Hart, aber fair: Hiller Bürgermeister-Kandidaten diskutieren beim MT-Gespräch Stefanie Dullweber Hille-Rothenuffeln. Es war ein munterer und fairer Schlagabtausch, den sich die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Hille am Mittwochabend lieferten. Meist sachlich diskutierten Amtsinhaber Michael Schweiß, Henning Grinke (CDU) und Burkhard Günther (SPD) die von den Moderatoren Carsten Korfesmeyer und Patrick Schwemling gesetzten Themen. Während sich die beiden Herausforderer überwiegend einig waren und sich eher in kreativen Lösungsvorschlägen übten, argumentierte der Amtsinhaber nah an dem, was die Verwaltung vorgibt. Mehr als 650 Nutzer schalteten sich in die Live-Berichterstattung auf MT.de ein. Wirtschaftsförderung Henning Grinke sieht als Herausforderung für die Wirtschaftsförderung die Bereitstellung neuer Gewerbeflächen. Allerdings müsse das Gewerbe auch zum Standort passen, sagte er im Hinblick auf die Pläne der Firma Budde in Eickhorst. Die Erweiterung begrüße er, allein schon weil das Unternehmen Gewerbesteuer zahle. „Aber wir müssen mit den Verantwortlichen über die Standort-Frage reden." Michael Schweiß verwies in Sachen Gewerbegebiete auf das Planungsrecht. Dies regele, wo sich Firmen ansiedeln können. Eine Unternehmensbefragung der Gemeinde habe ergeben, dass sich elf Unternehmen ausdehnen wollen. Ihm schwebe dafür unter anderem eine 28.000 Quadratmeter große Fläche zwischen Hille und Südhemmern vor. Die Pläne für den Erwerb werde er dem Rat vorlegen. Burkhard Günter möchte vorausschauend arbeiten. Wenn ein Unternehmen sich vergrößern wolle, müsste die Gemeinde etwas Passendes parat haben. Verwaltungsverfahren seien ein großer Zeitfresser. Mit einem Netzwerk wolle er Kontakt zur Wirtschaft halten. Die Kommunikation mit der Firma Budde sei von Anfang an unglücklich gewesen, kritisierte Günther. Eine Erweiterung an diesem Standort hätte nicht in Aussicht gestellt werden dürfen. Medizinische Versorgung Hinsichtlich der medizinischen Versorgung werde er weitere Anstrengungen unternehmen, sicherte Michael Schweiß zu. Durch einen Ratsbeschluss habe die Gemeinde Teileigentum und Inventar der Praxis an der Georgstraße erworben. Am Ende des Jahres solle ein vierter Mediziner dazukommen, verriet der amtierende Bürgermeister. Auch ein Ärztehaus in Trägerschaft der Gemeinde schloss Schweiß nicht aus. Burkhard Günther verwies auf seine Idee eines Ärztezentrums in kommunaler Hand mit angestellten Ärzten, die auch in Teilzeit arbeiten können. Die SPD habe den Antrag gestellt, dies zu prüfen. „Leider ist es nie dazu gekommen", so Günther. Problematisch findet er, dass Hille hinsichtlich der Ärzteversorgung mit Minden zusammengerechnet wird. „Dass das nicht geht, müssen wir der Kassenärztlichen Vereinigung klar machen." Das Ziel der CDU sei es, mehr Ärzte nach Hille zu holen, sagte Grinke. Für ihn sei ebenfalls eine kommunale Trägerschaft denkbar. Gerade weil der Beruf des Landarztes bei jungen Medizinern nicht hoch im Kurs stehe, müsse die Gemeinde diesen Ärzten Stellen anbieten – und es sollten harte Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt werden. Breitbandausbau Die Gemeinde sei derart festgelegt mit Ausschreibungen und dadurch verwaltungsseitig so langsam, „dass uns die Geschwindigkeit überholt", sagte Günther. Er halte die Orientierung am Masterplan des Kreises für klug und richtig, aber es sei falsch gewesen, es dabei zu belassen. Glasfaser-Anschlüsse seien genauso wichtig wie Strom und Wasser. „Jedes Haus muss angeschlossen werden", findet auch Michael Schweiß. Aus Gesprächen mit dem zuständigen Unternehmen Greenfiber habe er erfahren, dass der Ausbau schneller voranschreite als gedacht. Allerdings führe er auch Gesprächen darüber, wie ein Ausbau wirtschaftlich gestaltet werden kann. „Wir hätten die Sache noch früher angehen müssen." Ein schnelles Netz sei für junge Familien ein Standortfaktor, sagt Grinke. Und Corona habe die Notwendigkeit noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt. Das Manko am Masterplan sieht der CDU-Politiker an der „kritischen Grenze von 30 Mbit". Damit schaffe man einen Flickenteppich. Der Hiller Norden In der Debatte um die von den Bürgern seit Monaten kritisierte Lärmbelästigung im Bereich Wickriede sieht Henning Grinke wenig Möglichkeiten seitens der Gemeinde, sich einzumischen – obwohl er den Ärger der Bewohner des Hiller Nordens nachvollziehen kann. Die befürchteten nächtlichen Starts und Landungen der Heeresflieger aus Bückeburg seien womöglich gar nicht so umfangreich wie befürchtet, schätzt Grinke. Burkhard Günther verwies darauf, dass hier kein neues Übungsgelände geschaffen werde, sondern dass ein bestehendes erweitert werden soll. Viele Übungen würden heute bereits im Simulator stattfinden. Dennoch findet der SPD-Kandidat es unerlässlich, dass die Bundeswehr und die Heeresflieger in der Wickriede üben könnten, um sich auf teils lebensgefährliche Auslandseinsätze vorzubereiten. Michael Schweiß verwies darauf, dass die Angelegenheit Sache der Landesverteidigung sei. „Wir können es letztlich nicht beeinflussen." Er habe zwar eine Informations-Veranstaltung für die Bürger mit initiiert, habe sich aber in der Sache neutral verhalten. Seinem persönlichen Empfinden nach seien die großkalibrigen Waffen der Jäger am störendsten. Dass die Summe der Lärmquellen belastend sei, könne er nachvollziehen. Außerdem glaubt Schweiß nicht, dass die bisher bekannten Vorhaben schon das Ende seien. Drei Männer, drei Profile Ein Kommentar von Benjamin Piel Manchmal weiß der Wähler kaum, wo er sein Kreuz setzen soll. Einheitsbrei, lautet der Vorwurf, wenn Politiker zwar gegeneinander antreten, aber alle für dieselben Ziele stehen. Mangelnde Unterscheidbarkeit lässt sich den Hiller Kandidaten nicht vorwerfen. Dort sind drei Männer mit sehr unterschiedlichen Profilen angetreten. Wer es verwaltungssicher mag, ist bei Michael Schweiß (Amtsinhaber) gut aufgehoben. Der Amtsinhaber kennt sich aus in administrativen Regularien. Das ist seine Welt. Ein großer Aufbruch ist von ihm nicht zu erwarten, davon zeugt schon seine technokratische Sprache. Burkhard Günther (SPD) bricht aus dem üblichen Politiksprech kräftig aus und gibt sich bereit, ungewöhnliche Wege zu gehen. Der Erfolg dürfte allerdings vielfach ungewiss sein. Wer sagt, wenn die Verordnung nicht passe, müsse die Verordnung geändert werden, könnte schnell ernüchtert sein, wenn er feststellt, dass die Zuständigkeit beim Land liegt – und von Hille aus nicht zu ändern ist. Henning Grinke (CDU) widersprach nie, war ausnahmslos mit seinen Konkurrenten einer Meinung, spendete ihnen sogar Applaus. Das wirkte menschlich sympathisch. Grinke beherrscht Schulterschlüsse. Eigene Marken setzte er dagegen nicht, was bei Wählern, die klare Kante mögen, nicht ankommen dürfte.

