„Ich muss mich nicht permanent streiten“: Henning Grinke im MT-Sommerinterview Stefanie Dullweber Hille. Ende November trat Henning Grinke an, um neuer Bürgermeister der Gemeinde Hille zu werden. Im zweiten Wahlgang musste er sich dem Amtsinhaber Michael Schweiß geschlagen geben. Seit der Wahl im September letzten Jahres leitet der Politiker aus Südhemmeran die CDU-Fraktion. Laut erlebt man ihn bei Debatten im Rat selten, aber er hinterfragt viele Themen. Im MT-Sommerinterview spricht er über die Feuerwehr, die Wirtschaftsförderung und darüber, warum es künftig im Rat nicht immer harmonisch zugehen kann. Sie sind seit rund neun Monaten Fraktionsvorsitzender der CDU. Wie fällt ihre Bilanz bislang aus? Es ist eine spannende Zeit. Alle, die – wie ich – neu in den Rat gekommen sind, waren gefordert, sich in die Aufgaben einzufinden. Das ist mir und meiner Fraktion gut gelungen, wobei die Neuen von den erfahrenen Ratsmitgliedern, wie zum Beispiel Eberhard Peper, Rolf Tiemann und Hans Thienelt profitieren. Wir werden noch viel bewegen. Wie groß sind die Fußstapfen, die Ihr Vorgänger Herbert Heuer hinterlassen hat? Und wie sieht Ihr Weg aus? Ich bin nicht Herbert Heuer und ich packe Sachen auch anders an. Das liegt zum einen an der Lebenserfahrung – Herbert ist ein paar Tage älter als ich – und zum anderen an dem beruflichen Hintergrund. Von Berufs wegen habe ich bereits einige Berührungspunkte mit der Kommunalpolitik gehabt, gerade was fachliche Fragestellungen in der Verwaltung angeht. Ich möchte gerne die ganze Fraktion fachlich und meinungstechnisch mitnehmen. Natürlich ist das bei elf Ratsmitgliedern plus sachkundigen Bürgern nicht immer einfach, aber die Demokratie lebt von der Meinungsvielfalt. Hitzige Debatten im Rat gab es bislang kaum. Woran liegt das? Ja, das Bild ist recht harmonisch. Das liegt daran, dass wir es mit den gleichen Problemen zu tun haben und es häufig nicht so viele verschiedene Lösungen gibt. Darum sind wir uns meist relativ schnell einig. Ich selbst bin ein harmoniebedürftiger Mensch und muss mich nicht permanent streiten – was aber nicht heißt, dass man sich der Meinung der anderen beugen muss. Ich denke, dass von einer guten fachlichen Diskussion beide Seiten etwas haben und etwas lernen können. Ich freue mich, dass wir momentan alle an einem Strang ziehen, gehe aber davon aus, dass das nicht immer der Fall sein wird. Könnte die Feuerwehr so ein Streitpunkt sein? Die Feuerwehr ist ein sehr sensibles Thema. Die Leistung der Ehrenamtler steht für uns alle außer Frage und wir sind den Kräften hochgradig dankbar. Dass sie gut ausgestattet sein sollen, ist auch selbstverständlich. Wie und in welchem Umfang das vernünftig ist, da sind wir in einem Zwiespalt, denn es muss zu den Verhältnissen von Hille passen. Wenn wir keine finanziellen Nöte hätten, könnte die Feuerwehr alles bekommen, aber wir müssen auch auf unsere Finanzen achten. Ein Beispiel: Die Stadt Petershagen bekommt es hin, ein Tanklöschfahrzeug mit 4.000 Litern Wasser inklusive Ausstattung für circa 280.000 Euro zu bestellen, wie im MT zu lesen war. Warum ist ein Tanklöschfahrzeug mit 3.000 Litern Wasser für die Gemeinde Hille mit 400.000 Euro ohne Ausstattung veranschlagt? Natürlich erkenne ich die Notwendigkeit, aber solche Fragen müssen erlaubt sein. Es ist immerhin das Geld der Bürgerinnen und Bürger, das wir hier ausgeben. Sie sind im letzten Jahr als Bürgermeisterkandidat für eine solide Haushaltsplanung angetreten. Wie ist es aktuell um die Finanzen der Gemeinde Hille bestellt? Der Jahresabschluss 2019 steht noch aus, der wird im September im Rechnungsprüfungsausschuss vorgestellt. Das Jahr 2019 wird mit einem besseren Ergebnis abschließen als ursprünglich geplant. Auch 