Hiller Kirchengemeinden bereiten sich auf ungewöhnliches Weihnachtsfest vor Kerstin Rickert Hille. Der erste Advent steht vor der Tür. Weihnachten rückt näher. Und damit auch die Frage, wie das Fest der Feste im Corona-Jahr zelebriert werden kann. Für viele Menschen gehört ein Gottesdienst-Besuch am Heiligen Abend fest zur Tradition. Das wissen auch die Kirchenvertreter in der Gemeinde Hille und haben sich viele Gedanken gemacht, wie Gottesdienste in diesem Jahr ablaufen können. Eines ist klar: Es wird anders als sonst. Vielleicht aber auch gerade deshalb besonders spannend. So viele kreative Ideen für die Gestaltung von Gottesdiensten und ein so vielseitiges Angebot gab es in der Gemeinde Hille vermutlich noch nie. Die Kirchengemeinden haben sich mächtig ins Zeug gelegt und nach Lösungen gesucht, um möglichst vielen Menschen Gottesdienst-Besuche an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen zu ermöglichen. Ob sie all ihre Ideen auch realisieren können, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Das betonen die Pfarrer Peter Fischer (Kirchengemeinde Hille), Christian Weber (Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen), Dieter Maletz (Kirchengemeinde Oberlübbe-Rothenuffeln) und Thomas Ehlert (Kirchengemeinde Rothenuffeln-Haddenhausen) ausdrücklich. Auf Grundlage der aktuell gültigen Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen sehen die Planungen so aus: mehr Termine als gewöhnlich und zeitversetzte oder parallel an verschiedenen Orten laufende Gottesdienste – häufig draußen, wo mehr Besucher auf Abstand möglich sind und vielleicht auch ein Lied gesungen werden kann. In Oberlübbe sind für Heiligabend nachmittags zwei Familiengottesdienste im Freien geplant. Am frühen Abend soll es die klassische Christvesper gleich im Doppelpack geben – parallel in der Kirche und im Gemeindehaus. „Was musikalisch möglich ist, müssen wir sehen“, sagt Pfarrer Dieter Maletz. In der Kirche werde die Orgel spielen, für die Gottesdienste draußen stehe die Planung noch nicht endgültig fest. Sicher sagen kann der Pfarrer aber schon, dass die Zahl der Besucher für alle vier Gottesdienste begrenzt und eine vorherige Anmeldung nötig ist. Open-Air-Gottesdienste stehen bei den Kirchengemeinden dieses Jahr hoch im Kurs. Das hat vielfach pragmatische Gründe. Besonders an Heiligabend sind die Kirchen in der Regel bis auf den letzten Platz und oft auch darüber hinaus gefüllt. So zum Beispiel in der Ortschaft Hille. Nach den Erfahrungen von Pfarrer Peter Fischer besuchen regelmäßig rund 1.200 Menschen die beiden Gottesdienste an Heiligabend in der Hiller Kirche. Unter normalen Umständen sind das schon so viele, dass zusätzlich ein Zelt aufgestellt werden muss. Daran ist in diesem Jahr nicht zu denken. Abstände müssen eingehalten und die Besucherzahlen auf ein vertretbares Maß begrenzt werden. Also bleibt die Hiller Kirche diesmal an Heiligabend zu. Stattdessen sind zwei Open-Air-Gottesdienste auf dem Schulhof der Verbundschule Hille geplant. Eine große Videoleinwand soll es allen Besuchern ermöglichen, die Zeremonie trotz einzuhaltender Abstände verfolgen zu können. Um auch das beliebte Krippenspiel realisieren zu können, ist Pfarrer Peter Fischer erst einmal auf die Suche gegangen: „Wo finde ich eine Familie mit drei Jungs, die die Hirten spielen können?