Im Wald sprießt Hoffnung: Nach drei trockenen Sommern endlich mal wieder gute Nachrichten Jörg Stuke Hille-Oberlübbe. Es grünt so grün. Auf der Fläche im Wiehengebirge, nördlich von Bergkirchen, hat zuerst Sturm Friederike im Januar 2018 ganze Arbeit geleistet, dann der Borkenkäfer. Die Fichte ist Geschichte – auf diesem Stück wie in weiten Teilen des Wiehenwaldes. Doch die Natur hat den Kahlschlag längst zurückerobert. Mannshoch wuchern hier Adlerfarn, Springkraut, Brombeere und Himbeere. „Das ist ein Stück Wald, das Hoffnung macht“, sagt Förster Markus Uhr. Wald? Doch, versichert Uhr, auch Bäume wachsen hier heran. Die sieht man aber erst auf den zweiten Blick. In Uhrs Zuständigkeit liegen Waldflächen in Hille, Petershagen, Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica – der Förster hat eine Gesamtfläche von rund 480 Quadratkilometern im Blick. Und nach langer Zeit hat er endlich mal wieder gute Nachrichten. Mit vielversprechendem Erfolg setzen sich vor allem Lärchen, aber auch Ebereschen, Douglasien, Küstentannen und Kirschen gegen den struppigen Unterbewuchs durch. Zum Teil haben sich die jungen Bäume selbst ausgesät, zum Teil hat Uhr sie mit Helfern angepflanzt, wie die Esskastanien, die hier seit zweieinhalb Jahren auch prächtig sprießen. „Wir lassen die Natur schon so viel selbst machen wie möglich“, sagt der Förster. „Doch wenn wir im Mischwald der Zukunft auch andere Arten haben wollen als die, die ohnehin schon am Standort wachsen und die sich so selbst vermehren können, dann müssen wir sie anpflanzen“, argumentiert Uhr. Nach drei trockenen und heißen Sommern war 2021 eher feucht und kühl. Ein Jahr zum Durchschnaufen für den Wald. „Alles, was nicht vom Käfer befallen war, konnte sich erholen“, sagt Uhr. Allerdings nicht nur die jungen Bäume, sondern auch der Unterbewuchs. Was dem Förster noch mal deutlich vor Augen führt, was auch wichtig ist für die Zukunft des Waldes: „Wir müssen die jungen Bäume pflegen, dafür sorgen, dass sie nicht von Brombeeren und Farnen erstickt oder von den Rehen verbissen werden“, sagt Uhr. Doch 2021 war durchaus auch wieder ein Jahr des Borkenkäfers. Der „Angriff der Überwinterer“, wie Uhr das nennt, wenn die Käferlarven, die unter der Borke und im Boden auf das Frühjahr gewartet haben und dann wieder in die Waldwelt starten, sei sogar noch massiver als in den Vorjahren gewesen, berichtet der Förster. Was für ihn nicht überraschend kam. „Schließlich wussten wir ja, wie groß der Befall 2020 war.“ Da hatte Uhr Proben analysiert und hochgerechnet, dass rund elf Millionen Borkenkäfer auf jedem Hektar Wald daheim waren. Und deren Nachwuchs fiel Mitte, Ende Mai dieses Jahres über die Bäume her. „Wir hatten in Oberlübbe eine Falle aufgestellt, die innerhalb eines Tages voll war“, berichtet Uhr. 150.000 Borkenkäfer fanden sich darin. „Bis Mitte Juni hatten wir bereits mehr Käfer gefangen als im ganzen Jahr 2020“, so der Förster. Doch es gibt einen Lichtblick: In diesem Jahr gab es nur zwei Käfer-Generationen. Wegen des Wetters. „Im vergangenen Jahr waren es vier“, sagt Uhr. Auch die Fallen helfen, da ist der Förster sicher. Vor allem auf kleineren Flächen. „Aber dort, wo es viele Fichten gibt, da gibt es kein Halten“, fürchtet Uhr. Wobei das mit den „vielen Fichten“ schon so eine Sache ist. Bevor mit Sturm Friederike im Februar 2018 die schlimm Lage ihren Anfang nahm, machten die Fichten in Uhrs Revier im Wiehengebirge rund 15 Prozent des Baumbestandes aus. Inzwischen seien 90 Prozent abgestorben oder todgeweiht, schätzt der Förster. „Von den 160 Hektar sind vielleicht noch zehn bis 15 Hektar einigermaßen gesund.“ Die große Menge toter oder befallener Bäume bedeutet auch: jede Menge Arbeit für die Forstarbeiter . So wie für Max Johannes Plate und Nicolas Schmidt. Die beiden Forstfachleute haben einen ganz besonderen Helfer an ihrer Seite, wenn sie Fichtenstämme aus schwer zugänglichen Waldbereichen bergen müssen. „Moritz“ ist eine 45 PS-starke Fäll-Raupe, kompakt, per Fernsteuerung gelenkt und mit 1,4 Tonnen ein relativ leichtes Gerät, das auch dank der Ketten kaum Eindruck auf den Waldboden macht. Ein Rückepferd mit Diesel, quasi. Die Forstarbeiter haben derzeit mehr zu tun, als sie schaffen können. Doch die goldenen Zeiten für Forstbetriebe werden nicht ewig dauern. „Wenn die Fichte weg ist, wird sich das ändern“, vermutet Plate, der menschliche Teil in dem Rücketeam „Max und Moritz“. Zwei Jahre, so schätzen er und sein Kollege Schmidt, werden sie noch mit dem Fällen und Aufbereiten der Fichten zu tun haben. Doch was so schlimm für die Fichte ist, könnte ja auch eine Chance für den Rest des Waldes sein. Denn wenn Buchdrucker und Kupferstecher – so heißen die herrschenden Borkenkäferarten – nichts mehr zu beißen finden, dann müsste es doch auch mit ihnen zu Ende gehen. Könnte, muss aber nicht, weiß der Förster. „In der Not frisst der Teufel Fliegen und der Borkenkäfer Lärchen“, sagt Uhr. Wofür es – leider – schon Indizien gibt. Am Waldweg bei Bergkirchen liegen nicht nur zugeschnittene Fichtenhölzer, sondern auch Lärchenstämme. Mit Käferlöchern. Auch hier beginnt der Befall. „Hoffen wir, dass es nicht so schlimm wird“, sagt Uhr. Denn der Anteil der Lärche ist hier im Wiehengebirge so hoch, wie er früher auch bei der Fichte war: 15 Prozent. Aber der Förster ist ja Optimist. „2021 könnte der Wendepunkt für den Wald und den Käfer sein“, hofft Uhr. Ob es die Wende wird, ist aber für Uhr noch nicht ausgemacht. Voraussetzung ist für ihn, dass das nächste Jahr ein normales Wetterjahr wird. „Wenn 2022 wieder warm und trocken wird, dann startet der Käfer noch mal durch“, fürchtet Uhr.

