Hiller SPD will Debatte zum Klimaschutz in Gang setzen - auf ungewöhnlichen Wegen Carsten Korfesmeyer Hille. Es ist ein SPD-Antrag, der keinen konkreten Beschluss fordert. Ungewöhnlich ist das im kommunalpolitischen Alltag, doch Ratsmitglied Mario Lohmann liefert im Planungsausschuss die Begründung. Seiner Fraktion gehe es darum, eine Debatte über mehr Klimaschutz in der Gemeinde anzustoßen. Besonders über neue ökologische Maßnahmen beim Bauen wolle man mit den Parteien diskutieren. Zwischen den Zeilen lässt sich daraus allerdings der Vorwurf herauslesen, dass die Gemeinde auf diesem Gebiet noch deutlich Luft nach oben hat. SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Steuber erklärt gegenüber dem MT, wie wichtig es sei, dem Klimaschutz in der Gemeindepolitik einen höheren Stellenwert einzuräumen. Über vieles sei gesprochen, aber wenig bis nichts konkretes beschlossen worden. „Vor allem beim Trinkwasser ist noch viel mehr möglich", sagt die Politikerin, die in der Umweltpolitik der Gemeinde noch einiges voran bringen möchte. Beim „Lebensmittel Nummer eins" sieht sie große Verschwendungen – vor allem, wenn es um Toilettenspülungen geht. Die sollten besser mit Regenwasser erfolgen. Für künftige Baugebiete wünscht sie sich dafür getrennte Leitungen. Dadurch könnten die Kosten für die Erschließung in die Höhe schießen, heißt es von Teilen der Politik. Susanne Steuber sieht das anders und verweist auf mögliche Fördermittel. Außerdem müsse langfristig gedacht werden. „Wenn man erst investiert, kann man später sparen", sagt sie gegenüber dem MT. Lohnenswert im Hinblick auf mehr Klimaschutz sei auch der Blick auf Heizungen oder Photovoltaik. Auch das Netz für Ladesäulen für Elektroautos sollte weiter ausgebaut werden. Und das Modell Car-Sharing sei gerade für eine ländlich geprägte Gemeinde interessant. Sie freue sich auf die kommenden Debatten. „Wir bleiben auf jeden Fall am Ball." Schon im Planungsausschuss hatte Volker Weber (FWG) deutliche Kritik an dem SPD-Antrag geübt. Niemand sei gegen Umweltschutz, aber Bauland würde aufgrund der immer weitereren Auflagen für den normalen Bürger allmählich unbezahlbar, sagte er. Am Mittwoch bekräftigt er gegenüber dem MT noch einmal seine Haltung. „Wenn wir junge Familien nach Hille holen möchten, müssen die Baulandpreise so gering wie möglich gehalten werden", sagt der Politiker. Er ist gegen Reglementierung und spricht sich mehr dafür aus, Anreize zum umweltbewussten Bauen zu schaffen. CDU-Fraktionschef Henning Grinke erklärt, dass sich seine Partei vor sinnvollen Maßnahmen nicht verschließen wird. Ob der von der SPD gewählte Weg über einen Antrag sinnvoll ist, bezweifelt er allerdings. „Der ist weder Fisch noch Fleisch", sagt er auf Anfrage. Er vermisse in dem Papier die konkreten Vorschläge der SPD. Unklar sei ihm auch, ob eine Stärkung des Klimaschutzes über verschärfte Regeln oder Anreize erreicht werden soll. „Trotzdem ist es eine gut gemeinte Sache, über die wir sprechen können." Grünen-Fraktionsvorsitzende Marlies Schulder findet den SPD-Vorstoß grundsätzlich positiv, sieht aber auch Risiken. „Zu viele Vorschriften beim Bauen könnten eher abschrecken", sagt sie. Ihrer Ansicht nach sei es sinnvoller, bestimmte Baugebiete rein ökologisch zu vermarkten. Eine solche Idee habe ihre Partei bereits vor rund zehn Jahren ins Spiel gebracht, habe sich damals aber nicht durchsetzen können. Die Trennung von Grauwasser und Trinkwasser lasse sich beispielsweise auf diese Weise einfacher umsetzen. Für die Hiller FDP-Fraktion steht das Thema Umweltschutz ebenfalls ganz oben auf der Agenda. „Man kann die Leute aber zu nichts zwingen", sagt Fraktionsvorsitzender Ludwig Volkmann. Er und seine Partei möchten den Menschen lieber Anreize geben. Ein Antrag, der die Investition in Photovoltaik unterstützt, habe die FDP gestellt. Nicht konkret, aber sinnvoll Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer Reflexartig stimmt wohl jeder sofort zu, wenn mehr Klimaschutz gefordert wird. Greift einem dafür jedoch jemand tief ins eigene Portmonee, schwindet das ökologische Bewusstsein meist. Beim Thema Geld hört vieles auf – auch die Bereitschaft, in umweltfreundliche Technologien zu investieren. Der SPD-Antrag ist bestenfalls ein Appell an das gute Gewissen. Nur das allein wird kaum reichen können, um in der Sache weiter zu kommen. Dem Papier fehlen konkrete Ideen, außerdem geht unter, dass die Gemeinde mit dem Verbot von Schottergärten oder dem Einsatz insektenverträglicher Leuchtmittel schon einiges getan hat. Allein durch Idealismus wird die Welt nicht besser. Dafür braucht es mehr als gute Absichten. Die SPD hat ihren Antrag trotzdem gestellt und damit zumindest ein Signal gesendet. Dieses ist ein Weckruf an alle, die den Umweltschutz als Aufgabe der großen Politik begreifen. Ein Irrtum: Er fängt im Kleinen an.