“ In Zeiten von Corona ist die Gottesdienst-Vorbereitung eine echte Herausforderung. So viel sei verraten: Fischer ist fündig geworden. Auf das Krippenspiel am Nachmittag müssen die Gottesdienst-Besucher ebenso wenig verzichten wie auf das Anspiel am Abend. Beide werden am Vortag aufgezeichnet und während der Gottesdienste übertragen. Ein Online-Chorprojekt rundet das Ganze ab. Auch darauf, dass „eine Reihe von Leuten aus Angst zuhause bleiben wird“, bereiten sich Fischer und sein Team vor. Über die Internetseite und den YouTube-Kanal der Kirchengemeinde Hille sollen die Gottesdienste live in heimische Wohnzimmer übertragen werden. Tipps, wie Daheimgebliebene dort ihren eigenen kleinen Gottesdienst feiern können, gibt es außerdem im neuen Gemeindebrief, der im Übrigen auch Anmeldebögen enthält. Eine Voranmeldung ist auch für alle Gottesdienste der Kirchengemeinde Hille verpflichtend. In den Gemeindehäusern Eickhorst, Südhemmern und Mindenerwald sind laut Fischer je zwei Gottesdienste geplant. Zwischen den Gottesdiensten wird in den Ortschaften ein offenes Singen mit Posaunenchor im Freien angeboten. „Im Moment sind draußen vier Posaunen erlaubt.“ Einschränken müssen sich aber nicht nur die Musiker. Platz ist in den Gemeindehäusern in diesem Jahr für höchstens 50 Besucher – normalerweise kommen an Heiligabend 150 bis 180 zu den Gottesdiensten. In der Hartumer Kirche wird nur ein Fünftel der Plätze besetzt. Statt für 1.000 Menschen gibt es nummerierte Plätze für 200 Besucher. Sie haben aber die Möglichkeit, sich zwischen drei Gottesdiensten am Heiligabend zu entscheiden: Familiengottesdienst am Nachmittag, Christvesper am frühen Abend oder Christmette um 22 Uhr. Laut Pfarrer Christian Weber ist für die Gottesdienste in der Kirche Hartum im Moment keine vorherige Anmeldung vorgesehen. „Dafür öffnen wir die Kirche jeweils eine Dreiviertelstunde vorher.“ Das könne sich, falls erforderlich, aber auch noch ändern. In Holzhausen (Kirche) und Nordhemmern (Kapelle) geht es am Heiligen Abend nach draußen. Im Mittelpunkt kurzer Christfest-Gottesdienste stehe „der weihnachtliche Segen“, so Pfarrer Weber. Posaunenbläser sind beteiligt und Krippenspiele geplant. An beiden Standorten werden in der Adventszeit Weihnachtsbäume aufgestellt, die bis zum Fest von den Kindern vor Ort geschmückt werden können. Auch für all jene, die lieber zuhause bleiben, ist vorgesorgt: Mit kurzen Online-Andachten möchte der Pfarrer ihnen die Festtagsbotschaft auf virtuellem Wege überbringen. Ganz neue Wege sollen in Rothenuffeln beschritten werden – und das im wahren Wortsinn. Ein Stationen-Gottesdienst lädt dort dazu ein, Weihnachten anders und möglicherweise sogar authentischer als bisher zu feiern. Für Pfarrer Thomas Ehlert ist die Gottesdienst-Vorbereitung in diesem Jahr nicht nur eine besondere Herausforderung. „Ich sehe darin auch eine Chance, mal etwas zu verändern“, sagt er. Und mit Blick auf die Weihnachtsgeschichte fügt er hinzu: „Alle laufen und sind unterwegs, und wir sitzen in der Kirche.“ Beim Stationen-Gottesdienst kämen die Menschen der Weihnachtsgeschichte ein Stück näher. Gegenseitig zu nahe kommen sollen die Besucher sich aber nicht. Deshalb sind Gruppen von maximal fünf Personen aus einem Haushalt geplant, die sich zeitversetzt auf den Weg machen. Vom mit Fackeln erleuchteten Pfarrgarten die Bäckerstraße hinunter zum Jungscharplatz. Insgesamt wird es bis zu fünf Stationen geben, mit Andachten, Musik, Gesang. Liedtexte können die Besucher über eine App direkt auf ihrem Smartphone oder Tablet empfangen. Für ältere Menschen sei das sicher eine Herausforderung, für jene, die nicht gut zu Fuß sind, vielleicht auch nichts, so Ehlert. Darum werde für sie um 23 Uhr eine Christmette in der Kreuzkirche angeboten. In Rothenuffeln und vielen anderen Ortschaften werden außerdem Gottesdienste an den beiden Weihnachtsfeiertagen gefeiert.

Hiller Kirchengemeinden bereiten sich auf ungewöhnliches Weihnachtsfest vor

Die Oberlübber Kirche im Schnee. Für Heiligabend sind hier nachmittags zwei Familiengottesdienste im Freien geplant. Eine Anmeldung ist notwendig.
Foto: Kerstin Rickert
© Kerstin Rickert

Hille. Der erste Advent steht vor der Tür. Weihnachten rückt näher. Und damit auch die Frage, wie das Fest der Feste im Corona-Jahr zelebriert werden kann. Für viele Menschen gehört ein Gottesdienst-Besuch am Heiligen Abend fest zur Tradition.

Das wissen auch die Kirchenvertreter in der Gemeinde Hille und haben sich viele Gedanken gemacht, wie Gottesdienste in diesem Jahr ablaufen können. Eines ist klar: Es wird anders als sonst. Vielleicht aber auch gerade deshalb besonders spannend. So viele kreative Ideen für die Gestaltung von Gottesdiensten und ein so vielseitiges Angebot gab es in der Gemeinde Hille vermutlich noch nie.

Das Krippenspiel in Hille wird aufgezeichnet und an Heiligabend übertragen. Foto: Kay Nietfeld/dpa - © A3390 Kay Nietfeld
Das Krippenspiel in Hille wird aufgezeichnet und an Heiligabend übertragen. Foto: Kay Nietfeld/dpa - © A3390 Kay Nietfeld

Die Kirchengemeinden haben sich mächtig ins Zeug gelegt und nach Lösungen gesucht, um möglichst vielen Menschen Gottesdienst-Besuche an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen zu ermöglichen. Ob sie all ihre Ideen auch realisieren können, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Das betonen die Pfarrer Peter Fischer (Kirchengemeinde Hille), Christian Weber (Kirchengemeinde Hartum-Holzhausen), Dieter Maletz (Kirchengemeinde Oberlübbe-Rothenuffeln) und Thomas Ehlert (Kirchengemeinde Rothenuffeln-Haddenhausen) ausdrücklich.

Auf Grundlage der aktuell gültigen Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen sehen die Planungen so aus: mehr Termine als gewöhnlich und zeitversetzte oder parallel an verschiedenen Orten laufende Gottesdienste – häufig draußen, wo mehr Besucher auf Abstand möglich sind und vielleicht auch ein Lied gesungen werden kann.

In Oberlübbe sind für Heiligabend nachmittags zwei Familiengottesdienste im Freien geplant. Am frühen Abend soll es die klassische Christvesper gleich im Doppelpack geben – parallel in der Kirche und im Gemeindehaus. „Was musikalisch möglich ist, müssen wir sehen“, sagt Pfarrer Dieter Maletz. In der Kirche werde die Orgel spielen, für die Gottesdienste draußen stehe die Planung noch nicht endgültig fest. Sicher sagen kann der Pfarrer aber schon, dass die Zahl der Besucher für alle vier Gottesdienste begrenzt und eine vorherige Anmeldung nötig ist.

Open-Air-Gottesdienste stehen bei den Kirchengemeinden dieses Jahr hoch im Kurs. Das hat vielfach pragmatische Gründe. Besonders an Heiligabend sind die Kirchen in der Regel bis auf den letzten Platz und oft auch darüber hinaus gefüllt. So zum Beispiel in der Ortschaft Hille. Nach den Erfahrungen von Pfarrer Peter Fischer besuchen regelmäßig rund 1.200 Menschen die beiden Gottesdienste an Heiligabend in der Hiller Kirche. Unter normalen Umständen sind das schon so viele, dass zusätzlich ein Zelt aufgestellt werden muss. Daran ist in diesem Jahr nicht zu denken. Abstände müssen eingehalten und die Besucherzahlen auf ein vertretbares Maß begrenzt werden. Also bleibt die Hiller Kirche diesmal an Heiligabend zu.

Stattdessen sind zwei Open-Air-Gottesdienste auf dem Schulhof der Verbundschule Hille geplant. Eine große Videoleinwand soll es allen Besuchern ermöglichen, die Zeremonie trotz einzuhaltender Abstände verfolgen zu können. Um auch das beliebte Krippenspiel realisieren zu können, ist Pfarrer Peter Fischer erst einmal auf die Suche gegangen: „Wo finde ich eine Familie mit drei Jungs, die die Hirten spielen können?“ In Zeiten von Corona ist die Gottesdienst-Vorbereitung eine echte Herausforderung. So viel sei verraten: Fischer ist fündig geworden.

