Hochwasser, Sturm, Moorbrand: Feuerwehrleute müssen innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit sein Stefanie Dullweber Hille-Holzhausen. Damit die kritische Infrastruktur nicht durch Corona-Fälle lahmgelegt wird, werden aktuell in allen Bereichen Vorbereitungen getroffen. Das ist auch bei der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille so. „Wir haben unseren Dienstbetrieb maximal eingeschränkt“, sagt Sven Bredebusch, stellvertretender Leiter der Wehr. Bei Übungen gelte grundsätzlich die 2G plus-Regel – also geimpft und zusätzlich getestet. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft auf jeden Fall aufrecht zu erhalten. Ganz verzichten möchten die Ehrenamtlichen auf ihre Übungsabende jedoch nicht. Und das sei auch fahrlässig, weiß Bredebusch. „Als im letzten Jahr alles über Monate eingestellt wurde, fehlte vielen der Bezug zu Geräten und Fahrzeugen. Das haben wir bei den Einsätzen gesehen.“ Deshalb gilt: Üben ja, Versammlungen oder andere Zusammenkünfte nein. „Wir haben die Hoffnung, dass diese Situation nicht so lange anhält. Momentan können wir aber nur von Tag zu Tag planen“, sagt Bredebusch.Mit Katastrophen kennen sich die Feuerwehrleute aus. Allen voran die Löschgruppe Holzhausen II. Denn dort hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Fahrzeug für den Katastrophenschutz stationiert. Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt hat zwei dieser Einsatzwagen – immer in Kombination mit einem Dekontaminationsfahrzeug, das für den Einsatz von Gefahrstoffunfällen konzipiert ist. Es ist bei der Löschgruppe Hartum ansässig.Die Holzhauser haben gerade erst den Nachfolger ihres über 30 Jahre alten Katastrophenschutzfahrzeugs aus Münster abgeholt. Das alte Schätzchen sei Ende 2019 außer Dienst genommen worden, berichtet Löschgruppenführer Lars Riechmann. „Es ist schön, dass wir ein solches Fahrzeug hier bei uns haben. Wir dürfen es auch für eigene Einsätze nutzen, aber sobald das Land entscheidet, dass wir ausrücken sollen, sind wir dazu verpflichtet.“ Außerdem könne das Land das Fahrzeug jederzeit zurückfordern. Es darf also rein rechtlich nicht im Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde Hille berücksichtigt werden.Zuletzt unterstützten die Hiller den Hochwassereinsatz nach der Flutkatastrophe im Sauerland. Für die Einsatzkräfte aus Hille ging es im Juli 2021 nach Altena. „Nach der Alarmierung um 18 Uhr hatten wir zwei Stunden Zeit, um mit neun Leuten abfahrbereit an der Feuerwache in Porta zu sein“, erinnert sich Mathias Becker, stellvertretender Löschgruppenführer in Holzhausen II. Bereits bei der Abfahrt hätten sie gewusst, dass im Katastrophengebiet Kameraden von ihnen ums Leben gekommen waren, erinnert sich Sven Bredebusch, der ebenfalls mit vor Ort war. „Die Anspannung kam erst kurz vor der Ankunft. Bis dahin waren wir relativ ruhig“, erinnert sich Mathias Becker. Und realisiert hätten sie das Ausmaß erst, als sie schon mittendrin waren. „Zu der Zeit hatte jeder von uns schon einen ganzen Arbeitstag hinter sich. Aber du steckst in dem Moment so voll Adrenalin, dass du wach bleibst.“ Am nächsten Morgen um 5 Uhr hätten sie dann die ersten Keller leergepumpt, Zuwegungen erkundet und dabei nahezu unpassierbare Strecken zurückgelegt. „Teilweise wussten wir nicht, ob die Straße hält, weil sie so unterspült war.“Wie häufig die Feuerwehrleute vom Land alarmiert werden, lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken. „Die Einsätze werden mehr“, sagt Sven Bredebusch. In den vergangenen Jahren waren die Hiller im Rahmen des Katastrophenschutzes unter anderem beim Elbe-Hochwasser (2013), beim Schnee-Chaos im Münsterland, bei der Beseitigung von Sturmschäden in Mühlheim (2013) und beim Moorbrand in Gronau (2011) eingesetzt. „Die Ereignisse der letzten Jahre haben dazu geführt, dass der Katastrophenschutz mehr in den Blick genommen wurde. Das Land hat massiv aufgerüstet“, sagt Sven Bredebusch.Das neue Löschfahrzeug in Holzhausen II verfügt über einen 1.000-Liter-Tank und ist damit für den Erstangriff bei einem Feuer geeignet. Die Ausrüstung eignet sich für Waldbrände, Hochwasser, Sturmschäden. Alles befindet sich in doppelter Ausführung an Bord – wie zum Beispiel Motorsägen oder Schmutzwasserpumpen. Aktuell sind die Verantwortlichen damit beschäftigt, mit dem Material zu üben, alles herzurichten, zu beschriften und auszupacken sowie den Atemschutz und die Funkgeräte zu verbauen.Werden die Holzhauser zu einem Einsatz in der Gemeinde Hille alarmiert, rücken sie jedoch mit ihrem eigenen Löschfahrzeug LF 20 aus, das über einen 2.400-Liter-Tank verfügt. „Wir brauchen unser eigenes Fahrzeug, denn der andere Wagen für den Katastrophenschutz kann jederzeit wieder abgezogen werden“, betont Lars Riechmann. Das könnte zum Problem werden. Das LF 20 ist bereits über 20 Jahre alt und wurde Ende 2019 übergangsweise angeschafft, weil der Vorgänger außer Dienst gestellt werden musste. Längst hat die Wehrführung eine Neuanschaffung beantragt. Die politischen Vertreter wollen jedoch zunächst den Brandschutzbedarfsplan und die Standortanalyse abwarten. „Das wird noch dauern und auf ein bestelltes Fahrzeug wartet man in der Regel zwei bis drei Jahre“, weiß Sven Bredebusch.

