Gekommen, um zu bleiben: Darum ist Pastor Dieter Maletz nach Oberlübbe gezogen Stefanie Dullweber Hille-Oberlübbe. Das meiste sei bereits verstaut, einiges müsse er aber noch in diversen Kisten suchen, sagt Dieter Maletz und bittet in sein Arbeitszimmer mit Blick ins Grüne. Gerade erst ist er in das Pfarrhaus an der Oberlübber Kirche gezogen. Schön ländlich sei es hier, aber trotzdem sei man gut angebunden. Warum er seinen Wohnort Minden verlassen hat, und wie ihn die Oberlübber und Unterlübber aufgenommen haben, erzählt der Pastor im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt. Gut eineinhalb Jahre war Dieter Maletz vertretungsweise für die Kirchengemeinde zuständig, jetzt ist er offiziell zum Nachfolger von Jens Brakensiek gewählt worden. Zum 1. September hat er seinen Dienst angetreten. „Und damit einher geht auch die Verpflichtung, im Pfarrhaus zu wohnen“, erklärt der Neu-Hiller, der sich laut eigener Aussage sehr wohl fühlt und bereits zu Fuß und mit dem Fahrrad die Umgebung erkundet hat.Bereits seit Oktober 2019 hat Dieter Maletz im Kirchenkreis Minden allgemeine Vertretungsaufgaben übernommen, unter anderem auch für die Diakonie Stiftung Salem. Nachdem Pastor Jens Brakensiek zum 1. Januar 2020 seine Versetzung in den Kirchenkreis Siegen beantragt hatte, war das Presbyterium zunächst in Sorge, wie es in der Gemeinde weitergeht. Doch der Übergang war fließend. Bereits am 29. Dezember 2019 hielt Dieter Maletz seine erste Predigt in der Oberlübber Kirche. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Er war gekommen, um zu bleiben.Unter anderem wegen der Pandemie hatte sich die Neubesetzung der Pfarrstelle an der Bergkante zunächst verzögert. Überhaupt habe Corona einen derben Einschnitt für das Gemeindeleben bedeutet. „Ostern und Weihnachten online zu feiern, ist nicht das gleiche wie in Präsenz“, sagt Dieter Maletz. Ihm habe vor allem an den hohen kirchlichen Feiertagen der Kontakt zu seiner Gemeinde gefehlt.Zwar seien die Kirche und der Altar geschmückt gewesen und es seien geistliche Impulse zum Mitnehmen ausgelegt worden. Aber: „In den letzten eineinhalb Jahren sind die Kontakte ausgedünnt.“ Als besonders schönes Erlebnis in der Weihnachtszeit sei ihm der Besuch eines Kirchenmusikers in Erinnerung geblieben. Der habe seine Eltern in Oberlübbe besucht und angefragt, ob er in der Kirche ein paar Stücke auf der Orgel spielen könne.Aktuell hat Dieter Maletz sein zweites Weihnachtsfest an der Bergkante vor Augen und diesmal sollen die Gottesdienste – wenn es nach ihm geht – wieder im gewohnten Rahmen ablaufen. Dass der gebürtige Westfale dauerhaft in der Kirchengemeinde bleibt, ist der Tatsache zu verdanken, dass Maletz sich bewusst auf die Stelle beworben hat. „Dass die Bewerber für eine Pfarrstelle auf dem Land nicht gerade Schlange stehen, ist – denke ich – kein Geheimnis“, sagt Maletz und ergänzt: „Das sind Liebhaberstellen.“ Er sieht das anders. Seine Überzeugung ist, dass es sich in Oberlübbe und Unterlübbe gut leben und arbeiten lässt.Der Stellenumfang richtet sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder. Die beläuft sich im Pfarrbezirk Oberlübbe-Unterlübbe auf rund 2.000 und das wiederum bedeutet eine Pfarrstelle mit 75 Prozent. Aufgestockt wurde diese um 25 Prozent Arbeitszeit in der Diakonie Stiftung Salem. Maletz hält beispielsweise Gottesdienste in der Wichernschule Minden sowie in anderen diakonischen Einrichtungen. Auch in der Notfallseelsorge ist er aktiv.Das Bewerbungsverfahren sah unter anderem einen Probegottesdienst vor, damit die Gläubigen wissen, was sie erwartet. „Das war in meinem Fall natürlich etwas skurril, aber das muss man mit Humor nehmen“, sagt Dieter Maletz. Seiner Kenntnis nach habe es einen weiteren Interessenten für die Stelle gegeben, der sich letztlich aber nicht beworben hat. Das Presbyterium, das in diesem Fall das letzte Wort hatte, wählte unter der Leitung von Superintendent Michael Mertins den Pfarrer, der zu diesem Zeitpunkt bereits in der Gemeinde angekommen war.„Die Menschen sind mir sehr freundlich und mit einer gewissen Neugier begegnet.“ Die Leute würden gerne und viel erzählen – in vielen Haushalten werde auch noch Plattdeutsch gesprochen. „Selber kann ich es nicht sprechen, aber verstehen. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung“, sagt der Pastor lachend. Er findet, es ist an der Zeit, dass Kirche wieder zu den Menschen kommt. Während der Pandemie habe er viele Gespräche an der Haustür oder am Küchenfenster geführt. Umso mehr hofft Dieter Maletz in den nächsten Wochen und Monaten auf möglichst viele Begegnungen.Die Kirchengemeinde Oberlübbe/Unterlübbe ist nicht seine erste Station, es soll aber seine letzte werden. Dieter Maletz ist in Halle geboren, in Bielefeld zur Schule gegangen. Studiert hat er zunächst in Bethel an der kirchlichen Hochschule, später in Heidelberg. Sein Vikariat absolvierte er in Beckum, ging anschließend für ein Jahr nach Lippstadt und von dort aus nach Höxter. Maletz war seit Oktober 2019 Pfarrer im Kirchenkreis Minden.Eigentlich hat der Pastor noch drei Berufsjahre vor sich, bevor er mit 66 Jahren in den Ruhestand gehen kann. Er habe jedoch eine Verlängerung beantragt, so dass er der Gemeinde noch fünf Jahre zur Verfügung steht – vorausgesetzt, die Gesundheit lasse dies zu. „Ich denke, das ist eine überschaubare und gut kalkulierbare Zeit.“Dieter Maletz schätzt laut eigenen Worten „die ganz normale Pastorenarbeit“, wie sie in Oberlübbe und Unterlübbe praktiziert wird. Seine Gemeinde bezeichnet er als „konservativ im besten Sinne des Wortes“. Dennoch seien die Menschen bereit, sich auf Neues einzulassen. Beispielsweise wenn er sonntagmorgens nicht von der Kanzel predigt, sondern irgendwo im Kirchenraum. „Manchmal sind die Leute davon ein bisschen irritiert.“ Aber die Kirche sei immer gut gefüllt. Maletz möchte auch über den Tellerrand schauen und sich aufgrund der schrumpfenden Gemeindegrößen auf Kooperationen mit den Nachbarn einlassen. „Wir sollten schauen, wo eine engere Zusammenarbeit gut und nötig ist.“