2020 wird aller Voraussicht nach ein positives Jahresergebnis haben, obwohl anders prognostiziert. Der Kämmerer und der Bürgermeister haben zwischenzeitlich über ein Minus von mehr als drei Millionen Euro gesprochen. Das erwartbare positive Ergebnis wird sicherlich auf gewisse Coronahilfen zurückzuführen sein. Im Wahlkampf hatten wir gerade wegen der Pandemie gefordert, Steuern zu senken. Es gibt genügend Leute, die in Kurzarbeit gegangen sind oder ihren Job verloren haben. Klar ist eine Grundsteuersenkung ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es sollte ein Zeichen sein. Ich hoffe, dass wir es mit dem Rückenwind der positiven Jahresergebnisse künftig hinbekommen, den Bürgern etwas zurückzugeben. Ein weiteres Wahlkampfthema war die Wirtschaftsförderung. Diese Stelle ist im Rathaus aktuell nicht mehr besetzt. Was muss passieren? Der Wirtschaftsförderer hat sein Arbeitsverhältnis beendet. Es ist von vielen Seiten an uns herangetragen worden, dass er nicht groß in Erscheinung getreten ist. Für jemanden, der solch eine Stelle innehat und sich um die Belange der Gemeinde kümmern soll, ist das ein schlechtes Zeichen. Was da inhaltlich im Argen liegt, darüber ist der Rat nicht ausreichend informiert worden. Ich sehe viele Themen, die angepackt werden müssen. Als Wirtschaftsförderer muss ich wissen, welche Unternehmen es gibt, und wie ich ihnen helfen kann. Ich muss mich mit Fördergeldern auskennen. Ich hätte mir mehr Aktivität und Kreativität gewünscht. Gefühlt ist da sehr wenig passiert, deshalb hatten wir beantragt, die Stelle zu streichen. Ich sehe das Thema beim Bürgermeister angesiedelt. Es ist Chefsache, sich darum zu kümmern. Nur wenn wir einen attraktiven Standort anbieten können, haben wir die Chance, Unternehmen in Hille zu halten und neue Unternehmen hier anzusiedeln. Ihr letzter Facebook-Post war ein Dankeschön für die Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag. Wie häufig und wofür nutzen Sie soziale Medien? Ich nutze soziale Medien seit dem Bürgermeister-Wahlkampf, Facebook und Instagram insbesondere. Neben dem Beruf und der Ratsarbeit muss ich mich manchmal selbst daran erinnern, diese Medien regelmäßig zu bedienen. Da habe ich auf jeden Fall noch Luft nach oben. Die Schulen haben noch keinen Glasfaseranschluss. Beim Homeschooling lief während der Pandemie nicht alles rund. Wie groß ist der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung? Da ist Hille sicherlich keine Ausnahme. Die gute Nachricht ist, dass Glasfaser für ganz Hille geplant ist – auch über den Masterplan des Kreises hinaus. Die Schulen sollen selbstverständlich auch angeschlossen werden, können aber nicht vorgezogen werden. Mit dem Haushaltsplan 2021 haben wir eine Stelle für die IT-Betreuung in den Schulen geschaffen. Wir hoffen, dass wir diese Stelle besetzt kriegen. Die CDU hat zuletzt (beim Kindergarten oder beim Kunstrasenplatz) mehr Transparenz von der Verwaltung gefordert. Wo hakt es in der Kommunikation? Es hakt generell in der Kommunikation. Das ist kein Vorwurf, sondern lässt sich leicht erklären. Die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter beschäftigen sich jeden Tag mit den Themen, über die wir nur nach Feierabend reden. Das ganze Hintergrundwissen haben wir Ratsmitglieder nicht. Was für die Verwaltung selbstverständlich ist, ist für uns nicht immer nachvollziehbar. Dass wir gewisse Dinge einfordern, hat nichts damit zu tun, dass wir der Verwaltung misstrauen – im Gegenteil. Wir möchten die Themen und insbesondere Beweggründe verstehen, um sie guten Gewissens entscheiden zu können. Ich glaube, wir können viel erreichen, wenn wir Verständnis für unser Gegenüber aufbringen und uns auch mal in dessen Situation hineinversetzen.