Auf das Krippenspiel am Nachmittag müssen die Gottesdienst-Besucher ebenso wenig verzichten wie auf das Anspiel am Abend. Beide werden am Vortag aufgezeichnet und während der Gottesdienste übertragen. Ein Online-Chorprojekt rundet das Ganze ab. Auch darauf, dass „eine Reihe von Leuten aus Angst zuhause bleiben wird“, bereiten sich Fischer und sein Team vor. Über die Internetseite und den YouTube-Kanal der Kirchengemeinde Hille sollen die Gottesdienste live in heimische Wohnzimmer übertragen werden. Tipps, wie Daheimgebliebene dort ihren eigenen kleinen Gottesdienst feiern können, gibt es außerdem im neuen Gemeindebrief, der im Übrigen auch Anmeldebögen enthält. Eine Voranmeldung ist auch für alle Gottesdienste der Kirchengemeinde Hille verpflichtend.

In den Gemeindehäusern Eickhorst, Südhemmern und Mindenerwald sind laut Fischer je zwei Gottesdienste geplant. Zwischen den Gottesdiensten wird in den Ortschaften ein offenes Singen mit Posaunenchor im Freien angeboten. „Im Moment sind draußen vier Posaunen erlaubt.“ Einschränken müssen sich aber nicht nur die Musiker. Platz ist in den Gemeindehäusern in diesem Jahr für höchstens 50 Besucher – normalerweise kommen an Heiligabend 150 bis 180 zu den Gottesdiensten.

In der Hartumer Kirche wird nur ein Fünftel der Plätze besetzt. Statt für 1.000 Menschen gibt es nummerierte Plätze für 200 Besucher. Sie haben aber die Möglichkeit, sich zwischen drei Gottesdiensten am Heiligabend zu entscheiden: Familiengottesdienst am Nachmittag, Christvesper am frühen Abend oder Christmette um 22 Uhr. Laut Pfarrer Christian Weber ist für die Gottesdienste in der Kirche Hartum im Moment keine vorherige Anmeldung vorgesehen. „Dafür öffnen wir die Kirche jeweils eine Dreiviertelstunde vorher.“ Das könne sich, falls erforderlich, aber auch noch ändern.

In Holzhausen (Kirche) und Nordhemmern (Kapelle) geht es am Heiligen Abend nach draußen. Im Mittelpunkt kurzer Christfest-Gottesdienste stehe „der weihnachtliche Segen“, so Pfarrer Weber. Posaunenbläser sind beteiligt und Krippenspiele geplant. An beiden Standorten werden in der Adventszeit Weihnachtsbäume aufgestellt, die bis zum Fest von den Kindern vor Ort geschmückt werden können. Auch für all jene, die lieber zuhause bleiben, ist vorgesorgt: Mit kurzen Online-Andachten möchte der Pfarrer ihnen die Festtagsbotschaft auf virtuellem Wege überbringen.

Ganz neue Wege sollen in Rothenuffeln beschritten werden – und das im wahren Wortsinn. Ein Stationen-Gottesdienst lädt dort dazu ein, Weihnachten anders und möglicherweise sogar authentischer als bisher zu feiern. Für Pfarrer Thomas Ehlert ist die Gottesdienst-Vorbereitung in diesem Jahr nicht nur eine besondere Herausforderung. „Ich sehe darin auch eine Chance, mal etwas zu verändern“, sagt er.

Und mit Blick auf die Weihnachtsgeschichte fügt er hinzu: „Alle laufen und sind unterwegs, und wir sitzen in der Kirche.“ Beim Stationen-Gottesdienst kämen die Menschen der Weihnachtsgeschichte ein Stück näher. Gegenseitig zu nahe kommen sollen die Besucher sich aber nicht. Deshalb sind Gruppen von maximal fünf Personen aus einem Haushalt geplant, die sich zeitversetzt auf den Weg machen. Vom mit Fackeln erleuchteten Pfarrgarten die Bäckerstraße hinunter zum Jungscharplatz. Insgesamt wird es bis zu fünf Stationen geben, mit Andachten, Musik, Gesang. Liedtexte können die Besucher über eine App direkt auf ihrem Smartphone oder Tablet empfangen.

Für ältere Menschen sei das sicher eine Herausforderung, für jene, die nicht gut zu Fuß sind, vielleicht auch nichts, so Ehlert. Darum werde für sie um 23 Uhr eine Christmette in der Kreuzkirche angeboten. In Rothenuffeln und vielen anderen Ortschaften werden außerdem Gottesdienste an den beiden Weihnachtsfeiertagen gefeiert.

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