Frauensache: Der Schützenverein Südhemmern wird erneut von einer Königin regiert Stefanie Dullweber Hille-Südhemmern. Südhemmern kann Königinnen. Auf Nadine Kollmeier folgt bei „Felsenfest" Südhemmern mit Manuela Dullweber erneut eine Regentin. Das Königsschießen Anfang September war jedoch in mehrfacher Hinsicht besonders. Unter anderem ist Südhemmern der einzige Verein mit einer neuen Majestät – alle anderen Gruppen haben ihre Veranstaltungen bereits das zweite Jahr in Folge abgesagt. „Wir haben die Gelegenheit genutzt", sagt der Vereinsvorsitzende Wilhelm Riechmann, während er die Hauswand abmisst, an der am Samstag der Adler anschlagen wird. Nach einjähriger Coronapause hätten sie unbedingt etwas für ihre Vereinsmitglieder anbieten wollen. Und die aktuellen Regelungen hätten es möglich gemacht. „Wir sind mit unserem Königsschießen immer die letzten im Jahr. Das war in diesem Fall ein Vorteil." Um auf der sicheren Seite zu sein, hätten nur registrierte Vereinsmitglieder mitschießen dürfen und der Verein hätte auf die Einhaltung der 3G-Regeln bestanden. Auch das Ordnungsamt hatten die Verantwortlichen im Vorfeld kontaktiert. Noch vor Wochen wäre ein Königsschießen kaum vorstellbar gewesen – und das lag vor allem an den Corona-Beschränkungen. So durfte ein Gewehr, nachdem eine Person damit geschossen hat, 48 Stunden nicht benutzt werden, um eine Übertragung des Virus auszuschließen. „Wir haben es so geregelt, dass Angehörige einer Familie sich ein Gewehr teilen. Nach jedem Schuss haben wir das Gewehr zusätzlich desinfiziert", erklärt Wilhelm Riechmann. 36 Teilnehmer schossen – nicht wie sonst üblich – unter freiem Himmel auf den großen Holzadler, sondern im Schießstand mit dem Luftgewehr auf das etwas kleinere Modell. „Wir haben den Wettbewerb nach draußen übertragen. Wer nicht dran war, konnte das Schießen auf einem Fernseher verfolgen. Nur der Schütze und eine Aufsicht waren auf der Anlage", erklärt der Vorsitzende. „Die Übertragung war eine tolle Sache, gerade als es am Ende spannend wurde." Die Regeln waren jedoch die gleichen wie immer: Wer mitschießen möchte, zahlt drei Euro in die Kasse. Hat der Adler dann die Krone, das Zepter, den Apfel und beide Flügel verloren, wird es ernst. „Dann geht es darum, wer König wird", sagt Wilhelm Riechmann. Wer jetzt noch aus dem Wettkampf aussteigen möchte, zahlt weitere fünf Euro. „An der Stelle gehen die Diskussionen los und die Schützen stacheln sich gegenseitig an", weiß Riechmann und verrät: „Je später der Abend, desto mutiger die Schützen." Ab diesem Zeitpunkt kann es dann jederzeit so weit sein, dass der Adler fällt. „Du gibst dir nicht die Blöße und schießt daneben. Das würde ja jeder sehen", sagt Manuela Dullweber. Insgesamt gab es neben ihr weitere acht Anwärter auf den Titel, einer davon war ihr 17-jähriger Sohn Leon. „Wäre der Adler nicht bei mir gefallen, wäre er sicherlich König geworden. Streit innerhalb der Familie gab es deswegen aber nicht", sagt die Siegerin lachend. Manuela Dullweber führt mit ihrem Titel im Übrigen eine Familientradition fort. Ihre Mutter Veronika sei vor genau 30 Jahren die erste Regentin des Vereins gewesen, erzählt sie stolz. Die 40-Jährige gehört zu denjenigen, die den Generationswechsel im Schützenverein mit angeschoben haben. „Wir haben um die 60 Mitglieder. In den letzten Jahren haben sich einige Jüngere dem Verein angeschlossen", freut sich Wilhelm Riechmann. Sie selbst sei vor drei Jahren Mitglied geworden, erzählt Manuela Dullweber. „Zusammen mit einigen anderen Frauen haben wir uns die ’Gun-Girls’ genannt." Eigentlich sei sie damals nur Gast beim Schützenfest gewesen, aber dann sei die Idee entstanden, die ältere Generation zu unterstützen. „Es geht ja nicht nur um das Schießen. Du brauchst auch jemanden, der Kaffee kocht und eine Torte backt", sagt die gebürtige Südhemmeranerin. Und ein Dorf lebe nun einmal von dem Zusammenhalt der Vereine und dem Engagement seiner Mitglieder. Vor zwei Jahren habe sie dann zum ersten Mal am Königsschießen teilgenommen und auch um den Titel mitgeschossen, den sich seinerzeit Nadine Kollmeier sicherte. Deren Amtszeit endet offiziell am Samstag, wenn die neue Königin proklamiert wird. „Auch diese Veranstaltung werden wir vereinsintern abhalten", sagt Wilhelm Riechmann. „Wir wollen einfach das Beste daraus machen, ohne ein großes Risiko einzugehen." Dazu machen sich die Schützen am Samstag auf den Weg nach Nordhemmern, denn dort wohnt ihre neue Königin mittlerweile. Am Haus wird ein Holzadler montiert, damit für alle sichtbar ist, dass hier eine Schützenkönigin wohnt. Zusammen mit ihrem König Jens Koch ist die neue Majestätin dann bis zum nächsten Königsschießen im Amt. Und sie hat sogar noch mehr vor. „Ich hoffe, dass in diesem Jahr noch das Amtskönigsschießen mit allen Vereinen stattfindet. Diesen Titel würde ich auch gerne noch holen", hat Manuela Dullweber schon das nächste Ziel vor Augen. Im Profi Modus Ein "Durchgeblättert" von Stefanie Dullweber  Wenn ich als Hille-Redakteurin nicht über Freunde, Bekannte und Familie schreiben dürfte, wäre ich manchmal ganz schön aufgeschmissen. „Du kennst aber auch wirklich jeden", muss ich mir von meinen Kollegen regelmäßig anhören. Wenn Sie also in diesem Artikel eine Namensgleichheit feststellen – ja, die Schützenkönigin aus Südhemmern ist meine Schwägerin. Ist man aufgrund der Nähe automatisch voreingenommen? Ich denke nicht. Auch wenn wir die Akteure kennen, schalten wir bei Terminen in den Profi-Modus, stellen unsere Fragen und versuchen, eine für die Leser möglichst interessante Geschichte mitzubringen. Da kennt man keine Verwandten. Ich denke, so wie uns geht es auch anderen Berufsgruppen. Der Polizist darf kein Auge zudrücken, wenn ein Bekannter von ihm in eine Geschwindigkeitskontrolle rast. Der Arzt würde große Probleme bekommen, wenn er Patienten bevorzugt, nur weil er sie persönlich und gut kennt. Und auch der Rechtsanwalt sollte seinen Mandaten vor Gericht bestmöglich vertreten – ob er ihn mag oder nicht. Und so ist auch das Interview mit meiner Schwägerin ein Termin wie viele andere. In dem Sinne: Der Nächste, bitte.

