Hille will zur Marke werden: Diese Rolle spielt der Storch Stefanie Dullweber Hille-Hartum. Die Gemeinde Hille möchte sich besser vermarkten. Dafür hat sich die Verwaltung professionelle Hilfe geholt. Das Urteil der beiden Expertinnen aus Dortmund fällt zwar ernüchternd aus, aber laut ihrer Einschätzung besteht durchaus noch Anlass zur Hoffnung. Rhena Schluck und Charlotte Holthausen von der Firma Moduldrei haben die Gemeinde in mehrstündigen Workshops beraten und dabei Vorzüge und Defizite aufgedeckt. Herausgekommen ist ein umfangreiches Konzept, das in Auszügen jetzt den Politikern des Haupt- und Finanzausschusses vorgestellt wurde. „Bezogen auf die Einwohnerzahl sieht es für Hille nicht gut aus", so die Einschätzung der Expertinnen. Ziel des neues Konzeptes soll es demnach sein, die Einwohnerzahl zu steigern, um so die Infrastruktur der Gemeinde auch langfristig zu erhalten. Um besser zu sein als andere, müsse eine unverwechselbare Marke und ein klares Profil geschaffen werden. Zielgruppen müssten direkt angesprochen werden. Es brauche eine moderne und zeitgemäße Kommunikation auf den geeigneten Plattformen. Das steigere die Bekanntheit und Hille sei auch über Gemeindegrenzen hinweg sichtbarer. Doch um diese theoretischen Ansätze zu füllen, muss die Gemeinde zunächst ihre Stärken und Schwächen kennen. Auf der Haben-Seite stehen laut Schluck und Holthausen bezahlbare Grundstücke, die Verbundschule, die Nähe zu Minden, das Moor, engagierte Bürger, zahlreiche Sportangebote und Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Nicht gut aufgestellt sei Hille in Sachen Mietwohnungen, Öffentlicher Personennahverkehr, Gastronomie, ärztlicher Versorgung und der Bereitschaft von Eigentümern, Grundstücke zu verkaufen. Aus den Stärken und Schwächen leiten die Expertinnen den Markenkern ab. Dieser lautet für Hille: Freiraum zum Wachsen. Gemeint ist damit Platz zum Leben für Jung und Alt, Durchatmen können im Grünen, Unterstützer in einer starken Gemeinschaft finden sowie die Freiheit, um Träume zu verwirklichen. Doch an wen richtet sich diese Markenbotschaft? „Die Gemeinde hat viele Zielgruppen und sie kann nicht alle ansprechen", sagt Charlotte Holthausen in ihrem Vortrag. Die Marketingstrategen aus dem Ruhrgebiet schlagen vor, sich auf drei Zielgruppen zu fokussieren. Zum einen die Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahre. Des Weiteren junge Familien im Alter zwischen 25 und 45 Jahre, von denen ein Elternteil in die Gemeinde zurückgekehrt ist. Und zum anderen Studienabbrecher, die hier einen Neustart wagen wollen. Holthausen: „Sie müssen die Ziele, Vorlieben, Frustration und das Nutzungsverhalten ihrer Zielgruppen kennen und wissen, was bietet ihnen die Gemeinde – und was nicht." An diesem Punkt beginnt die eigentliche Arbeit. „Sie müssen für ihre Zielgruppen relevant werden. Reden Sie zu Beginn nicht über Kampagnen, sondern fangen Sie mit den Basics an", rät Charlotte Holthausen. Dazu gehört der Aufbau einer professionellen Website. „Wenn Sie auffallen wollen, machen Sie nicht den Klassiker. Mutig wäre ein virtuelles Rathaus." Die Profis empfehlen eine Website, die alle Informationen für einen Umzug bietet, inklusive interaktiver Karten mit Spielplätzen, Schulen und freien Baugrundstücken. Ein Rückruf- oder WhatsApp-Service schaffe mehr Möglichkeiten für Dialoge. Und egal, ob Homepage, Flyer oder Broschüren – für alles brauche es ein einheitliches Design. Schluck und Holthausen weisen auf die enorme Bedeutung von Bildern hin. „Sie sprechen das Emotionale an." Sie raten außerdem, sich der Methode des Storytellings zu bedienen – dabei werden mittels Geschichten Informationen vermittelt. Beispiele seien Rückkehrer, die mittlerweile in der Gemeinde erfolgreich Fuß gefasst haben. Oder Freunde, die sich gegenseitig porträtieren. „Hille ist in keinem sozialen Netzwerk vertreten", macht Rhena Schluck auf ein großes Manko aufmerksam. Dies zu ändern, sei ihre dringende Empfehlung. Mögliche Formate könnten sein, dass eine Familie ihren Hausbau dokumentiert. Oder Schüler könnten den Kanal tageweise übernehmen und Lieblingsplätze zeigen. Auch Studienabbrecher, die hier eine Ausbildung absolvieren, seien gute Multiplikatoren. „Ohne Bewegtbild läuft heute gar nichts", sagt Rhena Schluck und verweist auf den Kanal Youtube. „Denken Sie in Serien. So können Sie Nutzer an sich binden." Das alles seien jedoch nur die Grundlagen, betonen die Beraterinnen. Es dürfe gerne ein bisschen mehr sein. Für sie beide sei der Hillerich – also der Storch – zu einem lustigen, wiederkehrenden Element geworden. „Schaffen Sie eine Figur und stellen Sie sie an einem prominenten Ort auf", raten die beiden. Es wäre ein Anlaufpunkt für die Menschen, die sich dort fotografieren lassen und ihre Bilder in den sozialen Netzwerken verbreiten. Der Hillerich könnte auch die Hauptfigur in einem Kinderbuch werden, das dann auf Messen verteilt wird. Weitere Ideen sind ein Mentoring-Programm für Zugezogene, Kennenlern-Veranstaltungen zwischen Absolventen der Verbundschule und Unternehmen, aktiver Klimaschutz durch Baumpatenschaften, eine Kooperation mit Hochschulen, um Studienabbrecher auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Die Möglichkeiten, um sich von anderen Kommunen abzuheben, seien durchaus vielfältig. Schöne neue Konzepte Kommentar von Stefanie Dullweber Das äußere Erscheinungsbild ist wichtig – zumindest, wenn jemand positiv auf sich aufmerksam machen möchte. Wie viel die Gemeinde Hille diesbezüglich zu bieten hat, haben zwei Expertinnen den Verantwortlichen vor Augen geführt. Aber sie haben auch Schwächen ausgemacht. Um festzustellen, dass beispielsweise die Homepage der Gemeinde kein Ort ist, an dem man sich gerne aufhält – dafür hätte es keine Experten gebraucht. Erst baut sich ein Corona-Banner auf der Seite auf. Klickt man es weg, steht dort in roten Lettern, dass das Rathaus der Gemeinde Hille bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Das suggeriert: Melden Sie sich bloß nicht und kommen Sie, wenn möglich, nicht vorbei. Wie willkommen fühlt sich da ein potenzieller Neubürger? Das Konzept der Marketing-Expertinnen erscheint wie aus einer anderen Welt: Virtuelles Rathaus, WhatsApp-Service, interaktive Karten, multimediale Geschichten, Präsenz in sozialen Medien. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und es stellt sich die Frage: Wer soll es umsetzen? Macht die Gemeinde den Bürgern Hoffnungen, die sie nicht erfüllen kann? Bereits 2019 wurde den Hillern versprochen, dass sich in Sachen Wirtschaftsförderung einiges tun wird. Eine Unternehmensbefragung sollte neue Erkenntnisse bringen. Die Ergebnisse sind bislang nicht öffentlich gemacht worden. Auch vom 2017 angestoßenen Straßen- und Wegekonzept wurde bis auf eine Hand voll Treckerschleusen nicht viel umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass jetzt nicht ein weiteres – ein sicherlich teuer bezahltes – Konzept in der Schublade landet.

