ist alles, was er dazu zu sagen hat.

Tobias Quadfasel (Sascha Bunkowski, links) und Jochen (Heiko Bunkowski, rechts) schmieden mit dem Opa einen Plan. - © Kerstin Rickert
Tobias Quadfasel (Sascha Bunkowski, links) und Jochen (Heiko Bunkowski, rechts) schmieden mit dem Opa einen Plan. - © Kerstin Rickert

Doch da ist auch noch Elke, die Tochter seiner verstorbenen Schwester, die ebenfalls auf dem Hof lebt und ein Techtelmechtel hat mit dem Knecht Bernd (Dorian Wandtke). Für die beiden jungen Leute ist schnell klar: „Et werd höchste Tied, dat Opa hellhörig werd." Der Alte, da sind sich die beiden einig, sei nämlich noch ganz schön „hell in Kopp un weiß genau, wat he will".

Schubs mit dem Schrubber: Schwiegertochter Berta (Melanie Schneider) ist nicht zimperlich im Umgang mit Opa Meiners (Antje Wiese). Fotos: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Schubs mit dem Schrubber: Schwiegertochter Berta (Melanie Schneider) ist nicht zimperlich im Umgang mit Opa Meiners (Antje Wiese). Fotos: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

Also besorgen sie Opa Meiners ein neues Hörrohr mit modernster Technik. Der ist nach anfänglicher Skepsis denn auch begeistert, dass er plötzlich wieder hören kann, was ihm lange Zeit verborgen blieb. „Dat Gackern vonne Hühner, dat Blöken vonne Kau un dat Schnattern vonne Gans." Was ihm aber geradezu die Sprache verschlägt, sind Bertas Worte hinter ihren gespielten Nettigkeiten. Wenn die ihn als „ollen Dösbaddel" oder „ollen Quesenkopp" bezeichnet, dann soll Berta ihn kennenlernen. Von seiner ach so lieben Schwiegertochter lässt sich Opa Meiners nämlich nicht so leicht übers Ohr hauen. Hinter ihrem Rücken verbündet sich der Alte bei ein paar Gläsern Schnaps mit seinem Sohn und Tobias Quadfasel, dem nämlich noch das Land gehört, auf dem der Hof steht – eine köstliche Szene, die beim Publikum für großes Gelächter sorgt.

Bertas Pläne, die sie glaubt mit Hilfe ihres Jugendfreundes Arnold Hogeback (Marco Wandtke), Kneipenwirt in Hamburg, perfekt ausgekungelt zu haben, gehen nach hinten los. Die Schadenfreude ist nicht nur bei Lieschen Quadfasel groß, als auch sie in Berta eine falsche Freundin erkennen muss. Beim Premierenpublikum trifft das turbulente Laienspiel auf restlose Begeisterung. Daran haben sowohl die auf ganzer Linie überzeugenden Darsteller ihren Anteil als auch die augenzwinkernde Portion Lokalkolorit, die Spielleiterin Annette Kanning in das Stück eingebaut hat. Ganz großartig.

„Dat Hörrohr" wird noch dreimal im Dorfgemeinschaftshaus aufgeführt: Samstag, 16. März, und Montag, 18. März, jeweils um 19 Uhr, sowie Sonntag, 17. März, um 16 Uhr.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille