Glücksmomente: So ist es, eine Stammzellentransplantation zu bekommen Carsten Korfesmeyer Hille. Spricht Alina Flemming-Diekmeyer über die Zeit ihrer schweren Erkrankung, redet sie darüber sehr offen. 2000 diagnostizierten die Ärzte bei ihr eine Autoimmunkrankheit und aufgrund der damals hoch dosierten Medikamente wären lebenswichtige Organe wohl auf Dauer geschädigt worden. „Ich hätte damit höchstens 60 werden können“, sagt die Oberlübberin. Nur eine Stammzellentransplantation bot ihr die Chance auf Heilung. Doch dafür musste erst ihr „genetische Zwilling“ gefunden werden. Und die Chance, den zu treffen, gilt als schwierig. Doch sie begegnete ihm. Ein Glücksmoment. Drei Jahre liegt ihre Stammzellentransplantation inzwischen zurück. Alina Flemming-Diekmeyer hat ihre Krankheit besiegt und geht schon lange wieder ihrer Arbeit als Physiotherapeutin und Dozentin nach. Glücksmomente? „Die habe ich immer dann, wenn ich daran denke, wie gut es mir heute geht“, sagt die 29-Jährige im MT-Gespräch. Sie fühlt sich fit, hat körperliche Ausdauer und persönliche Ziele. Berufsbegleitend nimmt sie 2021 ein Studium auf und will sich darin der Gesundheitspsychologie und Medienpädagogik widmen. Später möchte sie damit Unternehmen unterstützen, wenn es um das seelische Gleichgewicht der Mitarbeiter geht. „Das ist ein Bereich, dem sich zum Glück inzwischen immer mehr Firmen stellen“, sagt sie. Spürbar ist die Energie der Frau, die sich auch als Motivatorin für Menschen sieht, die ein ähnliches Schicksal teilen. Ihren genetischen Zwilling wollte Alina Flemming-Diekmeyer unbedingt kennenlernen. Vor rund einem Jahr traf sie sich mit Andreas Kroogmann (57) in Baden-Baden, wo beide in der SWR-Fernsehsendung „Nachtcafé“ über ihre Zeit der Stammzellentransplantation sprachen. Auch diese Begegnung zählt zu ihren Glücksmomenten. Getroffen hatte sie sich mit dem Frankfurter schon Stunden vorher in einem Café. Ein „kitschiges Treffen im Studio“ wollten beide nicht und heute sind sie sich freundschaftlich sehr verbunden. „Ich spüre da eine tiefe Dankbarkeit“, sagt Alina Flemming-Diekmeyer. Dass sie sich mit Andreas Kroogmann erst nach zwei Jahren getroffen hat, liegt an den Regularien der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Die erlauben persönliche Kontakte erst 24 Monate nach der Stammzellentransplantation. Unter anderem deshalb, um beide emotional zu schützen und um sicher zu gehen, dass alles geklappt hat. Briefe durften sie sich allerdings schon vorher schreiben. Das taten sie oft. Zur routinemäßigen Nachuntersuchung nach Münster muss Alina Flemming-Diekmeyer inzwischen nur noch alle fünf Monate. „Anfangs waren es Intervalle von sechs Wochen“, erzählt sie. Dort trifft die Frau aus Oberlübbe oft auch auf Menschen mit ähnlichen Erkrankungen. Es falle ihr schwer, damit umzugehen und sie suche dann den schnellsten Weg aus der Klinik. „In diesen Momenten wird mir aber auch immer wieder klar, welch ein Glück ich doch hatte.“ Und gerade in solchen Situationen spüre sie es ganz besonders, wie wichtig und wertvoll die Gesundheit ist. Alina Flemming-Diekmeyer ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Ihr Optimismus ist ansteckend und die Gespräche mit ihr gehen oft in die Tiefe. An ihre frühere Erkrankung denkt sie im Alltag inzwischen nicht mehr so oft, ohne diese mit Absicht verdrängen zu wollen. Ganz bewusst geht sie mit der Zeit um, die sie als „besonders intensiv“ beschreibt und die sie auch entscheidend prägte. Besonders ihre Familie habe immer zu ihr gestanden, sie auf ihrem Weg begleitet und dass habe ihr so viel Kraft gegeben. Und selbstverständlich viele Glücksmomente ausgelöst. Gerne und oft ist Alina Flemming-Diekmeyer in der freien Natur unterwegs. Gegenüber dem MT erzählt sie von ihren längeren Spaziergängen am Kanal oder vorbei an der idyllischen Windmühle von Südhemmern. Hille sei landschaftlich reizvoll, erzählt sie. Wenn sie draußen ist, macht das nach ihren Worten auch den Kopf frei. Unweigerlich drängt sich die Frage auf, wie sie beruflich mit den Krankengeschichten ihrer Patienten umgeht. Fällt es ihr anhand der eigenen Geschichte womöglich auch mal schwer, das Jammern über ein einfaches Rückenleiden zu ertragen? Die Antwort kommt ruckzuck und beweist erneut ihre hohe Empathie. „Wenn jemand leidet, darf er darüber auch jammern“, sagt sie. Es sei nur menschlich, die eigenen gesundheitlichen Probleme als besonders emotional zu sehen. Da der größte Teil ihrer Patienten aber von ihrer früheren Erkrankung weiß, sei sie oft auch ein Vorbild dafür, wie man Wege aus der Krise findet. Insofern könne sie den Menschen in ihrem beruflichen Alltag auch darin eine Menge geben.