Frauensache: Der Schützenverein Südhemmern wird erneut von einer Königin regiert

Das neue Königspaar vom Verein „Felsenfest“ Südhemmern: Manuela Dullweber und Jens Koch. Fotos: Privat © Privat

Hille-Südhemmern. Südhemmern kann Königinnen. Auf Nadine Kollmeier folgt bei „Felsenfest" Südhemmern mit Manuela Dullweber erneut eine Regentin. Das Königsschießen Anfang September war jedoch in mehrfacher Hinsicht besonders. Unter anderem ist Südhemmern der einzige Verein mit einer neuen Majestät – alle anderen Gruppen haben ihre Veranstaltungen bereits das zweite Jahr in Folge abgesagt.

„Wir haben die Gelegenheit genutzt", sagt der Vereinsvorsitzende Wilhelm Riechmann, während er die Hauswand abmisst, an der am Samstag der Adler anschlagen wird. Nach einjähriger Coronapause hätten sie unbedingt etwas für ihre Vereinsmitglieder anbieten wollen. Und die aktuellen Regelungen hätten es möglich gemacht. „Wir sind mit unserem Königsschießen immer die letzten im Jahr. Das war in diesem Fall ein Vorteil." Um auf der sicheren Seite zu sein, hätten nur registrierte Vereinsmitglieder mitschießen dürfen und der Verein hätte auf die Einhaltung der 3G-Regeln bestanden. Auch das Ordnungsamt hatten die Verantwortlichen im Vorfeld kontaktiert.

Noch vor Wochen wäre ein Königsschießen kaum vorstellbar gewesen – und das lag vor allem an den Corona-Beschränkungen. So durfte ein Gewehr, nachdem eine Person damit geschossen hat, 48 Stunden nicht benutzt werden, um eine Übertragung des Virus auszuschließen. „Wir haben es so geregelt, dass Angehörige einer Familie sich ein Gewehr teilen. Nach jedem Schuss haben wir das Gewehr zusätzlich desinfiziert", erklärt Wilhelm Riechmann.


36 Teilnehmer schossen – nicht wie sonst üblich – unter freiem Himmel auf den großen Holzadler, sondern im Schießstand mit dem Luftgewehr auf das etwas kleinere Modell. „Wir haben den Wettbewerb nach draußen übertragen. Wer nicht dran war, konnte das Schießen auf einem Fernseher verfolgen. Nur der Schütze und eine Aufsicht waren auf der Anlage", erklärt der Vorsitzende. „Die Übertragung war eine tolle Sache, gerade als es am Ende spannend wurde."

