Hartnäckigkeit belohnt: Mindenerwald bekommt nun doch schnelles Internet Kerstin Rickert Hille. Die Freude ist groß in Mindenerwald. Nach über drei Jahren, in denen die Bewohner der Ortschaft dafür gekämpft hatten, an schnelles Internet angeschlossen zu werden, rückt das Ziel in greifbare Nähe. Im Vereinsheim des RSV Mindenerwald stellten Bürgermeister Michael Schweiß (Unabhängig) und Bernd Küchhold von der Gemeinde Hille gemeinsam mit Vertretern des Unternehmens Greenfiber am Mittwochabend ihre Pläne für den eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau in Mindenerwald vor. Die Arbeiten zum Anschluss an das Glasfasernetz könnten schon bald beginnen – sofern auch der Rat der Gemeinde Hille den Plänen zustimmt. Im Breitband-Masterplan des Kreises Minden-Lübbecke sind Teile von Mindenerwald nicht erfasst, weil sie bereits als versorgt gelten. Auch wenn die Realität anders aussieht: Die zumindest theoretisch verfügbare Internetgeschwindigkeit von 30 Mbit pro Sekunde lässt die Ortschaft beim von Bund und Land geförderten Anschluss an das Glasfasernetz außen vor. Das wollten die betroffenen Anwohner nicht hinnehmen. Jens Krentscher und Dirk Schumacher wurden aktiv und gründeten die Initiative Breitband Mindenerwald. Sie starteten eine Online-Petition, sammelten Unterschriften und warben bei der Gemeinde für ihr Anliegen. Mehr als drei Jahre sind seither ins Land gegangen, aber ihr Einsatz hat sich gelohnt. Eigenwirtschaftlicher Ausbau lautet die Lösung, die schnelles Internet nun auch nach Mindenerwald bringen soll. Dafür plant die Verwaltung der Gemeinde Hille gemeinsam mit dem Unternehmen Greenfiber, das auch den Breitband-Masterplan des Kreises umsetzt, die Gründung einer GmbH. Damit sollen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Breitbandausbau in Hille überall dort voranzutreiben, wo der Masterplan des Kreises nicht greift, aber dennoch keine optimale Versorgung besteht. Die Beratung und Abstimmung dazu durch den Rat der Gemeinde steht am kommenden Montag, 31. Mai, auf der Tagesordnung einer nichtöffentlichen Ratssitzung. „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Rat zustimmt, weil dieser Weg alternativlos ist“, zeigte sich Bürgermeister Michael Schweiß bei dem Treffen in Mindenerwald am Mittwoch optimistisch. Sollte er da richtig liegen und der Rat sich mehrheitlich für diese Lösung entscheiden, könnten laut Schweiß in Zukunft auch andere bislang schlecht versorgte Gebiete in Hille – und nicht nur Mindenerwald – davon profitieren. Wie groß allein dort die Unzufriedenheit mit der aktuellen Versorgung ist, zeigt das Ergebnis einer Aktion, die Jens Krentscher, Dirk Schumacher und weitere Anwohner in den vergangenen Wochen durchgezogen haben. 101 Immobilienbesitzer im Ort konnten sie in persönlichen Gesprächen davon überzeugen, einen Versorgungsvertrag mit Greenfiber abzuschließen. Das entspricht einer Quote von gut 90 Prozent aller Haushalte in Mindenerwald – ein Ergebnis, das die Kooperationsverhandlungen mit der Gemeinde Hille noch einmal beschleunigt hat. Dass Greenfiber zudem den Zuschlag für die Netzanbindung der Förderschule Mindenerwald erhalten habe, sei „das letzte Zünglein an der Waage“ gewesen, wie dessen Geschäftsführer Uwe Krabbe am Mittwoch deutlich machte. Sofern der Gemeinderat einer Kooperationsvereinbarung zustimme, rechne er mit einem „Baubeginn so schnell wie möglich und parallel zum Masterplan ähnlich wie in Lübbecke“, so Krabbe weiter. Bis zur Fertigstellung sei Ende kommenden Jahres als Ziel gesetzt, ergänzte Schweiß. Bei den Bewohnern in Mindenerwald löst die Aussicht darauf, dann von der digitalen Infrastruktur endlich nicht mehr abgeschnitten zu sein, große Freude aus. „Vor vier Wochen sah das noch ganz anders aus. Da habe ich noch damit gerechnet, vielleicht irgendwann einmal die Möglichkeit für einen schnelleren Anschluss zu haben“, sagt Eckhard Nelles, der sich an der Akquise künftiger Glasfaser-Kunden im Ort beteiligte. Dirk Schumacher fällt ein besonders großer Stein vom Herzen: „Jetzt sehe ich hier wieder eine Zukunft. Für mich, der ich beruflich vom Internet abhängig bin, wäre sonst nur der Verkauf meiner Immobilie infrage gekommen.“ Gerade auch während der Corona-Pandemie habe sich noch einmal besonders deutlich gezeigt, welche Bedeutung eine gute digitale Versorgung habe, sind sich die Mindenerwäldler einig. Ein Anwohner berichtet von Nachbarn, die in dieser Zeit Büros in Minden angemietet hätten, um arbeiten zu können. „Besonders traurig ist, dass unsere Kinder nicht am Unterricht teilnehmen können“, sagt ein Vater mit Blick auf die zurückliegenden Monate und die Probleme, wenn vier Kinder gleichzeitig mit Lehrern und Mitschülern über das Internet kommunizieren wollten. Für Michael Schweiß ist klar: „Im Hinterkopf hatten wir immer den festen Willen, die nicht im Masterplan berücksichtigten Gebiete auch zu versorgen.“ Dass das nun möglich werde, sei auch dem Engagement der Bürger zu verdanken. „Immer wenn Bürger, Gemeinde und Rat an einem Strang ziehen, haben wir eine optimale Konstellation.“ Der Ratsentscheid am Montag wird in Mindenerwald mit Spannung erwartet – und wahrscheinlich nicht nur dort.

Hartnäckigkeit belohnt: Mindenerwald bekommt nun doch schnelles Internet

Hille. Die Freude ist groß in Mindenerwald. Nach über drei Jahren, in denen die Bewohner der Ortschaft dafür gekämpft hatten, an schnelles Internet angeschlossen zu werden, rückt das Ziel in greifbare Nähe.

Im Rahmen des Breitband-Masterplanes sollten die Haushalte im Hiller Norden mit Glasfaser versorgt werden. Viele Haushalte in Mindenerwald wurden nicht berücksichtigt. Das ändert sich jetzt. Foto: Pixabay - © Pixabay
Im Rahmen des Breitband-Masterplanes sollten die Haushalte im Hiller Norden mit Glasfaser versorgt werden. Viele Haushalte in Mindenerwald wurden nicht berücksichtigt. Das ändert sich jetzt. Foto: Pixabay - © Pixabay

Im Vereinsheim des RSV Mindenerwald stellten Bürgermeister Michael Schweiß (Unabhängig) und Bernd Küchhold von der Gemeinde Hille gemeinsam mit Vertretern des Unternehmens Greenfiber am Mittwochabend ihre Pläne für den eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau in Mindenerwald vor. Die Arbeiten zum Anschluss an das Glasfasernetz könnten schon bald beginnen – sofern auch der Rat der Gemeinde Hille den Plänen zustimmt.

Im Breitband-Masterplan des Kreises Minden-Lübbecke sind Teile von Mindenerwald nicht erfasst, weil sie bereits als versorgt gelten. Auch wenn die Realität anders aussieht: Die zumindest theoretisch verfügbare Internetgeschwindigkeit von 30 Mbit pro Sekunde lässt die Ortschaft beim von Bund und Land geförderten Anschluss an das Glasfasernetz außen vor. Das wollten die betroffenen Anwohner nicht hinnehmen.


Jens Krentscher und Dirk Schumacher wurden aktiv und gründeten die Initiative Breitband Mindenerwald. Sie starteten eine Online-Petition, sammelten Unterschriften und warben bei der Gemeinde für ihr Anliegen. Mehr als drei Jahre sind seither ins Land gegangen, aber ihr Einsatz hat sich gelohnt. Eigenwirtschaftlicher Ausbau lautet die Lösung, die schnelles Internet nun auch nach Mindenerwald bringen soll.

Dafür plant die Verwaltung der Gemeinde Hille gemeinsam mit dem Unternehmen Greenfiber, das auch den Breitband-Masterplan des Kreises umsetzt, die Gründung einer GmbH. Damit sollen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Breitbandausbau in Hille überall dort voranzutreiben, wo der Masterplan des Kreises nicht greift, aber dennoch keine optimale Versorgung besteht.

Die Beratung und Abstimmung dazu durch den Rat der Gemeinde steht am kommenden Montag, 31. Mai, auf der Tagesordnung einer nichtöffentlichen Ratssitzung. „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Rat zustimmt, weil dieser Weg alternativlos ist“, zeigte sich Bürgermeister Michael Schweiß bei dem Treffen in Mindenerwald am Mittwoch optimistisch. Sollte er da richtig liegen und der Rat sich mehrheitlich für diese Lösung entscheiden, könnten laut Schweiß in Zukunft auch andere bislang schlecht versorgte Gebiete in Hille – und nicht nur Mindenerwald – davon profitieren.

Wie groß allein dort die Unzufriedenheit mit der aktuellen Versorgung ist, zeigt das Ergebnis einer Aktion, die Jens Krentscher, Dirk Schumacher und weitere Anwohner in den vergangenen Wochen durchgezogen haben. 101 Immobilienbesitzer im Ort konnten sie in persönlichen Gesprächen davon überzeugen, einen Versorgungsvertrag mit Greenfiber abzuschließen. Das entspricht einer Quote von gut 90 Prozent aller Haushalte in Mindenerwald – ein Ergebnis, das die Kooperationsverhandlungen mit der Gemeinde Hille noch einmal beschleunigt hat.

Dass Greenfiber zudem den Zuschlag für die Netzanbindung der Förderschule Mindenerwald erhalten habe, sei „das letzte Zünglein an der Waage“ gewesen, wie dessen Geschäftsführer Uwe Krabbe am Mittwoch deutlich machte. Sofern der Gemeinderat einer Kooperationsvereinbarung zustimme, rechne er mit einem „Baubeginn so schnell wie möglich und parallel zum Masterplan ähnlich wie in Lübbecke“, so Krabbe weiter.

Bis zur Fertigstellung sei Ende kommenden Jahres als Ziel gesetzt, ergänzte Schweiß. Bei den Bewohnern in Mindenerwald löst die Aussicht darauf, dann von der digitalen Infrastruktur endlich nicht mehr abgeschnitten zu sein, große Freude aus. „Vor vier Wochen sah das noch ganz anders aus. Da habe ich noch damit gerechnet, vielleicht irgendwann einmal die Möglichkeit für einen schnelleren Anschluss zu haben“, sagt Eckhard Nelles, der sich an der Akquise künftiger Glasfaser-Kunden im Ort beteiligte.

Dirk Schumacher fällt ein besonders großer Stein vom Herzen: „Jetzt sehe ich hier wieder eine Zukunft. Für mich, der ich beruflich vom Internet abhängig bin, wäre sonst nur der Verkauf meiner Immobilie infrage gekommen.“ Gerade auch während der Corona-Pandemie habe sich noch einmal besonders deutlich gezeigt, welche Bedeutung eine gute digitale Versorgung habe, sind sich die Mindenerwäldler einig. Ein Anwohner berichtet von Nachbarn, die in dieser Zeit Büros in Minden angemietet hätten, um arbeiten zu können.

„Besonders traurig ist, dass unsere Kinder nicht am Unterricht teilnehmen können“, sagt ein Vater mit Blick auf die zurückliegenden Monate und die Probleme, wenn vier Kinder gleichzeitig mit Lehrern und Mitschülern über das Internet kommunizieren wollten. Für Michael Schweiß ist klar: „Im Hinterkopf hatten wir immer den festen Willen, die nicht im Masterplan berücksichtigten Gebiete auch zu versorgen.“ Dass das nun möglich werde, sei auch dem Engagement der Bürger zu verdanken. „Immer wenn Bürger, Gemeinde und Rat an einem Strang ziehen, haben wir eine optimale Konstellation.“

Der Ratsentscheid am Montag wird in Mindenerwald mit Spannung erwartet – und wahrscheinlich nicht nur dort.

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