Geflügelpest: Ausgangssperre jetzt auch für Hühner, Enten und Co. Stefanie Dullweber Hille. „Wir müssen drinnen bleiben“, heißt es seit vier Wochen für Hühner, Enten, Gänse und Co. Auch den Tieren hat jetzt ein hoch ansteckendes Virus einen Lockdown beschert. Sie müssen wegen der Geflügelpest vorerst im Stall oder im überdachten Gehege bleiben. Geflügelzüchter erhalten die Auflagen über ihre Vereine. Problematisch seien Tierhalter, die diese Informationen nicht bekommen, sagt Bernd Rathert, Vorsitzender des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter. Viele wüssten nicht, dass ihr Hausgeflügel nicht mehr draußen herumlaufen darf. Die Hühnerhaltung sei seit Beginn der Pandemie förmlich explodiert, hat Rathert beobachtet. Einerseits freut ihn das, andererseits muss er immer wieder Menschen darüber aufklären, dass die Tiere alle drei Monate geimpft werden müssen. Außerdem muss der Bestand der Tierseuchenkasse gemeldet werden und die Besitzer müssen Buch darüber führen, an wen sie welche Tiere abgeben. „Da gibt es viel Unsicherheit und Unwissenheit“, weiß der langjährige Züchter. Die Vereine würden den Tierhaltern anbieten, ihre Tiere zu impfen. „Jeder Verein hat einen eigenen Impfwart“, sagt Rathert. Er würde jeden Besitzer von Geflügel ermuntern, in einen örtlichen Verein einzutreten. Dann könnten die Halter sich den Weg zum Tierarzt sparen und sich an den jeweiligen Impfwart wenden. „Die kleinste Impfmenge ist eine 1.000er-Dosis. Das ist für den einzelnen Züchter viel zu viel. Aber für einen ganzen Verein lohnt sich das.“ Rathert betont die gute Zusammenarbeit der Vereine mit dem Veterinäramt des Kreises. Deren Mitarbeiter würden die Geflügelzüchter immer rechtzeitig mit den nötigen Informationen versorgen. Im Gegenzug würden die Vereine ihre Züchter anhalten, andere Hühnerhalter über deren Pflichten aufzuklären und damit auch die Arbeit der Veterinäre unterstützen. Doch was müssen die Hühnerhalter eigentlich derzeit beachten? Nachdem sich die Vogelgrippe nach Informationen des NRW-Umweltministeriums über einen Betrieb bei Paderborn ausgebreitet hatte, ordnete die Behörde vor vier Wochen eine Aufstallpflicht an. Die Vogelgrippe kann neben Hühnern und Puten auch Enten, Gänse, Schwäne und andere Wasservögel gefährden. Das bedeutet, dass diejenigen, die Geflügel draußen halten, die Tiere in den Stall bringen müssen, oder unter einer Vorrichtung halten, die überdacht ist und eine Seitenbegrenzung hat, damit Wildvögel nicht eindringen können. Der Naturschutzbund (Nabu) kritisiert, dass offizielle Stellen stets auf die Verbreitung des Virus durch ziehende Wildvögel verweisen. Die Naturschützer vermuten den Ursprung des Virus jedoch in der Massentierhaltung. Die Rolle des internationalen Handels mit Hausgeflügel und der Entsorgung von Abfallstoffen aus der Massentierhaltung werde bei der Entstehung und Verbreitung der Geflügelpest und der daraus resultierenden Gefahr für Wildvogelbestände häufig verdrängt, schreibt der Nabu. Auch für Bernd Rathert ist die Massentierhaltung ein Indiz für den Ausbruch der Krankheit. Ob tatsächlich Wildvögel die Überträger seien, sei nicht zweifelsfrei geklärt. Er wirbt daher für eine artgerechte Haltung. Fest steht jedoch, dass das Hausgeflügel derzeit keinen Kontakt zu Wildvögeln haben darf. Das schreibt der Kreis Minden-Lübbecke vor. Für die Geflügelzüchter sei die aktuelle Stallpflicht kein Problem, sagt Rathert. „Zum einen haben wir ausreichend große Ställe und außerdem ist gerade Brutzeit, da sind die Tiere ohnehin im Stall.