Hiller Dreifachmord: So kämpft die Schwester des Opfers noch heute mit den Geschehnissen Stefanie Dullweber Hille. Plötzlich ist alles wieder da. Die Nachricht vom grausamen Tod ihres Bruders und der fordernde Prozess vor dem Landgericht Bielefeld lassen Renate Kleine bis heute nicht los. Nach monatelangen Bemühungen hat sie in dieser Woche endlich das Moped ihres Bruders zurückbekommen. Der Mörder hatte dessen Habseligkeiten zu Geld gemacht. „Als das Moped auf den Hof gebracht wurde, ist mir ein Schauer über den Rücken gelaufen. Denn es kam ohne ihn“, sagt Renate Kleine im Gespräch mit dem MT. Die Zündapp sei sein ganzer Stolz gewesen, mehr als 30 Jahre hätte diese ihren Bruder von A nach B gebracht. „Immer, wenn ich ein Moped höre, glaube ich, dass er gleich um die Ecke kommt. Sonntags um 15.30 Uhr war seine Zeit. Er hat mich gefragt, ob ich einen Kaffee habe und sich erstmal eine Zigarette gedreht“, erzählt die Warmserin. Der Dreifachmord ist auch gut vier Jahre später immer noch in ihren Gedanken. Rückblick: Ihr Bruder hatte seit Ende 2014 auf dem Anwesen des später zu lebenslanger Haft verurteilten Jörg Wallberg in Hille gelebt. Er half beim Versorgen der Tiere. Wallberg stellte ihm dafür ein Zimmer in einem Anbau des Pferdestalls zur Verfügung. Bevor der damals 65-Jährige als landwirtschaftlicher Helfer auf den Hof des Dreifachmörders kam, arbeitete er 20 Jahre lang auf einem Betrieb in Mindenerwald. Zwischenzeitlich lebte er auf dem Anwesen des anderen Mordopfers Gerd F.. Von dort habe er immer wieder zum Pferdehof von Jörg Wallberg geblickt und zu seiner Schwester gesagt: „Da will ich hin.“Ihr Bruder sein ein bescheidener Mann gewesen. Ein alter Deutz-Traktor, eine Werkzeugsammlung und das Moped waren sein einziger Besitz. Diese Dinge habe er jedoch gepflegt, sie seien ihm sehr wichtig gewesen. Und ausgerechnet daran hätte sich sein Mörder bereichert. Das Moped vom Typ „Zündapp GTS 50“ hatte Jörg Wallberg im Spätsommer 2017 zum Verkauf angeboten – zu diesem Zeitpunkt war der Bruder von Renate Kleine bereits tot. Ein ehemaliger Arbeitskollege von Walberg berichtete später vor Gericht, dass er ein Schnäppchen gemacht habe. Für 250 Euro habe er die Zündapp gekauft. Auch ein Trecker sei ihm von dem Beschuldigten angeboten worden. Wallberg habe behauptet, dass es seine Fahrzeuge sind. Renate Kleine kann immer noch nicht fassen, dass sie so lange auf die Herausgabe des Fahrzeugs warten musste. Zumal sie es nicht „einfach so“ bekommen hat – sie habe es von dem Ex-Kollegen zurückkaufen müssen, erzählt sie und schüttelt den Kopf. Ihr größter Wunsch sei, das Moped wieder in Schuss zu bringen und selbst damit zu fahren. Denn beide, sie und ihr Bruder, seien große Anhänger der Zweiräder. In den 70er und 80er Jahren hätten sie internationale Motorradtreffen in Bohnhorst organisiert. Die alten Zeitungsberichte und Bilder hat sie aufgehoben. Beim Durchblättern fallen ihr immer wieder neue Anekdoten ein, die sie sich mit ihrem Bruder noch Jahre später erzählt hat.Umso mehr verletzt es sie, wie mit dem Andenken an ihren Bruder umgegangen wurde. „Das Moped ist in einem sehr schlechten Zustand“, ärgert sie sich und zählt die Mängel auf: Der Spiegel fehlt, die Kette ist vergammelt, das Hinterrad eiert und der Originaltank ist weg. Sie schätzt, dass sie mindestens eine niedrige vierstellige Summe investieren muss, um das Fahrzeug wieder fertig zu machen. „Aber das ist es mir wert.