Gekommen, um zu bleiben: Darum ist Pastor Dieter Maletz nach Oberlübbe gezogen

Dieter Maletz hat sich bewusst für eine Pfarrstelle auf dem Land entschieden. Nachdem er zunächst die Vertretung in der Kirchengemeinde Oberlübbe/Unterlübbe übernommen hatte, bewarb er sich in diesem Jahr offiziell auf die frei gewordene Stelle. MT-Archivfoto: Stefanie Dullweber © x

Hille-Oberlübbe. Das meiste sei bereits verstaut, einiges müsse er aber noch in diversen Kisten suchen, sagt Dieter Maletz und bittet in sein Arbeitszimmer mit Blick ins Grüne. Gerade erst ist er in das Pfarrhaus an der Oberlübber Kirche gezogen. Schön ländlich sei es hier, aber trotzdem sei man gut angebunden. Warum er seinen Wohnort Minden verlassen hat, und wie ihn die Oberlübber und Unterlübber aufgenommen haben, erzählt der Pastor im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt.

Gut eineinhalb Jahre war Dieter Maletz vertretungsweise für die Kirchengemeinde zuständig, jetzt ist er offiziell zum Nachfolger von Jens Brakensiek gewählt worden. Zum 1. September hat er seinen Dienst angetreten. „Und damit einher geht auch die Verpflichtung, im Pfarrhaus zu wohnen“, erklärt der Neu-Hiller, der sich laut eigener Aussage sehr wohl fühlt und bereits zu Fuß und mit dem Fahrrad die Umgebung erkundet hat.

Bereits seit Oktober 2019 hat Dieter Maletz im Kirchenkreis Minden allgemeine Vertretungsaufgaben übernommen, unter anderem auch für die Diakonie Stiftung Salem. Nachdem Pastor Jens Brakensiek zum 1. Januar 2020 seine Versetzung in den Kirchenkreis Siegen beantragt hatte, war das Presbyterium zunächst in Sorge, wie es in der Gemeinde weitergeht. Doch der Übergang war fließend. Bereits am 29. Dezember 2019 hielt Dieter Maletz seine erste Predigt in der Oberlübber Kirche. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Er war gekommen, um zu bleiben.

Unter anderem wegen der Pandemie hatte sich die Neubesetzung der Pfarrstelle an der Bergkante zunächst verzögert. Überhaupt habe Corona einen derben Einschnitt für das Gemeindeleben bedeutet. „Ostern und Weihnachten online zu feiern, ist nicht das gleiche wie in Präsenz“, sagt Dieter Maletz. Ihm habe vor allem an den hohen kirchlichen Feiertagen der Kontakt zu seiner Gemeinde gefehlt.

Zwar seien die Kirche und der Altar geschmückt gewesen und es seien geistliche Impulse zum Mitnehmen ausgelegt worden. Aber: „In den letzten eineinhalb Jahren sind die Kontakte ausgedünnt.“ Als besonders schönes Erlebnis in der Weihnachtszeit sei ihm der Besuch eines Kirchenmusikers in Erinnerung geblieben. Der habe seine Eltern in Oberlübbe besucht und angefragt, ob er in der Kirche ein paar Stücke auf der Orgel spielen könne.

Aktuell hat Dieter Maletz sein zweites Weihnachtsfest an der Bergkante vor Augen und diesmal sollen die Gottesdienste – wenn es nach ihm geht – wieder im gewohnten Rahmen ablaufen. Dass der gebürtige Westfale dauerhaft in der Kirchengemeinde bleibt, ist der Tatsache zu verdanken, dass Maletz sich bewusst auf die Stelle beworben hat. „Dass die Bewerber für eine Pfarrstelle auf dem Land nicht gerade Schlange stehen, ist – denke ich – kein Geheimnis“, sagt Maletz und ergänzt: „Das sind Liebhaberstellen.“ Er sieht das anders. Seine Überzeugung ist, dass es sich in Oberlübbe und Unterlübbe gut leben und arbeiten lässt.

Der Stellenumfang richtet sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder. Die beläuft sich im Pfarrbezirk Oberlübbe-Unterlübbe auf rund 2.000 und das wiederum bedeutet eine Pfarrstelle mit 75 Prozent. Aufgestockt wurde diese um 25 Prozent Arbeitszeit in der Diakonie Stiftung Salem. Maletz hält beispielsweise Gottesdienste in der Wichernschule Minden sowie in anderen diakonischen Einrichtungen. Auch in der Notfallseelsorge ist er aktiv.

Das Bewerbungsverfahren sah unter anderem einen Probegottesdienst vor, damit die Gläubigen wissen, was sie erwartet. „Das war in meinem Fall natürlich etwas skurril, aber das muss man mit Humor nehmen“, sagt Dieter Maletz. Seiner Kenntnis nach habe es einen weiteren Interessenten für die Stelle gegeben, der sich letztlich aber nicht beworben hat. Das Presbyterium, das in diesem Fall das letzte Wort hatte, wählte unter der Leitung von Superintendent Michael Mertins den Pfarrer, der zu diesem Zeitpunkt bereits in der Gemeinde angekommen war.

„Die Menschen sind mir sehr freundlich und mit einer gewissen Neugier begegnet.“ Die Leute würden gerne und viel erzählen – in vielen Haushalten werde auch noch Plattdeutsch gesprochen. „Selber kann ich es nicht sprechen, aber verstehen. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung“, sagt der Pastor lachend. Er findet, es ist an der Zeit, dass Kirche wieder zu den Menschen kommt. Während der Pandemie habe er viele Gespräche an der Haustür oder am Küchenfenster geführt. Umso mehr hofft Dieter Maletz in den nächsten Wochen und Monaten auf möglichst viele Begegnungen.

Die Kirchengemeinde Oberlübbe/Unterlübbe ist nicht seine erste Station, es soll aber seine letzte werden. Dieter Maletz ist in Halle geboren, in Bielefeld zur Schule gegangen. Studiert hat er zunächst in Bethel an der kirchlichen Hochschule, später in Heidelberg. Sein Vikariat absolvierte er in Beckum, ging anschließend für ein Jahr nach Lippstadt und von dort aus nach Höxter. Maletz war seit Oktober 2019 Pfarrer im Kirchenkreis Minden.

Eigentlich hat der Pastor noch drei Berufsjahre vor sich, bevor er mit 66 Jahren in den Ruhestand gehen kann. Er habe jedoch eine Verlängerung beantragt, so dass er der Gemeinde noch fünf Jahre zur Verfügung steht – vorausgesetzt, die Gesundheit lasse dies zu. „Ich denke, das ist eine überschaubare und gut kalkulierbare Zeit.“

Dieter Maletz schätzt laut eigenen Worten „die ganz normale Pastorenarbeit“, wie sie in Oberlübbe und Unterlübbe praktiziert wird. Seine Gemeinde bezeichnet er als „konservativ im besten Sinne des Wortes“. Dennoch seien die Menschen bereit, sich auf Neues einzulassen. Beispielsweise wenn er sonntagmorgens nicht von der Kanzel predigt, sondern irgendwo im Kirchenraum. „Manchmal sind die Leute davon ein bisschen irritiert.“ Aber die Kirche sei immer gut gefüllt. Maletz möchte auch über den Tellerrand schauen und sich aufgrund der schrumpfenden Gemeindegrößen auf Kooperationen mit den Nachbarn einlassen. „Wir sollten schauen, wo eine engere Zusammenarbeit gut und nötig ist.“

Malina Reckordt

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