Hille will zur Marke werden: Diese Rolle spielt der Storch

Als Marketingstrategie ließe sich der Hillerich noch viel besser vermarkten, sagen Experten. Foto: MT-Archiv © x

Hille-Hartum. Die Gemeinde Hille möchte sich besser vermarkten. Dafür hat sich die Verwaltung professionelle Hilfe geholt. Das Urteil der beiden Expertinnen aus Dortmund fällt zwar ernüchternd aus, aber laut ihrer Einschätzung besteht durchaus noch Anlass zur Hoffnung.

Rhena Schluck und Charlotte Holthausen von der Firma Moduldrei haben die Gemeinde in mehrstündigen Workshops beraten und dabei Vorzüge und Defizite aufgedeckt. Herausgekommen ist ein umfangreiches Konzept, das in Auszügen jetzt den Politikern des Haupt- und Finanzausschusses vorgestellt wurde. „Bezogen auf die Einwohnerzahl sieht es für Hille nicht gut aus", so die Einschätzung der Expertinnen. Ziel des neues Konzeptes soll es demnach sein, die Einwohnerzahl zu steigern, um so die Infrastruktur der Gemeinde auch langfristig zu erhalten.

Um besser zu sein als andere, müsse eine unverwechselbare Marke und ein klares Profil geschaffen werden. Zielgruppen müssten direkt angesprochen werden. Es brauche eine moderne und zeitgemäße Kommunikation auf den geeigneten Plattformen. Das steigere die Bekanntheit und Hille sei auch über Gemeindegrenzen hinweg sichtbarer.

Doch um diese theoretischen Ansätze zu füllen, muss die Gemeinde zunächst ihre Stärken und Schwächen kennen. Auf der Haben-Seite stehen laut Schluck und Holthausen bezahlbare Grundstücke, die Verbundschule, die Nähe zu Minden, das Moor, engagierte Bürger, zahlreiche Sportangebote und Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Nicht gut aufgestellt sei Hille in Sachen Mietwohnungen, Öffentlicher Personennahverkehr, Gastronomie, ärztlicher Versorgung und der Bereitschaft von Eigentümern, Grundstücke zu verkaufen.

Aus den Stärken und Schwächen leiten die Expertinnen den Markenkern ab. Dieser lautet für Hille: Freiraum zum Wachsen. Gemeint ist damit Platz zum Leben für Jung und Alt, Durchatmen können im Grünen, Unterstützer in einer starken Gemeinschaft finden sowie die Freiheit, um Träume zu verwirklichen. Doch an wen richtet sich diese Markenbotschaft? „Die Gemeinde hat viele Zielgruppen und sie kann nicht alle ansprechen", sagt Charlotte Holthausen in ihrem Vortrag.

Die Marketingstrategen aus dem Ruhrgebiet schlagen vor, sich auf drei Zielgruppen zu fokussieren. Zum einen die Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahre. Des Weiteren junge Familien im Alter zwischen 25 und 45 Jahre, von denen ein Elternteil in die Gemeinde zurückgekehrt ist. Und zum anderen Studienabbrecher, die hier einen Neustart wagen wollen. Holthausen: „Sie müssen die Ziele, Vorlieben, Frustration und das Nutzungsverhalten ihrer Zielgruppen kennen und wissen, was bietet ihnen die Gemeinde – und was nicht."

An diesem Punkt beginnt die eigentliche Arbeit. „Sie müssen für ihre Zielgruppen relevant werden. Reden Sie zu Beginn nicht über Kampagnen, sondern fangen Sie mit den Basics an", rät Charlotte Holthausen. Dazu gehört der Aufbau einer professionellen Website. „Wenn Sie auffallen wollen, machen Sie nicht den Klassiker. Mutig wäre ein virtuelles Rathaus." Die Profis empfehlen eine Website, die alle Informationen für einen Umzug bietet, inklusive interaktiver Karten mit Spielplätzen, Schulen und freien Baugrundstücken. Ein Rückruf- oder WhatsApp-Service schaffe mehr Möglichkeiten für Dialoge. Und egal, ob Homepage, Flyer oder Broschüren – für alles brauche es ein einheitliches Design.