“ Neben dem Moped hat Renate Kleine lange auf die Herausgabe der persönlichen Sachen ihres Bruders warten müssen. Er habe nicht viel besessen, sagt die Schwester und zeigt auf einen Karton, den ihr die Staatsanwaltschaft im letzten Sommer zugeschickt hat. „Eine Kiste Hiller Leben“, sagt sie traurig, während sie das Paket öffnet. „So einen Mist haben die mir zugeschickt“, sagt sie und holt einen Asservatenbeutel hervor, in dem sich ein leeres Tabaktütchen befindet. Darüber hinaus gibt es etliche, braune DIN-A4-Umschläge mit Bankkarte, Versichertenkarte, Impfpass und Speicherkarte für eine Kamera. Auf jedem Umschlag ist notiert, wo die Beweisstücke sichergestellt wurden.Mit der EC-Karte ihres Bruders sei sie im letzten Jahr zur Bank gegangen, um letzte Formalitäten zu regeln. „Da habe ich erfahren, dass das Konto bereits im Januar 2019 aufgelöst worden ist. Da war noch nicht einmal das Urteil gesprochen“, kann Renate Kleine nicht fassen, was sie im Nachhinein noch erleben muss. Natürlich habe sie gewusst, dass Jörg Wallberg das wenige Geld ihres Bruder abgehoben hatte, aber dass kein Konto mehr existiert, habe sie sehr gewundert.Einen emotionalen Wert haben vor allem die Fotos, die sich ebenfalls in dem Karton befinden. Sie zeigen ihren Bruder mit ihrem Vater – eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme. Sie zeigt Fotos eines kleinen Jungen, der die Hühner füttert, oder in einer Schubkarre sitzt. Auf einem weiteren Bild sieht man einen schmucken Marinesoldaten. „Er war dort als Motorenschrauber tätig. Erstaunlich, dass er zur See gefahren ist – er konnte nämlich nicht schwimmen“, erzählt die Schwester. Bilder, die auf dem Hof in Hille aufgenommen wurden und Mitglieder der Familie Wallberg zeigen, legt Renate Kleine schnell beiseite.Als sie das Foto aus dem Umschlag zieht, dass ihren Bruder auf seinem Deutz-Traktor zeigt, hält sie kurz inne. Denn auch dieses Fahrzeug hat Jörg Wallberg nach dem Tod ihres Bruders verkauft. Allerdings ist bei den Ermittlungen nie herausgekommen, wo sich der Traktor befindet. Doch damit will Renate Kleine sich nicht abfinden. Sie hat mittlerweile herausgefunden, dass der Deutz im Herbst 2017 in Hille von einem schwarzen Landrover mit Anhänger abtransportiert worden ist. Laut Beobachtungen käme der Landrover aus dem Landkreis Schaumburg, das Kennzeichen lautete „SHG“. Corona habe die weiteren Recherchen ausgebremst, sagt Renate Kleine. Ansonsten hätte sie sicherlich auf Oldtimer-Treffen Menschen getroffen, die ihr weitere Hinweise geben könnten. „Aber ich bleibe dran“, will sie nicht aufgeben und hofft auf weitere Hinweise. Schließlich sind es die letzten Erinnerungen an ihren Bruder.

