Hille muss noch warten: Michael Schweiß und Henning Grinke gehen in die Stichwahl Stefanie Dullweber Hille. Die Hiller Bürger müssen in zwei Wochen erneut ihre Stimme abgeben. Dann stehen allerdings nur noch zwei Namen auf dem Wahlzettel. Amtsinhaber Michael Schweiß holte 39,9 Prozent der Stimmen und tritt gegen den CDU-Kandidaten Henning Grinke an, der 31,4 Prozent bekam. SPD-Kandidat Burkhard Günther konnte lediglich 28,7 Prozent der Hiller von sich überzeugen und ist damit raus aus dem Rennen um das Bürgermeisteramt. In einem Statement am Sonntagabend rief Günther die rund 13.000 Wahlberechtigten dazu auf, bei der Abstimmung am 27. September Henning Grinke zu unterstützen. „Ich stehe nach wie vor für einen Wechsel an der Spitze der Verwaltung. Für einen Neuanfang in Hille solltet Ihr Henning Grinke wählen", appellierte Burkhard Günther in einer Videobotschaft. Das Rathaus der Gemeinde war für die Öffentlichkeit geschlossen. Burkhard Günther verfolgte die Auszählung zusammen mit einigen Parteikollegen im Garten der SPD-Gemeindeverbandsvorsitzenden Ulrike Grannemann. Henning Grinke ließ sich kurz am Rathaus blicken, um das Ergebnis zu erfragen, weil die Seiten des Kommunalen Rechenzentrums überlastet waren. Grinke musste gleich mehrfach hinschauen, bis er realisierte, dass es zwar nicht für den Wahlsieg beziehungsweise die absolute Mehrheit gereicht hatte, aber immerhin für das zweitbeste Ergebnis – und damit für die Stichwahl. „Ich muss mich erst einmal sammeln", sagte Grinke, sichtlich um Worte ringend. Dass sein Kontrahent Michael Schweiß in seinem Stimmbezirk in Südhemmern 86 Stimmen mehr bekommen habe als er, sei schon enttäuschend. Und auch, dass der Amtsinhaber, der nahezu keinen Wahlkampf gemacht habe, am Ende die meisten Stimmen bekommen habe. „Wie erwartet, hat keiner von uns dreien es geschafft, die absolute Mehrheit zu erreichen. Ich werde alles dafür tun, dass es in zwei Wochen zu einem eindeutigen Ergebnis kommt", erklärte der Südhemmeraner und verabschiedete sich zu einer kleinen Wahlparty mit seinen Unterstützern. Amtsinhaber Michael Schweiß nahm das Ergebnis sichtlich gelassen, aber auch wohlwollend zur Kenntnis. „Wir sehen uns wieder", sagte er im Hinblick auf die Stichwahl in Richtung seines Herausforderers von der CDU. Dass er, wie der letzten Wahl vor fünf Jahren, mit 62 Prozent der Stimmen die Mehrheit holt, damit hätte auch der Amtsinhaber nicht gerechnet. „Ich freue mich darauf, was in 14 Tagen passiert", gab sich Schweiß am Abend im MT-Gespräch optimistisch. Am Montag gehe es für ihn wieder an die Arbeit, so der Holzhauser. Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Hille erreichte mit 65 Prozent einen Rekordwert. 2015 hatten 52 Prozent der Bürger ihre Stimme abgegeben. In dem um zwei Sitze verkleinerten Rat hat die SPD (32,6 Prozent) mit zehn Sitzen künftig nicht mehr die Mehrheit – die Partei hat drei Sitze verloren. Die stärkste Kraft ist jetzt die CDU (37,8 Prozent) mit elf Sitzen – auch die Christdemokraten haben einen Sitz verloren. Zu den Wahlsiegern gehören die Grünen (13,5 Prozent), die die Zahl ihrer Sitze auf vier verdoppelt haben. Die Freie Wählergemeinschaft (4,9 Prozent) behält ihre bisherigen zwei Ratsmandate. Die FDP (7,4 Prozent) verliert einen Sitz und hat künftig zwei Vertreter im Rat. Erstmals in den Hiller Rat eingezogen ist die AfD (3,8 Prozent), die künftig einen Vertreter stellen wird. Verteilung Mandate SPD: Hermann Böhne, Roger Pretzer, Heinz Becker, Wolfgang Witting, Hans-Dieter Riechmann (alle Direktmandat), Burkhard Günther, Jutta Buhre, Mario Lohmann, Susanne Steuber, Uwe Habbe (alle Reserveliste) CDU: Kristian Brukamp, Holger Südmeier, Hermann Buhrmester, Rolf Tiemann, Anne Christin von Behren, Kirsten Gardini, Patrick Nowak, Hans-JoachimThienelt, Bernd Steinkemeier, Eberhard Peper (alle Direktmandat), Henning Grinke (Reserveliste) FDP: Ludwig Volkmann, Nikolaus Netzel (beide Reserveliste) Grüne: Marie-Luise Schulder, Daniel Budde, Annabel Hanke, Matthias Ellermann (alle Reserveliste) FWG: Hans-Ulrich Borcherding, Volker Weber (beide Reserveliste) AfD: Stephan Rohlfing (Reserveliste) Der lachende Dritte? Ein Kommentar von Stefanie Dullweber Das Zerwürfnis zwischen der SPD und dem amtierenden Bürgermeister Michael Schweiß hat der Partei mehr geschadet, als dem Amtsinhaber. Die Sozialdemokraten haben nicht nur die Mehrheit im Rat verloren, sondern auch die Wahl um das Bürgermeisteramt. Während Burkhard Günther mit vielen Aktionen – vor allem in den sozialen Medien – auf sich aufmerksam machte, musste sich Michael Schweiß gar nicht besonders anstrengen. Es reichte, dass er seiner täglichen Arbeit nachging. Der Herausforderer der SPD ist ein Opfer der Streitereien geworden, zumal ihm wohl auch nicht alle Genossen ihre volle Unterstützung zusicherten. Und auch der lachende Dritte – Henning Grinke – wird sicherlich einige Stimmen aus dem SPD-Lager geholt haben. Der Südhemmeraner, den vor der Wahl nicht einmal alle Leute aus dem eigenen Dorf kannten, hat in zwei Wochen immer noch die Möglichkeit, Bürgermeister zu werden. Und, seine Chancen dürften gar nicht mal so schlecht stehen – wenn selbst der SPD-Kandidat offen dafür Werbung macht, den CDU-Mann zu unterstützen. Die Hiller sind immer wieder für Überraschungen gut.