Hochwasser, Sturm, Moorbrand: Feuerwehrleute müssen innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit sein

Löschgruppenführer Lars Riechmann hat den neuen Wagen höchstpersönlich von Münster nach Holzhausen II gefahren. Das Löschfahrzeug KatS ist eines von 109 Fahrzeugen, die das Land NRW für den Katastrophenschutz und die überörtliche Hilfe angeschafft hat. MT-Fotos: Stefanie Dullweber © sbo

Hille-Holzhausen. Damit die kritische Infrastruktur nicht durch Corona-Fälle lahmgelegt wird, werden aktuell in allen Bereichen Vorbereitungen getroffen. Das ist auch bei der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille so. „Wir haben unseren Dienstbetrieb maximal eingeschränkt“, sagt Sven Bredebusch, stellvertretender Leiter der Wehr. Bei Übungen gelte grundsätzlich die 2G plus-Regel – also geimpft und zusätzlich getestet. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft auf jeden Fall aufrecht zu erhalten.

Ganz verzichten möchten die Ehrenamtlichen auf ihre Übungsabende jedoch nicht. Und das sei auch fahrlässig, weiß Bredebusch. „Als im letzten Jahr alles über Monate eingestellt wurde, fehlte vielen der Bezug zu Geräten und Fahrzeugen. Das haben wir bei den Einsätzen gesehen.“ Deshalb gilt: Üben ja, Versammlungen oder andere Zusammenkünfte nein. „Wir haben die Hoffnung, dass diese Situation nicht so lange anhält. Momentan können wir aber nur von Tag zu Tag planen“, sagt Bredebusch.

Mit Katastrophen kennen sich die Feuerwehrleute aus. Allen voran die Löschgruppe Holzhausen II. Denn dort hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Fahrzeug für den Katastrophenschutz stationiert. Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt hat zwei dieser Einsatzwagen – immer in Kombination mit einem Dekontaminationsfahrzeug, das für den Einsatz von Gefahrstoffunfällen konzipiert ist. Es ist bei der Löschgruppe Hartum ansässig.