Hiller SPD will Debatte zum Klimaschutz in Gang setzen - auf ungewöhnlichen Wegen

Sollen Trinkwasser und Grauwasser in den neuen Hiller Baugebieten über getrennte Leitungen fließen? In der Debatte über ökologische Maßnahmen zum Klimaschutz dürfte darüber diskutiert werden. Foto: bub © imago/Becker&Bredel

Hille. Es ist ein SPD-Antrag, der keinen konkreten Beschluss fordert. Ungewöhnlich ist das im kommunalpolitischen Alltag, doch Ratsmitglied Mario Lohmann liefert im Planungsausschuss die Begründung. Seiner Fraktion gehe es darum, eine Debatte über mehr Klimaschutz in der Gemeinde anzustoßen. Besonders über neue ökologische Maßnahmen beim Bauen wolle man mit den Parteien diskutieren. Zwischen den Zeilen lässt sich daraus allerdings der Vorwurf herauslesen, dass die Gemeinde auf diesem Gebiet noch deutlich Luft nach oben hat.

SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Steuber erklärt gegenüber dem MT, wie wichtig es sei, dem Klimaschutz in der Gemeindepolitik einen höheren Stellenwert einzuräumen. Über vieles sei gesprochen, aber wenig bis nichts konkretes beschlossen worden. „Vor allem beim Trinkwasser ist noch viel mehr möglich", sagt die Politikerin, die in der Umweltpolitik der Gemeinde noch einiges voran bringen möchte. Beim „Lebensmittel Nummer eins" sieht sie große Verschwendungen – vor allem, wenn es um Toilettenspülungen geht. Die sollten besser mit Regenwasser erfolgen. Für künftige Baugebiete wünscht sie sich dafür getrennte Leitungen.