Hille muss noch warten: Michael Schweiß und Henning Grinke gehen in die Stichwahl

Alle Wähler hätten sich vorbildlich an die Maskenpflicht gehalten und zum größten Teil auch ihre eigenen Kugelschreiber mitgebracht, sagte Wahlhelfer Harry Gartmann (rechts im Bild). Der Hiller ist seit mehr als 20 Jahren Wahlhelfer. MT- © Fotos: Stefanie Dullweber

Hille. Die Hiller Bürger müssen in zwei Wochen erneut ihre Stimme abgeben. Dann stehen allerdings nur noch zwei Namen auf dem Wahlzettel. Amtsinhaber Michael Schweiß holte 39,9 Prozent der Stimmen und tritt gegen den CDU-Kandidaten Henning Grinke an, der 31,4 Prozent bekam. SPD-Kandidat Burkhard Günther konnte lediglich 28,7 Prozent der Hiller von sich überzeugen und ist damit raus aus dem Rennen um das Bürgermeisteramt.

In einem Statement am Sonntagabend rief Günther die rund 13.000 Wahlberechtigten dazu auf, bei der Abstimmung am 27. September Henning Grinke zu unterstützen. „Ich stehe nach wie vor für einen Wechsel an der Spitze der Verwaltung. Für einen Neuanfang in Hille solltet Ihr Henning Grinke wählen", appellierte Burkhard Günther in einer Videobotschaft.

Das Rathaus der Gemeinde war für die Öffentlichkeit geschlossen. Burkhard Günther verfolgte die Auszählung zusammen mit einigen Parteikollegen im Garten der SPD-Gemeindeverbandsvorsitzenden Ulrike Grannemann. Henning Grinke ließ sich kurz am Rathaus blicken, um das Ergebnis zu erfragen, weil die Seiten des Kommunalen Rechenzentrums überlastet waren. Grinke musste gleich mehrfach hinschauen, bis er realisierte, dass es zwar nicht für den Wahlsieg beziehungsweise die absolute Mehrheit gereicht hatte, aber immerhin für das zweitbeste Ergebnis – und damit für die Stichwahl.

Das Rathaus war für die Öffentlichkeit geschlossen. Hier durften nur Stimmzettel abgegeben werden.
Das Rathaus war für die Öffentlichkeit geschlossen. Hier durften nur Stimmzettel abgegeben werden.

„Ich muss mich erst einmal sammeln", sagte Grinke, sichtlich um Worte ringend. Dass sein Kontrahent Michael Schweiß in seinem Stimmbezirk in Südhemmern 86 Stimmen mehr bekommen habe als er, sei schon enttäuschend. Und auch, dass der Amtsinhaber, der nahezu keinen Wahlkampf gemacht habe, am Ende die meisten Stimmen bekommen habe. „Wie erwartet, hat keiner von uns dreien es geschafft, die absolute Mehrheit zu erreichen. Ich werde alles dafür tun, dass es in zwei Wochen zu einem eindeutigen Ergebnis kommt", erklärte der Südhemmeraner und verabschiedete sich zu einer kleinen Wahlparty mit seinen Unterstützern.

