„Hier wird nichts weggeworfen“: Eine Schichtleiterin gibt einen Einblick in die Arbeit im Impfzentrum Stefanie Dullweber Hille-Unterlübbe. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich solch ein Durchhaltevermögen habe“, sagt Isabelle-Marie Bernhardt in der Rückschau auf ihr Jahr, das beruflich von Corona bestimmt war. Die 28-jährige ist Medizinische Fachangestellte und hat in den vergangenen Monaten viele Menschen erlebt, die nach einer Infektion mit dem Corona-Virus schwer erkrankten. Für ein paar Wochen arbeitete die junge Frau aus Oberlübbe im Corona-Zentrum am Johannes-Wesling- Klinikum. Mittlerweile ist sie eine von vier Schichtleiterinnen im Impfzentrum in Unterlübbe. Die Stimmung sei umgeschlagen, sagt sie. Während sie im Corona-Zentrum viele ängstliche und unsichere Patienten erlebte, treffe sie im Impfzentrum täglich auf zuversichtlich gestimmte Kollegen und Patienten. „Hier geht es darum, voranzukommen. Die Menschen kommen zu uns, weil sie sich impfen lassen wollen. Viele sind sehr dankbar. Das lässt mich abends mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“ Bevor Corona ihr berufliches Leben veränderte, arbeitet Isabelle-Marie Bernhardt als Medizinische Fachangestellte und Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis von Anke Richter-Scheer in Bad Oeynhausen. Ihre Chefin ist nicht nur Vorsitzendes des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, sondern auch medizinische Leiterin des vom Kreis Minden-Lübbecke eingerichteten Impfzentrums in Unterlübbe. Den Praxisalltag, wie sie ihn kenne, habe sie aktuell nur noch selten, sagt die 28-Jährige. Hauptsächlich sei sie für die Arbeit im Impfzentrum freigestellt. Dass ihre Chefin auch hier das Sagen hat, störe sie nicht. „Wir kennen uns sehr gut. Das hat auch Vorteile. Das Team hält zusammen und wir können uns aufeinander verlassen.“ Als Schichtleiterin ist Isabelle-Marie Bernhardt nicht nur dafür zuständig, dass die Bürger das Vakzin verabreicht bekommen, sie koordiniert auch die Abläufe, weist Mitarbeiter ein und versucht, den Überblick zu behalten. Das sei an stressigen Tagen gar nicht so leicht, sagt sie. Wo ist der Schlüssel? Warum funktioniert der Drucker nicht? Läuft der Betrieb in den Impfstraßen?, sind Aufgaben, mit denen sie täglich konfrontiert wird. „Es funktioniert nur in Kombination mit den anderen Stellen. Das fängt schon bei der Anmeldung an.“ Auch wenn es hektisch zugeht, das gemeinsame Ziel seien geringe Wartezeiten für die Patienten. Eine Abneigung gegen einen bestimmten Impfstoff oder eine grundsätzlich kritische Einstellung zum Impfen hat Isabelle-Marie Bernhardt bei ihrer Arbeit noch nicht erlebt. „Wer hierher kommt, der möchte die Impfung haben und weiß bereits im Vorfeld, welchen Impfstoff er verabreicht bekommt.“ Die Zweifler würden wahrscheinlich bereits am Bürgertelefon ihre Sorgen oder Bedenken mitteilen. Gerade zum Start des Impfzentrums habe man gesehen, dass die Menschen unbedingt geimpft werden möchten. „Sonst wären sie nicht bei den Schneeverhältnissen gekommen.“ Sie selbst sei auch geimpft und empfinde es als großes Privileg. „Ich kennen niemanden, der in einem medizinischen Beruf arbeitet und der keine Impfung haben möchte.“ Sie könne jedem nur raten, sich impfen zu lassen. „Aber ohne diese Überzeugung wäre ich hier auch falsch.“ Ihren Appell richtet die Medizinische Fachangestellte ausdrücklich nicht nur an Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen. Während ihrer Dienstzeit im Corona-Testzentrum habe sie auch viele jüngere Patienten mit schweren Verläufen gesehen. Und natürlich sei gerade für die Älteren die Isolation schwer zu ertragen. „Solche Fälle tun mir persönlich sehr leid.“ Dass sie auch einige ihrer Kollegen aus den anderen Hausarztpraxen impfen muss, damit hat Isabelle-Marie Bernhardt kein Problem. „Ich haben in den elf Berufsjahren viele Medizinische Fachangestellte kennengelernt“, sagt sie. Dass die ihr beim Impfen auf die Finger schauen könnten, bringe sie nicht aus der Ruhe. „Viel schlimmer ist es, wenn gleichzeitig mehrere Kameras im Raum sind“, erinnert sie sich an den ersten Tag in Unterlübbe, als sie beim offiziellen Presserundgang beim Impfen fotografiert wurde. Sie habe nicht nur Durchhaltevermögen gewonnen, sondern auch mehr Selbstbewusstsein. Sie habe viele neue Eindrücke bekommen und gelernt, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Was Isabelle-Marie Bernhardt ärgert, ist das hartnäckige Gerücht, dass übrig gebliebener Impfstoff entsorgt wird. „Hier wird nichts weggeworfen“, betont die Schichtleiterin und erklärt das tägliche Prozedere. Dies würde nach ganz klaren Regeln ablaufen. In den letzten zwei Stunden werde immer wieder durchgezählt, ob das Verhältnis von Impfdosen und Patienten passt. „Da geht es bei uns richtig rund.“ Sobald abzusehen ist, dass Impfstoff übrig ist, würden diejenigen angerufen, die einen Termin am nächsten Tag haben. Können diese Personen spontan nach Unterlübbe kommen, werden sie vorgezogen. „Das hat bisher immer gut geklappt.“ Und überhaupt seien sie bei der Altersgruppe der über 80-Jährigen auf einem guten Weg. Wie lange das Impfzentrum seinen Betrieb aufrechterhalten muss, dazu kann die Oberlübberin keine Prognose abgegeben. Grundsätzlich würde sie es befürworten, dass auf Sicht auch in den Hausarztpraxen geimpft wird. „Das gehört zu unseren täglichen Aufgaben. Und es ist wichtig, dass es weitergeht.“ Auf die Frage, ob sie das Wort Corona überhaupt noch hören kann, gibt sich die Oberlübberin pragmatisch. Natürlich habe jeder von diesem Thema irgendwann die Nase voll, aber sie persönlich wolle etwas dafür tun, dass die Krankheit eingedämmt wird. „Ich möchte, dass es aufhört und deshalb kämpfe ich dagegen an.“