Im Wald sprießt Hoffnung: Nach drei trockenen Sommern endlich mal wieder gute Nachrichten

Hille-Oberlübbe. Es grünt so grün. Auf der Fläche im Wiehengebirge, nördlich von Bergkirchen, hat zuerst Sturm Friederike im Januar 2018 ganze Arbeit geleistet, dann der Borkenkäfer. Die Fichte ist Geschichte – auf diesem Stück wie in weiten Teilen des Wiehenwaldes.

Doch die Natur hat den Kahlschlag längst zurückerobert. Mannshoch wuchern hier Adlerfarn, Springkraut, Brombeere und Himbeere. „Das ist ein Stück Wald, das Hoffnung macht“, sagt Förster Markus Uhr. Wald? Doch, versichert Uhr, auch Bäume wachsen hier heran. Die sieht man aber erst auf den zweiten Blick. In Uhrs Zuständigkeit liegen Waldflächen in Hille, Petershagen, Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica – der Förster hat eine Gesamtfläche von rund 480 Quadratkilometern im Blick. Und nach langer Zeit hat er endlich mal wieder gute Nachrichten.

Mit vielversprechendem Erfolg setzen sich vor allem Lärchen, aber auch Ebereschen, Douglasien, Küstentannen und Kirschen gegen den struppigen Unterbewuchs durch. Zum Teil haben sich die jungen Bäume selbst ausgesät, zum Teil hat Uhr sie mit Helfern angepflanzt, wie die Esskastanien, die hier seit zweieinhalb Jahren auch prächtig sprießen. „Wir lassen die Natur schon so viel selbst machen wie möglich“, sagt der Förster. „Doch wenn wir im Mischwald der Zukunft auch andere Arten haben wollen als die, die ohnehin schon am Standort wachsen und die sich so selbst vermehren können, dann müssen wir sie anpflanzen“, argumentiert Uhr.

Malina Reckordt

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Nach drei trockenen und heißen Sommern war 2021 eher feucht und kühl. Ein Jahr zum Durchschnaufen für den Wald. „Alles, was nicht vom Käfer befallen war, konnte sich erholen“, sagt Uhr. Allerdings nicht nur die jungen Bäume, sondern auch der Unterbewuchs. Was dem Förster noch mal deutlich vor Augen führt, was auch wichtig ist für die Zukunft des Waldes: „Wir müssen die jungen Bäume pflegen, dafür sorgen, dass sie nicht von Brombeeren und Farnen erstickt oder von den Rehen verbissen werden“, sagt Uhr.