Dadurch könnten die Kosten für die Erschließung in die Höhe schießen, heißt es von Teilen der Politik. Susanne Steuber sieht das anders und verweist auf mögliche Fördermittel. Außerdem müsse langfristig gedacht werden. „Wenn man erst investiert, kann man später sparen", sagt sie gegenüber dem MT. Lohnenswert im Hinblick auf mehr Klimaschutz sei auch der Blick auf Heizungen oder Photovoltaik. Auch das Netz für Ladesäulen für Elektroautos sollte weiter ausgebaut werden. Und das Modell Car-Sharing sei gerade für eine ländlich geprägte Gemeinde interessant. Sie freue sich auf die kommenden Debatten. „Wir bleiben auf jeden Fall am Ball."


Schon im Planungsausschuss hatte Volker Weber (FWG) deutliche Kritik an dem SPD-Antrag geübt. Niemand sei gegen Umweltschutz, aber Bauland würde aufgrund der immer weitereren Auflagen für den normalen Bürger allmählich unbezahlbar, sagte er. Am Mittwoch bekräftigt er gegenüber dem MT noch einmal seine Haltung. „Wenn wir junge Familien nach Hille holen möchten, müssen die Baulandpreise so gering wie möglich gehalten werden", sagt der Politiker. Er ist gegen Reglementierung und spricht sich mehr dafür aus, Anreize zum umweltbewussten Bauen zu schaffen.

CDU-Fraktionschef Henning Grinke erklärt, dass sich seine Partei vor sinnvollen Maßnahmen nicht verschließen wird. Ob der von der SPD gewählte Weg über einen Antrag sinnvoll ist, bezweifelt er allerdings. „Der ist weder Fisch noch Fleisch", sagt er auf Anfrage. Er vermisse in dem Papier die konkreten Vorschläge der SPD. Unklar sei ihm auch, ob eine Stärkung des Klimaschutzes über verschärfte Regeln oder Anreize erreicht werden soll. „Trotzdem ist es eine gut gemeinte Sache, über die wir sprechen können."

Grünen-Fraktionsvorsitzende Marlies Schulder findet den SPD-Vorstoß grundsätzlich positiv, sieht aber auch Risiken. „Zu viele Vorschriften beim Bauen könnten eher abschrecken", sagt sie. Ihrer Ansicht nach sei es sinnvoller, bestimmte Baugebiete rein ökologisch zu vermarkten. Eine solche Idee habe ihre Partei bereits vor rund zehn Jahren ins Spiel gebracht, habe sich damals aber nicht durchsetzen können. Die Trennung von Grauwasser und Trinkwasser lasse sich beispielsweise auf diese Weise einfacher umsetzen.

Für die Hiller FDP-Fraktion steht das Thema Umweltschutz ebenfalls ganz oben auf der Agenda. „Man kann die Leute aber zu nichts zwingen", sagt Fraktionsvorsitzender Ludwig Volkmann. Er und seine Partei möchten den Menschen lieber Anreize geben. Ein Antrag, der die Investition in Photovoltaik unterstützt, habe die FDP gestellt.

Nicht konkret, aber sinnvoll

Ein Kommentar von Carsten Korfesmeyer

Reflexartig stimmt wohl jeder sofort zu, wenn mehr Klimaschutz gefordert wird. Greift einem dafür jedoch jemand tief ins eigene Portmonee, schwindet das ökologische Bewusstsein meist. Beim Thema Geld hört vieles auf – auch die Bereitschaft, in umweltfreundliche Technologien zu investieren.

Der SPD-Antrag ist bestenfalls ein Appell an das gute Gewissen. Nur das allein wird kaum reichen können, um in der Sache weiter zu kommen. Dem Papier fehlen konkrete Ideen, außerdem geht unter, dass die Gemeinde mit dem Verbot von Schottergärten oder dem Einsatz insektenverträglicher Leuchtmittel schon einiges getan hat.

Allein durch Idealismus wird die Welt nicht besser. Dafür braucht es mehr als gute Absichten. Die SPD hat ihren Antrag trotzdem gestellt und damit zumindest ein Signal gesendet. Dieses ist ein Weckruf an alle, die den Umweltschutz als Aufgabe der großen Politik begreifen. Ein Irrtum: Er fängt im Kleinen an.

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