Hiller Dreifachmord: So kämpft die Schwester des Opfers noch heute mit den Geschehnissen

Auf die Herausgabe des Mopeds hat Renate Kleine lange warten müssen. Sie möchte das Fahrzeug wieder herrichten und es dann selber fahren. © sbo

Hille. Plötzlich ist alles wieder da. Die Nachricht vom grausamen Tod ihres Bruders und der fordernde Prozess vor dem Landgericht Bielefeld lassen Renate Kleine bis heute nicht los. Nach monatelangen Bemühungen hat sie in dieser Woche endlich das Moped ihres Bruders zurückbekommen. Der Mörder hatte dessen Habseligkeiten zu Geld gemacht.

„Als das Moped auf den Hof gebracht wurde, ist mir ein Schauer über den Rücken gelaufen. Denn es kam ohne ihn“, sagt Renate Kleine im Gespräch mit dem MT. Die Zündapp sei sein ganzer Stolz gewesen, mehr als 30 Jahre hätte diese ihren Bruder von A nach B gebracht. „Immer, wenn ich ein Moped höre, glaube ich, dass er gleich um die Ecke kommt. Sonntags um 15.30 Uhr war seine Zeit. Er hat mich gefragt, ob ich einen Kaffee habe und sich erstmal eine Zigarette gedreht“, erzählt die Warmserin. Der Dreifachmord ist auch gut vier Jahre später immer noch in ihren Gedanken.

Rückblick: Ihr Bruder hatte seit Ende 2014 auf dem Anwesen des später zu lebenslanger Haft verurteilten Jörg Wallberg in Hille gelebt. Er half beim Versorgen der Tiere. Wallberg stellte ihm dafür ein Zimmer in einem Anbau des Pferdestalls zur Verfügung. Bevor der damals 65-Jährige als landwirtschaftlicher Helfer auf den Hof des Dreifachmörders kam, arbeitete er 20 Jahre lang auf einem Betrieb in Mindenerwald. Zwischenzeitlich lebte er auf dem Anwesen des anderen Mordopfers Gerd F.. Von dort habe er immer wieder zum Pferdehof von Jörg Wallberg geblickt und zu seiner Schwester gesagt: „Da will ich hin.“

Ihr Bruder sein ein bescheidener Mann gewesen. Ein alter Deutz-Traktor, eine Werkzeugsammlung und das Moped waren sein einziger Besitz. Diese Dinge habe er jedoch gepflegt, sie seien ihm sehr wichtig gewesen. Und ausgerechnet daran hätte sich sein Mörder bereichert. Das Moped vom Typ „Zündapp GTS 50“ hatte Jörg Wallberg im Spätsommer 2017 zum Verkauf angeboten – zu diesem Zeitpunkt war der Bruder von Renate Kleine bereits tot. Ein ehemaliger Arbeitskollege von Walberg berichtete später vor Gericht, dass er ein Schnäppchen gemacht habe. Für 250 Euro habe er die Zündapp gekauft. Auch ein Trecker sei ihm von dem Beschuldigten angeboten worden. Wallberg habe behauptet, dass es seine Fahrzeuge sind.

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Patrick Schwemmling

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Renate Kleine kann immer noch nicht fassen, dass sie so lange auf die Herausgabe des Fahrzeugs warten musste. Zumal sie es nicht „einfach so“ bekommen hat – sie habe es von dem Ex-Kollegen zurückkaufen müssen, erzählt sie und schüttelt den Kopf. Ihr größter Wunsch sei, das Moped wieder in Schuss zu bringen und selbst damit zu fahren. Denn beide, sie und ihr Bruder, seien große Anhänger der Zweiräder. In den 70er und 80er Jahren hätten sie internationale Motorradtreffen in Bohnhorst organisiert. Die alten Zeitungsberichte und Bilder hat sie aufgehoben. Beim Durchblättern fallen ihr immer wieder neue Anekdoten ein, die sie sich mit ihrem Bruder noch Jahre später erzählt hat.

