Immer neue Regelungen wirbeln den Alltag in den Hiller Vereinen durcheinander Carsten Korfesmeyer Hille. Schlappohren hüpfen beim Kaninhop über Stangen, Hühner und Gänse stellen sich bei Geflügelausstellungen ihren Preisrichtern oder Brieftauben fliegen um die Wette. Chöre treten auf, Schützen feiern. Das Hiller Vereinsleben kennt viele Gesichter und bereichert oft den Alltag der Mitglieder. Zurzeit läuft in dieser Hinsicht jedoch sehr wenig bis nichts und das hinterlässt seine Spuren. Droht die Pandemie auf Dauer alles lahm zu legen? Die Antworten der Verantwortlichen zeigen ein Schwanken zwischen Hoffen, Bangen und einer Sehnsucht nach Normalität. Chormitglieder wollen wieder auftreten Christine Pearson ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Die Chorleiterin vom CVJM Hartum gibt sich auf MT-Anfrage vorsichtig optimistisch, dass der gewohnte Vereinsalltag perspektivisch wieder in die Gänge kommt. Aktuell sei jedoch alles soweit heruntergefahren, wie es erforderlich ist. Das führt dann allerdings dazu, dass sich ihre „Brumming Sisters" momentan nicht einmal zur Chorprobe treffen. Die Auflagen seien zu hoch, sagt sie. „Da ist das nicht vorstellbar." Etwas mehr läuft hingegen beim Posaunenchor des CVJM. Der käme jede Woche zusammen und zuletzt habe es auch gelegentliche kleinere Auftritte gegeben – im Freien. Was die Corona-Regelungen betrifft, hält sich Christine Pearson möglichst genau auf dem Laufenden. „Sobald es wieder machbar ist, treten wir auch wieder ganz normal auf." Und im laufenden Jahr plane sie gewissermaßen „auf Sicht". Zeigen die Zwangspausen schon Folgen? Die Chorleiterin erkennt zwar momentan keinen großen Stimmungswandel in den Ensembles, Sorgen macht sie sich aber schon. „Musik tut der Seele gut", sagt sie. Somit fehle den 14 Brumming-Sisters und den 18 Mitgliedern des Posaunenchores eine Menge. Kaninhop-Training in den Wohnzimmern Vor wichtigen Herausforderungen steht der Kaninchenzuchtverein W92 Hahlen-Holzhausen. Denn seine Struktur besteht aus den meist recht jungen Kaninhop-Mitgliedern und den eher älteren Züchtern. Die gilt es nun alle bei der Stange zu halten. „Bei uns ruht aber nahezu alles", sagt Vorsitzende Stefanie Diekmann-Wilharm. Lediglich ein paar Tischbewertungen gab es im vergangenen Jahr und die Gruppe der Kaninhopper traf sich gelegentlich mal im kleineren Kreis zum Training. Hat sie Angst, dass die Mitglieder verloren gehen? Durchaus. „Vor allem bei den Züchtern", sagt sie. Schon jetzt sei ein deutlicher Rückgang an Tieren bemerkbar, weil es 2021 keine größeren Ausstellungen gab und es auch in den kommenden Monaten sehr unsicher ist, ob überhaupt welche laufen. „Viele denken dann grundsätzlich ans Aufhören", erklärt die Vereinsvorsitzende. Etwas anders sei die Situation bei den Kaninhoppern. Da seien meistens noch die Eltern mit dabei und hinzu käme, dass der zeitliche Aufwand deutlich geringer sei. So lasse sich ein Parcours für die Kaninchen beispielsweise im Wohnzimmer aufbauen. „Da kann man auch mal zuhause trainieren." Das Einzugsgebiet der Kaninhopper ist groß und es bestehen Kontakte im gesamten Bundesgebiet. Schon im Vorjahr sollte der Verein die Deutschen Meisterschaften in der Holzhauser Bürgerhalle ausrichten. Die wurden verschoben, sind jetzt für Mitte Juli geplant. „Wir hoffen sehr, dass diese Veranstaltung stattfinden kann", sagt Stefanie Diekmann-Wilharm. Denn ein solches Event schaffe die beste Gelegenheit, dass sich der Sport mit allen Facetten einem breiten Publikum vorstellen kann. Jammerschade sei es für alle, wenn daraus nichts werden würde. Spürbare Sorge vor einer Vereinsamung Für die Mitglieder der Hiller Gesamtfrauenhilfe sind die regelmäßigen Treffen häufig die einzige Gelegenheit, sich miteinander in lockerer Runde auszutauschen. „Viele Teilnehmerinnen sind alleinstehend", sagt Karin Südmeier von der Frauenhilfe in Mindenerwald. Dass diese Veranstaltungen schwer vermisst werden, ist für sie deshalb absolut nachvollziehbar. Oft werde sie beim Einkaufen darauf angesprochen und gegenüber dem MT spricht sie von einer großen Sehnsucht nach einem normalen Alltag. Die Kontakte untereinander seien zwar nicht abgebrochen, allerdings deutlich zurückgefahren. Auch von einer Entfremdung will Karin Südmeier nicht sprechen. „Trotzdem gibt es Fälle von Vereinsamung." Hört sie von solchen Fällen, versucht sie die Betroffenen zu besuchen. Für alle sei es allerdings im Moment eine sehr schwere Zeit. Bei Brieftaubenzüchtern zählt mehr der Wettflug Erkennbar ist aber auch, dass die gegenwärtigen Einschränkungen unterschiedlich wahrgenommen werden. Einigen fehlen besonders die Möglichkeiten der Präsentationen. „Sobald es wieder erlaubt ist, treten wir wieder auf", sagt beispielsweise Friedhelm Oldemeier vom Männerchor Oberlübbe-Unterlübbe-Siemshof. Anders ist es bei den Oberlübber Geflügelzüchtern. Die richten schon seit elf Jahren keine Ausstellungen mehr aus und das Vereinstreffen konzentriert sich seither auf die monatlichen Treffen im Oberlübber Sportlerheim – im kleinen Kreis, wie Vorsitzender Detlef Kollmeier sagt. „Aber darauf verzichten wir momentan aber auch". Bei den Brieftaubenzüchtern aus Hille, Südhemmern und Mindenerwald hingegen ist es noch einmal anders. Die Wettflüge im Sommer können problemlos abgehalten werden, erklärt Vorsitzender Harald von Behren. Einschränkungen gebe es nur bei den Ausstellungen und Treffen. Das erschwere die Planungen und raube den Ziertauben-Züchtern die Chance auf Preise. Aber das werde als nicht so tragisch empfunden. „Bei uns zählt mehr der Wettkampf im Sommer."