Vor Corona wurde in Südhemmern unter freiem Himmel auf einen Holzadler geschossen. In diesem Jahr wurde der Wettbewerb im Schießstand ausgetragen. - © Privat
Vor Corona wurde in Südhemmern unter freiem Himmel auf einen Holzadler geschossen. In diesem Jahr wurde der Wettbewerb im Schießstand ausgetragen. - © Privat

Die Regeln waren jedoch die gleichen wie immer: Wer mitschießen möchte, zahlt drei Euro in die Kasse. Hat der Adler dann die Krone, das Zepter, den Apfel und beide Flügel verloren, wird es ernst. „Dann geht es darum, wer König wird", sagt Wilhelm Riechmann. Wer jetzt noch aus dem Wettkampf aussteigen möchte, zahlt weitere fünf Euro. „An der Stelle gehen die Diskussionen los und die Schützen stacheln sich gegenseitig an", weiß Riechmann und verrät: „Je später der Abend, desto mutiger die Schützen."

Ab diesem Zeitpunkt kann es dann jederzeit so weit sein, dass der Adler fällt. „Du gibst dir nicht die Blöße und schießt daneben. Das würde ja jeder sehen", sagt Manuela Dullweber. Insgesamt gab es neben ihr weitere acht Anwärter auf den Titel, einer davon war ihr 17-jähriger Sohn Leon. „Wäre der Adler nicht bei mir gefallen, wäre er sicherlich König geworden. Streit innerhalb der Familie gab es deswegen aber nicht", sagt die Siegerin lachend. Manuela Dullweber führt mit ihrem Titel im Übrigen eine Familientradition fort. Ihre Mutter Veronika sei vor genau 30 Jahren die erste Regentin des Vereins gewesen, erzählt sie stolz.

Die 40-Jährige gehört zu denjenigen, die den Generationswechsel im Schützenverein mit angeschoben haben. „Wir haben um die 60 Mitglieder. In den letzten Jahren haben sich einige Jüngere dem Verein angeschlossen", freut sich Wilhelm Riechmann. Sie selbst sei vor drei Jahren Mitglied geworden, erzählt Manuela Dullweber. „Zusammen mit einigen anderen Frauen haben wir uns die ’Gun-Girls’ genannt." Eigentlich sei sie damals nur Gast beim Schützenfest gewesen, aber dann sei die Idee entstanden, die ältere Generation zu unterstützen. „Es geht ja nicht nur um das Schießen. Du brauchst auch jemanden, der Kaffee kocht und eine Torte backt", sagt die gebürtige Südhemmeranerin. Und ein Dorf lebe nun einmal von dem Zusammenhalt der Vereine und dem Engagement seiner Mitglieder. Vor zwei Jahren habe sie dann zum ersten Mal am Königsschießen teilgenommen und auch um den Titel mitgeschossen, den sich seinerzeit Nadine Kollmeier sicherte. Deren Amtszeit endet offiziell am Samstag, wenn die neue Königin proklamiert wird.

„Auch diese Veranstaltung werden wir vereinsintern abhalten", sagt Wilhelm Riechmann. „Wir wollen einfach das Beste daraus machen, ohne ein großes Risiko einzugehen." Dazu machen sich die Schützen am Samstag auf den Weg nach Nordhemmern, denn dort wohnt ihre neue Königin mittlerweile. Am Haus wird ein Holzadler montiert, damit für alle sichtbar ist, dass hier eine Schützenkönigin wohnt. Zusammen mit ihrem König Jens Koch ist die neue Majestätin dann bis zum nächsten Königsschießen im Amt. Und sie hat sogar noch mehr vor. „Ich hoffe, dass in diesem Jahr noch das Amtskönigsschießen mit allen Vereinen stattfindet. Diesen Titel würde ich auch gerne noch holen", hat Manuela Dullweber schon das nächste Ziel vor Augen.

Im Profi Modus

Ein "Durchgeblättert" von Stefanie Dullweber 

Wenn ich als Hille-Redakteurin nicht über Freunde, Bekannte und Familie schreiben dürfte, wäre ich manchmal ganz schön aufgeschmissen. „Du kennst aber auch wirklich jeden", muss ich mir von meinen Kollegen regelmäßig anhören. Wenn Sie also in diesem Artikel eine Namensgleichheit feststellen – ja, die Schützenkönigin aus Südhemmern ist meine Schwägerin.

Ist man aufgrund der Nähe automatisch voreingenommen? Ich denke nicht. Auch wenn wir die Akteure kennen, schalten wir bei Terminen in den Profi-Modus, stellen unsere Fragen und versuchen, eine für die Leser möglichst interessante Geschichte mitzubringen. Da kennt man keine Verwandten.

Ich denke, so wie uns geht es auch anderen Berufsgruppen. Der Polizist darf kein Auge zudrücken, wenn ein Bekannter von ihm in eine Geschwindigkeitskontrolle rast. Der Arzt würde große Probleme bekommen, wenn er Patienten bevorzugt, nur weil er sie persönlich und gut kennt. Und auch der Rechtsanwalt sollte seinen Mandaten vor Gericht bestmöglich vertreten – ob er ihn mag oder nicht. Und so ist auch das Interview mit meiner Schwägerin ein Termin wie viele andere. In dem Sinne: Der Nächste, bitte.

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