Die Holzhauser haben gerade erst den Nachfolger ihres über 30 Jahre alten Katastrophenschutzfahrzeugs aus Münster abgeholt. Das alte Schätzchen sei Ende 2019 außer Dienst genommen worden, berichtet Löschgruppenführer Lars Riechmann. „Es ist schön, dass wir ein solches Fahrzeug hier bei uns haben. Wir dürfen es auch für eigene Einsätze nutzen, aber sobald das Land entscheidet, dass wir ausrücken sollen, sind wir dazu verpflichtet.“ Außerdem könne das Land das Fahrzeug jederzeit zurückfordern. Es darf also rein rechtlich nicht im Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde Hille berücksichtigt werden.

Zuletzt unterstützten die Hiller den Hochwassereinsatz nach der Flutkatastrophe im Sauerland. Für die Einsatzkräfte aus Hille ging es im Juli 2021 nach Altena. „Nach der Alarmierung um 18 Uhr hatten wir zwei Stunden Zeit, um mit neun Leuten abfahrbereit an der Feuerwache in Porta zu sein“, erinnert sich Mathias Becker, stellvertretender Löschgruppenführer in Holzhausen II. Bereits bei der Abfahrt hätten sie gewusst, dass im Katastrophengebiet Kameraden von ihnen ums Leben gekommen waren, erinnert sich Sven Bredebusch, der ebenfalls mit vor Ort war. „Die Anspannung kam erst kurz vor der Ankunft. Bis dahin waren wir relativ ruhig“, erinnert sich Mathias Becker. Und realisiert hätten sie das Ausmaß erst, als sie schon mittendrin waren. „Zu der Zeit hatte jeder von uns schon einen ganzen Arbeitstag hinter sich. Aber du steckst in dem Moment so voll Adrenalin, dass du wach bleibst.“ Am nächsten Morgen um 5 Uhr hätten sie dann die ersten Keller leergepumpt, Zuwegungen erkundet und dabei nahezu unpassierbare Strecken zurückgelegt. „Teilweise wussten wir nicht, ob die Straße hält, weil sie so unterspült war.“

Wie häufig die Feuerwehrleute vom Land alarmiert werden, lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken. „Die Einsätze werden mehr“, sagt Sven Bredebusch. In den vergangenen Jahren waren die Hiller im Rahmen des Katastrophenschutzes unter anderem beim Elbe-Hochwasser (2013), beim Schnee-Chaos im Münsterland, bei der Beseitigung von Sturmschäden in Mühlheim (2013) und beim Moorbrand in Gronau (2011) eingesetzt. „Die Ereignisse der letzten Jahre haben dazu geführt, dass der Katastrophenschutz mehr in den Blick genommen wurde. Das Land hat massiv aufgerüstet“, sagt Sven Bredebusch.

Das neue Löschfahrzeug in Holzhausen II verfügt über einen 1.000-Liter-Tank und ist damit für den Erstangriff bei einem Feuer geeignet. Die Ausrüstung eignet sich für Waldbrände, Hochwasser, Sturmschäden. Alles befindet sich in doppelter Ausführung an Bord – wie zum Beispiel Motorsägen oder Schmutzwasserpumpen. Aktuell sind die Verantwortlichen damit beschäftigt, mit dem Material zu üben, alles herzurichten, zu beschriften und auszupacken sowie den Atemschutz und die Funkgeräte zu verbauen.

Werden die Holzhauser zu einem Einsatz in der Gemeinde Hille alarmiert, rücken sie jedoch mit ihrem eigenen Löschfahrzeug LF 20 aus, das über einen 2.400-Liter-Tank verfügt. „Wir brauchen unser eigenes Fahrzeug, denn der andere Wagen für den Katastrophenschutz kann jederzeit wieder abgezogen werden“, betont Lars Riechmann. Das könnte zum Problem werden. Das LF 20 ist bereits über 20 Jahre alt und wurde Ende 2019 übergangsweise angeschafft, weil der Vorgänger außer Dienst gestellt werden musste. Längst hat die Wehrführung eine Neuanschaffung beantragt. Die politischen Vertreter wollen jedoch zunächst den Brandschutzbedarfsplan und die Standortanalyse abwarten. „Das wird noch dauern und auf ein bestelltes Fahrzeug wartet man in der Regel zwei bis drei Jahre“, weiß Sven Bredebusch.


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