Immer neue Regelungen wirbeln den Alltag in den Hiller Vereinen durcheinander

Mitte Juli sind die Deutschen Kaninhop-Meisterschaften in der Holzhauser Bürgerhalle geplant. Beim Ausrichterverein hofft man sehr, dass der Wettbewerb tatsächlich stattfindet. MT-Archivfoto: Carsten Korfesmeyer © x

Hille. Schlappohren hüpfen beim Kaninhop über Stangen, Hühner und Gänse stellen sich bei Geflügelausstellungen ihren Preisrichtern oder Brieftauben fliegen um die Wette. Chöre treten auf, Schützen feiern. Das Hiller Vereinsleben kennt viele Gesichter und bereichert oft den Alltag der Mitglieder. Zurzeit läuft in dieser Hinsicht jedoch sehr wenig bis nichts und das hinterlässt seine Spuren. Droht die Pandemie auf Dauer alles lahm zu legen? Die Antworten der Verantwortlichen zeigen ein Schwanken zwischen Hoffen, Bangen und einer Sehnsucht nach Normalität.

Chormitglieder wollen wieder auftreten

Christine Pearson ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Die Chorleiterin vom CVJM Hartum gibt sich auf MT-Anfrage vorsichtig optimistisch, dass der gewohnte Vereinsalltag perspektivisch wieder in die Gänge kommt. Aktuell sei jedoch alles soweit heruntergefahren, wie es erforderlich ist. Das führt dann allerdings dazu, dass sich ihre „Brumming Sisters" momentan nicht einmal zur Chorprobe treffen. Die Auflagen seien zu hoch, sagt sie. „Da ist das nicht vorstellbar." Etwas mehr läuft hingegen beim Posaunenchor des CVJM. Der käme jede Woche zusammen und zuletzt habe es auch gelegentliche kleinere Auftritte gegeben – im Freien. Was die Corona-Regelungen betrifft, hält sich Christine Pearson möglichst genau auf dem Laufenden. „Sobald es wieder machbar ist, treten wir auch wieder ganz normal auf." Und im laufenden Jahr plane sie gewissermaßen „auf Sicht".

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Patrick Schwemmling

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Zeigen die Zwangspausen schon Folgen? Die Chorleiterin erkennt zwar momentan keinen großen Stimmungswandel in den Ensembles, Sorgen macht sie sich aber schon. „Musik tut der Seele gut", sagt sie. Somit fehle den 14 Brumming-Sisters und den 18 Mitgliedern des Posaunenchores eine Menge.