Amtsinhaber Michael Schweiß nahm das Ergebnis sichtlich gelassen, aber auch wohlwollend zur Kenntnis. „Wir sehen uns wieder", sagte er im Hinblick auf die Stichwahl in Richtung seines Herausforderers von der CDU. Dass er, wie der letzten Wahl vor fünf Jahren, mit 62 Prozent der Stimmen die Mehrheit holt, damit hätte auch der Amtsinhaber nicht gerechnet. „Ich freue mich darauf, was in 14 Tagen passiert", gab sich Schweiß am Abend im MT-Gespräch optimistisch. Am Montag gehe es für ihn wieder an die Arbeit, so der Holzhauser.

Sie müssen in zwei Wochen noch einmal ran: Die Wahlhelfer in Hille begleiten auch die Stichwahl.
Sie müssen in zwei Wochen noch einmal ran: Die Wahlhelfer in Hille begleiten auch die Stichwahl.

Die Wahlbeteiligung in der Gemeinde Hille erreichte mit 65 Prozent einen Rekordwert. 2015 hatten 52 Prozent der Bürger ihre Stimme abgegeben. In dem um zwei Sitze verkleinerten Rat hat die SPD (32,6 Prozent) mit zehn Sitzen künftig nicht mehr die Mehrheit – die Partei hat drei Sitze verloren. Die stärkste Kraft ist jetzt die CDU (37,8 Prozent) mit elf Sitzen – auch die Christdemokraten haben einen Sitz verloren. Zu den Wahlsiegern gehören die Grünen (13,5 Prozent), die die Zahl ihrer Sitze auf vier verdoppelt haben. Die Freie Wählergemeinschaft (4,9 Prozent) behält ihre bisherigen zwei Ratsmandate. Die FDP (7,4 Prozent) verliert einen Sitz und hat künftig zwei Vertreter im Rat. Erstmals in den Hiller Rat eingezogen ist die AfD (3,8 Prozent), die künftig einen Vertreter stellen wird.

Verteilung Mandate

SPD: Hermann Böhne, Roger Pretzer, Heinz Becker, Wolfgang Witting, Hans-Dieter Riechmann (alle Direktmandat), Burkhard Günther, Jutta Buhre, Mario Lohmann, Susanne Steuber, Uwe Habbe (alle Reserveliste)

CDU: Kristian Brukamp, Holger Südmeier, Hermann Buhrmester, Rolf Tiemann, Anne Christin von Behren, Kirsten Gardini, Patrick Nowak, Hans-JoachimThienelt, Bernd Steinkemeier, Eberhard Peper (alle Direktmandat), Henning Grinke (Reserveliste)

FDP: Ludwig Volkmann, Nikolaus Netzel (beide Reserveliste)

Grüne: Marie-Luise Schulder, Daniel Budde, Annabel Hanke, Matthias Ellermann (alle Reserveliste)

FWG: Hans-Ulrich Borcherding, Volker Weber (beide Reserveliste)

AfD: Stephan Rohlfing (Reserveliste)

Der lachende Dritte?
Ein Kommentar von Stefanie Dullweber

Das Zerwürfnis zwischen der SPD und dem amtierenden Bürgermeister Michael Schweiß hat der Partei mehr geschadet, als dem Amtsinhaber. Die Sozialdemokraten haben nicht nur die Mehrheit im Rat verloren, sondern auch die Wahl um das Bürgermeisteramt. Während Burkhard Günther mit vielen Aktionen – vor allem in den sozialen Medien – auf sich aufmerksam machte, musste sich Michael Schweiß gar nicht besonders anstrengen. Es reichte, dass er seiner täglichen Arbeit nachging. Der Herausforderer der SPD ist ein Opfer der Streitereien geworden, zumal ihm wohl auch nicht alle Genossen ihre volle Unterstützung zusicherten. Und auch der lachende Dritte – Henning Grinke – wird sicherlich einige Stimmen aus dem SPD-Lager geholt haben. Der Südhemmeraner, den vor der Wahl nicht einmal alle Leute aus dem eigenen Dorf kannten, hat in zwei Wochen immer noch die Möglichkeit, Bürgermeister zu werden. Und, seine Chancen dürften gar nicht mal so schlecht stehen – wenn selbst der SPD-Kandidat offen dafür Werbung macht, den CDU-Mann zu unterstützen. Die Hiller sind immer wieder für Überraschungen gut.

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