Umso mehr verletzt es sie, wie mit dem Andenken an ihren Bruder umgegangen wurde. „Das Moped ist in einem sehr schlechten Zustand“, ärgert sie sich und zählt die Mängel auf: Der Spiegel fehlt, die Kette ist vergammelt, das Hinterrad eiert und der Originaltank ist weg. Sie schätzt, dass sie mindestens eine niedrige vierstellige Summe investieren muss, um das Fahrzeug wieder fertig zu machen. „Aber das ist es mir wert.“

Dieses Paket hat Renate Kleine von der Staatsanwaltschaft bekommen. Darin sind die Habseligkeiten ihres Bruders. MT-Fotos: Stefanie Dullweber - © sbo
Dieses Paket hat Renate Kleine von der Staatsanwaltschaft bekommen. Darin sind die Habseligkeiten ihres Bruders. MT-Fotos: Stefanie Dullweber - © sbo

Neben dem Moped hat Renate Kleine lange auf die Herausgabe der persönlichen Sachen ihres Bruders warten müssen. Er habe nicht viel besessen, sagt die Schwester und zeigt auf einen Karton, den ihr die Staatsanwaltschaft im letzten Sommer zugeschickt hat. „Eine Kiste Hiller Leben“, sagt sie traurig, während sie das Paket öffnet. „So einen Mist haben die mir zugeschickt“, sagt sie und holt einen Asservatenbeutel hervor, in dem sich ein leeres Tabaktütchen befindet. Darüber hinaus gibt es etliche, braune DIN-A4-Umschläge mit Bankkarte, Versichertenkarte, Impfpass und Speicherkarte für eine Kamera. Auf jedem Umschlag ist notiert, wo die Beweisstücke sichergestellt wurden.

Mit der EC-Karte ihres Bruders sei sie im letzten Jahr zur Bank gegangen, um letzte Formalitäten zu regeln. „Da habe ich erfahren, dass das Konto bereits im Januar 2019 aufgelöst worden ist. Da war noch nicht einmal das Urteil gesprochen“, kann Renate Kleine nicht fassen, was sie im Nachhinein noch erleben muss. Natürlich habe sie gewusst, dass Jörg Wallberg das wenige Geld ihres Bruder abgehoben hatte, aber dass kein Konto mehr existiert, habe sie sehr gewundert.

Einen emotionalen Wert haben vor allem die Fotos, die sich ebenfalls in dem Karton befinden. Sie zeigen ihren Bruder mit ihrem Vater – eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme. Sie zeigt Fotos eines kleinen Jungen, der die Hühner füttert, oder in einer Schubkarre sitzt. Auf einem weiteren Bild sieht man einen schmucken Marinesoldaten. „Er war dort als Motorenschrauber tätig. Erstaunlich, dass er zur See gefahren ist – er konnte nämlich nicht schwimmen“, erzählt die Schwester. Bilder, die auf dem Hof in Hille aufgenommen wurden und Mitglieder der Familie Wallberg zeigen, legt Renate Kleine schnell beiseite.

Als sie das Foto aus dem Umschlag zieht, dass ihren Bruder auf seinem Deutz-Traktor zeigt, hält sie kurz inne. Denn auch dieses Fahrzeug hat Jörg Wallberg nach dem Tod ihres Bruders verkauft. Allerdings ist bei den Ermittlungen nie herausgekommen, wo sich der Traktor befindet. Doch damit will Renate Kleine sich nicht abfinden. Sie hat mittlerweile herausgefunden, dass der Deutz im Herbst 2017 in Hille von einem schwarzen Landrover mit Anhänger abtransportiert worden ist. Laut Beobachtungen käme der Landrover aus dem Landkreis Schaumburg, das Kennzeichen lautete „SHG“. Corona habe die weiteren Recherchen ausgebremst, sagt Renate Kleine. Ansonsten hätte sie sicherlich auf Oldtimer-Treffen Menschen getroffen, die ihr weitere Hinweise geben könnten. „Aber ich bleibe dran“, will sie nicht aufgeben und hofft auf weitere Hinweise. Schließlich sind es die letzten Erinnerungen an ihren Bruder.

Der Traktor des Mordopfers ist bis heute verschwunden. Jörg Wallberg hatte das Fahrzeug nach dessen Tod verkauft. - © sbo
Der Traktor des Mordopfers ist bis heute verschwunden. Jörg Wallberg hatte das Fahrzeug nach dessen Tod verkauft. - © sbo
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