„Ich muss mich nicht permanent streiten“: Henning Grinke im MT-Sommerinterview

Seit etwa neun Monaten ist Henning Grinke Vorsitzender der CDU-Fraktion. Foto: Christian Schwier/privat © Foto 2020 von www.ChristianSchwier.de

Hille. Ende November trat Henning Grinke an, um neuer Bürgermeister der Gemeinde Hille zu werden. Im zweiten Wahlgang musste er sich dem Amtsinhaber Michael Schweiß geschlagen geben. Seit der Wahl im September letzten Jahres leitet der Politiker aus Südhemmeran die CDU-Fraktion. Laut erlebt man ihn bei Debatten im Rat selten, aber er hinterfragt viele Themen. Im MT-Sommerinterview spricht er über die Feuerwehr, die Wirtschaftsförderung und darüber, warum es künftig im Rat nicht immer harmonisch zugehen kann.

Sie sind seit rund neun Monaten Fraktionsvorsitzender der CDU. Wie fällt ihre Bilanz bislang aus?


Es ist eine spannende Zeit. Alle, die – wie ich – neu in den Rat gekommen sind, waren gefordert, sich in die Aufgaben einzufinden. Das ist mir und meiner Fraktion gut gelungen, wobei die Neuen von den erfahrenen Ratsmitgliedern, wie zum Beispiel Eberhard Peper, Rolf Tiemann und Hans Thienelt profitieren. Wir werden noch viel bewegen.

Wie groß sind die Fußstapfen, die Ihr Vorgänger Herbert Heuer hinterlassen hat? Und wie sieht Ihr Weg aus?

Ich bin nicht Herbert Heuer und ich packe Sachen auch anders an. Das liegt zum einen an der Lebenserfahrung – Herbert ist ein paar Tage älter als ich – und zum anderen an dem beruflichen Hintergrund. Von Berufs wegen habe ich bereits einige Berührungspunkte mit der Kommunalpolitik gehabt, gerade was fachliche Fragestellungen in der Verwaltung angeht. Ich möchte gerne die ganze Fraktion fachlich und meinungstechnisch mitnehmen. Natürlich ist das bei elf Ratsmitgliedern plus sachkundigen Bürgern nicht immer einfach, aber die Demokratie lebt von der Meinungsvielfalt.

Hitzige Debatten im Rat gab es bislang kaum. Woran liegt das?

Ja, das Bild ist recht harmonisch. Das liegt daran, dass wir es mit den gleichen Problemen zu tun haben und es häufig nicht so viele verschiedene Lösungen gibt. Darum sind wir uns meist relativ schnell einig. Ich selbst bin ein harmoniebedürftiger Mensch und muss mich nicht permanent streiten – was aber nicht heißt, dass man sich der Meinung der anderen beugen muss. Ich denke, dass von einer guten fachlichen Diskussion beide Seiten etwas haben und etwas lernen können. Ich freue mich, dass wir momentan alle an einem Strang ziehen, gehe aber davon aus, dass das nicht immer der Fall sein wird.

Könnte die Feuerwehr so ein Streitpunkt sein?

Die Feuerwehr ist ein sehr sensibles Thema. Die Leistung der Ehrenamtler steht für uns alle außer Frage und wir sind den Kräften hochgradig dankbar. Dass sie gut ausgestattet sein sollen, ist auch selbstverständlich. Wie und in welchem Umfang das vernünftig ist, da sind wir in einem Zwiespalt, denn es muss zu den Verhältnissen von Hille passen. Wenn wir keine finanziellen Nöte hätten, könnte die Feuerwehr alles bekommen, aber wir müssen auch auf unsere Finanzen achten. Ein Beispiel: Die Stadt Petershagen bekommt es hin, ein Tanklöschfahrzeug mit 4.000 Litern Wasser inklusive Ausstattung für circa 280.000 Euro zu bestellen, wie im MT zu lesen war. Warum ist ein Tanklöschfahrzeug mit 3.000 Litern Wasser für die Gemeinde Hille mit 400.000 Euro ohne Ausstattung veranschlagt? Natürlich erkenne ich die Notwendigkeit, aber solche Fragen müssen erlaubt sein. Es ist immerhin das Geld der Bürgerinnen und Bürger, das wir hier ausgeben.

Sie sind im letzten Jahr als Bürgermeisterkandidat für eine solide Haushaltsplanung angetreten. Wie ist es aktuell um die Finanzen der Gemeinde Hille bestellt?