Schluck und Holthausen weisen auf die enorme Bedeutung von Bildern hin. „Sie sprechen das Emotionale an." Sie raten außerdem, sich der Methode des Storytellings zu bedienen – dabei werden mittels Geschichten Informationen vermittelt. Beispiele seien Rückkehrer, die mittlerweile in der Gemeinde erfolgreich Fuß gefasst haben. Oder Freunde, die sich gegenseitig porträtieren.

„Hille ist in keinem sozialen Netzwerk vertreten", macht Rhena Schluck auf ein großes Manko aufmerksam. Dies zu ändern, sei ihre dringende Empfehlung. Mögliche Formate könnten sein, dass eine Familie ihren Hausbau dokumentiert. Oder Schüler könnten den Kanal tageweise übernehmen und Lieblingsplätze zeigen. Auch Studienabbrecher, die hier eine Ausbildung absolvieren, seien gute Multiplikatoren. „Ohne Bewegtbild läuft heute gar nichts", sagt Rhena Schluck und verweist auf den Kanal Youtube. „Denken Sie in Serien. So können Sie Nutzer an sich binden."

Das alles seien jedoch nur die Grundlagen, betonen die Beraterinnen. Es dürfe gerne ein bisschen mehr sein. Für sie beide sei der Hillerich – also der Storch – zu einem lustigen, wiederkehrenden Element geworden. „Schaffen Sie eine Figur und stellen Sie sie an einem prominenten Ort auf", raten die beiden. Es wäre ein Anlaufpunkt für die Menschen, die sich dort fotografieren lassen und ihre Bilder in den sozialen Netzwerken verbreiten. Der Hillerich könnte auch die Hauptfigur in einem Kinderbuch werden, das dann auf Messen verteilt wird.

Weitere Ideen sind ein Mentoring-Programm für Zugezogene, Kennenlern-Veranstaltungen zwischen Absolventen der Verbundschule und Unternehmen, aktiver Klimaschutz durch Baumpatenschaften, eine Kooperation mit Hochschulen, um Studienabbrecher auf die Gemeinde aufmerksam zu machen. Die Möglichkeiten, um sich von anderen Kommunen abzuheben, seien durchaus vielfältig.

Schöne neue Konzepte

Kommentar von Stefanie Dullweber

Das äußere Erscheinungsbild ist wichtig – zumindest, wenn jemand positiv auf sich aufmerksam machen möchte. Wie viel die Gemeinde Hille diesbezüglich zu bieten hat, haben zwei Expertinnen den Verantwortlichen vor Augen geführt. Aber sie haben auch Schwächen ausgemacht.

Um festzustellen, dass beispielsweise die Homepage der Gemeinde kein Ort ist, an dem man sich gerne aufhält – dafür hätte es keine Experten gebraucht. Erst baut sich ein Corona-Banner auf der Seite auf. Klickt man es weg, steht dort in roten Lettern, dass das Rathaus der Gemeinde Hille bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Das suggeriert: Melden Sie sich bloß nicht und kommen Sie, wenn möglich, nicht vorbei. Wie willkommen fühlt sich da ein potenzieller Neubürger?

Das Konzept der Marketing-Expertinnen erscheint wie aus einer anderen Welt: Virtuelles Rathaus, WhatsApp-Service, interaktive Karten, multimediale Geschichten, Präsenz in sozialen Medien. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und es stellt sich die Frage: Wer soll es umsetzen? Macht die Gemeinde den Bürgern Hoffnungen, die sie nicht erfüllen kann?

Bereits 2019 wurde den Hillern versprochen, dass sich in Sachen Wirtschaftsförderung einiges tun wird. Eine Unternehmensbefragung sollte neue Erkenntnisse bringen. Die Ergebnisse sind bislang nicht öffentlich gemacht worden. Auch vom 2017 angestoßenen Straßen- und Wegekonzept wurde bis auf eine Hand voll Treckerschleusen nicht viel umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass jetzt nicht ein weiteres – ein sicherlich teuer bezahltes – Konzept in der Schublade landet.

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