Glücksmomente: So ist es, eine Stammzellentransplantation zu bekommen

Alina Flemming-Diekmeyer lebt seit einiger Zeit in Oberlübbe. Oft und gerne hält sich die Physiotherapeutin an der Windmühle in Südhemmern auf. „Ich mag lange Spaziergänge", sagt die 29-Jährige. © Carsten Korfesmeyer

Hille. Spricht Alina Flemming-Diekmeyer über die Zeit ihrer schweren Erkrankung, redet sie darüber sehr offen. 2000 diagnostizierten die Ärzte bei ihr eine Autoimmunkrankheit und aufgrund der damals hoch dosierten Medikamente wären lebenswichtige Organe wohl auf Dauer geschädigt worden. „Ich hätte damit höchstens 60 werden können“, sagt die Oberlübberin. Nur eine Stammzellentransplantation bot ihr die Chance auf Heilung. Doch dafür musste erst ihr „genetische Zwilling“ gefunden werden. Und die Chance, den zu treffen, gilt als schwierig. Doch sie begegnete ihm. Ein Glücksmoment.

Drei Jahre liegt ihre Stammzellentransplantation inzwischen zurück. Alina Flemming-Diekmeyer hat ihre Krankheit besiegt und geht schon lange wieder ihrer Arbeit als Physiotherapeutin und Dozentin nach. Glücksmomente? „Die habe ich immer dann, wenn ich daran denke, wie gut es mir heute geht“, sagt die 29-Jährige im MT-Gespräch. Sie fühlt sich fit, hat körperliche Ausdauer und persönliche Ziele. Berufsbegleitend nimmt sie 2021 ein Studium auf und will sich darin der Gesundheitspsychologie und Medienpädagogik widmen. Später möchte sie damit Unternehmen unterstützen, wenn es um das seelische Gleichgewicht der Mitarbeiter geht. „Das ist ein Bereich, dem sich zum Glück inzwischen immer mehr Firmen stellen“, sagt sie. Spürbar ist die Energie der Frau, die sich auch als Motivatorin für Menschen sieht, die ein ähnliches Schicksal teilen.

Ihren genetischen Zwilling wollte Alina Flemming-Diekmeyer unbedingt kennenlernen. Vor rund einem Jahr traf sie sich mit Andreas Kroogmann (57) in Baden-Baden, wo beide in der SWR-Fernsehsendung „Nachtcafé“ über ihre Zeit der Stammzellentransplantation sprachen. Auch diese Begegnung zählt zu ihren Glücksmomenten. Getroffen hatte sie sich mit dem Frankfurter schon Stunden vorher in einem Café. Ein „kitschiges Treffen im Studio“ wollten beide nicht und heute sind sie sich freundschaftlich sehr verbunden. „Ich spüre da eine tiefe Dankbarkeit“, sagt Alina Flemming-Diekmeyer.

Dass sie sich mit Andreas Kroogmann erst nach zwei Jahren getroffen hat, liegt an den Regularien der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Die erlauben persönliche Kontakte erst 24 Monate nach der Stammzellentransplantation. Unter anderem deshalb, um beide emotional zu schützen und um sicher zu gehen, dass alles geklappt hat. Briefe durften sie sich allerdings schon vorher schreiben. Das taten sie oft.

Zur routinemäßigen Nachuntersuchung nach Münster muss Alina Flemming-Diekmeyer inzwischen nur noch alle fünf Monate. „Anfangs waren es Intervalle von sechs Wochen“, erzählt sie. Dort trifft die Frau aus Oberlübbe oft auch auf Menschen mit ähnlichen Erkrankungen. Es falle ihr schwer, damit umzugehen und sie suche dann den schnellsten Weg aus der Klinik. „In diesen Momenten wird mir aber auch immer wieder klar, welch ein Glück ich doch hatte.“ Und gerade in solchen Situationen spüre sie es ganz besonders, wie wichtig und wertvoll die Gesundheit ist.

Alina Flemming-Diekmeyer ist ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Ihr Optimismus ist ansteckend und die Gespräche mit ihr gehen oft in die Tiefe. An ihre frühere Erkrankung denkt sie im Alltag inzwischen nicht mehr so oft, ohne diese mit Absicht verdrängen zu wollen. Ganz bewusst geht sie mit der Zeit um, die sie als „besonders intensiv“ beschreibt und die sie auch entscheidend prägte. Besonders ihre Familie habe immer zu ihr gestanden, sie auf ihrem Weg begleitet und dass habe ihr so viel Kraft gegeben. Und selbstverständlich viele Glücksmomente ausgelöst.

Gerne und oft ist Alina Flemming-Diekmeyer in der freien Natur unterwegs. Gegenüber dem MT erzählt sie von ihren längeren Spaziergängen am Kanal oder vorbei an der idyllischen Windmühle von Südhemmern. Hille sei landschaftlich reizvoll, erzählt sie. Wenn sie draußen ist, macht das nach ihren Worten auch den Kopf frei.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf, wie sie beruflich mit den Krankengeschichten ihrer Patienten umgeht. Fällt es ihr anhand der eigenen Geschichte womöglich auch mal schwer, das Jammern über ein einfaches Rückenleiden zu ertragen? Die Antwort kommt ruckzuck und beweist erneut ihre hohe Empathie. „Wenn jemand leidet, darf er darüber auch jammern“, sagt sie. Es sei nur menschlich, die eigenen gesundheitlichen Probleme als besonders emotional zu sehen. Da der größte Teil ihrer Patienten aber von ihrer früheren Erkrankung weiß, sei sie oft auch ein Vorbild dafür, wie man Wege aus der Krise findet. Insofern könne sie den Menschen in ihrem beruflichen Alltag auch darin eine Menge geben.

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