„Hier wird nichts weggeworfen“: Eine Schichtleiterin gibt einen Einblick in die Arbeit im Impfzentrum

Hille-Unterlübbe. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich solch ein Durchhaltevermögen habe“, sagt Isabelle-Marie Bernhardt in der Rückschau auf ihr Jahr, das beruflich von Corona bestimmt war. Die 28-jährige ist Medizinische Fachangestellte und hat in den vergangenen Monaten viele Menschen erlebt, die nach einer Infektion mit dem Corona-Virus schwer erkrankten.

Isabelle-Marie Bernhardt bei einem ihrer ersten Einsätze im Impfzentrum in Unterlübbe. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Isabelle-Marie Bernhardt bei einem ihrer ersten Einsätze im Impfzentrum in Unterlübbe. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

Für ein paar Wochen arbeitete die junge Frau aus Oberlübbe im Corona-Zentrum am Johannes-Wesling- Klinikum. Mittlerweile ist sie eine von vier Schichtleiterinnen im Impfzentrum in Unterlübbe. Die Stimmung sei umgeschlagen, sagt sie. Während sie im Corona-Zentrum viele ängstliche und unsichere Patienten erlebte, treffe sie im Impfzentrum täglich auf zuversichtlich gestimmte Kollegen und Patienten. „Hier geht es darum, voranzukommen. Die Menschen kommen zu uns, weil sie sich impfen lassen wollen. Viele sind sehr dankbar. Das lässt mich abends mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“

Bevor Corona ihr berufliches Leben veränderte, arbeitet Isabelle-Marie Bernhardt als Medizinische Fachangestellte und Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis von Anke Richter-Scheer in Bad Oeynhausen. Ihre Chefin ist nicht nur Vorsitzendes des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, sondern auch medizinische Leiterin des vom Kreis Minden-Lübbecke eingerichteten Impfzentrums in Unterlübbe. Den Praxisalltag, wie sie ihn kenne, habe sie aktuell nur noch selten, sagt die 28-Jährige. Hauptsächlich sei sie für die Arbeit im Impfzentrum freigestellt. Dass ihre Chefin auch hier das Sagen hat, störe sie nicht. „Wir kennen uns sehr gut. Das hat auch Vorteile. Das Team hält zusammen und wir können uns aufeinander verlassen.“