“ Bei ihm seien über Ostern rund 150 Küken geschlüpft, am nächsten Wochenende erwartet er weiteren Nachwuchs. In Zeiten, in denen eine Geflügelpest grassiert, sei es wichtig, die Tiere zu beobachten, um auf Auffälligkeiten reagieren zu können. Weiterhin rät der Kreis Minden-Lübbecke, den Personen- und Fahrzeugverkehr auf den Höfen und in den Stallungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es sollten Aufzeichnungen über Personen geführt werden, die Kontakt zum Geflügel, den Stallungen oder Vorratslagern für Futter haben. Der Zutritt zu den Stallungen habe nur in Schutzkleidung zu erfolgen. Es werde empfohlen, an den Stallzugängen Desinfektionseinrichtungen aufzustellen. Herkunft und Verbleib von Zu- und Verkäufen seien lückenlos zu dokumentieren. Für Friedrich Meyer, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Holzhausen II, sind die Maßnahmen nach vielen Jahren bereits Routine. „Wir mussten nur die Tür zumachen“, war der Hiller vorbereitet. Zwar sei es schöner für die Hühner, wenn sie im Grünen sein könnten, aber viele Züchter hätten in diesem Jahr aufgrund der Pandemie ohnehin weniger Tiere gezüchtet. „Wir wissen ja nicht, ob wir in diesem Jahr wieder ausstellen können. Die Geflügelpest ist irgendwann vorbei, aber Corona wird uns weiter begleiten.“ Glücklicherweise habe noch keiner seiner Vereinskollegen aufgegeben, berichtet Meyer. Im Gegenteil: Es seien sogar ein paar jüngere Leute dazugekommen. „Das ist eine Chance für unser Hobby, auch wenn diese Leute nicht zwingend in die Zucht einsteigen. Aber das Interesse ist da.“ Friedrich Meyer freut sich auf den Moment, wenn er die anderen Vereinsmitglieder endlich wieder treffen kann. Einige von ihnen hat er bereits seit einem Jahr nicht mehr gesehen. „Das wird spannend.“ Vor allem das Gesellige fehle ihm sehr. Das geht auch Herbert Rüter, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Mindenerwald, so. „Das Vereinsleben liegt brach.“ Sie alle würden auf den Spätsommer hoffen und darauf, dass die Ausstellungen dann wieder stattfinden könnten. Auch in Mindenerwald sind laut Rüter noch alle Züchter an Bord. „Aufgehört hat niemand.“ Die Auflagen durch die Geflügelpest findet er nicht problematisch. Bis Ende April, Anfang Mai könnten die Tiere problemlos im Stall gehalten werden. Ein wenig Hoffnung auf Ausstellungen noch in diesem Jahr macht Wolfgang Blase, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Minden. „Die Tendenz ist positiv, dass wir im Herbst ausstellen können“, sagt er im Gespräch mit dem MT. Geplant sei die Kreisschau für das zweite Novemberwochenende in der Bürgerhalle in Holzhausen II. Eine entsprechende Voranfrage sei bei der Gemeinde Hille gestellt worden. Sollte die Geflügelpest sich weiter ausbreiten, könnte das Auswirkungen auf Betriebe haben, die Geflügelfleisch und Eier verkaufen. Zunächst können sie laut Ministerium in Gebieten mit Stallpflicht weiterhin ihre Produkte aus Freilandhaltung beziehungsweise Ökolandbau vermarkten. Bei Geflügel aus Freilandhaltung ist dies auf zwölf Wochen beschränkt, Eier aus Freilandhaltung können trotz Aufstallungsanordnung für maximal 16 Wochen weiterhin als Freilandeier vermarktet werden.