Hart, aber fair: Hiller Bürgermeister-Kandidaten diskutieren beim MT-Gespräch

lDie Bewerber um das Bürgermeisteramt – (von links) Henning Grinke, Michael Schweiß und Burkhard Günther – debattierten beim MT-Gespräch im „Le Filou“ in Rothenuffeln. MT- © Foto: Alex Lehn

Hille-Rothenuffeln. Es war ein munterer und fairer Schlagabtausch, den sich die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Hille am Mittwochabend lieferten. Meist sachlich diskutierten Amtsinhaber Michael Schweiß, Henning Grinke (CDU) und Burkhard Günther (SPD) die von den Moderatoren Carsten Korfesmeyer und Patrick Schwemling gesetzten Themen. Während sich die beiden Herausforderer überwiegend einig waren und sich eher in kreativen Lösungsvorschlägen übten, argumentierte der Amtsinhaber nah an dem, was die Verwaltung vorgibt. Mehr als 650 Nutzer schalteten sich in die Live-Berichterstattung auf MT.de ein.

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Wirtschaftsförderung

Henning Grinke sieht als Herausforderung für die Wirtschaftsförderung die Bereitstellung neuer Gewerbeflächen. Allerdings müsse das Gewerbe auch zum Standort passen, sagte er im Hinblick auf die Pläne der Firma Budde in Eickhorst. Die Erweiterung begrüße er, allein schon weil das Unternehmen Gewerbesteuer zahle. „Aber wir müssen mit den Verantwortlichen über die Standort-Frage reden."

Michael Schweiß verwies in Sachen Gewerbegebiete auf das Planungsrecht. Dies regele, wo sich Firmen ansiedeln können. Eine Unternehmensbefragung der Gemeinde habe ergeben, dass sich elf Unternehmen ausdehnen wollen. Ihm schwebe dafür unter anderem eine 28.000 Quadratmeter große Fläche zwischen Hille und Südhemmern vor. Die Pläne für den Erwerb werde er dem Rat vorlegen.

Burkhard Günter möchte vorausschauend arbeiten. Wenn ein Unternehmen sich vergrößern wolle, müsste die Gemeinde etwas Passendes parat haben. Verwaltungsverfahren seien ein großer Zeitfresser. Mit einem Netzwerk wolle er Kontakt zur Wirtschaft halten. Die Kommunikation mit der Firma Budde sei von Anfang an unglücklich gewesen, kritisierte Günther. Eine Erweiterung an diesem Standort hätte nicht in Aussicht gestellt werden dürfen.

Medizinische Versorgung

Hinsichtlich der medizinischen Versorgung werde er weitere Anstrengungen unternehmen, sicherte Michael Schweiß zu. Durch einen Ratsbeschluss habe die Gemeinde Teileigentum und Inventar der Praxis an der Georgstraße erworben. Am Ende des Jahres solle ein vierter Mediziner dazukommen, verriet der amtierende Bürgermeister. Auch ein Ärztehaus in Trägerschaft der Gemeinde schloss Schweiß nicht aus.

Burkhard Günther verwies auf seine Idee eines Ärztezentrums in kommunaler Hand mit angestellten Ärzten, die auch in Teilzeit arbeiten können. Die SPD habe den Antrag gestellt, dies zu prüfen. „Leider ist es nie dazu gekommen", so Günther. Problematisch findet er, dass Hille hinsichtlich der Ärzteversorgung mit Minden zusammengerechnet wird. „Dass das nicht geht, müssen wir der Kassenärztlichen Vereinigung klar machen."

Das Ziel der CDU sei es, mehr Ärzte nach Hille zu holen, sagte Grinke. Für ihn sei ebenfalls eine kommunale Trägerschaft denkbar. Gerade weil der Beruf des Landarztes bei jungen Medizinern nicht hoch im Kurs stehe, müsse die Gemeinde diesen Ärzten Stellen anbieten – und es sollten harte Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt werden.

Breitbandausbau

Die Gemeinde sei derart festgelegt mit Ausschreibungen und dadurch verwaltungsseitig so langsam, „dass uns die Geschwindigkeit überholt", sagte Günther. Er halte die Orientierung am Masterplan des Kreises für klug und richtig, aber es sei falsch gewesen, es dabei zu belassen. Glasfaser-Anschlüsse seien genauso wichtig wie Strom und Wasser.

„Jedes Haus muss angeschlossen werden", findet auch Michael Schweiß. Aus Gesprächen mit dem zuständigen Unternehmen Greenfiber habe er erfahren, dass der Ausbau schneller voranschreite als gedacht. Allerdings führe er auch Gesprächen darüber, wie ein Ausbau wirtschaftlich gestaltet werden kann. „Wir hätten die Sache noch früher angehen müssen."

Ein schnelles Netz sei für junge Familien ein Standortfaktor, sagt Grinke. Und Corona habe die Notwendigkeit noch einmal ganz deutlich vor Augen geführt. Das Manko am Masterplan sieht der CDU-Politiker an der „kritischen Grenze von 30 Mbit". Damit schaffe man einen Flickenteppich.

Der Hiller Norden

In der Debatte um die von den Bürgern seit Monaten kritisierte Lärmbelästigung im Bereich Wickriede sieht Henning Grinke wenig Möglichkeiten seitens der Gemeinde, sich einzumischen – obwohl er den Ärger der Bewohner des Hiller Nordens nachvollziehen kann. Die befürchteten nächtlichen Starts und Landungen der Heeresflieger aus Bückeburg seien womöglich gar nicht so umfangreich wie befürchtet, schätzt Grinke.

Burkhard Günther verwies darauf, dass hier kein neues Übungsgelände geschaffen werde, sondern dass ein bestehendes erweitert werden soll. Viele Übungen würden heute bereits im Simulator stattfinden. Dennoch findet der SPD-Kandidat es unerlässlich, dass die Bundeswehr und die Heeresflieger in der Wickriede üben könnten, um sich auf teils lebensgefährliche Auslandseinsätze vorzubereiten.

Michael Schweiß verwies darauf, dass die Angelegenheit Sache der Landesverteidigung sei. „Wir können es letztlich nicht beeinflussen." Er habe zwar eine Informations-Veranstaltung für die Bürger mit initiiert, habe sich aber in der Sache neutral verhalten. Seinem persönlichen Empfinden nach seien die großkalibrigen Waffen der Jäger am störendsten. Dass die Summe der Lärmquellen belastend sei, könne er nachvollziehen. Außerdem glaubt Schweiß nicht, dass die bisher bekannten Vorhaben schon das Ende seien.

Drei Männer, drei Profile

Ein Kommentar von Benjamin Piel

Manchmal weiß der Wähler kaum, wo er sein Kreuz setzen soll. Einheitsbrei, lautet der Vorwurf, wenn Politiker zwar gegeneinander antreten, aber alle für dieselben Ziele stehen. Mangelnde Unterscheidbarkeit lässt sich den Hiller Kandidaten nicht vorwerfen. Dort sind drei Männer mit sehr unterschiedlichen Profilen angetreten.

Wer es verwaltungssicher mag, ist bei Michael Schweiß (Amtsinhaber) gut aufgehoben. Der Amtsinhaber kennt sich aus in administrativen Regularien. Das ist seine Welt. Ein großer Aufbruch ist von ihm nicht zu erwarten, davon zeugt schon seine technokratische Sprache.

Burkhard Günther (SPD) bricht aus dem üblichen Politiksprech kräftig aus und gibt sich bereit, ungewöhnliche Wege zu gehen. Der Erfolg dürfte allerdings vielfach ungewiss sein. Wer sagt, wenn die Verordnung nicht passe, müsse die Verordnung geändert werden, könnte schnell ernüchtert sein, wenn er feststellt, dass die Zuständigkeit beim Land liegt – und von Hille aus nicht zu ändern ist.

Henning Grinke (CDU) widersprach nie, war ausnahmslos mit seinen Konkurrenten einer Meinung, spendete ihnen sogar Applaus. Das wirkte menschlich sympathisch. Grinke beherrscht Schulterschlüsse. Eigene Marken setzte er dagegen nicht, was bei Wählern, die klare Kante mögen, nicht ankommen dürfte.

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