Kaninhop-Training in den Wohnzimmern

Vor wichtigen Herausforderungen steht der Kaninchenzuchtverein W92 Hahlen-Holzhausen. Denn seine Struktur besteht aus den meist recht jungen Kaninhop-Mitgliedern und den eher älteren Züchtern. Die gilt es nun alle bei der Stange zu halten. „Bei uns ruht aber nahezu alles", sagt Vorsitzende Stefanie Diekmann-Wilharm. Lediglich ein paar Tischbewertungen gab es im vergangenen Jahr und die Gruppe der Kaninhopper traf sich gelegentlich mal im kleineren Kreis zum Training.

Hat sie Angst, dass die Mitglieder verloren gehen? Durchaus. „Vor allem bei den Züchtern", sagt sie. Schon jetzt sei ein deutlicher Rückgang an Tieren bemerkbar, weil es 2021 keine größeren Ausstellungen gab und es auch in den kommenden Monaten sehr unsicher ist, ob überhaupt welche laufen. „Viele denken dann grundsätzlich ans Aufhören", erklärt die Vereinsvorsitzende. Etwas anders sei die Situation bei den Kaninhoppern. Da seien meistens noch die Eltern mit dabei und hinzu käme, dass der zeitliche Aufwand deutlich geringer sei. So lasse sich ein Parcours für die Kaninchen beispielsweise im Wohnzimmer aufbauen. „Da kann man auch mal zuhause trainieren."

Das Einzugsgebiet der Kaninhopper ist groß und es bestehen Kontakte im gesamten Bundesgebiet. Schon im Vorjahr sollte der Verein die Deutschen Meisterschaften in der Holzhauser Bürgerhalle ausrichten. Die wurden verschoben, sind jetzt für Mitte Juli geplant. „Wir hoffen sehr, dass diese Veranstaltung stattfinden kann", sagt Stefanie Diekmann-Wilharm. Denn ein solches Event schaffe die beste Gelegenheit, dass sich der Sport mit allen Facetten einem breiten Publikum vorstellen kann. Jammerschade sei es für alle, wenn daraus nichts werden würde.

Spürbare Sorge vor einer Vereinsamung

Für die Mitglieder der Hiller Gesamtfrauenhilfe sind die regelmäßigen Treffen häufig die einzige Gelegenheit, sich miteinander in lockerer Runde auszutauschen. „Viele Teilnehmerinnen sind alleinstehend", sagt Karin Südmeier von der Frauenhilfe in Mindenerwald. Dass diese Veranstaltungen schwer vermisst werden, ist für sie deshalb absolut nachvollziehbar. Oft werde sie beim Einkaufen darauf angesprochen und gegenüber dem MT spricht sie von einer großen Sehnsucht nach einem normalen Alltag. Die Kontakte untereinander seien zwar nicht abgebrochen, allerdings deutlich zurückgefahren. Auch von einer Entfremdung will Karin Südmeier nicht sprechen. „Trotzdem gibt es Fälle von Vereinsamung." Hört sie von solchen Fällen, versucht sie die Betroffenen zu besuchen. Für alle sei es allerdings im Moment eine sehr schwere Zeit.

Bei Brieftaubenzüchtern zählt mehr der Wettflug

Erkennbar ist aber auch, dass die gegenwärtigen Einschränkungen unterschiedlich wahrgenommen werden. Einigen fehlen besonders die Möglichkeiten der Präsentationen. „Sobald es wieder erlaubt ist, treten wir wieder auf", sagt beispielsweise Friedhelm Oldemeier vom Männerchor Oberlübbe-Unterlübbe-Siemshof. Anders ist es bei den Oberlübber Geflügelzüchtern. Die richten schon seit elf Jahren keine Ausstellungen mehr aus und das Vereinstreffen konzentriert sich seither auf die monatlichen Treffen im Oberlübber Sportlerheim – im kleinen Kreis, wie Vorsitzender Detlef Kollmeier sagt. „Aber darauf verzichten wir momentan aber auch".

Bei den Brieftaubenzüchtern aus Hille, Südhemmern und Mindenerwald hingegen ist es noch einmal anders. Die Wettflüge im Sommer können problemlos abgehalten werden, erklärt Vorsitzender Harald von Behren. Einschränkungen gebe es nur bei den Ausstellungen und Treffen. Das erschwere die Planungen und raube den Ziertauben-Züchtern die Chance auf Preise. Aber das werde als nicht so tragisch empfunden. „Bei uns zählt mehr der Wettkampf im Sommer."

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