Als Schichtleiterin ist Isabelle-Marie Bernhardt nicht nur dafür zuständig, dass die Bürger das Vakzin verabreicht bekommen, sie koordiniert auch die Abläufe, weist Mitarbeiter ein und versucht, den Überblick zu behalten. Das sei an stressigen Tagen gar nicht so leicht, sagt sie. Wo ist der Schlüssel? Warum funktioniert der Drucker nicht? Läuft der Betrieb in den Impfstraßen?, sind Aufgaben, mit denen sie täglich konfrontiert wird. „Es funktioniert nur in Kombination mit den anderen Stellen. Das fängt schon bei der Anmeldung an.“ Auch wenn es hektisch zugeht, das gemeinsame Ziel seien geringe Wartezeiten für die Patienten.

Eine Abneigung gegen einen bestimmten Impfstoff oder eine grundsätzlich kritische Einstellung zum Impfen hat Isabelle-Marie Bernhardt bei ihrer Arbeit noch nicht erlebt. „Wer hierher kommt, der möchte die Impfung haben und weiß bereits im Vorfeld, welchen Impfstoff er verabreicht bekommt.“ Die Zweifler würden wahrscheinlich bereits am Bürgertelefon ihre Sorgen oder Bedenken mitteilen. Gerade zum Start des Impfzentrums habe man gesehen, dass die Menschen unbedingt geimpft werden möchten. „Sonst wären sie nicht bei den Schneeverhältnissen gekommen.“

Sie selbst sei auch geimpft und empfinde es als großes Privileg. „Ich kennen niemanden, der in einem medizinischen Beruf arbeitet und der keine Impfung haben möchte.“ Sie könne jedem nur raten, sich impfen zu lassen. „Aber ohne diese Überzeugung wäre ich hier auch falsch.“ Ihren Appell richtet die Medizinische Fachangestellte ausdrücklich nicht nur an Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen. Während ihrer Dienstzeit im Corona-Testzentrum habe sie auch viele jüngere Patienten mit schweren Verläufen gesehen. Und natürlich sei gerade für die Älteren die Isolation schwer zu ertragen. „Solche Fälle tun mir persönlich sehr leid.“

Dass sie auch einige ihrer Kollegen aus den anderen Hausarztpraxen impfen muss, damit hat Isabelle-Marie Bernhardt kein Problem. „Ich haben in den elf Berufsjahren viele Medizinische Fachangestellte kennengelernt“, sagt sie. Dass die ihr beim Impfen auf die Finger schauen könnten, bringe sie nicht aus der Ruhe. „Viel schlimmer ist es, wenn gleichzeitig mehrere Kameras im Raum sind“, erinnert sie sich an den ersten Tag in Unterlübbe, als sie beim offiziellen Presserundgang beim Impfen fotografiert wurde. Sie habe nicht nur Durchhaltevermögen gewonnen, sondern auch mehr Selbstbewusstsein. Sie habe viele neue Eindrücke bekommen und gelernt, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Was Isabelle-Marie Bernhardt ärgert, ist das hartnäckige Gerücht, dass übrig gebliebener Impfstoff entsorgt wird. „Hier wird nichts weggeworfen“, betont die Schichtleiterin und erklärt das tägliche Prozedere. Dies würde nach ganz klaren Regeln ablaufen. In den letzten zwei Stunden werde immer wieder durchgezählt, ob das Verhältnis von Impfdosen und Patienten passt. „Da geht es bei uns richtig rund.“

Sobald abzusehen ist, dass Impfstoff übrig ist, würden diejenigen angerufen, die einen Termin am nächsten Tag haben. Können diese Personen spontan nach Unterlübbe kommen, werden sie vorgezogen. „Das hat bisher immer gut geklappt.“ Und überhaupt seien sie bei der Altersgruppe der über 80-Jährigen auf einem guten Weg.

Wie lange das Impfzentrum seinen Betrieb aufrechterhalten muss, dazu kann die Oberlübberin keine Prognose abgegeben. Grundsätzlich würde sie es befürworten, dass auf Sicht auch in den Hausarztpraxen geimpft wird. „Das gehört zu unseren täglichen Aufgaben. Und es ist wichtig, dass es weitergeht.“

Auf die Frage, ob sie das Wort Corona überhaupt noch hören kann, gibt sich die Oberlübberin pragmatisch. Natürlich habe jeder von diesem Thema irgendwann die Nase voll, aber sie persönlich wolle etwas dafür tun, dass die Krankheit eingedämmt wird. „Ich möchte, dass es aufhört und deshalb kämpfe ich dagegen an.“

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