Der Jahresabschluss 2019 steht noch aus, der wird im September im Rechnungsprüfungsausschuss vorgestellt. Das Jahr 2019 wird mit einem besseren Ergebnis abschließen als ursprünglich geplant. Auch 2020 wird aller Voraussicht nach ein positives Jahresergebnis haben, obwohl anders prognostiziert. Der Kämmerer und der Bürgermeister haben zwischenzeitlich über ein Minus von mehr als drei Millionen Euro gesprochen. Das erwartbare positive Ergebnis wird sicherlich auf gewisse Coronahilfen zurückzuführen sein. Im Wahlkampf hatten wir gerade wegen der Pandemie gefordert, Steuern zu senken. Es gibt genügend Leute, die in Kurzarbeit gegangen sind oder ihren Job verloren haben. Klar ist eine Grundsteuersenkung ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es sollte ein Zeichen sein. Ich hoffe, dass wir es mit dem Rückenwind der positiven Jahresergebnisse künftig hinbekommen, den Bürgern etwas zurückzugeben.

Ein weiteres Wahlkampfthema war die Wirtschaftsförderung. Diese Stelle ist im Rathaus aktuell nicht mehr besetzt. Was muss passieren?

Der Wirtschaftsförderer hat sein Arbeitsverhältnis beendet. Es ist von vielen Seiten an uns herangetragen worden, dass er nicht groß in Erscheinung getreten ist. Für jemanden, der solch eine Stelle innehat und sich um die Belange der Gemeinde kümmern soll, ist das ein schlechtes Zeichen. Was da inhaltlich im Argen liegt, darüber ist der Rat nicht ausreichend informiert worden. Ich sehe viele Themen, die angepackt werden müssen. Als Wirtschaftsförderer muss ich wissen, welche Unternehmen es gibt, und wie ich ihnen helfen kann. Ich muss mich mit Fördergeldern auskennen. Ich hätte mir mehr Aktivität und Kreativität gewünscht. Gefühlt ist da sehr wenig passiert, deshalb hatten wir beantragt, die Stelle zu streichen. Ich sehe das Thema beim Bürgermeister angesiedelt. Es ist Chefsache, sich darum zu kümmern. Nur wenn wir einen attraktiven Standort anbieten können, haben wir die Chance, Unternehmen in Hille zu halten und neue Unternehmen hier anzusiedeln.

Ihr letzter Facebook-Post war ein Dankeschön für die Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag. Wie häufig und wofür nutzen Sie soziale Medien?

Ich nutze soziale Medien seit dem Bürgermeister-Wahlkampf, Facebook und Instagram insbesondere. Neben dem Beruf und der Ratsarbeit muss ich mich manchmal selbst daran erinnern, diese Medien regelmäßig zu bedienen. Da habe ich auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Die Schulen haben noch keinen Glasfaseranschluss. Beim Homeschooling lief während der Pandemie nicht alles rund. Wie groß ist der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung?

Da ist Hille sicherlich keine Ausnahme. Die gute Nachricht ist, dass Glasfaser für ganz Hille geplant ist – auch über den Masterplan des Kreises hinaus. Die Schulen sollen selbstverständlich auch angeschlossen werden, können aber nicht vorgezogen werden. Mit dem Haushaltsplan 2021 haben wir eine Stelle für die IT-Betreuung in den Schulen geschaffen. Wir hoffen, dass wir diese Stelle besetzt kriegen.

Die CDU hat zuletzt (beim Kindergarten oder beim Kunstrasenplatz) mehr Transparenz von der Verwaltung gefordert. Wo hakt es in der Kommunikation?

Es hakt generell in der Kommunikation. Das ist kein Vorwurf, sondern lässt sich leicht erklären. Die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter beschäftigen sich jeden Tag mit den Themen, über die wir nur nach Feierabend reden. Das ganze Hintergrundwissen haben wir Ratsmitglieder nicht. Was für die Verwaltung selbstverständlich ist, ist für uns nicht immer nachvollziehbar. Dass wir gewisse Dinge einfordern, hat nichts damit zu tun, dass wir der Verwaltung misstrauen – im Gegenteil. Wir möchten die Themen und insbesondere Beweggründe verstehen, um sie guten Gewissens entscheiden zu können. Ich glaube, wir können viel erreichen, wenn wir Verständnis für unser Gegenüber aufbringen und uns auch mal in dessen Situation hineinversetzen.

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