Geflügelpest: Ausgangssperre jetzt auch für Hühner, Enten und Co.

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest Anfang März wurden allein in in Nordrhein-Westfalen bereits mehr als 200.000 Tiere getötet. Foto: Pixabay © Pixabay

Hille. „Wir müssen drinnen bleiben“, heißt es seit vier Wochen für Hühner, Enten, Gänse und Co. Auch den Tieren hat jetzt ein hoch ansteckendes Virus einen Lockdown beschert. Sie müssen wegen der Geflügelpest vorerst im Stall oder im überdachten Gehege bleiben. Geflügelzüchter erhalten die Auflagen über ihre Vereine. Problematisch seien Tierhalter, die diese Informationen nicht bekommen, sagt Bernd Rathert, Vorsitzender des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter. Viele wüssten nicht, dass ihr Hausgeflügel nicht mehr draußen herumlaufen darf.

Die Hühnerhaltung sei seit Beginn der Pandemie förmlich explodiert, hat Rathert beobachtet. Einerseits freut ihn das, andererseits muss er immer wieder Menschen darüber aufklären, dass die Tiere alle drei Monate geimpft werden müssen. Außerdem muss der Bestand der Tierseuchenkasse gemeldet werden und die Besitzer müssen Buch darüber führen, an wen sie welche Tiere abgeben. „Da gibt es viel Unsicherheit und Unwissenheit“, weiß der langjährige Züchter.

Die Vereine würden den Tierhaltern anbieten, ihre Tiere zu impfen. „Jeder Verein hat einen eigenen Impfwart“, sagt Rathert. Er würde jeden Besitzer von Geflügel ermuntern, in einen örtlichen Verein einzutreten. Dann könnten die Halter sich den Weg zum Tierarzt sparen und sich an den jeweiligen Impfwart wenden. „Die kleinste Impfmenge ist eine 1.000er-Dosis. Das ist für den einzelnen Züchter viel zu viel. Aber für einen ganzen Verein lohnt sich das.“


Rathert betont die gute Zusammenarbeit der Vereine mit dem Veterinäramt des Kreises. Deren Mitarbeiter würden die Geflügelzüchter immer rechtzeitig mit den nötigen Informationen versorgen. Im Gegenzug würden die Vereine ihre Züchter anhalten, andere Hühnerhalter über deren Pflichten aufzuklären und damit auch die Arbeit der Veterinäre unterstützen.

Doch was müssen die Hühnerhalter eigentlich derzeit beachten? Nachdem sich die Vogelgrippe nach Informationen des NRW-Umweltministeriums über einen Betrieb bei Paderborn ausgebreitet hatte, ordnete die Behörde vor vier Wochen eine Aufstallpflicht an. Die Vogelgrippe kann neben Hühnern und Puten auch Enten, Gänse, Schwäne und andere Wasservögel gefährden. Das bedeutet, dass diejenigen, die Geflügel draußen halten, die Tiere in den Stall bringen müssen, oder unter einer Vorrichtung halten, die überdacht ist und eine Seitenbegrenzung hat, damit Wildvögel nicht eindringen können.

Der Naturschutzbund (Nabu) kritisiert, dass offizielle Stellen stets auf die Verbreitung des Virus durch ziehende Wildvögel verweisen. Die Naturschützer vermuten den Ursprung des Virus jedoch in der Massentierhaltung. Die Rolle des internationalen Handels mit Hausgeflügel und der Entsorgung von Abfallstoffen aus der Massentierhaltung werde bei der Entstehung und Verbreitung der Geflügelpest und der daraus resultierenden Gefahr für Wildvogelbestände häufig verdrängt, schreibt der Nabu. Auch für Bernd Rathert ist die Massentierhaltung ein Indiz für den Ausbruch der Krankheit. Ob tatsächlich Wildvögel die Überträger seien, sei nicht zweifelsfrei geklärt. Er wirbt daher für eine artgerechte Haltung. Fest steht jedoch, dass das Hausgeflügel derzeit keinen Kontakt zu Wildvögeln haben darf. Das schreibt der Kreis Minden-Lübbecke vor.