Doch 2021 war durchaus auch wieder ein Jahr des Borkenkäfers. Der „Angriff der Überwinterer“, wie Uhr das nennt, wenn die Käferlarven, die unter der Borke und im Boden auf das Frühjahr gewartet haben und dann wieder in die Waldwelt starten, sei sogar noch massiver als in den Vorjahren gewesen, berichtet der Förster. Was für ihn nicht überraschend kam. „Schließlich wussten wir ja, wie groß der Befall 2020 war.“ Da hatte Uhr Proben analysiert und hochgerechnet, dass rund elf Millionen Borkenkäfer auf jedem Hektar Wald daheim waren. Und deren Nachwuchs fiel Mitte, Ende Mai dieses Jahres über die Bäume her. „Wir hatten in Oberlübbe eine Falle aufgestellt, die innerhalb eines Tages voll war“, berichtet Uhr. 150.000 Borkenkäfer fanden sich darin. „Bis Mitte Juni hatten wir bereits mehr Käfer gefangen als im ganzen Jahr 2020“, so der Förster.

Doch es gibt einen Lichtblick: In diesem Jahr gab es nur zwei Käfer-Generationen. Wegen des Wetters. „Im vergangenen Jahr waren es vier“, sagt Uhr. Auch die Fallen helfen, da ist der Förster sicher. Vor allem auf kleineren Flächen. „Aber dort, wo es viele Fichten gibt, da gibt es kein Halten“, fürchtet Uhr. Wobei das mit den „vielen Fichten“ schon so eine Sache ist. Bevor mit Sturm Friederike im Februar 2018 die schlimm Lage ihren Anfang nahm, machten die Fichten in Uhrs Revier im Wiehengebirge rund 15 Prozent des Baumbestandes aus. Inzwischen seien 90 Prozent abgestorben oder todgeweiht, schätzt der Förster. „Von den 160 Hektar sind vielleicht noch zehn bis 15 Hektar einigermaßen gesund.“

Die große Menge toter oder befallener Bäume bedeutet auch: jede Menge Arbeit für die Forstarbeiter . So wie für Max Johannes Plate und Nicolas Schmidt. Die beiden Forstfachleute haben einen ganz besonderen Helfer an ihrer Seite, wenn sie Fichtenstämme aus schwer zugänglichen Waldbereichen bergen müssen. „Moritz“ ist eine 45 PS-starke Fäll-Raupe, kompakt, per Fernsteuerung gelenkt und mit 1,4 Tonnen ein relativ leichtes Gerät, das auch dank der Ketten kaum Eindruck auf den Waldboden macht. Ein Rückepferd mit Diesel, quasi. Die Forstarbeiter haben derzeit mehr zu tun, als sie schaffen können. Doch die goldenen Zeiten für Forstbetriebe werden nicht ewig dauern. „Wenn die Fichte weg ist, wird sich das ändern“, vermutet Plate, der menschliche Teil in dem Rücketeam „Max und Moritz“. Zwei Jahre, so schätzen er und sein Kollege Schmidt, werden sie noch mit dem Fällen und Aufbereiten der Fichten zu tun haben.

Doch was so schlimm für die Fichte ist, könnte ja auch eine Chance für den Rest des Waldes sein. Denn wenn Buchdrucker und Kupferstecher – so heißen die herrschenden Borkenkäferarten – nichts mehr zu beißen finden, dann müsste es doch auch mit ihnen zu Ende gehen. Könnte, muss aber nicht, weiß der Förster. „In der Not frisst der Teufel Fliegen und der Borkenkäfer Lärchen“, sagt Uhr. Wofür es – leider – schon Indizien gibt. Am Waldweg bei Bergkirchen liegen nicht nur zugeschnittene Fichtenhölzer, sondern auch Lärchenstämme. Mit Käferlöchern. Auch hier beginnt der Befall.

„Hoffen wir, dass es nicht so schlimm wird“, sagt Uhr. Denn der Anteil der Lärche ist hier im Wiehengebirge so hoch, wie er früher auch bei der Fichte war: 15 Prozent.

Aber der Förster ist ja Optimist. „2021 könnte der Wendepunkt für den Wald und den Käfer sein“, hofft Uhr. Ob es die Wende wird, ist aber für Uhr noch nicht ausgemacht. Voraussetzung ist für ihn, dass das nächste Jahr ein normales Wetterjahr wird. „Wenn 2022 wieder warm und trocken wird, dann startet der Käfer noch mal durch“, fürchtet Uhr.

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