Für die Geflügelzüchter sei die aktuelle Stallpflicht kein Problem, sagt Rathert. „Zum einen haben wir ausreichend große Ställe und außerdem ist gerade Brutzeit, da sind die Tiere ohnehin im Stall.“ Bei ihm seien über Ostern rund 150 Küken geschlüpft, am nächsten Wochenende erwartet er weiteren Nachwuchs. In Zeiten, in denen eine Geflügelpest grassiert, sei es wichtig, die Tiere zu beobachten, um auf Auffälligkeiten reagieren zu können.

Weiterhin rät der Kreis Minden-Lübbecke, den Personen- und Fahrzeugverkehr auf den Höfen und in den Stallungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es sollten Aufzeichnungen über Personen geführt werden, die Kontakt zum Geflügel, den Stallungen oder Vorratslagern für Futter haben. Der Zutritt zu den Stallungen habe nur in Schutzkleidung zu erfolgen. Es werde empfohlen, an den Stallzugängen Desinfektionseinrichtungen aufzustellen. Herkunft und Verbleib von Zu- und Verkäufen seien lückenlos zu dokumentieren.

Für Friedrich Meyer, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Holzhausen II, sind die Maßnahmen nach vielen Jahren bereits Routine. „Wir mussten nur die Tür zumachen“, war der Hiller vorbereitet. Zwar sei es schöner für die Hühner, wenn sie im Grünen sein könnten, aber viele Züchter hätten in diesem Jahr aufgrund der Pandemie ohnehin weniger Tiere gezüchtet. „Wir wissen ja nicht, ob wir in diesem Jahr wieder ausstellen können. Die Geflügelpest ist irgendwann vorbei, aber Corona wird uns weiter begleiten.“

Glücklicherweise habe noch keiner seiner Vereinskollegen aufgegeben, berichtet Meyer. Im Gegenteil: Es seien sogar ein paar jüngere Leute dazugekommen. „Das ist eine Chance für unser Hobby, auch wenn diese Leute nicht zwingend in die Zucht einsteigen. Aber das Interesse ist da.“ Friedrich Meyer freut sich auf den Moment, wenn er die anderen Vereinsmitglieder endlich wieder treffen kann. Einige von ihnen hat er bereits seit einem Jahr nicht mehr gesehen. „Das wird spannend.“ Vor allem das Gesellige fehle ihm sehr.

Das geht auch Herbert Rüter, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Mindenerwald, so. „Das Vereinsleben liegt brach.“ Sie alle würden auf den Spätsommer hoffen und darauf, dass die Ausstellungen dann wieder stattfinden könnten. Auch in Mindenerwald sind laut Rüter noch alle Züchter an Bord. „Aufgehört hat niemand.“ Die Auflagen durch die Geflügelpest findet er nicht problematisch. Bis Ende April, Anfang Mai könnten die Tiere problemlos im Stall gehalten werden.

Ein wenig Hoffnung auf Ausstellungen noch in diesem Jahr macht Wolfgang Blase, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Minden. „Die Tendenz ist positiv, dass wir im Herbst ausstellen können“, sagt er im Gespräch mit dem MT. Geplant sei die Kreisschau für das zweite Novemberwochenende in der Bürgerhalle in Holzhausen II. Eine entsprechende Voranfrage sei bei der Gemeinde Hille gestellt worden.

Sollte die Geflügelpest sich weiter ausbreiten, könnte das Auswirkungen auf Betriebe haben, die Geflügelfleisch und Eier verkaufen. Zunächst können sie laut Ministerium in Gebieten mit Stallpflicht weiterhin ihre Produkte aus Freilandhaltung beziehungsweise Ökolandbau vermarkten. Bei Geflügel aus Freilandhaltung ist dies auf zwölf Wochen beschränkt, Eier aus Freilandhaltung können trotz Aufstallungsanordnung für maximal 16 Wochen weiterhin als Freilandeier vermarktet werden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille